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23. Kapitel - Von der siderischen Geburt und Geburt Gottes 417

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23. Kapitel - Von der siderischen Geburt und Geburt Gottes
« am: November 09, 2011, 08:49:40 Vormittag »
Von der siderischen Geburt und Geburt Gottes

 
15. Von den Zeiten des erschaffenen Himmels und der Sternen und Elementen und vor der Erschaffung der Engel ist kein solch Zorn Gottes gewesen, auch kein Tod, auch kein Teufel, auch weder Erde noch Steine, auch so hats keine Sternen gehabt, sondern die Gottheit hat sich fein sanft und lieblich geboren und in Bildnisse figurieret, welche nach den Quellgeistern sind korporieret worden mit ihrem Gebären, Ringen und Aufsteigen, und sind auch wieder durch ihr Ringen vergangen und haben sich in eine andere Gestalt formieret, alles nach dem, wie ein jeder Quellgeist ist Primus gewesen, wie du davorne kannst lesen.

16. Aber merke hie recht: Die ernste und strenge Geburt, daraus der Zorn Gottes, die Hölle und der Tod ist worden, die ist wohl von Ewigkeit in Gott gewesen, aber nicht anzündlich oder erheblich. Denn der ganze Gott stehet in sieben Species oder siebenerlei Gestalt oder Gebärungen. Und wenn diese Geburten nicht wären, so wäre kein Gott, auch kein Leben, auch kein Engel, noch einige Kreatur.

17. Und dieselben Geburten haben keinen Anfang, sondern haben sich von Ewigkeit also geboren. Und nach dieser Tiefe weiß Gott selber nicht, was er ist. Denn er weiß keinen Anfang und auch nichts seinesgleichen und auch kein Ende.

18. Dieser sieben Gebärungen in allem ist keine die erste und auch keine die ander, dritte und letzte, sondern sie sind alle sieben eine jede die erste, ander, dritte, vierte und letzte. Doch muß ich nach kreatürlicher Art und Weise eine nach der andern setzen, sonst verstehest du es nicht, denn die Gottheit ist wie ein Rad mit sieben Rädern ineinander gemacht, da man weder Anfang noch Ende siehet.

19. Nun merke: Erstlich ist die herbe Qualität, die wird von den andern sechs Geistern immer geboren. Die ist in sich selbst hart, kalt, scharf gleich dem Salze und noch viel schärfer. Denn eine Kreatur kann ihre Schärfe nicht genug ergreifen, sintemal sie in einer Kreaturen nicht einig und allein ist, aber nach der angezündeten höllischen Qualität Art weiß ichs, wie sie ist. Diese herbe, scharfe Qualität zeucht zusammen und hält in dem göttlichen Leibe die Formen und Bildnisse und vertrocknet sie, daß sie bestehen.

20. Die andere Gebärung ist das süße Wasser, das wird aus allen sechs Geistern geboren, denn es ist die Sanftmut, welche aus den andern sechs geboren wird und sich in der herben Gebärung auspresset und die herbe immer wieder anzündet, löschet und sänftiget, daß sie ihre Herbigkeit nicht kann erzeigen, wie sie wohl in ihrer eignen Schärfe außer dem Wasser Gewalt hätte.

21. Die dritte Gebärung ist die Bitterkeit, welche entstehet aus dem Feuer im Wasser, denn sie reibet oder ängstiget sich in der herben und scharfen Kälte und macht die Kälte beweglich, davon die Beweglichkeit entstehet.

22. Die vierte Gebärung ist das Feuer. Das entstehet von der Beweglichkeit oder Reibung in dem herben Geiste. Und das ist nun scharf brennend, und die bittere ist stechend und wütend. Wenn sich aber der Feuergeist in der herben Kälte also wütend reibet so ist allda ein ängstlich erschrecklich, zitternd und scharf widerwillig Gebären.

23. Merke hie tief: Denn ich rede allhie auf teufelische Art, als ob sich das Licht Gottes noch nicht hätte in diesen vier Species angezündet, als ob die Gottheit einen Anfang hätte. Ich kann dich aber nicht anders und näher unterrichten, damit du es fassest.

24. In dieser vierten Reibung ist hart und ganz erschreckliche, scharfe und grimmige Kälte gleich einem zerschmelzten und sehr kalten Salzwasser, welches doch nicht Wasser wäre, sondern eine solche harte Kraft gleich den Steinen. Auch so ist darinnen ein Wüten, Toben, Stechen und Brennen, und ist das Wasser immer wie ein sterbend Mensch, wenn sich Leib und Seele scheidet, eine ganz erschreckliche Ängstlichkeit, eine Wehegebärung.

25. Hie, Mensch, besinne dich, hie siehest du, wo der Teufel und seine grimmige, zornige Bosheit Ursprung hat, dazu Gottes Zorn und das höllische Feuer, auch der Tod und die Hölle und ewige Verdammnis. Ihr Philosphi, merket das!

26. Wenn sich nun diese vier Gebärungen also miteinander reiben, so wird die Hitze Primus und zündet sich im süßen Wasser an; da gehet zuhand das Licht auf.

27. Verstehe dies recht: Wenn sich das Licht anzündet, so gehet der Feuerschrack vorher, als wenn du auf einen Stein schlägest, so siehest du von ehe den Feuerschrack, alsdann fasset sich erst das Licht aus dem Feuerschracke.

28. Nun fähret der Feuerschrack in dem Wasser durch die herbe Qualität und macht sie beweglich. Das Licht aber gebäret sich im Wasser und wird scheinend, und ist ein unbegreifliches, sanftes und liebreiches Wesen, das ich noch keine Kreatur genugsam weder schreiben noch reden kann, sondern ich stammle nur wie ein Kind, das da gerne wollte lernen reden.

29. Dasselbe Licht wird inmitten aus diesen vier Species geboren aus dem Fetten des süßen Wassers und erfüllet den ganzen Leib dieser Gebärung. Es ist aber ein solch sanftes Wohltun, Wohlriechen und Wohlschmecken, daß ich zu diesem kein Gleichnis weiß als nur, wo mitten im Tode das Leben geboren wird, oder als wenn ein Mensch in einer großen Feuersglut säße und würde urplötzlich rausgezogen und in eine solche große Sanftmut gesetzet, da er zuvor des Feuers Schmerzen gefühlet hätte und nun urplötzlich verging und würde in ein solch sanftes Wohltun gesetzet.

30. Also wird die Gebärung der vier Species in ein solch sanftes Wohltun gesetzet, wenn das Licht in ihnen aufgehet.

31. Du rnußt mich aber hie recht verstehen: Ich schreibe auf kreatürliche Art, als wenn ein Mensch wäre des Teufels Gefangener gewesen und würde urplötzlich aus dem höllischen Feuer ins Licht Gottes gesetzet.

32. Denn das Licht hat in der Gebärung Gottes keinen Anfang, sondern es hat von Ewigkeit also in der Gebärung geleuchtet, und weiß Gott selber keinen Anfang darinnen. Allein der Geist tut dir hie der Höllen Porten auf, daß du siehest, wie es eine Gelegenheit in den Teufeln und der Höllen hat und wie es im Menschen ist, wenn das göttliche Licht verlischet und er in Gottes Zorne sitzet, so lebet er in einer solchen Gebärung und in solcher Angst, Schmerzen und Wehe.

33. Ich kann dirs auch in keiner andern Gestalt fürschreiben denn ich muß also schreiben, als wenn die Gebärung Gottes einen Anfang hätte oder nähme, da es also worden wäre. Ich schreibe allhie gar wahrhaftige und teure Worte, welche allein der Geist verstehet. Nun merke die Porten Gottes.

34. Das Licht, das sich nun aus dem Feuer gebäret und in dem Wasser scheinend wird, und erfüllet die ganze Gebärung, und erleuchtet sie und sänftiget sie, das ist das wahrhaftige Herze Gottes oder der Sohn Gottes, denn er wird aus dem Vater immer also geboren, und ist eine andere Person als die Qualitäten und Gebärung des Vaters.

35. Denn die Gebärung des Vaters kann das Licht nicht erhaschen oder begreifen und zu seinem Gebären gebrauchen, sondern das Licht stehet frei für sich und wird von keiner Gebärung begriffen, und erfüllet und erleuchtet die ganze Gebärung als der eingeborne Sohn vom Vater, Joh 1,14.

36. Und dieses Licht heiße ich in der menschlichen Geburt die animalische Geburt oder der Seelen Geburt, welche mit dieser Gottes animalischen Geburt inqualieret. Und hierinnen ist des Menschen Seele ein Herze mit Gott, wenn sie aber auch in diesem Lichte stehet.

37. Die fünfte Gebärung in Gott ist nun, wenn dieses Licht also sanft und lieblich durch die ersten vier Gebärungen dringet, so bringt es des süßen Wassers Herze und lieblichste Kraft mit sich. Und wenn es nun die scharfen Geburten kosten, so werden sie ganz sanft und liebreich und ist, wie immer das Leben im Tode aufginge.

38. Da schmecket ein jeder Geist den andern und krieget eitel, neue Kraft, denn die herbe Qualität wird nun gar linde, denn des Lichts Kraft aus dem süßen Wasser sänftiget sie, und in dem Feuer gehet die sanfte Liebe auf; denn es erwärmet die Kälte und das süße Wasser macht den scharfen Schmack gar lieblich und sanft.

39. Und ist in den scharfen und feurigen Gebärungen nichts denn eitel Liebes-Sehnen, Kosten, freundlich Infizieren, holdselige Gebärung. Da ist eitel Liebe, und aller Zorn und Bitterkeit im Centro als in einer großen Festen verriegelt, sondern diese Gebärung ist gar ein sanftes Wohltun. Der bittere Geist ist nun die lebende Beweglichkeit.

40. Die sechste Gebärung in Gott ist nun: Wenn die Geister in ihrer Geburt also voneinander kosten, so werden sie ganz freudenreich, denn der Feuerblitz oder die Schärfe aus der Geburt steiget nun über sich und wallet gleichwie die Luft in dieser Welt.

41. Denn wenn eine Kraft die andere reget, so kosten sie voneinander und werden ganz freudenreich, denn das Licht wird aus allen Kräften geboren und dringet wieder durch alle Kräfte. Dadurch und darinnen gebäret sich die erhebliche Freude, davon der Ton entstehet. Denn von dem Regen und Bewegen gebäret sich der lebendige Geist, und derselbige Geist dringet durch alle Gebärungen, der Geburt ganz unfaßlich und unbegreiflich, und ist eine ganz freudenreiche, liebliche Schärfe, als wie eine liebliche Musica. Und wenn nun die Geburt gebäret, so fasset es das Licht und spricht es wieder in die Geburt durch den wallenden Geist.

42. Und dieser wallende Geist ist die dritte Person in der Geburt Gottes und heißet Gott der Heilige Geist.

43. Die siebente Gebärung ist und behält seine Geburt und Formung in dem Heiligen Geist. Wenn derselbe durch die scharfen Geburten gehet, so gehet er mit dem Tone und formet und bildet allerlei Figuren, alles nach dem, wie die scharfen Geburten miteinander ringen.

44. Denn sie ringen in der Geburt stets miteinander wie ein Liebespiel. Und nachdem die Geburt mit den Farben und Geschmacke im Aufsteigen ist, so werden auch die Figuren gebildet.

45. Und diese Geburt heißt nun Gott Vater, Sohn, Heiliger Geist und ist keine die erste und auch keine die letzte, und ob ich gleich einen Unterscheid mache und eine nach der andern setze, so ist doch keine die erste und keine die letzte, sondern sie sind von Ewigkeit zu einem gleichen Wesen und Sitze also gewesen.

46. Ich muß nur unterschiedlich schreiben, daß es der Leser verstehet, denn ich kann nicht himmlische, sondern menschliche Worte schreiben. Es ist zwar wohl gar recht geschrieben. Allein das Wesen Gottes stehet in Kraft, und es begreift es nur der Geist und nicht das tote Fleisch.

47. Also kannst du verstehen, was die Gottheit für ein Wesen ist und wie die drei Personen in der Gottheit sind. Du darfst die Gottheit nicht irgend einer Bildnis vergleichen, denn sie ist die Geburt aller Dinge, auch so in den ersten vier Species nicht die scharfe Gebärung wäre, so wäre keine Beweglichkeit, und könnte sich nicht das Licht anzünden und das Leben gebären.

48. Aber nun ist diese scharfe Geburt der Beweglichkeit und des Lebens, sowohl auch des Lichtes Ursprung, daraus der lebendige und vernünftige Geist entstehet, der da in dieser Gebärung unterscheidet, formet und bildet. Denn die herbe kalte Geburt ist ein Anfang aller Dinge. Die ist herbe, strenge, zusammenziehend und festhaltend, und die formet und zeucht aus der Gebärung zusammen und macht die Geburt dicke, daß daraus wird eine Natur. Und daher hat die Natur und Begreiflichkeit ihren Ursprung in dem ganzen Leibe Gottes.

49. Diese Natur ist nun wie ein totes, unverständiges Wesen, und stehet nicht mit in der Kraft der Geburt, sondern ist ein Leib, in welchem die Kraft gebäret. Sie ist aber der Leib Gottes und hat alle Kraft wie die ganze Gebärung, und die Geburtsgeister nehmen ihre Stärke und Kraft aus dem Leibe der Natur und gebären immer wieder. Und der herbe Geist zeucht immer wieder zusammen und vertrocknet. Also bestehet der Leib und auch die Geburtsgeister.

50. Die andere Geburt ist das Wasser. Das nimmt seinen Ursprung in dem Leibe der Natur.

51. Merke: Wenn das Licht den herben zusammengezogenen Leib der Natur durchscheinet und denselben sänftiget, so gebäret sich in dem Leibe das sanfte Wohltun. Alsdann wird die harte Kraft gar sanft und zerschmelzet wie ein Eis von der Sonnen, und wird dünne gleichwie das Wasser in der Luft. jedoch bleibet der Stock der Natur der himmlischen Begreiflichkeit stehen. Denn der herbe und Feuergeist hält ihn, und das sanfte Wasser, das von dem Leibe der Natur in Anzündung des Lichts schmelzet, das gehet durch die strenge und ernste, kalte und feurige Geburt, und ist gar süße und lieblich.

52. Davon wird nun die ernste und strenge Geburt gelabet, und wenn sie es schmecket, so wird sie erheblich und erfreuet sich, und ist ein Freudenaufsteigen, da sich das Leben der Sanftmut gebäret. Denn das ist das Wasser des Lebens, darinnen sich die Liebe in Gott, sowohl in Engeln und Menschen gebäret, denn es hat alles einerlei Kraft und Geburt.

53. Und wenn nun die Geburt der Kräfte das Wasser des Lebens kosten, so werden sie zitternd vor Liebefreuden. Und dasselbe Zittern oder Bewegen, welches mitten in der Geburt aufsteiget, ist bitter. Denn es steiget geschwinde aus der Geburt auf, wenn das Wasser des Lebens in die Geburt kommt als ein Freudensprung der Geburt.

54. Weil es aber also geschwinde aufgehet, daß sich die Geburt also geschwinde erhebet, ehe sie mit dem Wasser des Lebens ganz infizieret wird, so behält derselbe Schrack seine Bitterkeit aus der strengen Geburt. Denn die anfängliche Geburt ist ganz strenge, kalt, feurig und herbe.

55. Darum ist nun der Schrack auch also erheblich und zitternd, denn er beweget die ganze Geburt und reibet sich darinnen, bis er das Feuer in der harten Grimmigkeit anzündet, davon das Licht seinen Ursprung nimmt. Alsdann wird der zitternde Schrack mit der Sanftmut des Lichtes erleuchtet und gehet in der Geburt auf und nieder, quericht, über sich und unter sich, wie ein Rad mit sieben Rädern ineinander gemacht.

56. Von diesem Durchdringen und Drehen entstehet der Schall oder Ton nach jedes Geistes Art, und infizieret sich immer eine Kraft in der andern, denn die Kräfte sind als leibliche Brüder in einem Leibe, und steiget die Sanftmut auf, und der Geist gebäret und erzeiget sich unendlich.

57. Denn welche Kraft sich nun in dem Umwenden am stärkesten erzeiget, das ist in der Gebärung, nach derselben Kraft, Art und Farben bildet der Hl. Geist auch die Figuren in dem Leibe der Natur.

58. Also siehest du, wie keine Kraft die erste ist und auch keine die andere, dritte, vierte und letzte, sondern die letzte gebäret die erste sowohl als die erste und letzte, und die mittelste nimmt ihren Ursprung sowohl von der letzten, ersten, andern, dritten und so fort an.

59. Auch so siehest du, wie die Natur nicht könne von den Kräften Gottes unterschieden werden, sondern es ist alles ein Leib. Die Gottheit, das ist die heilige Kraft des Herzens Gottes, wird in der Natur geboren. Auch so entstehet oder gehet der Hl. Geist aus dem Herzen des Lichts durch alle Kräfte des Vaters immer aus und figurieret alles und bildet alles.

60. Diese ganze Geburt wird nun in drei Unterscheide geteilet, da ein jedes ein sonderliches und ganzes ist, und ist doch keines von dem andern getrennet.