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20. Kapitel - Die Porten der Gottheit 411

Administrator Beiträge: 10836 Forumgründer *****
20. Kapitel - Die Porten der Gottheit
« am: November 17, 2011, 07:25:16 Vormittag »
Die Porten der Gottheit

 
49. Hie merke nun die verborgene Geheimnis Gottes: Wenn du nun ansiehest die Tiefe über der Erden, so mußt du nicht sagen, hie ist nicht die Porten Gottes, da Gott in seiner Heiligkeit wohnt. Nein, nein, so denke nicht, sondern die ganze heilige Dreifaltigkeit Gott Vater, Sohn, Hl. Geist, wohnet im Centro unter der Festen des Himmels, und dieselbe Feste kann ihn nicht begreifen.

50. Es ist wohl alles ein Corpus, die äußerste Geburt und auch die innerste mit samt der Festen des Himmels sowohl auch die siderische Geburt darinnen, in welcher der Zorn Gottes mit qualifizieret, aber es ist gegeneinander wie das Regiment im Menschen.

51. Das Fleisch bedeut die äußerste Geburt, welches ist das Haus des Todes; die andere Geburt im Menschen ist die siderische, in welcher das Leben stehet und da Liebe und Zorn miteinander streiten.

52. Und also weit kennet sich der Mensch selber, denn die siderische Geburt gebäret in der äußersten, das ist im toten Fleische das Leben.

53. Die dritte Geburt wird zwischen der siderischen und äußersten geboren, und dieselbe heißt die animalische oder die Seele und ist so groß als der ganze Mensch. Und dieselbe Geburt kennet und begreift der äußere Mensch nicht, auch so begreifts der siderische nicht, sondern ein jeder Quellgeist begreift nur seine anstehende Wurzel, welche bedeut den Himmel.

54. Und derselbe animalische Mensch muß durch die Feste des Himmels zu Gott dringen und mit Gott leben, anders kann der ganze Mensch nicht in Himmel zu Gott kommen.

55. Denn ein jeder Mensch, der da will selig werden, der muß mit seinen anstehenden Geburten sein wie die ganze Gottheit mit allen drei Geburten in dieser Welt.

56. Nicht kann der Mensch ganz rein ohne Zorn und Sünden sein, die die Geburten in der Tiefe dieser Welt sind auch nicht ganz rein vor dem Herzen Gottes, Hieb 15, 15, sondern es ringet immer Liebe und Zorn miteinander, davon sich Gott einen zornigen, eiferigen Gott heißt, Ex 20,5; 5,9.

57. Nun wie der Mensch ist in seinem Geburt-Regimente also ist auch der ganze Leib Gottes dieser Welt. In dem Wasser aber stehet das sanfte Leben. Erstlich ist in dem äußerlichen Leibe Gottes dieser Welt der erstarrete, herbe, bittere und hitzige Tod, in welchem das begreifliche Wasser auch erstarret und tot ist.

58. Und darinnen ist nun die Finsternis, darinnen König Luzifer mit seinen Engeln, sowohl alle fleischlichen, gottlosen Menschen auch noch mit lebendigem Leibe gefangen liegen, sowohl auch die abgeschiedenen Geister der verdammten Menschen.

59. Diese Geburt kann das Herze Gottes weder sehen, hören, fühlen, riechen noch begreifen, und ist eine Närrin, die König Luzifer hat mit seiner Hoffart also zugerichtet.

60. Die andere Geburt ist die siderische: du mußt verstehen der sieben Quellgeister Leben. Darinnen ist nun Liebe und Zorn gegeneinander und darinnen stehet nun das Oberwasser, welches ein Geist des Lebens ist, und darinnen oder dazwischen ist nun die Feste des Himmels, welche aus dem Mittel des Wassers ist gemacht.

61. Diese Geburt dringet nun durch die äußerliche erstarrete durch den Tod durch und gebäret das siderische Leben im Tod, das ist, in der erstarreten Erden, Wasser und Fleisch der Tiere und Menschen, auch Vögeln, Fischen und Würmern.

62. Bis in diese Geburt halb, alsviel der Zorn begreift, kann der Teufel reichen, und tiefer nicht; und so weit ist seine Wohnung, und tiefer nicht. Darum kann der Teufel nicht wissen, wie das ander Teil in dieser Geburt eine Wurzel hat.

63. Und bis hieher ist der Mensch in seiner Erkenntnis von der Welt her nach seinem Fall kommen. Die andere Wurzel, welche Himmel heißt, hat der Geist dem Menschen verborgen gehalten bis daher, damit sie der Teufel nicht von dem Menschen erlernete und dem Menschen vor seinen Augen Gift drein streuete.

64. Dieses andere Teil der siderischen Geburt, welches in der Liebe im süßen Wasser stehet, ist nun die Feste des Himmels, die den angezündeten Zorn mit samt allen Teufeln gefangen hält. Denn darein können sie nicht, und in diesem Himmel wohnet der Hl. Geist, der aus dem Herzen Gottes ausgehet und streitet wider die Grimmigkeit und gebäret ihm einen Tempel mitten in der Grimmigkeit des Zorns Gottes.

65. Und in diesem Himmel wohnet der Mensch, der Gott fürchtet, auch noch mit lebendigem Leibe, denn derselbe Himmel ist in dem Menschen sowohl als in der Tiefe über der Erden. Und wie die Tiefe über der Erden ist, also ist auch der Mensch beides in Liebe und Zorn bis nach Abscheidung der Seelen. Alsdann, wenn die Seele vom Leibe scheidet, so bleibet sie allein im Himmel der Liebe oder im Himmel des Zorns.

66. Welch Teil sie allhie im Abscheiden hat begriffen, das ist nun ihr ewig unauflöslich Wohnhaus und kann ewig daraus nicht kommen, denn es ist eine Kluft zwischen ihnen, wie Christus beim reichen Manne saget, Luk 16,26.

67. Und in diesem Himmel wohnen uns die heiligen Engel bei, und in dem andern Teile die Teufel. Und in diesem Himmel lebet der Mensch zwischen Himmel und Hölle, und muß von dem Grimme manchen harten Stoß, Versuchung und Verfolgung leiden und sich manchmal wohl martern und quetschen lassen.

68. Der Zorn heißt das Kreuze, und der Liebe-Himmel heißt die Geduld, und der darinnen aufgehende Geist heißt die Hoffnung und der Glaube, der mit Gott inqualieret und mit dem Zorne ringet bis er sieget und überwindet, 1.Joh 5,4.

69. Und hierinnen steckt die ganze christliche Lehre. Wer anders lehret, der weiß nicht, was er lehret, denn seine Lehre hat keinen Fuß oder Grund, und sein Herze zappelt immer und jammert und weiß nicht, was es tun soll.

70. Denn sein Geist suchet immer der Ruhe und findet ihr nicht, dann ist er ungeduldig und suchet immer was Neues, und wenn ers findet, so erkitzelt er sich darinnen, als hätte er einen neuen Schatz funden, und ist doch keine Beständigkeit in ihm, sondern suchet stets Abstinentia.

71. Ihr Theologi, allhier tut euch der Geist Tür und Tor auf. Wollt ihr nun nicht sehen und eure Schäflein auf grüner Weide weiden, sondern auf dürrer Heide, so sollt ihr das vor dem ernsten und zornigen Gerichte Gottes verantworten; da sehet eben zu!

72. Ich nehme den Himmel zum Zeugen, daß ich allhie verrichte, was ich tun muß, denn der Geist treibet mich dazu, daß ich auch mit ihm gänzlich gefangen bin und mich seiner nicht erwehren kann, vielleicht was mir auch immer hernach begegnen möchte.