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21. Kapitel - Die offene Porten der Erden 457

Administrator Beiträge: 10836 Forumgründer *****
21. Kapitel - Die offene Porten der Erden
« am: November 09, 2011, 09:05:49 Vormittag »
Die offene Porten der Erden

 
58. Nun möchte einer fragen: Aus waserlei Materia oder Kraft ist denn das Gras, Kraut und Bäume herfürgangen? Wie hats doch eine Substanz und Gelegenheit mit diesem Geschöpf? Der Einfältige spricht: Gott hat alles aus Nichts gemacht. Er kennet aber denselben Gott nicht und weiß nicht, was er ist. Wenn er die Erde ansiehet mit samt der Tiefen über der Erden, so denket er, das ist nicht Gott oder da ist nicht Gott. Er bildet ihm allezeit für, Gott wohne allein über dem blauen Himmel der Sterne und regiere etwa mit einem Geiste, der von ihm ausgehe in dieser Welt, sein Corpus sei nicht hie auf Erden und in der Erden gegenwärtig.

59. Solche Meinungen habe ich in der Doktoren Bücher und Schriften gelesen; und eben darum ist auch so vielerlei Meinung und Zank unter den Gelehrten entstanden.

60. Weil mir aber Gott die Porten seines Wesens in seiner großen Liebe eröffnet und denket an den Bund, den er mit dem Menschen hat, so will ich alle Porten Gottes ganz treulich und ernstlich nach meinen Gaben eröffnen und aufschließen, so weit mir Gott zulässet.

61. Nicht also zu verstehen, daß ich diesen Dingen mächtig genug sei, sondern soviel ich begreifen kann. Denn das Wesen Gottes ist wie ein Rad, da viel Räder quericht, über sich und unter sich ineinander gemacht sind, und sich immer miteinander umwenden; da man zwar das Rad siehet und sich hoch verwundert und doch auf einmal in seiner Umwendung nicht erlernen noch begreifen kann, sondern je mehr man das Rad ansiehet, je mehr erlernet man seine Gestalt; und je mehr man lernet, je größere Lust hat man zu dem Rade, denn man siehet immer was Wunderbarliches, und kann sich ein Mensch nicht genug sehen und lernen.

62. Also auch ich, was ich an einem Orte nicht genug beschreibe von dieser großen Geheimnis, das wirst du am andern finden. Und was ich in diesem Buche nicht kann beschreiben von wegen der Länge und meiner Unbegreiflichkeit, das sollst du in dem andern nachfolgenden finden.

63. Denn dieses Buch ist das erste Gewächse dieses Zweigleins, das da grünet in seiner Mutter, gleichwie ein Kind, das da lernet gehen und kann nicht bald sehr laufen.

64. Denn obgleich der Geist das Rad siehet und will seine Cestalt an jedem Orte begreifen, so kann er doch nicht genugsam von wegen des Rades Umwendung. Wenn aber das wiederum kommt, daß er seine erste gefaßte Gestalt wieder siehet, so lernet er immer was mehr und wird dem Rade immer günstiger und liebet dasselbe.

65. Nun merke: Die Erde hat eben solche Qualitäten und Quellgeister wie die Tiefe über der Erden oder wie die Himmel, und gehöret alles miteinander zusammen zu einem Leibe. Und der ganze Gott ist derselbe einige Leib. Daß du ihn aber nicht gänzlich siehest und kennest, das ist der Sünden Ursache, mit welcher du in diesem göttlichen großen Leibe im toten Fleische verschlossen liegest. Und ist dir die Kraft der Gottheit verborgen, gleichwie das Mark in den Beinen dem Fleische verborgen ist. So du aber im Geiste durchbrichst durch den Tod des Fleisches, so siehest du den verborgenen Gott. Gleichwie das Mark in den Beinen durchbricht und gibt dem Fleische Kraft und Stärke, und das Fleisch kann doch nicht das Mark ergreifen, sondern nur seine Kraft, also auch du kannst die verborgene Gottheit nicht im Fleische sehen, sondern du empfähest seine Kraft und verstehest darinnen, daß Gott in dir wohnet.

66. Denn das tote Fleisch gehöret nicht in die Geburt des Lebens, daß es das Leben des Lichts eigentümlich empfahe, sondern das Leben des Lichts in Gott gehet in dem toten Fleische auf und gebäret ihm aus dem toten Fleische einen andern himmlischen und lebendigen Leib, welcher das Licht kennet und verstehet.

67. Denn dieser Leib ist nur eine Hülse, daraus der neue Leib wächset, gleichwie mit dem Weizenkorne auf Erden. Die Hülse aber wird nicht wieder aufstehen und lebendig werden, gleichwie auch am Weizen nicht geschieht, sondern wird ewig im Tode und in der Höllen bleiben.

68. Darum träget der Mensch des Teufels ewig Wohnhaus allhie auf Erden in seinem Leibe mit sich. Du magst wohl damit prangen, du schöne Göttin, und magst den Teufel derweil in die neue Geburt zu Gaste laden, es wird dir viel Nutzen schaffen; schaue zu, daß du nicht einen neuen Teufel gebärest, der in seinem eignen Hause bleibe.

69. Schaue die Geheimnis der Erden an, wie sie gebäret, so mußt du auch gebären. Die Erde ist nicht der Leib, der herauswächst, sondern sie ist dessen Leibes Mutter, gleichwie auch dein Fleisch nicht ist der Geist, sondern das Fleisch ist des Geistes Mutter.

70. Nun aber stehet in beiden, in der Erden und auch in deinem Fleische das Licht der klaren Gottheit verborgen und bricht durch, und gebäret ihm einen Leib nach jedes Leibes Art dem Menschen nach seinem Leibe und der Erden nach ihrem Leibe; denn wie die Mutter ist, so wird auch das Kind. Des Menschen Kind ist die Seele, sie wird aus der siderischen Geburt aus dem Fleische geboren; und der Erden Kind sind Gras, Kraut, Bäume, Silber, Gold, allerlei Erz.

71. Nun sprichst du: Wie soll ich mich denn in die Geburt der Erden schicken, daß ich was verstehe? Siehe, die Geburt der Erden stehet in ihrer Geburt gleichwie die ganze Gottheit, und ist gar kein Unterschied als nur die Verderbung im Zorne, darinnen die Begreiflichkeit stehet. Das ist allein der Unterschied und der Tod zwischen Gott und der Erden.

72. Du sollst wissen, daß alle sieben Geister Gottes in der Erden sind und gebären gleichwie im Himmel, denn die Erde ist in Gott, und Gott ist nie gestorben, sondern die äußerste Geburt ist tot, darinnen der Zorn ruhet und wird König Luzifern zu einem Hause des Todes und zu einer ewigen Gefängnis vorbehalten.