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Vom Wesen der Hölle und himmlischer Gelassenheit 738

Administrator Beiträge: 5386 Forumgründer *****
Vom Wesen der Hölle und himmlischer Gelassenheit
« am: Oktober 05, 2011, 04:56:08 Nachmittag »
Spricht Helena: „O heiligster Vater, so sage mir denn, was hat es mit der Hölle, von der auf der Erde von den Geistlichen bei weitem mehr als von den Himmeln gepredigt wird, für eine Bewandtnis? Wer kommt eigentlich in die Hölle? Gibt es eine oder gibt es keine? Denn sieh, Du liebster Herr und Gott Jesus: Ich war auf der Welt doch gewiß schlecht genug, ein rechtes Wiener Früchtl, wie man nur eines suchen kann. Der Papst samt allen Geistlichen hätten mich ohne Gnade und Barmherzigkeit in die Hölle verdammt. Und trotz aller meiner Schlechtigkeit bin ich nun doch seligst bei Dir! Und so dürften noch so manche hier in Deiner heiligsten Gesellschaft sich des ewigen Lebens freuen, von denen auf der Erde so mancher Erzpapist sagen würde: ,Nein, diese Kerls sind sogar für die Hölle zu schlecht!‘ Und siehe, sie sind hier in Deinem Heiligtum und loben in ihrem Herzen Deine unendliche Güte, Weisheit, Macht und Stärke! Wie schlecht müssen sonach jene sein, die da in die Hölle kommen, so es überhaupt eine gibt!“

Rede Ich: „Meine liebste Helena, deine Frage ist nicht ohne Interesse, und die Beantwortung wird nicht ohne Nutzen sein. Aber anstatt dir darüber ein Langes und Breites zu erzählen, werde Ich dir ein höllisches Individuum vorführen lassen, das nun gerade auf dem Sprunge ist, in die Hölle zu kommen und auch sicher in die unterste, ärgste Hölle kommen wird. An diesem argen Wesen wirst du am einleuchtendsten ersehen, wer so ganz eigentlich in die Hölle kommt. Denn es gibt eine Hölle, die in drei Grade geschieden ist, der unterste ist der allerschlimmste. Und du wirst Mich dann loben, so du ersehen wirst, wer, wie und warum einer in die Hölle kommt. Fürchte dich aber nicht, der Arge wird sogleich da sein!“

Ich berufe darauf Petrus und Paulus zu Mir und sage: „Gehet hin und bringet Mir den Cado, der vor vierzehn Erdtagen in diese Welt kam! Es ist fürs erste sein Wunsch. Fürs zweite geschehe es, damit diesen neuen Brüdern auch der leiseste Schimmer der Meinung benommen werde, als stecke da hinter Mir trotz all Meiner Liebe etwas despotisch Tyrannisches. Also gehet hin und bringet ihn!“

Die beiden verschwinden plötzlich und sind im Augenblick bei dem berüchtigten Cado. Als sie sich so plötzlich bei ihm befinden, prallt er förmlich zurück und schreit: „Alle Teufel! Was sind denn das für zwei Bestien mit Menschenlarven? O du verfluchtes Bestienvolk, das wird mich noch an den Bettelstab bringen!“

Spricht Paulus: „Freund, wir kommen nicht, um von dir irgendein Almosen zu erbetteln. Dergleichen bedürfen wir nicht, da uns ohnehin alle Schätze der Himmel und der Erde zu Gebote stehen. Aber etwas anderes haben wir mit dir vor, was dir viel heilsamer wäre als alle Schätze der Erde. Und das besteht darin, dich, so noch möglich, vor dem ewigen Tode in der Hölle zu retten. Denn du warst auf der Erde ein vollendeter Teufel in Menschengestalt und sonach ein schon ganz höllisches Wesen. Nun stehst du in der Geisterwelt auf dem Sprung zur untersten Hölle, ja bist eigentlich deinem Inneren nach schon lange in ihr. So du es aber noch willst, haben wir die Macht, dich davor zu retten. Aber du mußt uns folgen und alles das willig tun, was wir dir anraten werden.“

Spricht Cado: „Was!? Was faselt ihr zwei Hauptspitzbuben da! Bin ich denn je gestorben? Bin ich etwa nicht mehr auf der Erde im Besitze aller meiner Güter, meines Goldes und Silbers? O ihr Canaillen! Auf welch eine feine Art ihr mir einige Goldstücke herauslocken möchtet für einen Himmel, den es nirgends gibt, und mich erretten von einer Hölle, die nichts ist als eine Erfindung arbeitsscheuer Pfaffen! Seht, daß ihr weiterkommt, sonst rufe ich alle meine Hausteufel zusammen und lasse euch mit Hunden hinaushetzen! Da schaue man einmal solche Lumpen an! Von der Hölle retten und den Himmel verschaffen könnten sie einem ums Geld! Schaut, daß ihr weiterkommt, sonst werde ich euch sogleich Himmel und Hölle austreiben!“

Spricht Paulus: „Freund, solche Rede ficht uns nicht an, und wir haben auch keine Furcht vor dir. Aber das sei dir gesagt: so du uns nicht gutwillig folgst, wirst du unsere Gewalt zum Verkosten bekommen! Denn für das ist schon gesorgt, daß dir auf dein Rufen keine Teufel zu Hilfe kommen. Wir wissen übrigens sehr wohl, wie du auf der Erde zu deinem Reichtum gekommen bist. Da waren wohl eine Menge hungriger Teufel in deinen Diensten, und ein Heer großer, reißender Hunde umlagerte dein Schloß, fiel Reisende an und hielt sie fest, bis deine Hausteufel kamen und sie um ein bedeutendes Lösegeld von den Bestien befreiten. Wohl bist du öfter verklagt worden; aber die Kläger richteten nichts aus, weil die Richter in deinem Solde standen. Wir könnten dir von deinen Räubereien vieles erzählen, aber am rechten Ort wirst du deine unmenschlichsten Greueltaten alle vor dir erschauen. Und es wird sich da zeigen, ob du vor ihnen Abscheu und eine wahre Reue bekommen wirst. Wirst du das, so bist du noch zu retten, wenn aber nicht, ist die unterste Hölle dein Anteil! Und nun komme mit uns gutwillig, sonst werden wir Gewalt brauchen!“

Schreit Cado: „Ihr Hunde wollt mir Gewalt antun? Alle Teufel herbei!! Wir wollen sehen, wie weit ihr mit eurer Gewalt ausreichen werdet!“ Er harrt eine Weile unter gräßlichem Zähneknirschen auf seine Hausteufel, aber es kommt niemand und kein Gebell irgendeines Hundes läßt sich vernehmen. Auch sein Schloß, das er bisher noch immer wie auf der Welt als sein vermeintliches Eigentum vor sich sah, fängt an ganz nebelig zu verrinnen gleich einer Eisblume auf einer Glasscheibe, die von erwärmter Luft bestrichen wird.

Als Cado solches nun zu merken beginnt, schreit er auf: „Verrat, Verrat! Ihr elenden Hunde, ihr habt mir etwas angetan! Weichet von mir, ihr Hunde!! Bei allen Teufeln, ich will euch nicht folgen! Ihr seid ein paar Zauberer, ihr habt meine Sinne verhext! Hinweg von mir, ihr Höllenhunde!!“

Bei diesen letzten Ausrufen aber befindet sich Cado schon vor Mir und der Helena wie auch vor all den anderen Gästen, ohne aber außer Petrus und Paulus irgendwen von uns zu sehen. Helena erschrickt vor ihm, da er vor Zorn förmlich glüht und dampft, aber Ich stärke sie, daß sie ihn ruhiger betrachten kann. – Ich gebe nun Petrus einen Wink, mit Cado einen Bekehrungsversuch zu machen und ihn auf Augenblicke paradiesische Gegenden schauen zu lassen.

Petrus beginnt sogleich äußerst weise und sanfte Worte an Cado zu richten und sagt: „Freund Cado, sei vernünftig! Sieh, die Erfahrung muß dich ja belehrt haben, daß auf der Erde alle Güter eitel und bald vergänglich sind, und daß am Ende der Reichste wie der Ärmste das gleiche Los des Sterbens miteinander teilen. Alles Fleisch muß sterben, alle Materie vergehen, nur der inwendige Geist bleibt unverwüstbar! Sieh, du bist dem Leibe nach gestorben und lebst jetzt nur in deiner mit Geist erfüllten Seele unverwüstbar fort. Hänge daher nicht mehr an dem, was für ewig vergangen ist. Bekenne aber deine großen Weltschulden, und wir wollen für dich Zahler sein und dich dann aufnehmen in unsere wahre und für ewig beständige Welt, in der es dir nimmer an irgend etwas gebrechen soll. Da siehe hin gen Morgen! Jene herrlichen Ländereien und Paläste sind unser, und du sollst sie haben! Aber deine Schulden mußt du uns bekennen, auf daß wir sie auf uns nehmen können!“

Cado sieht flüchtig hin und beschaut die herrlichen Ländereien: Nach einer Weile sagt er höhnisch: „Wisset, Mäuse und Ratten fängt man am leichtesten mit einem Köder. Manche Narren zahlen doppeltes Eintrittsgeld ins Theater, so ihnen ein Zauberkünstler Nebelbilder zeigt. Aber so ein dummer Hecht bin ich nicht, daß ich sogleich in die Angel bisse! Glaubst du, dummer Tagdieb, ich werde deinem Blendwerk Beifall zollen? Ich weiß es, was und wer du bist, und kenne auch mich sehr genau. Außer dem Leibe bin ich um so freier und werde tun, was mich freut. Aber ein dummer Jude wird mir nie ein Wegweiser sein! Verstehst du dieses, dümmster Esel? Was fragst du denn nach meinen Schulden auf der Erde? Bist du so mächtig und allweise, wirst du ja doch schon lange erfahren haben, worin sie bestehen! Berichtige sie dann auch, wenn du schon so eine Lust zum Schuldenzahlen für andere hast! – Was gehen dich überhaupt meine Verbrechen an? Habe ich dich denn um deine je gefragt? Schaut, daß ihr bald weiterkommet, sonst werdet ihr an mir den rechten Teufel finden! Habe ich euch etwa angerufen gleich einer alten Betfrau? Nein, das tut ein Cado, der Schrecken der Wüste Armeniens, nimmer! Cado ist ein Herr, und die Erde bebt vor seinem Namen! Aber euer Jehova ist ein Bettler und ein Hauptpfuscher in allen Dingen! Glaubst du, ein Cado kennt etwa den Jehova nicht und seine ans Kreuz gehängte Jesus-Pfuscherei? Oh, ein Cado kennt alles, sogar seine ganze Lehre kennt er besser als du, der du sein Fels hättest sein sollen für alle Zeiten. Aber der Fels ist anstatt aus fester Steinmasse aus Schafbutter angefertigt worden und daher auch zerronnen. Und so ist von diesem Felsen auch nichts anderes übriggeblieben als dessen nichtssagender Name und eine Menge hölzerner Statuen, Bilder und falscher Reliquien! Du bist der Peter und dein Begleiter ist der etwas gescheitere Paul oder Saul (der letzte Name dürfte der richtige sein!). Sagt mir lieber, was es denn mit euerem Meister in dieser Geisterwelt für eine Bewandtnis hat! Richtet er noch fleißig die Toten und die Lebendigen? Ist er auch so dumm wie ihr beide?“

Spricht Petrus: „Der hat uns eben an dich abgesandt, daß wir dich vor dem ewigen Untergang erretten sollen!“ – Spricht Cado: „Warum ist er nicht lieber selbst gekommen? Er hat sich vielleicht bei den Gerichten verkühlt und hat darauf einen Schnupfen bekommen und wird jetzt nicht ausgehen können? Daher hat er euch wahrscheinlich an mich abgesandt, auf daß ihr mich erwärmen sollt durch euren starken Atem! Aber Cado ist kein Schaf, wie es der zu Bethlehem geborene Messias der Juden war, darum ihm denn auch seine Landsleute am Kreuze ihre Ehre bezeugt haben. O ihr dummen Schöpse! Meint ihr denn, daß ein Cado sich auch bei der Nase herumziehen läßt wie irgendein hungriger Jude? O weit geirrt, meine lieben Schafe Gottes! Cado ist ein Löwe und nimmer ein Gottesschaft! Versteht ihr das? – So ihr zu euerm Meister kommt, richtet ihm einen schönen Gruß aus von mir und saget ihm, daß es mir sehr leid tut, daß er auf der Erde kein Cado, sondern ein ganz gewöhnliches Schaf war!“

Spricht Petrus: „Freund, auf diesem Wege wirst du nicht weiter kommen. Dein Weg führt zur Hölle und zur ewigen Qual aus dir selbst, denn du bist verdorben bis in die innerste Faser deines Lebens! Damit du aber weißt, wer nun Jesus der Gekreuzigte ist, war und ewig sein wird, so sage ich dir als einer Seiner getreuesten Zeugen: Er ist Gott, der Einige und Alleinige, der Ewige, ein Herr und Meister, heilig in der ewigen Unendlichkeit! Er allein kann dich erhalten, aber auch fallen lassen für ewig. – Sieh noch einmal gen Morgen hin den Himmel offen, aber siehe auch gen Mitternacht der Hölle Rachen weit aufgetan: Wohin willst du ziehen? Kein Gott wird dich richten und kein Engel und wir beide auch nicht. Aber dein Wille sei dein Richter!“

Spricht Cado: „Also dort der sogenannte Himmel und da gegen Mitternacht die romantische Hölle! So, so, das ist sehr schön. Was kostet denn dieses von euch hergezauberte Spektakel? Ihr seid ja ein paar Magier höchster Art! Sagt mir, ist die Hölle nach altjüdischer Art oder römisch-katholisch, griechisch, türkisch oder indisch? Der Himmel ist wohl persisch?“

Spricht Petrus: „Cado, Cado! Du bist ein frecher Geist und treibst schnöden Unfug mit der unendlichen Güte und Erbarmung Gottes! Sieh, wir sind dir wohlwollend gut und bereit, dir jeden nach der Ordnung Gottes ersprießlichen Dienst zu leisten. Wir haben dich noch mit keinem harten Wort beleidigt, außer daß wir dir zeigten, wie es der Urgerechtigkeit Gottes gegenüber mit dir steht. Und du bist wie ein wütender Tiger gegen uns entbrannt! Warum denn das, Freund? Sei doch gegen uns in deiner Ohnmacht so, wie wir im Besitze aller Macht aus Gott gegen dich sind. Wir werden uns dann leichter verständigen als bisher. Glaube mir, der ich dich durch und durch kenne, daß es mit dir wahrlich äußerst schlecht steht aus der bösesten Liebe deines Herzens! Du kannst dir ewig nimmer helfen. Aber so du vor uns deine Missetaten bekennst und dein Herz vor uns auftust, setzt du uns dadurch instand, daß wir dein Herz ausfegen können. Verschließt du es aber stets mehr vor uns, so wird dein arger Unflat im Herzen erstarren und es wird nimmer möglich sein, dich zu erretten vor dem ewigen Tode! Cado, bedenke doch diese heilsamsten und freundlichsten Worte!“

Spricht Cado: „Ich bitte euch, ersparet euch jede Mühe und ärgert mich nicht vergeblich! Habt ihr denn nie gehört, daß jene, die schon von Kindheit an gewohnt sind zu herrschen, nimmer gehorchen können und wollen? Ihr könnet von mir nur im Wege meiner Gnade und Großmut etwas erreichen, aber auf dem Wege eures Rates ewig nichts! Ein rechter König darf sich niemals raten lassen, so er sein gebieterisches Ansehen behaupten will. Er muß allezeit herrschen!“

Spricht darauf abermals Petrus: „Aber du warst doch dein ganzes irdisches Leben hindurch kein König! Wie kannst du da sagen, daß du schon von der Wiege an zum Herrschen geboren gewesen wärest? Du warst nichts als ein Beduinenhäuptling, und das nur in den letzten Jahren deines Lebens. Früher warst du ein Schafhirte und daneben ein Helfershelfer deiner löblichen Vorgänger. Erst durch die schmähliche Heirat mit der ältesten Beduinenhäuptlingstochter bist du zum Häuptling erhoben worden. Du hast somit auf der Erde lange blindlings gehorchen müssen und hast erst in den letzten Jahren eine schnöde Herrschaft über dein lumpigstes Räubergesindel und deine Bluthunde ausgeübt. Und so meine ich, daß dir das Herrschen eben nicht in dem Grade angeboren sein möchte, wie du es uns gesagt hast!“

Spricht Cado: „Das ist gleich! Was ich nicht will, das will ich durchaus nicht! Ihr möget selbst Götter sein, so werdet ihr mich doch so lange nicht auf eine andere Idee bringen, bis ihr mir ein anderes Herz und einen andern Willen einhauchen werdet. Glaubt ihr denn, daß ich die Hölle fürchte? Oh, da irret ihr euch sehr! Einem allmächtigen Gott gehorchen kann jeder feige Esel; aber Gott den hartnäckigsten Trotz bieten und alle seine Weisheit zuschanden machen, das kann nur ein starker Geist, der auch vor der ärgsten Hölle keine Furcht kennt. Werft mich in kochendes Erz, und ich werde euch im höchsten Brandschmerze dieselbe Antwort erteilen. Denn groß ist der Geist, der seinen Schöpfer auch unter den größten Schmerzen verachten kann! – Welchen Dank soll ich dem Schöpfer auch schuldig sein? Ich bin nur dann gegen jemanden zu Dank verpflichtet, so er mir das tat, um was ich ihn ersucht habe. Den Schöpfer aber habe ich sicher nie ersucht, daß er mich hätte erschaffen sollen. Er hat es eigenmächtig getan! Es ist dann Schande genug für seine angepriesene höchste Weisheit und Macht, daß er an mir eine barste Pfuscherei von einer Schöpfung zuwege gebracht hat. Oder vielleicht muß ich wegen der Erhaltung des Ganzen gerade so sein, wie ich bin? Ihr werdet daher weder auf die eine noch auf eine andere Art mit mir etwas ausrichten. Seht daher, daß ihr weiterkommt!“

Hier wird Cado ganz schwarz und seine Gestalt entsetzlich häßlich, so daß Helena sich sehr zu fürchten anfängt. Seine Augen werden glühend wie die eines wütenden Hundes und er macht Miene, die beiden Apostel anzufallen. Aber Petrus sagt zu ihm: „Im Namen Jesu gebiete ich dir, daß du dich vor uns ruhig verhältst, sonst sollst du die Schärfe des Gotteszornes zum Verkosten bekommen, sobald du wagst, nur einen Finger gegen uns zu heben!“

Cado bebt nun vor Wut und wird in seinem Innersten ganz glühend, äußerlich aber aller Kleidung bar. So steht er häßlichsten Anblickes vor uns, ohne jedoch unser ansichtig werden zu können.

Ich frage nun Helena: „Nun, geliebte Tochter, was sagst du zu dieser Seele? Findest du, daß von Meiner Seite auch nur im geringsten etwas unterlassen worden sei, das für ihre Rettung zu tun wäre? Du sagst in deinem edlen Herzen ein Nein! Und so ist es auch. Es ist bei diesem Geiste alles aufgeboten worden, was nur immer als ein Meiner Liebe entsprechendes sanftes Mittel gedacht werden kann, aber ohne den geringsten Erfolg. Dieser Geist wurde sozusagen auf den Händen getragen. Starke Engel wurden zu seiner Bewahrung beordert. Aber sein Wille, der frei bleiben muß, war stets mächtiger als Meine Liebefesseln. Er zerriß sie alle und spottete ihrer allzeit gräßlich. Es fehlte ihm nicht an der Erkenntnis: er kennt jeden Buchstaben der Schrift und hatte sogar das Vermögen, mit der gesamten Geisterwelt zu verkehren. Er kennt Mich und Meine Göttlichkeit und kann doch Meiner spotten. Für ihn ist jeder Herrscherstuhl ein Fluch, so er ihn nicht sein eigen nennen kann. Ein Greuel ist für ihn jedes Gesetz, das nicht er gegeben. Er kennt nur seinen Willen, und der Wille eines andern ist für ihn ein Verbrechen. Sage Mir, was kann da Meine Liebe noch ausrichten bei solch einem Wesen?“

Spricht Helena: „Ach du großer, lieber, heiliger Vater! Solch ein Wesen verdient eine fernere Gnade nimmer von Dir; wohl aber so lange eine gerechte Züchtigung, bis es in aller Demut zu Kreuze kriechen wird.“

Rede Ich: „Wäre alles recht, so die Züchtigung von Mir ausgehend nicht auch schon ein Gericht wäre! So Ich die Menschen ihrer großen Bosheit wegen züchtige, muß die Züchtigung ja so gestellt sein, daß sie als eine natürliche Folge der Böswilligkeit erscheint. Gleichwie sich jemand selbst einen Schlag versetzt und der darauf folgende Schmerz als eine notwendige und ganz natürliche Folge seines Tuns sich darstellen muß. Und so muß jede von Mir ausgehende Züchtigung beschaffen sein, wenn durch sie die Freiheit des Geistes und der Seele nicht untergraben werden soll.

So darf auch bei diesem argbösen Geiste keine andere Züchtigung angewendet werden, als die er sich selbst aus seinem höchsteigenen bösen Willen, der Ausgeburt seiner Liebe, geben wird. Wenn er dann aus solch eigener Schöpfung den Schmerz satt bekommen und sich gewisserart selbst ersticken wird in seiner Wut, dann erst wird es wieder möglich sein, sich ihm auf einem gelinderen Wege zu nahen. Er kommt somit nach und nach in die unterste und allerärgste Hölle – aber nicht etwa von Mir dahin verdammt, sondern durch sein eigenes Wollen. Denn er schafft sich diese Hölle selbst aus seiner Liebe! Was aber jemandes Liebe ist, das ist auch sein Leben, und dieses darf ihm nimmer genommen werden!“

Spricht Helena: „Aber Herr, Du allein wahrste und vollkommenste Liebe und Erbarmung! So er dann in solcher bösesten Liebe verharrt und Dir zum Trotze lieber ewig das Ärgste erleidet, als seinen starren Willen zu beugen unter Deinen sanftesten – was dann mit solch einem Geiste? Wäre denn bei solch ganz argen Geistern nicht ein glimpfliches Gericht in nützliche Anwendung zu bringen? Der Geist würde sich mit der Zeit vielleicht daran gewöhnen und am Ende daraus eine Tugend machen, wie es zu Zeiten auch auf der Welt der Fall war.

Zum Beispiel: eine Dirne findet Versorgung in einem eingezogenen Hause mit der Weisung, sich von nun an so zu betragen, als wäre sie in einem strengen Kloster. Das ist für eine rechte Nachtwandlerin sicher ein kleines Gericht. Sie überlegt sich die Sache wohl eine Weile. Aber da der Vorteil eines guten, geregelten Lebens doch sehr anspricht, läßt sie sich gerne das Gericht gefallen, gewöhnt sich endlich an die Ordnung, wird darauf eine ganz züchtige Person und bleibt und stirbt dann auch als solche! Und so meine ich denn, daß so etwas vielleicht bei Cado auch der Fall sein könnte.“

Rede Ich: „Ja, Meine geliebte Helena, das ist bei diesem Geiste schon auf allerlei Art und Weise angewendet worden, leider aber allzeit ohne den geringsten Erfolg. So bleibt uns nun nichts mehr übrig, als ihn sich selbst zu überlassen. Will er durchaus die Hölle, so genieße er sie denn in aller Fülle. Dem, der etwas Böses selbst will, geschieht auch für ewig kein Unrecht. Wer in der Hölle verharren will, der verharre! Ich werde keinen bei den Haaren herausziehen wider seinen Willen. So ihm die Geschichte dann doch einmal zu derb wird, wird er sich schon von selbst einen Weg daraus bahnen. Macht ihm aber die Hölle Freude und ist ihm die ewige Nacht lieber als das alles beseligende Licht, so wähle er das, was ihm Freude macht! Bist du damit einverstanden?“

Spricht Helena: „Herr, du bester Vater! Jetzt vollkommen! Habe auch gar kein Mitleid mehr mit solch einem dümmsten Esel. Aber was wird mit diesem Teufel jetzt geschehen?“ – Rede Ich: „Das wirst du gleich sehen. Ich werde nun den beiden Aposteln einen Wink geben, ihn völlig freizulassen und ihn – aber nur in seiner Sphäre – tun zu lassen, was er will. Du wirst dann schon sehen, was es da mit diesem Geiste für einen weiteren Fortgang nehmen wird.“

Ich gebe nun den beiden den vorbezeichneten Wink. Und Petrus sagt zu Cado: „Da wir beide uns zur Genüge überzeugt haben, daß du dich durch uns nicht für die Himmel Gottes vorbereiten lassen willst, so gehe von hinnen und tue, was dir Freude macht! Denn das will auch dein Gott und unser Gott Jesus Jehova Zebaoth! Von nun an wird Gott keine Boten mehr an dich absenden. Wir beide waren die letzten!“ – Nach diesen Worten werden die beiden für ihn unsichtbar, während er selbst allen Anwesenden wohl sichtbar wie auch mit jeglichem Gedanken und Worte vernehmbar bleibt.

Als Cado sich nun allein befindet, sagt er bei sich: „Dank der Hölle, daß ich diese beiden Luder endlich losgeworden bin! Ha, da seh ich ja Bekannte, mehrere meiner Gesellen, ja sogar meinen einstigen Häuptling! Das wird ein Jubel sein, so wir zusammenkommen und uns leicht wiedererkennen! Sehen doch noch alle wie auf der dummen Welt aus!“

Die Schar nähert sich ihm stets mehr und mehr, und sein vormaliger Häuptling stürzt mit großer Hast auf ihn los, packt ihn an der Kehle und schreit fürchterlich: „Ha! Schurke! Elender Hund! Bist du endlich hier, damit ich dir's zahle, daß du dir durch ein schändliches Mittel meine Königstochter zum Weib verschafft hast! Warte, du elender Schurke, diese Schmach sollst du mir nun in einem Schwitzbade büßen, daß dir darob Hören und Sehen vergehen wird! Unbeschreibliche Schmerzen sind mir hier zugefügt worden durch Flammen und Glut. Aber keiner ärger als der, daß ich hier am Orte der Qualen und Schrecken erfahren mußte, daß ein gemeinster Hund meine erhabene Königstochter sich zum Weibe gemacht hat. Aber dafür sollst du Hund auf eine Art gezüchtigt werden, wovon der ganzen Hölle noch nie etwas geträumt hat!“

Auf diese Worte macht Ludwig Bathianyi folgende Bemerkung zu Dismas, Pater Thomas und dem General: „Nun, das ist ein löblicher Empfang! Der König-Häuptling scheint auch ein ganz starker Kerl zu sein, denn Cado kann sich trotz all seines Ringens aus den Krallen seines Häuptlings nimmer loswinden. Nun kommen auch dessen Helfershelfer herbei, und – o verflucht! – nein, da vergeht wahrhaft dem beherztesten Geiste Hören und Sehen! Mit glühenden Stricken umwickeln sie ihn nun wie die Spinne mit ihrem Fadenschleim eine Fliege. Cado raucht nun von allen Seiten und schreit erbärmlich um Hilfe. O Herr, das ist gräßlich! Da, sehet hin, wie sie ihn vor sich stoßen und hinwälzen! Und dort im finstersten Hintergrund sehe ich einen Thron wie von weißglühendem Metall. Gegen diesen Thron wälzen sie stets heftiger den sehr zu bedauernden Cado. Was wird denn da geschehen? Sollte etwa da das verheißene Schwitzbad sein? O Herr, gar sehr bitte ich dich, vergib mir meine Sünden! Aber das ist zu arg! Sie stellen ihn richtig auf den Thron hinauf, von dem nun auf allen Seiten lichterlohe Flammen schlagen. Und er wird extra noch mit glühenden Ketten gefesselt. – Oh, dies schaudererregendste Schmerzgeheul des geknebelten Cado! Herr, willst Du mir so viel Macht einräumen, daß ich hingehe und den Cado frei mache? – Und da kommen andere mit glühenden Spießen und fangen an, von allen Seiten ihn zu durchstoßen! Von jeder Wunde fließt eine gräßlich dampfende Glühmasse! Herr, ich bitte Dich, gib mir Macht und laß mich hineilen, diesen wahrhaftig ärmsten Teufel zu befreien!“

Rede Ich: „Lasse das gut sein und sei froh, daß zwischen uns und ihnen eine unübersteigliche Kluft gestellt ist – sonst würden auch die Auserwählten zur Qual kommen. Warte aber nur ein wenig ab! Bald wird diese Sache ein anderes Gesicht bekommen. Denn der zu große, unausstehliche Schmerz wird Cado bald zum Meister seiner Fesseln machen. Dann wirst du den zweiten Akt eines höllischen Dramas zu Gesicht bekommen.“

Spricht Bathianyi: „Herr, ich bin schon mit diesem über alle Maßen zufrieden und auch alle anderen hier. Auch die liebste Helena scheint mehr als genug zu haben!“ – Spricht Helena ganz erschüttert: „Übergenug! Denn das ist gräßlich, übergräßlich!“

Rede Ich: „Meine lieben Kindlein, ihr müßt das sehen, damit ihr vollkommen rein werdet. Denn ein jeder Engel muß auch die Hölle kennen, wie sie beschaffen ist und was da für Früchte aus ihrer bösen Liebe erwachsen. Denket nicht, Ich ließe so etwas aus einer Art Zorn und Rache geschehen. O das ist ferne Meinem Vaterherzen! Aber ihr wisset, daß ein jeglicher Same seine bestimmten Früchte trägt und jede Tat auch eine bestimmte Folge haben muß, wie jedwede Ursache ihre bestimmte Wirkung. Und das alles wegen der ewigen Ordnung aus Mir Selbst, ohne die nie auch ein Atom hätte erschaffen werden können und ohne die noch weniger an eine Erhaltung des Geschaffenen zu denken wäre. Nun aber hat dieser Geist so sehr wider die für ihn frei gestellte Ordnung gehandelt, daß er durch solches Handeln sich selbst die notwendigen Folgen hat bereiten müssen. Sie dürfen wir wegen der Erhaltung der ewigen Ordnung nicht früher abändern, als bis dieses nun höchst unglückliche Wesen durch die schmerzhaften Folgen seiner früheren Handlungen aus sich selbst zu anderen Handlungen getrieben wird, die dann auch andere, bessere oder aber auch noch schlimmere Folgen nach sich ziehen werden!

So jemand einen guten Samen in die Erde legt, wird daraus auch eine gute Frucht erwachsen. Legt aber jemand statt des Weizenkornes den Samen einer Tollkirsche ins Erdreich, so wird er nur wieder eine Tollkirsche und keinen Weizen ernten.

Es dürfte Mir aber leicht jemand einwenden: ,Wäre alles recht, o Herr; aber Du hättest Deine Ordnung nicht in so ungeheuer grelle Extreme treiben sollen!‘ – Gut, sage Ich und füge aber die Frage hinzu: Ist das Lichtextrem einer Sonne darum als ein Fehler Meiner Ordnung zu beklagen, weil wegen seiner außerordentlichen Stärke jedes Auge erblindet, das da so toll wäre, stundenlang unverwandt in die Sonne zu schauen? Oder ist das alles verzehrende Feuer etwa mit einem zu heftigen Hitzegrad begabt? Ist nicht die Last eines Berges zu gewaltig, die Schnelligkeit des Blitzes zu groß, die Kälte des Eises zu scharf und die Masse des Meerwassers zu ungeheuer? – Wie sähe es aber mit einer Welt aus, auf der die Ordnung in den Elementen nicht so bestellt wäre? Wenn des Feuers Hitzegrad nur lau wäre, könnte es wohl die harten Metalle schmelzen? Wären aber die Metalle weich, wozu könnten sie dann nütze sein? Wäre die ganze Erde etwa so weich wie Butter, welches Geschöpf von nur einigem Gewicht würde auf so einer Welt bestehen können? Und so die Sonne nicht ein so intensivstes Licht besäße, würde sie dann wohl auch imstande sein, auf Entfernungen von sehr vielen Millionen Meilen die für die Planeten erforderliche Wärme und das über alle Maßen nötige Licht zu bieten?

Es möchte vielleicht jemand sagen: ,Es sollen ja alle Extreme sein und bestehen, aber wozu ist denn beim Menschen die außerordentlich große Schmerzfähigkeit gut?‘ Die Antwort auf diese Frage ist leicht: Stellt euch die Menschheit als schmerzunfähig vor; gebet ihr dann ein freies Erkenntnisvermögen und einen völlig freien Willen. Sanktioniert dann die Gesetze wie ihr wollt, und es wird niemand ein Gesetz beachten! Denn wer keine Empfänglichkeit für Schmerzen hat, der hat auch keinerlei Lust. Und würden wollüstige Menschen, so sie nur mit purer Lustempfindlichkeit begabt wären, sich nicht in aller Kürze gänzlich verstümmeln, so sie bei einem allfälligen Abtrennen eines Gliedes statt des schützenden Schmerzes nur Lust und Wohltun empfänden?

Dieser aus übergroßem Schmerze heulende Cado wäre sicher für ewig verloren, wäre er schmerzunfähig. So aber wird er in seinem Hochmut vielleicht noch geraume Zeit Trotz bieten. Wenn ihn aber der Schmerz zu gewaltig erfaßt, so wird er am Ende mit sich sehr handeln lassen und wird sich auf bessere Wege begeben.

Ihr seht nun aus Meinen Worten, daß da jede Fähigkeit und Beschaffenheit eines Menschen wie auch jedes andern Wesens aus Meiner ewigen Ordnung bestens berechnet ist. Es darf an ihr kein Häkchen fehlen, so der Mensch vollkommen werden soll, was er werden kann. Wenn aber alles so sein muß, dann müsset ihr hier neben Mir stets denken: ,Was jemand selbst will, trotz der großen damit verbundenen und ihm wohlbekannten Nachteile, dem geschieht auch ewig kein Unrecht, und ginge es ihm noch tausendmal schlechter!‘ – Nun aber gebt weiter acht auf die vor sich gehende Handlung! Und du, Meine liebste Helena, erzähle uns, was du siehst!“

Spricht Helena: „O Herr, das ist zu ungeheuer gräßlich! O wohl dir, Robert-Uraniel, daß du das nicht mit uns schauest, du würdest erstarren vor Grauen!“ – Rede Ich: „Sorge dich nicht um Robert! Er sieht diese Szene ebensogut, wo nicht noch besser als du! Denn im Geisterreiche gibt es keine Ferne, von der aus man irgendein Geschehnis weniger klar sehen würde. In dieser Welt gibt es ganz andere Nähen und Fernen, und diese befinden sich lediglich im Herzen eines jeden Geistes. Je inniger sich Geister lieben, desto näher sind sie sich. Je schwächer aber die gegenseitige Liebe ist, desto ferner sind sie sich auch. – Verstehst du das? Sieh jetzt nur mutig die Szene an!“

Helena schaut nun mit mehr Mut und Ergebung nach der Szene hin, da sie einsieht, daß die Sache unmöglich anders sein kann, als wie sie wegen des Gesamtbestandes der ewigen Ordnung sein muß.

Es macht aber auch der Franziskaner Cyprian mit dem Grafen Bathianyi und dessen Freund Miklosch eine etwas größere Annäherung zu Mir und richtet seine Augen scharf auf den Schreckensort. Nach einer Weile fängt er unaufgefordert an zu reden: „O du entsetzliche Schwerenot! Cado, von namenlosem Schmerz gedrungen, zerreißt nun alle Fesseln, als wären sie ein lockeres Spinngewebe. Er fällt über seine Peiniger her wie ein wütender Tiger und wen er ergreift, den zerreißt er in kleine Stücke! Die Stücke krümmen sich und hüpfen am glühend aussehenden Boden umher wie abgehauene Stücke einer Schlange! Den glühenden Thron zermalmt er zu Staub! Die Spieße werden vernichtet, und nun stürzt er sich auf seinen irdischen Häuptling, der sich zur Wehr stellt und dem wütenden Cado mit gräßlicher Stimme entgegenruft:

,Rühr mich nicht an, Hund, sonst sollst du meine Rache in namenloser Schärfe kennenlernen! Glaube nicht, daß ich hier verlassen und ohnmächtig vor dir stehe. Sowie du mich nur mit einem Finger anrührst, wirst du von Millionen mächtigster Geister umringt und in eine Qual geworfen werden, gegen die alles, was du bis jetzt verkostet hast, ein kühlender Balsam war! Willst du aber, da ich in dir nun einige Kraft entdeckt habe, mit mir gegen einen anderen Fürsten einen Bund machen, so soll dir der auf Erden an mir begangene Frevel völlig nachgelassen werden. Du sollst mein intimer Freund sein und mein königliches Ansehen als mein Schwiegersohn im Vollmaß teilen!‘

Cado wird nun etwas stutzig und schreit nach einer Pause noch immer grimmig: ,Elendster Teufel! So du mir nun – da du ein kleines Pröbchen meiner unbesiegbaren Macht und Kraft gesehen hast – solch friedliche Anträge machst, warum hast du das nicht eher getan, als ich dir doch so harmlos freundlich entgegenkam? Wahrlich, du hättest an mir einen Freund gefunden, mit dessen Hilfe du die ganze Schöpfung aus den Angeln hättest heben können. So aber hast du dir an mir einen Feind gezogen, wie die ganze Hölle keinen zweiten soll aufzuweisen haben. Du glaubtest, mich vernichten zu können, bist aber gräßlich enttäuscht worden und machst als Besiegter mir nun friedlich schimmernde Anträge. Aber Cado wird deinen Worten ein verdammt kleines Gehör schenken und dir tausendfach vergelten, was du ihm geliehen hast!‘

Hier streckt Cado seine Hände nach dem Häuptling aus. Aber der Häuptling macht einen Sprung zurück und schreit: ,Blinder Esel! Mußte ich dir das nicht antun, da du sonst nimmer zu dieser Kraft gekommen wärest! Denn hier werden Geister nur durch große Leiden geläutert und zu mächtigen Helden umgestaltet. Und so habe ich dir durch meine grausam scheinende Behandlung ja nur einen größten Freundschaftsdienst geleistet und nicht meinen vorgeschützten Rachedurst gekühlt. Das tat ich dir aber nur wegen der nahen Verwandtschaft, damit du schnell zu jener Kraft gelangest, ohne die sich in diesem Reiche kein Wesen behaupten kann. So du aber das nicht anerkennen willst, versuche immerhin dein loses Vorhaben an mir zu vollziehen, und du wirst dich überzeugen, daß du noch lange nicht der Mächtigste in dieser Welt bist!‘

Hier stutzt Cado noch mehr und sagt nach einigem Umherschauen: ,Dummes Luder von einem Beduinenhäuptling, wenn sich die Sache so verhält, warum hast du mir das nicht gleich gesagt? Ich will dir's aber als meinem Schwiegervater in allen Teufelsnamen gelten lassen und annehmen, daß es also ist. Aber wehe dir, so ich dahinterkomme, daß du mich nur so beredet hast! Dann sollst du mir's millionenfach büßen! – Aber nun sage mir, wie der Ort heißt, wo wir uns befinden, und ob es hier keine Burgen und reichbeladene Karawanen gibt, die man etwas leichter machen könnte? Denn unser irdisches Handwerk werden wir hier doch nicht etwa aufgeben müssen?‘“

Cyprian fortfahrend: „Schönes Vorhaben! Zwei Kerls, wie sie nur in der untersten Hölle ausgeheckt werden können! – Der Häuptling bedenkt sich ein wenig und sagt dann mit geheimnisvoller Würde: ,Freund, auf der Erde waren wir pure Mückenfänger, hier aber sind wir zu mächtigen Löwen herangereift, denen ganz andere Pläne durchzuführen vorgesteckt sind. Du weißt, daß bis jetzt noch immer die alte Gottheit die drückend tyrannischste Obergewalt ausgeübt hat, und sie hat diese durch ihre Menschwerdung noch mehr befestigt. Wir ersten Geister dieses Reiches unbegrenztester Freiheit aber haben mit unserem Scharfsinn die verborgenen Schwächen der alten Gottheit aufgefunden. Wir werden sie nun in aller Kürze von ihrem alten Thron stürzen und mit ihr machen, wie du ehedem mit deinen Peinigern getan hast. Dann werden wir die ganze alte Schöpfung zerstören und an ihre Stelle eine neue und allerfreieste setzen! Wie gefällt dir dieser Plan?‘

Cado zuckt mit den Achseln und sagt: ,Der Plan wäre wohl unser würdig, aber ich zweifle sehr, daß er uns je gelingen wird. Denn die alte, grausame Gottheit ist stets von größter Schlauheit und sieht gerade da am besten, wo wir an ihr Blindheit zu gewahren wähnen. Daher meine ich, daß es mit der Ausführung dieses großartigen Planes durchaus nicht gehen wird.‘

Spricht wieder der Häuptling: ,Du bist hier ein Anfänger und redest nach deiner noch sehr beschränkten Einsicht. Du hast noch zu irdisch-dunkle Ansichten von der Gottheit und unterstellst ihr noch Allwissenheit und unbegrenzte Macht. Du siehst die Gottheit noch immer als ein ungeteiltes, allwaltendes Wesen, das nur zu wollen braucht, um eine Myriade neuer Welten aus sich ins Dasein zu rufen. Das kann sie zwar und tut es auch immer, weil das ihr höchstes Vergnügen ist. Aber wir wissen, wohin solch eine Lust die Gottheit mit der Zeitenfolge bringen muß. Sieh Freund, die alte, schwach gewordene Gottheit ist bettelhaft kindisch geworden! Ihre Sache ist, nur immer erschaffen und erschaffen, gehe es, wie immer es gehen mag. Hast du denn auf der Erde nicht schon bemerkt, wie der Gottheit der Zwirn ausgeht? Sie überhäuft die Bäume mit zahllosen Blüten und hat am Ende zu wenig Stoff, alle die Blüten zu einer Frucht zu ernähren. So setzt sie auch Menschen auf Menschen in die Welt. Geht ihr endlich der Erhaltungsfaden aus, so muß sie ihre Lieblinge wie die Fliegen dahinsterben lassen. Und in allem wirst du ähnliche göttliche Verlegenheiten bemerken, aber freilich leider nicht ahnen können, worin der Grund liegt. Wir aber wissen nur zu gut, wie die Gottheit schwächer und schwächer wird und samt ihrer großen Haushaltung am Ende auf den Hund kommen muß. Und so ist es uns auch möglich, Pläne zu entwerfen, die ihren Untergang notwendig befördern müssen.‘“

Cyprian berichtet weiter: „Cado schüttelt abermals den Kopf und sagt: ,Freund, deine Pläne sind eitel! Ich bin zwar der Gottheit entschiedener Feind, aber nicht ihrer Schwäche, sondern ihrer zu ungeheuren Macht wegen. Es ist mein vollkommen freier Wille, entweder hier im Orte der Qualen zu verbleiben oder umzukehren und Besitz zu nehmen an allen möglichen Freuden eines himmlischen Lebens. Aber ich ziehe dennoch vor hierzubleiben, weil ich der Gottheit endlos große Macht nur zu gut kenne. Wäre die Gottheit nur um einen Grad schwächer, hielte ich's sogleich mit ihr und würde sie verteidigen gegen jeden Angriff. Aber eben da sie so unendlich mächtig und unbesiegbar ist, bin ich ihr entschiedenster Feind. Ich weiß, daß meine Feindschaft barste Torheit ist und sie mich jeden Augenblick vernichten kann. Solange aber ich einen freien Willen habe, will ich ihr entschiedensten Trotz bieten, bloß um ihr zu zeigen, daß sie mit ihrer Allmacht und Weisheit mit mir dennoch nichts richten kann, solange sie mich in der gegenwärtigen Willensfreiheit beläßt. Es ist für einen Helden wahrlich der größte Hochgenuß, als ein Atom gegen die endlose Größe Gottes sich derart zu stemmen, daß sie nichts dagegen auszurichten vermag! Ich werde daher auch nie ihre eingebildeten Schwächen, sondern vor allem ihre unendliche Kraft zu erforschen bemüht sein. Und je mehr Kraft und Stärke ich in ihr entdecke, desto unbeugsamer werde ich mich ihr gegenüber gebärden. Siehe, das ist mein Sinn, der sich für einen Helden ziemt! Aber dein Plan, die Gottheit zu entthronen, gehört zu den größten Lächerlichkeiten. Die Gottheit ist das unendlichste Wesen in jeder Hinsicht! Daher gib deinen Plan auf und tue, was ich tue. Du wirst einen Hochgenuß haben dadurch, daß du dir selbst das Zeugnis geben kannst, der höchsten Gottesmacht mit deiner barsten Nullkraft dennoch Trotz bieten zu können!‘

Spricht der Häuptling: ,O du dummer Esel! Meinst du denn, daß du aus dir selbst heraus bist, wie du bist? Sieh, du bist ja gerichtet und kannst nimmer anders wollen. Du meinst dadurch der Gottheit zu trotzen, so du bist, wie sie will, und nicht, wie du willst! Solange Gesetze und Fesseln ein Wesen binden, ist es nicht frei, sondern Sklave einer höheren Macht. Und solange die Gottheit unserem Wirken unübersteigliche Grenzen setzt, sind wir die elendsten Sklaven. Von einer Freiheit kann bei uns so lange keine Rede sein, als wir aus unserer eigenen Macht das harte Joch der Gottheit nicht völlig von uns zu weisen imstande sind. Können wir aber der Gottheit trotzen, und muß die Gottheit diese Schmach erdulden, so ist das doch sicher ein Zeichen, daß sie schwach ist. Ist sie aber in einem schwach, so wird sie auch in vielem anderen vielleicht noch schwächer sein. Daher ist es an uns, alle ihre schwachen Seiten sorglich auszukundschaften und sie dann mit unserer Übermacht anzugreifen und gänzlich zu verderben.‘“

Der Franziskaner Cyprian für sich: „O du verzweifelter Lump! Was der für löbliche Ideen hat! Schau, schau! Ich habe immer noch gemeint, die höllischen Geister müßten in ihrer fürchterlichsten Qual eine ewig brennende Reue über ihre großen Sünden fühlen, ohne je eine leiseste Hoffnung auf Erlösung zu haben. Aber wie ich sehe, ist die Sache ganz anders. Sie wollen das alles selbst, bloß um Dir, o Herr, hartnäckigsten Trotz bieten zu können! Die Kerle haben nur Freude über ihre grenzenlose Verstocktheit, das ist wahrlich nicht übel! – Aber Herr, solchen Lumpen möchte ich an Deiner Stelle denn doch ein bißchen ihre Freude versalzen. O ihr Hauptlumpen, wartet, dieser Freudenbecher soll euch mit einer Galle gefüllt werden, an der ihr für ewig sollt hinreichend zu lecken haben!“

Sage Ich: „Mein lieber Cyprian! Diese Erscheinung mußt du leidenschaftslos beobachten, sonst füllst du dein eigenes Herz mit demselben Stoff, mit dem der beiden höllischen Geister Herz erfüllt ist. Denn Drohung, Rache und Krieg sind Eigentümlichkeiten der Hölle, wie sie sich dir soeben zur Schau stellen. Sieh nur hin, wie soeben eine Horde gleich glühenden Drachen aus einer mächtig qualmenden Höhle zum Vorschein kommt und unsere beiden Räuberhäuptlinge umstellt, begrüßt und sie belobt ob ihrer gut höllischen Gesinnung. Und wie die beiden sich nun auch in eine gut ausgebildete Drachengestalt umzuwandeln beginnen, was so viel sagen will, daß sie nun vollends ins echt Höllische übergehen, das sich in ihnen nun völlig ausgebildet hat.

Ich sage dir, es bleibt diesen Geistern nichts geschenkt. Jedes Lästerwort wird zu einem glühenden Stein auf ihrem Haupte. Und sie werden bei solch einer Last schon nach und nach inne, ob sie stärker seien als die Gottheit und fähig, ihre argen Pläne gegen Mich je in Ausführung zu bringen! – Gott ist durch und durch die reinste Liebe, und aus solcher Liebe die höchste Weisheit, Ordnung und Macht. Alles das, mag es dir noch so schrecklich vorkommen, ist Meine Liebe, Weisheit und Ordnung. Es muß alles so geschehen, damit alles bestehe und nichts verlorengehe!

Die eigentliche Höllenqual wird für diese Geister erst jetzt ihren Anfang nehmen. Du siehst nun auch die ehedem von Cado zerrissenen Quälgeister sich wieder ergänzen – nur nicht in einer menschenähnlichen, sondern in einer Schlangengestalt. Passe recht auf, und du wirst gleich der eigentlichen Hetze ansichtig werden. Aber du, Helena, darfst nun nicht mehr hinsehen, weil das für dich zu arg wäre! Ihr anderen aber sehet hin, und du, Cyprian, kannst auch nebenher erzählen, was du erblicken wirst!“

Der Franziskaner Cyprian tritt nun einige Schritte näher, um die Szene ungehinderter betrachten zu können. Aber Ich sage zu ihm: „Cyprian, nähern darfst du dich dem Orte des Greuels nicht, weil das einen üblen Eindruck auf dich machen könnte! Daher mache die Schritte wieder zurück, du wirst die Sache auch von deinem früheren Standpunkte gut übersehen können.“

Cyprian tritt auf diese Anrede sogleich zurück und sagt: „O Herr, ich danke Dir für Deine väterliche Zurechtweisung! Ohne sie wäre ich am Ende ganz hingezogen worden, was wahrhaftig höchst unglücklich für mich hätte werden können. – Nun fängt aber auch dort die höllische Geschichte an, ein ganz verzweifeltes Aussehen zu bekommen! O Kreuz, Blitz und Donner, diese Nordgegend bekommt nun ein schauderhaftes Aussehen! Eine finster gähnende Grotte öffnet sich weit durch die schroffen Wände eines Gebirges, aus dessen Schluchten und gigantischen Spalten sich ein stets dichterer finsterer Qualm entwickelt. Auch vernehme ich ein unheimliches Toben gleich dem eines entfernten großen Seesturmes. Oh, das fängt an, sehr bedenklich zu werden! Nun erschaue ich zu oberst des Gebirges über der schaudervollen Grotte zwei Engel sehr düster ernsten Aussehens! Wer etwa doch diese zwei Engel sind?“

Sage Ich: „Sehe sie nur besser an, du wirst sie leicht erkennen!“ – Cyprian beschaut sie nun schärfer und erkennt bald Sahariel und Robert-Uraniel. Er will sie Mir nennen; aber Ich untersage ihm solches wegen der Helena, deren Herz zu zartfühlend ist, als daß es ohne Vorbereitung das Geschäft ihres Gemahls auf einer für ihre Begriffe so gefährlich scheinenden Stelle mit rechter Ruhe betrachten könnte. – Cyprian versteht solchen Wink und schweigt. – Aber Helena, wennschon an Meiner Brust mit ihrem Gesicht ruhend, fragt dennoch Cyprian, ob er die zwei Engel noch nicht erkannt habe. – Cyprian aber entschuldigt sich recht klug: „Jawohl! Aber ich habe nun vor lauter Schauen keine Weile, dir ihre Namen zu nennen. Gedulde dich nur, sie werden ohnehin bald selbst herkommen.“ – Helena gibt sich damit zufrieden und verbirgt ihr Gesicht an Meiner Brust vor den angekündigten Greuelszenen der Hölle. Ein stets mächtigeres Tosen und Toben zeigt nun an, daß die Hölle wieder etwas sehr Arges auszuführen beabsichtigt.

Cyprian aber, dem dieses donnerähnliche Dröhnen nicht gefallen will, sagt zu Mir: „Aber Herr, Du heiligster, bester Vater! Was soll denn aus dieser stets gröber werdenden Brummerei werden? Es fängt sogar dieser Boden, auf dem wir nun stehen, zu beben und sich zu heben an! Und dort, wo die schaudererregende Grotte – aus der nun stoßweise Flammen mit massenhaftem Qualm herausschlagen – sich weiter auszudehnen scheint, wälzen sich jetzt über das Gebirge herab fürchterliche Gewitterwolken gleich losgerissenen großen Felsstücken. Die Sache bekommt ein niederträchtiges Aussehen, obschon die höllische Gruppe sich noch friedlich und nichts Arges ahnend vor dem Eingang der schrecklichen Grotte befindet und nicht einmal Miene macht, etwas zu unternehmen. – Ich bitte Dich, Herr, sage uns doch, was aus dieser sonderbaren Vorbereitung am Ende herauswachsen wird? Ich entdecke sonst nichts als immer mehr Flammen, die aus der Grotte schlagen. Ebenso stets mehr des dicksten Rauches aus der Grotte wie aus anderen Klüften des Gebirges und ein ständiges Anwachsen der Gewitterwolken. Die beiden Engel auf der höchsten Spitze des Gebirges sind ganz ruhig und scheinen diese grauenhaften Vorbereitungen gar nicht zu bemerken. Der unerträgliche Sturmlärm scheint nicht bis zu ihren Ohren zu dringen.“

Rede Ich: „Mein lieber Freund! Die Hölle ist nie gefährlicher und unheilbringender, als so sie sich äußerlich ganz ruhig verhält, aber dafür innerlich mit desto größerer Wut zu toben beginnt – wie dies soeben der Fall ist. Dagegen aber ist auch der Himmel nie wachsamer gegen die Hölle gestellt, als wenn er sich bei solchen Umtrieben der Hölle ganz ruhig und gleichmütig zu verhalten scheint. So lange die Hölle bloß innerlich gärt und tobt, schreitet der Himmel nicht ein. Aber wenn sie, mit der Weile ermutigt, ihre Wut nach außen hin in Wirksamkeit treten läßt, dann wird schon auch der Himmel seine Gegenmittel in nachdrücklichste Wirksamkeit treten lassen. – Gib nur genau acht, wie die Hölle nun ihren alten Versuch, Mich zu fangen und zu stürzen, tückisch unter dem Deckmantel äußerer Ruhe erneuern wird. So du jetzt einen Blick auf die Erde werfen magst, wozu du bloß über deine Achsel links zu schauen brauchst – wirst du genau gewahren, wie die Hölle nun auch an den Höfen gleichermaßen tätig einzuwirken sich bemüht, um die ganze Erde in einem alles verheerenden Krieg zu entflammen. Sie wird ihr Vorhaben auch hie und da zum Ausbruch bringen; aber dann passe auf, auf welch eine Weise ihr da das Handwerk gelegt wird! – Betrachte daher nur diesen Höllenausbruch und seine Folge, so wirst du leicht schließen können, wie sich auf der Erde alles das, was hier nun vorgeht, in entsprechender Weise nachbilden wird. – Siehe, der Rumor wird schon wieder stärker, die Flammen in der Grotte werden intensiver und der Qualm selbst glühend! Die Rotte vor der Grotte wird zahlreicher und fängt an, sich gegen uns her zu bewegen. Nun wird es bald losgehen!“

Cyprian wendet kein Auge ab von der Szene. Ich aber gebe Meinen Dienern einen Wink, und diese verstehen, was sie zu tun haben.

Nach einer kurzen Weile sagt Cyprian ängstlich: „Herr, wir werden uns am Ende doch zu einem Rückzug bequemen müssen. Denn die Hölle scheint nun alle ihre viele tausend Jahre alten Gefangenen freizulassen, damit sie mit vereinten Kräften Dich samt dem ganzen Himmel in Beschlag nehmen. Sie wandern nun keck auf uns zu! Und diese Gestalten, wahrlich mitunter lächerlich gräßlich! Wie sich einige aufblähen und bald darauf wieder zusammensinken bis zur Größe eines kleinen Affen! Auch allerlei Waffen fange ich an zu entdecken! Spieße, Lanzen, Schwerter und Gewehre aller Art. Das geht ja auf einen ordentlichen Krieg los! Aber gegen wen denn? Gegen uns etwa doch nicht? Sehen sie uns denn auch, weil sie sich gerade gegen uns her richten?“

Sage Ich: „Freilich gilt der Krieg von seiten der Hölle allzeit uns! Sehen können sie uns nicht; wohl aber vermuten sie uns hier, weil sie an der Stelle gegen uns her, die eigentlich der geistige Mittag ist, eine Art Helle wahrnehmen. Sie mühen sich vergeblich ab, uns näherzukommen. Sie meinen wohl, daß sie vorwärts gehen, aber ihr scheinbares Vorwärts ist ein Rückgang und ein stets mehr Sichentfernen von uns. Daher lassen wir sie auch traben, da wir wissen, wie weit und wohin sie mit dieser Bewegung kommen werden.

Sie werden aber mit der Weile inne, daß sie um nichts vorwärtskommen trotz all ihres Mühens. Und dies wird das Zeichen zum Ausbruch ihrer inneren Wut sein, in der sie sich selbst gegenseitig ohne Schonung anfallen und zerreißen werden gleich wilden Bestien. Gib jetzt nur recht acht, ganz besonders auf ihre Bewegung!“

Cyprian achtet nun sehr auf alles, was sich in der Bewegung der Höllenrotte ergibt. – Miklosch und Graf Bathianyi aber sagen einstimmig: „Herr, übergroß ist Deine Langmut und Geduld, daß Du solchem Treiben mit Deiner sanftmütigsten Gelassenheit zusehen kannst! So es auf uns ankäme, würden wir diesem Gesindel einen ganz kuriosen Ernst entgegensenden. Nein, solch eine Frechheit, sich Dir entgegenstemmen zu wollen, ja Dich sogar, so es möglich wäre, gänzlich zu vernichten! Nein, das ist zu überhöllisch arg! Solch ein Gedanke würde von uns aus schon einer ewigen Züchtigung wert sein!“

Rede Ich: „Meine lieben Kindlein, lasset beiseite, was nur immer den Namen Ärger hat! Denn seht, aller noch so geringe Ärger entstammt der Hölle und verträgt sich nie mit der reinen Natur Meiner himmlischen, noch kleinen Kindlein, als wie ihr es nun noch seid. Ihr müßt euch überhaupt über gar keine Erscheinung, wie böse sie auch immer aussehen mag, auch nur im geringsten ärgern. Denn das Ärgern der Kinder der Himmel verleiht der Hölle einen Vorschub und gibt ihr Stoff zum Wiederärger, den sie nur zu leicht und zu bald vergrößert und in einen neuen Wirkungsstand setzt. – Denket aber dafür in euerem Herzen, daß dies alles also geschehen muß, so in jene Grotte auch einmal ein sanfteres Licht dringen soll. Denket, daß die ganze Hölle aus Wesen besteht, die teils durch ihre und zum Teile durch die Geschichte der Weltgroßen zu solchen Teufeln geworden sind und ihr geistiges Leben gänzlich verwirkt haben. Sie sind nun unendlich unglücklich und werden noch stets unglücklicher werden. An uns aber, die wir alle Macht innehaben, liegt es nun, ihnen so viel als möglich zu helfen, und zwar durch jedes Mittel, durch das eine Hilfe noch möglich erscheint.

Dieser nun bevorstehende Kampf gegen uns setzt ihr mattes Scheinleben in eine größere Tätigkeit, durch die sie vor der völligen Auflösung geschützt werden. Durch den fehlgeschlagenen Versuch werden sie dann wieder in Kenntnis gesetzt, daß sie gegen Gott nichts vermögen. Dann werden viele aus ihrer Rotte bescheidener werden und sich bei einer ähnlichen künftigen Unternehmung nicht mehr beteiligen. Und das ist dann ein wirklicher Fortschritt dieser verlorenen Schafe. Für sie stehen uns dann schon wieder eine Menge wirksamster Mittel zu Gebote, sie in eine etwas hellere Belebung zu leiten, ohne uns direkt an ihrem freien Willen, der ihr Leben ist, zu vergreifen. Daß aber derlei Bäume nicht mit einem Hiebe gefällt werden dürfen, werdet ihr hoffentlich einsehen?“

Aus Robert Blum, Band 2, Kap. 162-169