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26. Kapitel - Die Tiefe im Centro 459

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26. Kapitel - Die Tiefe im Centro
« am: November 09, 2011, 07:59:49 Vormittag »
Die Tiefe im Centro

 
97. Siehe, wenn nun der Same geboren ist, so stehet er inmitten des Leibes im Herzen, denn daselbst fänget die Mutter der Dreiheit.

98. Erstlich fänget der herbe Geist, der zeucht eine Massa aus dem süßen Wasser zusammen, das ist aus der Fettigkeit des Herzengeblütes oder Saftes oder Öles des Herzens. Dasselbe Öl hat nun schon die Wurzel der Dreiheit in sich wie der ganze Mensch, denn es ist eben, als würfe man einen Zunderfeuer in Stroh.

99. Nun fraget sichs, wie das zugebe. Hie ist nun der rechte Grund des Menschen. Nun merke eigentlich, denn es ist der Spiegel des großen Geheimnis, die tiefe Verborgenheit der Menschheit, darum alle Gelehrten von der Welt her haben getanzet und haben diese Tür gesucht und doch nicht funden.

100. Nun muß ich aber einmal anmelden, daß es die Morgenröte des Tages sei, als es dann der Türhüter haben will.

101. Nun merke: Gleichwie die erste Massa ist worden, daraus Adam ein lebendiger Mensch ward, also auch in gleicher Gestalt wird ein jeder Massa oder Same der Dreiheit in jedem Menschen.

102. Merke: Als der Salitter oder das Gewirke der sechs Quellgeister, welches ist der siebente Naturgeist, in dem Raum dieser Welt angezündet ward, so stund das Wort oder Herze Gottes allenthalben mitten im Zirkel der sieben Geister als ein Herze, das alles, verstehe den ganzen Raum dieser Welt, auf einmal zugleich erfüllet.

103. Weil aber die Tiefe, das ist der ganze Raum dieser Welt seines Vaters, verstehe des Herzes, Gottes Leib war, verstehe des Vaters Leib und das Herze in dem ganzen Leibe leuchtete als des Vaters Glanz, so war der verderbte Salitter allenthalben mit dem Lichte oder Herzen Gottes infizieret und konnte das Herze Gottes auch nicht daraus fliehen, sondern verbarg seinen Glanz und Schein in dem Leibe der ganzen Tiefe vor den greulichen angezündeten Geistern der Teufel.

104. Als dieses geschah, so wurden die Quellgeister alle ganz grimmig und hart ringend, und der herbe Geist als der stärkeste zog in dem siebenten Naturgeiste das Gewirke der andern fünf ganz schrecklich zusammen, davon die bittere Erde und Steine worden, waren aber noch nicht zusammengetrieben, sondern schwebeten in der ganzen Tiefe.

105. In dieser Stunde ist die Massa zusammengezogen worden. Denn als sich das Herze Gottes in dem Salitter verbarg, so blickte es den ganzen Raum oder Leib wieder an und dachte, wie ihm wieder zu helfen wäre, damit wieder ein englisch Reich in der Tiefe dieser Welt würde.

106. Der Anblick aber war der Liebegeist im Herzen Gottes. Der infizierte an dem Orte des Anblickes das Öle des Wassers, wo zuvorhin war das Licht aufgegangen.

107. Hie bedenke St. Petri Anblick im Hause Kaiphä, es ist eben das.

108. Gleichwie der Mann das Weib anblicket und das Weib den Mann, und des Mannes Geist, verstehe die Wurzel der Liebe, welche im Aufgang des Lebens aus dem Wasser durch Feuer aufgehet, so wohl auch des Weibes Geist, ein Geist den andern in demselben Öle des Herzens fänget, davon alsbald eine Massa, Same oder treibender Wille eines andern Menschen in der Massa entstehet.

109. Eben auf solche Weise ist auch die erste Massa worden, denn der Liebegeist im Herzen Gottes blickte in dem Leibe des angezündeten zornigen Vaters das Wasser des Lebens an, davon und daraus die Liebe im Feuerblitz aufging vor der Zeit des Zorns.

110. In diesem Anblicke hat ein Geist den andern gefangen. Das Öle oder Wasser im Zorn hat den Liebegeist im Herzen Gottes empfangen und mit demselben inqualieret, und der herbe Geist hat die Massam zusammengezogen. Allda ist es schon eine Geburt oder ein Wille einer ganzen Kreatur gewesen gleichwie der Same im Menschen.

111. Nun ist aber die Feste des Himmels zwischen das Herze Gottes und die angezündete harte Kammer des Todes geschlossen worden, sonst hätte sich alsbald das Leben in der Massa angezündet. Denn die Feste war in der Massa sowohl als außer der Massa, welche ist das Scheideziel zwischen dem Herzen Gottes und den grimmigen Teufeln.

112. Darum mußte das Wort oder Herze Gottes den wallenden Geist in der Massa aufblasen, welches erst am sechsten Tage geschah aus gewissen Ursachen.

113. So aber der Himmel nicht wäre als eine Feste in der Massa zwischen das Herze Gottes und der Massa körperliche Quellgeister geschlossen gewesen, so hätte die Massa können die Seele aus eigner Kraft anzünden, gleich wie mit den heiligen Engeln geschah.

114. Es wäre aber zu fürchten gewesen, daß es würde sein zugangen wie mit dem schönen Söhnlein Luzifer, dieweil die körperlichen Quellgeister in der Massa schon im Zornfeuer angesteckt waren.

115. Darum mußte der Himmel eine Feste zwischen dem Funken, welcher das Herze Gottes im ersten Anblick hatte empfangen, sein, im Fall, da ja der Corpus im Zornfeuer verdürbe, daß doch der heilige Same bliebe, welcher ist die Seele, die mit dem Herzen Gottes inqualieret, daraus dann könnte ein neuer Leib werden, wenn der ganze Gott würde die Tiefe dieser Welt wieder im Lichte des Herzens Gottes anzünden, wie es dann auch also geschehen ist, erbarme es die Liebe Gottes.

116. Der teure Mann Moses schreibet: Gott habe den Menschen aus einem Erdenkloße gemacht, wie es die Gelehrten verdeutschet haben. Er ist aber nicht dabei gewesen, als es geschehen ist.

117. Dies muß ich aber sagen, daß Moses wohl recht geschrieben hat. Aber der rechte Verstand, woraus die Erde worden sei, ist beides dem Mosi und auch seinen Nachkömmlingen im Buchstaben verborgen blieben und hat es der Geist bis auf diese Zeit verborgen gehalten.

118. Es ist auch Adam, weil er noch im Paradeis gewesen, verborgen gewesen. Nun aber wird es ganz offenbar, denn das Herz Gottes hat an die Kammer des Todes angesetzet und will nahen durchbrechen.

119. Darum werden jetzunder je länger je mehr etliche Strahlen des Tages in etlicher Menschen Herzen durchbrechen und den Tag verkündigen.

120. Wenn aber diese Morgenröte wird vom Aufgang zum Niedergang scheinen, so ist vorbaß mehr keine Zeit, sondern die Sonne des Herzens Gottes gehet auf und wird RA. RA. RP. in der Kelter außer der Stadt gestoßen und mit ihm AM. R. P.

121. Dies sind verborgene Worte und werden allein in der Sprache der Natur verstanden.

122. Moses schreibet wohl recht, daß der Mensch sei aus Erde geschaffen worden. Aber zu der Zeit, als die Massa vom Worte gehalten ward, war die Massa noch nicht Erde. So sie aber nicht wäre vom Worte gehalten worden, so wäre dieselbe Stunde schwarze Erde daraus worden, aber das kalte Zornfeuer war schon darinnen.

123. Denn dieselbe Stunde, als sich Luzifer erhub, ergrimmete der Vater in den Quellgeistern gegen die Legionen Luzifers und verbarg sich das Herze Gottes in der Festen des Himmels. Da war der Salitter oder das Gewirke der Leiblichkeit schon brennend, denn außer dem Lichte ist die finstere Kammer des Todes.

124. Die Massa aber ward in der Festen des Himmels gehalten, daß sie nicht erstarb, denn als das Herze Gottes mit ihrer hitzigen die Massam anblickete, so fing das Öl in der Massa, welches aus dem Wasser durchs Feuer aufstieg, daraus das Licht aufgehet und daraus der Liebegeist aufgehet, das Herze Gottes, und ward eines jungen Sohnes schwanger.

125. Das war der Same der Liebe, denn eine Liebe empfing die andere. Der Massa Liebe empfing die Liebe aus dem Anblicke des Herzens Gottes und ward damit infizieret und schwanger. Und das ist der Seelen Geburt. Nach diesem Sohne ist der Mensch Gottes Bild.

126. Die Quellgeister in der Massa konnten aber hiemit nicht bald von der Seelen angezündet werden, denn die Seele stund nur im Samen der Massa mit dem Herzen Gottes in seinem Hirnmel verborgen, bis der Schöpfer die Massam aufblies. Da zündeten die Quellgeister die Seele auch an; da lebete Leib und Seele zugleich.

127. Die Seele hatte wohl vor dem Leibe ihr Leben, aber es stund in dem Herzen Gottes in der Massa im Himmel verborgen und war nur ein heiliger mit Gott inqualierender Same, welcher ewig, unvergänglich und unzerstörlich war, denn es war ein neuer und reiner Same zu einem Engel und Bilde Gottes.

128. Das Gewirke aber der ganzen Massa war ein Auszug oder Anziehung des Wortes Gottes aus dem Gewirke der Quellgeister oder des Salitters, daraus Erde ward.

129. Dieser Auszug war noch nicht zu Erde worden, obs gleich der Erden Salitter war, sondern ward vom Worte gehalten. Denn als der Liebegeist aus dem Herzen Gottes den Salitter der Massa anblickte, so fing der Salitter und ward im Centro der Seelen schwanger. Und das Wort stund in der Massa im Schalle, aber das Licht blieb im Centro der Massa in der Festen des Himmels im Öle des Herzens verborgen stehen und bewegete sich nicht außer der Festen des Himmels in der Geburt der Quellgeister.

130. Sonsten wo sich das Licht in der Seelen Geburt hätte angezündet, so hätten alle sieben Quellgeister, auch der ewigen Gottheit Recht, in dem Lichte triumphieret und qualifizieret, und wäre ein lebendiger Engel gewesen. Weil aber der Zorn den Salitter schon hat infizieret, so war der Schade zu fürchten wie beim Luzifer.

131. Nun fraget sichs, warum denn nicht auf diesmal sind viel Massen geschaffen worden, daraus alsbald wäre auf einmal ein ganz englisch Heer an des gefallenen Luzifers Stelle worden? Warum sich doch sollte eine solche lange Zeit im Zorne verlängern und warum doch das ganze Heer sollte aus der einigen Massa geboren werden in solcher gar langen Zeit? Oder hat der Schöpfer diesmal nicht den Fall des Menschen gesehen und erkannt? Dieses ist nun das rechte Tor der Verborgenheit Gottes, daran der Leser ja merken soll, daß es nicht eines Menschen Vermögen wäre, solches zu erkennen oder zu wissen, wo nicht die Morgenröte im Centro in der Seelen anbräche. Denn es sind göttliche Geheimnisse, die kein Mensch aus eigener Vernunft erforschen kann. Ich achte mich auch zu unwürdig dazu. Ich werde auch Spötter genug haben, denn die verderbte Natur schämet sich grausam sehr vor dem Lichte.

132. Ich kann es aber darum nicht unterlassen, denn wenn das göttliche Licht im Zirkel des Lebens Geburt anbricht, so freuen sich die Quellgeister und sehen im Zirkel des Lebens in ihrer Mutter zurück in die Ewigkeit und auch vor sich in die Ewigkeit.

133. Es ist aber nicht ein beharrliches Wesen oder Verklärung der Quellgeister, viel weniger des tierischen Leibes, sondern es sind Strahlen der Durchbrechung des Lichts Gottes mit feurigem Trieb, welcher aufsteiget durch das sanfte Wasser des Lebens in der Liebe und bleibet in seinem Himmel stehen.

134. Darum kann ichs weiter nicht bringen als vom Herzen ins Hirn vor den fürstlichen Stuhl der Sinnen. Da wird es in der Festen des Himmels verschlossen und gehet nicht wieder durch die Quellgeister zurück in die Mutter des Herzens, daß es könnte auf die Zunge kommen. So dies geschähe, wollte ichs mündlich sagen und der Welt verkündigen.

135. Will es derowegen in seinem Himmel lassen stehen und nach meinen Gaben schreiben und mit Verwunderung zusehen, was doch werden will, denn ich kann es in den Quellgeistern nicht genug begreifen, dieweil sie in der ängstlichen Kammer stehen. Der Seelen nach sehe ichs wohl, aber die Feste des Himmels ist dazwischen, in welche sich die Seele verbirgt und allda selbst ihre Strahlen vom Lichte Gottes empfähet, gehet derowegen durch die Feste des Himmels, wie es wetterleuchtet, aber ganz sanft gleich einer lieblichen Wonne.

136. Daß ich also in der Begreiflichkeit meiner instehenden Quellgeister oder im Zirkel des Lebens anders nicht erkennen kann, denn der Tag breche an. Will derowegen dieser Erkenntnis nach schreiben, und sollte gleich der Teufel die Welt stürmen, welches er doch nicht tun kann, sondern es wird ihm auch hiermit sein Stundenglas gezeiget
 
137. Nun wohlher, ihr Gnadenwähler, die ihr vermeinet, ihr treffts und den einfältigen Glauben für eine Närrin haltet. Ihr habt lange vor dieser Tür getanzet und euch der Schrift berühmet, wie Gott etliche Menschen habe in Mutterleibe in Gnaden zum Himmelreich erwählet und etliche verstoßen.

138. Hie macht euch nun viel Massen; daraus können andere Menschen anderer Qualität werden, so könnt ihr recht werden. Aus der einigen Massa könnt ihr nicht mehr als eine Liebe Gottes machen, die durch den ersten Menschen auf und durch alle dringet. Gott gebe, es habe gleich Petrus oder Paulus anders geschrieben, so sehet doch auf den Grund, aufs Herze. So ihr nur das Herze Gottes erhaschet, so habt ihr Grundes genug. Lässet mich Gott noch eine Weile leben, so will ich euch die Gnadenwahl St. Pauli wohl weisen. [1612]