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25. Kap. - Von dem ganzen Leibe der Sternengeburt, das ist die ganze Astrologia 452

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25. Kap. - Von dem ganzen Leibe der Sternengeburt, das ist die ganze Astrologia
« am: November 09, 2011, 08:39:53 Vormittag »
Von dem ganzen Leibe der Sternengeburt, das ist die ganze Astrologia oder der ganze Leib dieser Welt

 

    Die gelehrten und hocherfahrnen Meister der Sternenkunst sind in ihrem Verstande so hoch und tief kommen, daß sie wissen der Sternen Lauf und Wirkung, was ihre Zusammenkünften, Infizieren und Durchbrechen der Kräfte bedeutet und rnitbringet; und wie sich dadurch Wind, Regen, Schnee und Hitze empöret, auch Böses und Gutes, Glück und Unglück, dazu Leben und Tod und alles Treiben dieser Welt.

2. Dieses ist zwar das rechte Fundament, welches ich im Geist erkenne, daß es also sei. Ihre Erkenntnis aber stehet nur im Hause des Todes in der äußerlichen Begreiflichkeit und im Anschauen der Augen des Leibes, und ist ihnen die Wurzel des Baumes bis daher verborgen blieben.

3. Es ist auch nicht mein Fürnehmen, daß ich wollte von des Baumes Ästen schreiben und ihre Erkenntnis umkehren. Auch so baue ich nicht auf ihren Grund, sondern lasse ihre Erkenntnis in ihrem Sede sitzen, dieweil ich sie nicht studieret habe; und schreibe im Geiste meiner Erkenntnis von des Baumes Wurzel, Stamme, Ästen und Frucht als ein mühsamer Knecht seines Herrn, den ganzen Baum dieser Welt zu blößen.

4. Nicht der Meinung, etwas Neues auf die Bahn zu bringen, denn ich habe dessen keinen Befehl, sondern meine Erkenntnis stehet in dieser Geburt der Sternen, inmitten wo sich das Leben gebäret und durch den Tod bricht, und wo der wallende Geist entstehet und durchbricht, und in dessen Trieb und Wallen schreibe ich auch.

5. Ich weiß auch gar wohl, daß die Kinder des Fleisches werden meiner spotten und sagen, ich sollte meines Berufs warten und mich um diese Dinge unbekümmert lassen und mich lieber um das fleißiger annehmen, das da mir und den Meinigen den Bauch füllet, und die lassen pholosophieren, die es studieret und dazu berufen sind.

6. Mit dieser Anfechtung hat mir auch der Teufel so manchen Stoß gegeben und mir solches selber eingebleuet, daß ich mich oft verwogen habe, dieses zu unterlassen. Aber mein Fürnehmen ist mir zu schwer worden. Denn wenn ich dem Bauch nachgedacht und bei mir entschlossen, dieses mein Vorhaben zu unterlassen, so ist mir die Porten des Himmels in meiner Erkenntnis zugeriegelt worden.

7. Alsdann hat sich meine Seele geängstet, als wäre sie vom Teufel gefangen, dadurch die Vernunft so manchen Stoß bekommen, als sollte der Leib zugrunde gehn. Und hat auch der Geist nicht eher nachgelassen, bis er ist wieder durch die tote Vernunft gebrochen und hat die Toren der Finsternis zersprenget und seinen Sitz wieder an seine Stelle bekommen, dadurch er dann allezeit neu Leben und Kraft bekommen.

8. Dadurch ich denn verstehe, daß der Geist muß durch Kreuz und Trübsal bewähret werden. Auch so hat mirs an leiblicher Anfechtung nicht gefehlet, sondern habe immer müssen im Kampf stehen, sogar ist der Teufel dawider gewesen.

9. Weil ich aber spüre, daß mein ewig Heil darauf stehet und daß mir durch mein Nachlassen wollte die Porten des Lichts zugeschlossen werden; welches doch ist die Festung meines Himmels, darein sich meine Seele verbirget vor dem Ungewitter des Teufels, welche ich doch mit großer Mühe und manchem harten Sturme durch die Liebe Gottes erobert habe durch die Durchbrechung meines Erlösers und Königes Jesu Christi. So will ichs lassen Gott walten und meine fleischliche Vernunft gefangen nehmen.

10. Und habe mir erwählet die Porten der Erkenntnis des Lichtes und will des Geistes Trieb und Erkenntnis nachfahren. Und sollte gleich mein tierischer Leib an Bettelstab gereichen oder gar zugrunde gehen, so frage ich nun weiter nichts danach. Und will mit dem königlichen Propheten David sagen: Und wenn mir gleich mein Leib und Seele verschmacht, so bist du, o Gott, doch mein Heil, mein Trost und meines Herzens Zuversicht, Ps 73,26. Auf dich will ichs wagen und deinem Geiste nicht widerstreben. Und ob es gleich dem Fleische wehe tut, noch dennoch muß der Glaube in Erkenntnis des Lichts über der Vernunft schweben.

11. Ich weiß auch gar wohl, daß einem Jünger nicht gebühret wider den Meister zu kämpfen und daß die hocherfahrnen Meister der Astrologie mir weit überlegen sind. Aber ich arbeite in meinem Berufe und sie in ihrem, auf daß ich nicht ein fauler Knecht meines Herrn erfunden werde, wenn derselbe wird kommen und sein überantwortetes Pfund von mir fordern, daß ich ihn dasselbe möge mit Wucher darstellen. Also will ich sein Pfund nicht in die Erde vergraben, sondern auf Wucher ausleihen, damit er nicht in Zeit seiner Abforderung möchte zu mir sagen: Du Schalksknecht, warum hast du mein Pfund in die Finsternis versteckt und nicht damit gewuchert? (Mat 25,21; Luk 19,23). So bekäme ich jetzunder das Meine mit Wucher; – und dasselbe gar von mir nähme und einem andern gäbe, der mit seinem Pfunde viel gewuchert hätte. Also will ich säen, er mag begießen, und es ihn lassen walten.

12. Nun merke: Das ganze Haus dieser Welt, das im sichtbarlichen und begreiflichen Wesen stehet, das ist das alte Haus Gottes oder der alte Leib, welcher vor der Zeit des Zornes ist in himmlischer Klarheit gestanden. Als aber der Teufel hat darin neu den Zorn erweckt, so ist es ein Haus der Finsternis und des Todes worden.

13. Darum sich dann auch die hl. Geburt Gottes als ein sonderlicher Leib von dem Zorne entschieden und die Feste des Himmels zwischen Liebe und Zorn gemacht hat, daß also die Sternengeburt in Mitten stehet. Verstehe, mit ihrer äußerlichen Begreiflichkeit und Sichtlichkeit stehet sie im Zorne des Todes, und mit der darinnen aufgehenden neuen Geburt, welche stehet im mittlern Sede, wo der Schluß des Himmels ist, stehet sie in der Sanftmut des Lebens.

14. Denn die Sanftmut wallet gegen den Zorn, und der Zorn gegen die Sanftmut, und sind also zwei unterschiedliche Reiche in dem einigen Leibe dieser Welt.

15. Dieweil aber die Liebe und Sanftmut Gottes den Leib oder Locum dieser angezündeten Zornwelt nicht wollte im ewigen Zorne und Schanden lassen stehen, so gebar er den ganzen alten Leib dieser Welt wieder recht förmlich zu einem Leibe, darinnen das Leben regierte nach göttlicher Art und Weise. Obwohl im angezündeten Zorne, noch dennoch mußte er nach der Gottheit Recht bestehen, auf daß daraus könnte ein neuer Leib geboren werden, der da bestünde in Heiligkeit und Reinigkeit in Ewigkeit.

16. Um solcher Ursache willen ist auch ein endlicher Scheidetag in Gott bestimmt worden, das sich Liebe und Zorn sollen voneinander scheiden.

17. Wenn du nun ansiehest die Sternen und die Tiefe mit samt der Erden, so siehest du mit deinen leiblichen Augen nichts als den alten Leib im zornigen Tode. Den Himmel kannst du mit deinen leiblichen Augen nicht sehen, denn die blaue Kugel, die du in der Höhe siehest, das ist nicht der Himmel, sondern es ist nur der alte Leib, den man billig die verderbte Natur heißet.

18. Daß es aber scheinet, als wäre eine blaue Kugel über den Sternen, damit der Locus dieser Welt vor dem heiligen Himmel sei verschlossen, wie denn die Menschen bisher gedacht haben, das ist nicht also, sondern es ist das Oberwasser der Natur. Das ist viel heller als das Wasser unter dem Monden. Wenn nun die Sonne durch die Tiefe scheinet, so ists gleich wie lichtblau.

19. Wie tief oder weit der Locus dieser Welt sei, weiß kein Mensch. Und ob sich gleich etliche Physici oder Astrologi haben unterstanden, die Tiefe mit ihrem Zirkel zu messen, so ist ihr Messen doch nur Fabelei oder eine Messung der Begreiflichkeit, gleich als wollte einer den Wind haschen.

20. Der rechte Himmel aber ist überall in dieser jetzigen Zeit bis an Jüngsten Tag, und das Zornhaus der Höllen und des Todes ist auch in dieser Welt jetzt überall bis an Jüngsten Tag. Aber die Wohnung der Teufel ist jetzunder vom Monden bis an und in die Erden in den tiefen Spelunken und Höhlen, sonderlich wo wüste und wilde Einöden sind und wo die Erde sehr steinicht und bitter ist.

21. Ihr königlich Regiment aber ist in der Tiefe in den vier Enden der Aequinoctial-Circul, davon ich an einem andern Orte schreiben will. Allhie aber will ich dir anzeigen, wie das sei der Leib dieser Welt worden und wie er auch auf jetzo noch stehet, und wie das Regiment darinnen ist.

22. Der ganze Leib dieser Welt ist gleichwie ein menschlicher Leib, denn er ist in seinem äußersten Zirk mit den Sternen oder aufgegangenen Kräften der Natur umschlossen, und in dem Leibe regieren sieben Geister der Natur, und das Herze der Natur stehet mitten inne.

23. Die allgemeinen Sternen aber, die sind die wunderliche Proporz oder Veränderung Gottes, denn als Gott die Sternen schuf, so schuf er sie aus dem Aufsteigen der Unendlichkeit aus dem alten nunmehr angezündeten Leibe Gottes.

24. Denn gleichwie sich die sieben Quellgeister Gottes hatten vor der Zeit des Zornes mit ihrem Aufsteigen und Infizieren in unendlich geboren, daraus dann auch so mancherlei Figuren und himmlische Gewächse sind aufgegangen. Also auch figurierete der heilige Gott seinen alten Leib dieser verderbten Natur in so viel und mancherlei Kräfte als jemalen in der Heiligkeit waren in der Geburt gestanden.

25. Verstehe dies hohe Ding recht: Ein jeder Stern hat eine sonderliche Eigenschaft, welches du auch an der Zierheit oder an blühenden Erden siehest. Und hat der Schöpfer den alten angezündeten Leib darum in so viel und mancherlei Kräften wieder erbauet und lebendig gemacht, auf daß sich durch dieses alte Leben im Zorne wieder ein solch neu Leben durch den Schluß des Himmels darinnen gebäre, auf daß das neue Leben hätte alle Kraft und Wirkungen, wie das alte jemals vor Zeit des Zorns hatte gehabt und daß es könnte mit der reinen Gottheit außer dieser Welt inqualieren, und daß es mit der Gottheit außer dieser Welt sei ein heiliger Ort.

26. Auch so war die neue Geburt in Zeit der Schöpfung blühend, wenns der Mensch nicht hätte verderbet, durch welches die Natur noch sehrer verderbet ward und Gott den Acker verfluchte.

27. Dieweil der Mensch zu der Frucht des alten Leibes griff, so blieb nun die Frucht des neuen Leibes in seinem Himmel verborgen, und muß der Mensch dieselbe nun mit dem neuen Leibe anschauen und kann ihr mit dem natürlichen Leibe nicht genießen.

28. Davon mich wohl lüstert zu essen; ich kann sie aber nicht erreichen, denn der Himmel ist der Schluß zwischen dem alten und neuen Leibe, muß es derowegen darben bis in jenes Leben und meinem tierischen Leibe Mutter Evas Zornäpfel zu essen geben.