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Glaube setzt einen Vorschuss an Vertrauen voraus 666

Administrator Beiträge: 5386 Forumgründer *****
Glaube setzt einen Vorschuss an Vertrauen voraus
« am: Juli 29, 2011, 06:47:21 Nachmittag »
03] Es gibt aber, wohl von selbst verständlich, einen zweifachen Glauben; der wahre Lichtglaube besteht vor allem aber darin, daß man einem wahrhaftigen und tieferfahrenen Menschen sich ohne welche Zweifel anvertraut im Gemüte und das von ihm Gesagte dann auch als eine volle Wahrheit annimmt, wenn man dessen Tiefen auch nicht auf den ersten Moment überklar einsieht.
04] Denn sieh, wer die höhere Rechenkunde erlernen will, der muß im Anfange seines Erlernens einmal alles glauben; erst nach und nach, wenn er schon so recht in den Wert der Zahlen und Größen eingedrungen ist, fängt ein Beweis um den andern an, ihm so recht hell und klar zu werden. Und sieh, also ist es auch hier!
05] Wenn dir ein überaus wahrhaftiger Mensch etwas aus dem Bereiche seiner Erfahrungen mitgeteilt hat, so kannst du das Vernommene anfänglich nur allein glauben, aber nach dem Glauben auch gleich auf die angezeigte Art tätig werden, und du wirst dann aus der Tätigkeit in jenes Licht selbsterfahrlich eindringen, das dir nie durch eine noch so geordnete mündliche Erörterung hätte erschaulich werden können.
06] Es könnte sich jemand wohl die größte Mühe und Geduld nehmen und dir zum Beispiel die Stadt Rom beschreiben vom Kleinsten bis zum Größten, so würdest du dir dennoch nie von jener großen Weltstadt einen ganz anschaulich wahren Begriff zu machen imstande sein. Aber du hast den Worten des Erzählers einen vollen Glauben geschenkt, sie Erweckten in dir einen gar mächtigen Trieb, Rom persönlich zu sehen, und du suchtest nun mit allem Fleiße und Eifer eine Gelegenheit, nach Rom zu kommen. Die Gelegenheit ergab sich bald, du kamst nach Rom und stauntest nun ganz über die Stadt, sie zwar übereinstimmend mit der dir gemachten Beschreibung gefunden zu haben, - aber wie ganz anders als wie du es dir nach deiner Phantasie ausgemalt hattest, sah hernach das wirkliche Rom aus!
07] Aber hatte der Glaube an die dir früher gemachte getreue Beschreibung Roms bei der nachherigen wirklichen Anschauung dieser Stadt geschadet oder genützt? Offenbar nur überaus genützt! Denn fürs erste würdest du ohne solch eine vorhergehende Beschreibung wohl kaum je den Sinn, Rom zu besuchen, in dir haben wach werden lassen; und wärest du schon so etwa einmal ohne alle Vorkenntnis in diese große Stadt gekommen, so wärest du darin wie ein Blinder umhergegangen, hättest dich kaum jemanden zu fragen getraut, was etwa dieses und jenes sei, und hättest aus lauter Furcht und Langweile nur getrachtet, so schnell wie möglich diese Weltstadt hinter dem Rücken zu haben. Hättest du aber der getreuen Beschreibung gar keinen Glauben geschenkt, nun, da wäre sie ohnehin so gut wie gar keine gewesen, und ein halber Glaube ist um nicht viel besser als gar keiner; denn er belebt niemanden zur wahren und lebendigen Tat.

Aus dem Evangelium des Johannes, Band 5, Kapitel 213