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19. Kapitel - Von der Gestalt der Erden 470

Administrator Beiträge: 10836 Forumgründer *****
19. Kapitel - Von der Gestalt der Erden
« am: November 17, 2011, 07:39:14 Vormittag »
Von der Gestalt der Erden

 
55. Es haben zwar viel Skribenten geschrieben, der Himmel und die Erde sei aus Nichts geschaffen; nimmt mich aber Wunder, daß unter so trefflichen Männern nicht einer ist gefunden worden, der doch hätte den rechten Grund können beschreiben, sintemal doch derselbe Gott ist von Ewigkeit gewesen, der jetzt ist.

56. Wo nun nichts ist, da wird auch nichts. Alles Ding muß eine Wurzel haben, sonst wächst nichts. Wären nicht die sieben Geister der Natur von Ewigkeit gewesen, so wäre kein Engel, auch kein Himmel und auch keine Erden worden.

57. Die Erde aber ist aus dem verderbten Salitter der äußersten Geburt worden, du kannst das nicht leugnen. Wenn du die Erde und Steine ansiehest, so mußt du ja sagen, daß der Tod drinnen sei; hingegen mußt du auch sagen, daß ein Leben darinnen sei, sonst wüchse darinnen weder Gold noch Silber, auch weder Kraut noch Gras.

58. Nun möchte einer fragen: Sind denn auch alle drei Geburten darinnen? Ja, das Leben dringet durch den Tod. Die äußerste Geburt ist der Tod, die andere ist das Leben, welches im Zornfeuer und in der Liebe stehet, die dritte ist das hl. Leben.

59. Unterricht: Die äußerliche Erde ist ein bitter Gestank und ist tot, das verstehet auch ein jeder Mensch. Der Salitter ist auch durch den Zorn ermordet worden, denn du kannsts nicht leugnen, daß nicht Gottes Zorn in der Erden sei, sonst wäre sie nicht also herbe, bitter, sauer und giftig, und gebäre auch nicht solche giftige, böse Würmer. So du aber wolltest sagen, Gott habe sie aus seinem Fürsatze also geschaffen, so würdest du sagen, daß Gott selber die Bosheit sei.

60. Lieber, sage mir doch, warum ist doch der Teufel verstoßen worden? Du wirst freilich sagen, um seiner Hoffart willen, daß er hat wollen über Gott sein. Rat, Fritz, womit? Was hat er für Gewalt gehabt? Hie sage, weißt du was, weißt du nichts, so schweig und höre:

61. In dem Salitter der Erden saß er vor den Zeiten der Schöpfung, als derselbe noch dünne und in himmlischer heiliger Geburt stund, und war in dem ganzen Königreiche dieser Welt. Daselbst war es nicht Erde und Steine, sondern ein himmlischer Same, welcher aus den sieben Quellgeistern der Natur geboren ward. Denn darinnen gingen himmlische Früchte und Formen auf, welches war eine Lustspeise der Engel.

62. Als aber der Zorn darinnen anbrannte, so wards im Tode ermordet; aber nicht also zu verstehen, daß sie darum gar tot sei, denn wie kann in Gott etwas gar sterben, das sein Leben von Ewigkeit hat gehabt? Sondern die äußerste Geburt ist verbrannt, erfroren, ersoffen und erstarret.

63. Die andere Geburt aber gebäret in der äußersten wieder das Leben, und die dritte wird zwischen der ersten und andern geboren, das ist: zwischen Himmel und Hölle mitten im Zornfeuer, und dringet der Geist im Zornfeuer durch und gebäret das hl. Leben, welches stehet in Kraft der Liebe.

64. Und in derselben Geburt werden die Toten auferstehen, die da haben einen heiligen Samen gesäet, die werden im Zornfeuer auferstehen. Denn die Erde wird wieder lebendig werden, sintemal sie die Gottheit in Christo hat wieder neugeboren durch sein Fleisch und zur Rechten Gottes erhöhet; aber das Zornfeuer bleibet in seiner Geburt.

65. Daß du aber wolltest sagen, es sei kein Leben in der Erden, so redest du blind. Du siehest ja, daß Kraut und Gras daraus wächset. Daß du aber wolltest sagen, sie hätte nur einerlei Geburt, so redest du auch blind, denn das Kraut und Holz, das daraus wächst, ist nicht Erde. Auch so ist die Frucht auf dem Baume nicht Holz, auch so ist die Kraft der Frucht nicht Gott, sondern Gott ist im Centro der innersten Geburt in allen drei natürlichen Geburten verborgen und wird nicht erkannt als nur im Geiste des Menschen. Auch so kann ihn die äußerliche Geburt in der Frucht nicht fassen oder halten, sondern er hält die äußerste Geburt der Frucht und formieret sie.

66. Die andere Frage: Warum ist denn die Erde also bergicht, steinicht und uneben? Die Berge sind in der Zusammentreibung also worden, denn des verderbten Salitters ist je an einem Orte mehr gewesen als an andern, als nachdem wie das Rad Gottes mit seinen anstehenden Quellgeistern ist gewesen.

67. An denen Orten, wo das süße Wasser im anstehenden Rade Gottes ist Primus gewesen, da ist viel irdisch begreiflich Wasser worden. Wo aber die herbe Qualität in der Bitterkeit im Marcurio ist Primus gewesen, da ist viel Erde und Steine worden. Wo aber die Hitze im Lichte ist Primus gewesen, da ist viel Silber und Gold, dazu etliche schöne Steine im Blitze des Lichtes worden, sonderlich wo die Liebe im Lichte ist Primus gewesen, da sind die edelsten Steine worden und das beste Gold.

68. Als sich aber der Klump der Erden hat zusammengedruckt, so ist das Wasser herausgequetschet worden. Wo es aber mit der herben Qualität mit harten Felsen ist eingepreßt worden, da ist es noch in der Erden und hat seit der Zeit etliche große Löcher zu seinem Gang geweicht und gemacht.

69. An denen Orten, wo große Meere und See sind, da ist das Wasser über demselben Pol Primus gewesen, und weil es dann nicht viel Salitter daselbst hat gehabt, so ist in die Erde gleichwie ein Tal worden, darinnen ist das Wasser stehen blieben.

70. Denn das dünne Wasser sucht das Tal und ist eine Demütigkeit des Lebens, welches sich nicht erhebet, wie die herbe, bittere und Feuersqualität hat getan in den Kreaturen der Teufel.

71. Darum suchet es immer die niedrigsten Stellen auf Erden. Das bedeutet recht den Geist der Sanftmut, in welchem das Leben wird geboren, wie du bei Erschaffung des Menschen kannst lesen und auch davorne bei seiner Species.