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19. Kapitel - Vom Tag und Nacht 451

Administrator Beiträge: 10836 Forumgründer *****
19. Kapitel - Vom Tag und Nacht
« am: November 17, 2011, 07:35:12 Vormittag »
Vom Tag und Nacht

 
72. Die ganze Gottheit mit allen Kräften und Wirkungen, mit samt ihrem anstehenden Wesen, sowohl ihr Aufsteigen und Durchdringen und Veränderung, das ist das ganze Gewirke oder die ganze Gebärung, wird alles verstanden im Geiste des Wortes.

73. In welcher Proporz oder anstehenden Gebärung der Qualitäten der Geist das Wort fasset und formet und damit ausfähret, eben eine solche anstehende Geburt, Durchdringen, Aufsteigen, Ringen und Siegen hats auch in der Natur.

74. Denn als der Mensch in die Sünde fiel, da ward er aus der innersten Geburt in die andern zwo gesetzt; die umfingen ihn bald und inqualierten mit ihm und in ihm, als in ihrem Eigentum. Und empfing der Mensch alsbald den Geist und alle Gebärung der siderischen und auch der äußersten Geburt.

75. Darum spricht er nun alle Wörter nach der anstehenden Gebärung der Natur aus, denn der Geist des Menschen, welcher in der siderischen Geburt stehet und mit der ganzen Natur inqualieret und ist gleichwie die ganze Natur selber, der formet das Wort nach der anstehenden Geburt.

76. Wenn er was siehet, so gibt er ihm den Namen nach seiner Qualifizierung. Soll er aber das tun, so muß er sich auch in eine solche Gestalt formieren und sich mit seinem Schalle also gebären, wie sich das Ding, das er nennen will, gebäret. Und hierinnen steckt der Kern des ganzen Verstandes der Gottheit.

77. Nicht schreibe ich solches und gebe es ans Licht, daß mir alsbald ein jeder soll nachkratzen und hierinnen seines Geistes Gutdünken an Tag geben und es für Heiligtum ausschreien. Höre Geselle, es gehöret was mehr dazu. Dein animalischer Geist muß vorhin mit der innersten Geburt in Gott inqualieren und im Lichte stehen, daß er die siderische Geburt recht kennet, daß er eine freie Porte in allen Geburten hat, anders wirst du nicht heilige und recht Philosophiam schreiben, sondern Läuse und Flöh, und wirst ein Spötter Gottes erfunden.

78. Ich lasse mich schon wohl bedünken, der Teufel werde sein hoffärtiges Rößlein allhie mit manchem reiten und wird sich mancher auf die Bahn machen, ehe er gegürtet ist, daran ich will unschuldig sein. Denn was ich allhie offenbare, das muß ich tun, denn es ist die Zeit der Durchbrechung vorhanden. Wer nun will schlafen, den wird das Sturmwetter der Grimmigkeit aufwecken. Damit nun ein jeder acht auf seine Sache habe, will ichs treulich angezeiget haben nach des Geistes Trieb und Willen.

79. Merke. Der Skribent Moses schreibet, Gott habe das Licht von der Finsternis geschieden und das Licht Tag geheißen und die Finsternis Nacht; da sei aus Abend und Morgen der erste Tag worden, Gen 1,4 f. Weil dies Wort "Abend und Morgen" ganz wider die Philosophia und Vernunft laufet, so ist dafür zu halten, daß Moses nicht der Autor dazu ist, sondern es ist von seinen Vorfahren auf ihn gebracht worden, welche alle sechs Tage der Schöpfung haben in einem Lauf gerechnet und die Schöpfung von Adam nur in einem dunkelen Worte behalten und auf die Nachkommen gebracht.

80. Denn Abend und Morgen ist nicht gewesen vor der Zeit der Sonnen und Sternen, welche erst gewiß und wahrhaftig am vierten Tage sind erschaffen worden, welche ich dann aus gewissem Grunde bei Erschaffung der Sonnen und Sternen erweisen will.

81. Tag und Nacht aber sind gewesen, das will ich allhie nach meiner Erkenntnis erklären. Du magst allhie die Augen deines Geistes abermal weit aufsperren, willst du es verstehen, wo nicht, so wirst du blind sein.

82. Wie denn dieses große Werk in den Menschen ist verborgen blieben bis auf dato, da wills Gott lob einmal Tag werden, denn die Morgenröte bricht an, der Durchbrecher der innersten Geburt erzeiget sich mit seinem roten, grünen und weißen Fähnlein in der äußersten Geburt auf dem Regenbogen.

83. Merke: Nun sprichst du: Wie kann denn Tag und Nacht gewesen sein und nicht auch Morgen und Abend? Morgen und Abend ist allein über der Erden unter dem Monden und nimmt seinen Ursprung vom Lichte der Sonnen, die macht Abend und Morgen und auch den äußerlichen Tag und auch die äußerliche finstere Nacht; das weiß ein jeder Mann. Es hat aber zu der Zeit nicht zweierlei Schöpfung des Abends und Morgens gehabt, sondern da sich Abend und Morgen hat angefangen, so ist er in seinem Laufe blieben bis daher.