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19. Kapitel - Vom Tage 401

Administrator Beiträge: 10836 Forumgründer *****
19. Kapitel - Vom Tage
« am: November 17, 2011, 07:33:58 Vormittag »
Vom Tage

 
84. Das Wort "Tag" fasset sich im Herzen und fährt hervor zum Munde und fährt durch die Straße der herben und bittern Qualität, und wecket die herbe und bittere Qualität nicht auf, sondern gehet stark durch ihren Locum, welcher am hintern Gaumen über der Zungen ist, hervor ganz sanft und der herben und bittern Qualität unbegreiflich.

85. Wenn es aber hervor auf die Zunge kommt, so schleußt die Zunge mit dem Obergaumen das Maul zu. Wenn aber der Geist an die Zähne stößet und will raus, so schleußt die Zunge das Maul auf und will vorm Worte raus, und tut gleich einen Freudensprung zum Maule raus.

86. Wenn aber das Wort durchbricht so macht sich das Maul inwendig weit auf, und das Wort fasset sich mit seinem Schallen hinter der herben und bittern Qualität noch einmal und wecket dieselbe als einen faulen Schläfer in der Finsternis auf und fähret jähling zum Munde aus.

87. Alsdann zerret die herbe Qualität hernach als ein schläferiger Mensch, der vom Schlafe aufgeweckt wird. Aber der bittere Geist, welcher vom Feuerblitz ausgehet, bleibet liegen und höret nichts, beweget sich auch nicht. Dieses sind nun gar große Dinge und nicht so schlechte, wie der Bauer wohl vermeinet.

88. Daß sich nun erstlich der Geist im Herzen fasset und bricht durch alle Wachen bis auf die Zunge unvermerkt, das bedeutet, daß das Licht aus dem Herzen Gottes ist hervorgebrochen durch die äußerste, verderbte, grimmige, tote, bittere und herbe Geburt in der Natur dieser Welt, dem Tode und Teufel samt dem Zorne Gottes unbegreiflich, wie denn geschrieben stehet im Evangelio St. Johannes 1,5: Das Licht schien in der Finsternis; und die Finsternis hats nicht begriffen.

89. Daß aber die Zunge mit dem obern Gaumen das Maul zuschleußt, wenn der Geist auf die Zunge kömmt, bedeutet, daß die sieben Quellgeister der Natur in dieser Welt zur Zeit der Schöpfung durch den Zorn Gottes nicht sind erstorben gewesen, sondern lebendig und wacker. Denn die Zunge bedeut das Leben der Natur, in welchem die animalische oder heilige Geburt stehet, denn sie ist ein Vorbild der Seelen.

90. Daß aber der Geist die Zunge alsobald infizieret, wenn er auf sie kommt, davon sie einen Freudensprung tut und will noch vorm Geiste zum Maul raus, bedeutet, daß die sieben Quellgeister der Natur, welches die siderische Geburt heißet, als das Licht Gottes, welches der Tag heißet, und ihnen aufging, alsbald göttlich Leben und Willen bekommen haben und sich hoch erfreuet wie die Zunge im Maule.

91. Daß sich aber die vordern Gaumen inwendig erweitern und dem Geiste Raum geben nach seinem Gefallen, bedeutet, daß sich die ganze siderische Geburt ganz freundlich in des Lichtes Willen gegeben hat und den Grimm in ihr nicht aufgewecket.

92. Daß sich aber der Geist, wenn er zum Munde ausfähret, erst noch einmal hinter der herben Qualität auf der Zungen im hintern Gaumen fasset und wecket die herbe Qualität als einen Schläfer auf und fähret schnell zum Munde aus, bedeutet, daß der herbe Geist zwar alles in der ganzen Natur muß halten und bilden, aber allererste wenn es der Geist des Lichts hat formieret, dann weckt er erst den herben Geist auf und gibts ihm in die Hände, daß ers hält.

93. Und das muß sein von wegen der äußersten Begreiflichkeit, die muß im herben Grimme gehalten werden, sonst bestünde nichts im Corpus, auch so bestünde die zusammengedruckte Erde und Steine nicht, sondern es würde wieder ein zerbrochener, dicker und finsterer Salitter, welcher in der ganzen Tiefe schwebete.

94. Auch so bedeutet es, daß dieser Salitter auf die Letzt, wann der Geist wird sein Geschöpfe und Werke in dieser Welt ausgerichtet haben, soll wieder aufgewecket und lebendig werden am jüngsten Tage.

95. Daß sich aber der Geist hinter der herben Qualität fasset und nicht in der herben Qualität, und weckt dieselbe auf, bedeutet, daß die herbe Natur das Licht Gottes nicht werde eigentümlich begreifen, sondern werde sich in den Willen des Lichts verrichten, gleichwie der tierische Leib des Menschen den Willen des Geistes verrichtet, und sind doch nicht zwei Dinge.

96. Daß aber der bittere Geist stille liegt und des Geistes Werk nicht höret und begreift, bedeutet, daß das bittere Zornfeuer, welches im Feuerblitze entstehet zur Zeit der Geburt des Lichtes, und auch noch vom Lichte nicht aufgeweckt wird und das selbe nicht begreift, sondern liegt in der äußersten Geburt gefangen und muß den Geist des Lichts sein Werk in der Natur lassen machen, wie er will, und kann die Werke des Lichts weder sehen, hören noch begreifen.

97. Darum soll kein Mensch denken, daß ihm der Teufel die Werke des Lichts werde können aus dem Herzen reißen, denn er kann sie weder sehen noch begreifen, und ob er gleich in der äußersten Geburt im Fleische wütet und tobet als in seinem Raubschlosse, verzage nicht. Bringe nur nicht selber die Werke des Zorns in deines Herzens Licht, so wird deine Seele vor dem tauben, stummen und im Lichte blinden Teufel wohl sicher sein.

98. Du sollst nicht meinen, daß ich allhie schreibe als einen Wahn, obs also sei oder nicht, sondern dem Geiste stehet des Himmels und der Höllen Porten offen und dringet im Lichte durch beide und schauet die und kann die auch gar wohl approbieren, denn die siderische Geburt lebet zwischen beiden und muß sich wohl quetschen lassen.

99. Und ob mir gleich der Teufel das Licht nicht nehmen kann; noch verdecket er mirs oft mit der äußersten und fleischlichen Geburt, daß sich die siderische Geburt ängstet, als wäre sie gefangen.

100. Das sind allein seine Schläge, damit das Senfkörnlein verdecket wird. Davon saget der heilige Apostel Paulus auch, es sei ihm ein großer Pfahl ins Fleisch gegeben worden, und er habe dem Herrn geflehet, er wollte doch solches von ihm nehmen; darauf ihm der Herr geantwortet, er solle sich lassen an seiner Gnaden genügen, 2.Kor 12,7-9.

101. Denn er war auch kommen bis an diesen Locum und hätte gern das Licht ohne Verhinderung zum Eigentum in der siderischen Geburt gehabt, aber es konnte nicht sein, denn der Zorn ruhet in der fleischlichen Geburt und mußte die Verwesung im Fleische tragen. So aber der Grimm ganz von der siderischen Geburt genommen würde, so wäre er in derselben Gott gleich und wüßte alle Dinge wie Gott selber.

102. Welches allein jetzo die Seele weiß, welche mit dem Lichte Gottes inqualieret. Sie kanns aber nicht vollkömmlich zurücke in die siderische Geburt bringen, denn sie ist eine andere Person. Gleichwie auch der Apfel auf dem Baume seinen Geruch und Geschmack nicht kann wieder zurücke in den Baum oder in die Erde bringen, und ob er gleich des Baumes Sohn ist, also ist auch in der Natur.

103. Der heilige Mann Moses war also hoch und tief in diesem Lichte, daß auch das Licht die siderische Geburt verklärete, davon die äußerste Geburt des Fleisches in seinem Angesicht verkläret ward, und begehrte auch Gottes Licht vollkömmlich in der siderischen Geburt zu sehen.

104. Aber es konnte nicht sein, denn es liegt der Zornriegel davor, denn es kann auch die ganze Natur der siderischen Geburt in dieser Welt das Licht Gottes nicht ergreifen, darum ist das Herze Gottes verborgen, das doch an allen Enden wohnet und alles begreifet.

105. Also siehest du, daß der Tag sei vor der Zeit der Sonnen und Sternen gewesen, denn da Gott sprach: Es werde Licht, Gen 1,3, da ist das Licht durch die Finsternis gebrochen, und die Finsternis hats nicht begriffen, sondern ist in seinem Sede blieben sitzen.

106. Auch so siehest du, wie der Zorn Gottes in der äußersten Geburt der Natur verborgen liege und ruhe und kann nicht aufgeweckt werden, die Menschen wecken ihn denn selber auf, welche auch mit ihrer fleischlichen Geburt mit dem Zorne in der äußersten Geburt der Natur inqualieren.

107. Darum ob nun jemand zur Höllen verdammt würde, darf er nicht sagen, Gott habe es getan oder er wolle dasselbe, sondern der Mensch erwecket das Zornfeuer selber in ihm, welches, wenn es brennend wird, hernach mit Gottes Zorne und dem höllischen Feuer inqualieret als ein Ding.

108. Wenn dein Licht verlöschen ist, so stehest du in der Finsternis, und in der Finsternis ist der Zorn Gottes verborgen; wenn du ihn aufweckest, so brennet er in dir.

109. In einem Steine ist auch Feuer. Wenn man aber nicht drauf schläget, so bleibet das Feuer verborgen. Wenn man aber darauf schläget, so springt das Feuer heraus. Ist dann etwas vorhanden, das des Feuers fähig ist, so brennets und wird ein groß Feuer; also gehets auch mit dem Menschen zu, wenn er das ruhende Zornfeuer anzündet.