*


Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren. Haben Sie Ihre Aktivierungs E-Mail übersehen?

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge

19. Kapitel - Von dem erschaffenen Himmel, von dem Lichte und Finsternis 460

Administrator Beiträge: 10836 Forumgründer *****
19. Kapitel - Von dem erschaffenen Himmel, von dem Lichte und Finsternis
« am: November 17, 2011, 07:43:18 Vormittag »
Von dem erschaffenen Himmel und der Gestalt der Erden und des Wassers, sowohl von dem Lichte und Finsternis


    Der rechte Himmel, welcher ist unser menschlicher eigener Himmel, da die Seele hinfähret, wenn sie vom Leibe scheidet - und da Christus unser König ist eingegangen und von dannenher er von seinem Vater kommen und geboren ist und ein Mensch in der Jungfrauen Marien Leibe worden ist – ist bis anhero den Kindern der Menschen fast verborgen gewesen, und haben mancherlei Meinung gehabt.

2. Es haben sich auch die Gelehrten darum gekratzet mit vielen seltsamen Schreiben, und sind einander in die Haare gefallen mit Schmähen und Schänden, dadurch dann der hl. Name Gottes ist geschändet und seine Glieder verwundet und sein Tempel zerstöret und der hl. Himmel mit diesem Lästern und Anfeinden entheiliget worden.

3. Es haben die Menschen je und allwege gemeinet, der Himmel sei viel hundert oder tausend Meilen von diesem Erdenboden und Gott wohne allein in demselben Himmel. Es haben auch wohl etliche Physici sich unterstanden, dieselbe Höhe zu messen, und gar seltsame Dinge herfürbracht.

4. Zwar ich habe es selber vor dieser meiner Erkenntnis und Offenbarung Gottes dafür gehalten, daß das allein der rechte Himmel sei, der sich mit einem runden Zirk ganz lichtblau hoch über den Sternen schleußt, in Meinung, Gott habe allein da innen sein sonderliches Wesen und regiere nur allein in Kraft seines Hl. Geistes in dieser Welt.

5. Als mir aber dieses gar manchen harten Stoß gegeben hat, ohne Zweifel von dem Geiste, der da Lust zu mir hat gehabt, bin ich endlich gar in eine harte Melancholei und Traurigkeit geraten, als ich anschauete die große Tiefe dieser Welt, dazu die Sonne und Sternen, sowohl die Wolken, dazu Regen und Schnee, und betrachtete in meinem Geiste die ganze Schöpfung dieser Welt.

6. Darinnen ich dann in allen Dingen Böses und Gutes fand, Liebe und Zorn, in den unvernünftigen Kreaturen als in Holz, Steinen, Erden und Elementen sowohl als in Menschen und Tieren.

7. Dazu betrachtete ich das kleine Fünklein des Menschen, was er doch gegen diesem großen Werke Himmels und Erden vor Gott möchte geachtet sein.

8. Weil ich aber befand, daß in allen Dingen Böses und Gutes war, in den Elementen sowohl als in den Kreaturen, und daß es in dieser Welt dem Gottlosen so wohl ginge als den Frommen, auch daß die barbarischen Völker die besten Länder innen hätten und daß ihnen das Glücke noch wohl mehr beistünde als den Frommen.

9. Ward ich derowegen ganz melancholisch und hoch betrübet, und konnte mich keine Schrift trösten, welche mir doch fast wohl bekannt war; dabei dann gewißlich der Teufel nicht wird gefeiert haben, welcher mir dann oft heidnische Gedanken einbleuete, derer ich allhie verschweigen will.

10. Als sich aber in solcher Trübsal mein Geist – denn ich wenig und nichts verstund, was er war – ernstlich in Gott erhub als mit einem großen Sturme, und mein ganz Herz und Gemüte samt allen andern Gedanken und Willen sich alles darein schloß, ohne Nachlassen, mit der Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu ringen, und nicht nachzulassen, er segenete mich denn, das ist: er erleuchtete mich denn mit seinem Hl. Geiste, damit ich seinen Willen möchte verstehen und meiner Traurigkeit los werden; – so brach der Geist durch.

11. Als ich aber in meinem angesetzten Eifer also hart wider Gott und aller Höllen Porten stürmete, als wären meiner Kräften noch mehr vorhanden, in willens, das Leben daran zu setzen welches freilich nicht mein Vermögen wäre gewesen ohne des Geistes Gottes Beistand - alsbald nach etlichen harten Stürmen ist mein Geist durch der Höllen Porten durchgebrochen bis in die innerste Geburt der Gottheit und allda mit Liebe umfangen worden, wie ein Bräutigam seine liebe Braut umfähet.

12. Was aber für ein Triumphieren im Geiste gewesen, kann ich nicht schreiben oder reden. Es läßt sich auch mit nichts vergleichen als nur mit dem, wo mitten im Tode das Leben geboren wird, und vergleicht sich der Auferstehung von den Toten.

13. In diesem Lichte hat mein Geist alsbald durch alles gesehen und an allen Kreaturen, sowohl an Kraut und Gras, Gott erkannt, wer der sei und wie der sei und was sein Wille sei. Auch so ist alsbald in diesem Lichte mein Willen gewachsen, mit großem Trieb das Wesen Gottes zu beschreiben.

14. Weil ich aber nicht alsbald die tiefsten Geburten Gottes in ihrem Wesen konnte fassen und in meiner Vernunft begreifen, so hat sichs wohl zwölf Jahr verzogen, ehe mir ist der rechte Verstand gegeben worden, und ist gangen wie mit einem jungen Baume, den man in die Erde pflanzet; der ist erstlich jung und zart und hat ein freundlich Ansehen, sonderlich wenn er sich zum Gewächse wohl anlässet. Er trägt aber nicht alsbald Früchte, und ob er gleich blühet, so fallen sie doch ab. Es gehet auch mancher kalte Wind, Frost und Schnee darüber, ehe er erwächst und Frucht träget.

15. Also ists diesem Geiste auch gangen: Das erste Feuer war nur ein Samen, aber nicht ein immer beharrlich Licht. Es ist seit der Zeit mancher kalte Wind drüber gangen, aber der Wille ist nie verloschen.

16. Es hat sich dieser Baum auch oft versucht, ob er möchte Früchte tragen und sich mit Blühen erzeiget, aber die Blüte ist von dem Baume abgeschlagen worden bis auf dato. Da stehet er in seiner ersten Frucht im Gewächse.

17. Von diesem Lichte habe ich nun meine Erkenntnis, dazu meinen Willen und Trieb, und will diese Erkenntnis nach meinen Gaben schreiben und es Gott walten lassen, und sollte ich gleich hiemit erzürnen die Welt, den Teufel und aller Höllen Porten, und will zusehen, was Gott damit meinet. Denn seinen Fürsatz bin ich viel zu schwach zu erkennen, obgleich der Geist etliche Dinge, die zukünftig sind, im Lichte zu erkennen gibt. So bin ich doch dem äußerlichen Menschen nach viel zu schwach, solches zu begreifen.

18. Aber der animalische Geist, welcher mit Gott inqualieret, der begreifts wohl, der tierische Leib aber krieget nur einen Blick davon, gleich als wenn es wetterleuchtet. Denn also stellet sich die innerste Geburt der Seelen, wenn sie durch die äußerste Geburt in Erhebung des Hl. Geistes durch die Porten der Höllen reißet. Aber die äußerste Geburt tut sich bald wieder zu, denn der Zorn Gottes verriegelt die feste und hält sie in seiner Macht gefangen.

19. Alsdann ist die Erkenntnis des äußersten Menschen dahin und gehet in seiner trübseligen und ängstlichen Geburt um wie ein schwanger Weib, der die Wehe ankommt, und wollte immer gerne gebären, und kann doch nicht und ängstet sich immerdar.

20. Also gehets dem tierischen Leibe auch: Wenn er einmal hat die Süßigkeit Gottes geschmecket, so hungert und dürstet ihn immerdar danach, aber der Teufel in Kraft des Zorns Gottes wehret sich trefflich, und muß ein Mensch in solchem Laufe nur immer in ängstlicher Geburt stehen, und ist nichts denn Kämpfen und Fechten in seinen Geburten.

21. Dieses habe ich nicht mir zum Lobe geschrieben, sondern dem Leser zum Trost, ob ihn vielleicht lüsterte, auf meinem schmalen Stege mit mir zu wandern, daß er darum nicht bald verzweifele, wenn ihm die Porten der Höllen und des Zorns Gottes begegnen und unter Augen stoßen.

22. Wenn wir werden miteinander über diesen schmalen Steg der fleischlichen Geburt auf jene grüne Wiese kommen, da der Zorn Gottes nicht hinreicht, alsdann wollen wir uns dieses erlittenen Schadens wohl ergötzen, ob wir gleich jetzo müssen der Welt Narr sein und den Teufel in Kraft des Zorns Gottes lassen über uns herrauschen. Es lieget nichts daran, es wird uns in jenem Leben schöner anstehen, denn es ist gar eine kurze Zeit dahin, und ist nicht wert, daß es eine Zeit genannt wird.

23. Nun merke: Wenn du deine Gedanken von dem Himmel fassest, was der sei oder wo der sei, so darfst du deine Gedanken nicht viel tausend Meilen von hinnen schwingen, denn derselbe Locus oder Himmel ist nicht dein Himmel. Und ob er gleich mit deinem Himmel verbunden ist wie ein Leib, und es ist auch nur ein Leib Gottes, so bist du doch nicht in demselben Loco, der über viel hunderttausend Meilen ist zur Kreatur worden, sondern in dem Himmel dieser Welt, die auch eine solche Tiefe in sich hat, das keine menschliche Zahl ist.

24. Denn der rechte Himmel ist allenthalben, auch an dem Orte, wo du stehest und gehest. Wenn dein Geist die innerste Geburt Gottes ergreift und durch die siderische und fleischliche hindurchdringet, so ist er schon im Himmel.

25. Daß aber wahrhaftig ist, daß ein reiner, schöner Himmel in allen dreien Geburten über der Tiefe dieser Welt sei, in welchem Gottes Wesen mit samt den hl. Engeln ganz lauter, schön und freudenreich aufgehet, das ist unleugbar, und wäre der nicht aus Gott geboren, der solches vemeinte.

26. Du sollst aber wissen, daß der Locus dieser Welt mit seiner innersten Geburt mit dem Himmel über uns inqualieret und ist ein Herze, ein Wesen, ein Willen, ein Gott, alles in allem. Daß aber der Locus dieser Welt nicht ein Himmel genennt wird und daß ein Schluß zwischen dem obern Himmel über uns sei, das hat diesen Verstand:

27. Der obere Himmel begreift die zwei Königreiche Micha-Els und Uri-Els und alle der hl. Engel, die nicht mit Luzifer gefallen sind, und derselbe Himmel ist blieben, wie er von Ewigkeit ist gewesen, ehe die Engel sind geschaffen worden.

28. Der andere Himmel ist diese Welt, in welchem Luzifer ein König war. Der hat die äußerste Geburt in der Natur angezündet. Und das ist nun der Zorn Gottes, und kann nicht Gott oder Himmel geheißen werden, sondern die Verderbung.

29. Darum schleußt sich der obere Himmel in seiner äußersten Geburt also weit zu als weit der Zorn Gottes reicht und so weit als das Regiment Luzifers hat gereicht, denn die verderbte Geburt kann die reine nicht begreifen.

30. Das ist, die äußerste Geburt dieser Welt kann die äußerste Geburt des Himmels über dieser Welt nicht ergreifen, denn es ist wie das Leben und der Tod gegeneinander oder wie ein Mensch und ein Stein gegeneinander.

31. Darum ist ein fester Schluß zwischen der äußersten Geburt des obern Himmels und dieser Welt. Denn die Feste zwischen ihnen ist der Tod, der herrschet an allen Enden in der äußersten Geburt in dieser Welt, und damit ist diese Welt verriegelt, daß die äußerste Geburt des obern Himmels nicht in die äußerste Geburt dieser Welt kann, es ist eine große Kluft zwischen ihnen.

32. Und darum können wir die Engel in unserer äußersten Geburt nicht sehen, und die Engel können auch nicht in der äußersten Geburt dieser Welt bei uns wohnen. In der innersten aber wohnen sie bei uns. Und so wir mit dem Teufel kämpfen, so halten sie seine Schläge in der innersten Geburt auf und sind der hl. Seelen Schutz. Darum können wir die Engel nicht sehen oder begreifen, denn die äußerste Geburt ihrer Leiber ist der äußersten Geburt dieser Welt unbegreiflich.

33. Die andere Geburt dieser Welt steht im Leben, denn es ist die siderische Geburt, daraus die dritte und hl. Geburt geboren wird, und darinnen Liebe und Zorn miteinander streiten. Denn die andere Geburt stehet in den sieben Quellgeistern dieser Welt und ist an allen Enden und in allen Kreaturen sowohl auch im Menschen also. Nun aber herrschet der Hl. Geist auch in der andern Geburt und hilft die dritte heilige Geburt gebären.

34. Die dritte aber ist der klare und heilige Himmel, welcher mit dem Herzen Gottes außer und über allen Himmeln inqualieret als ein Herze, und ist auch ein Herze, das den Locum dieser Welt hält und träget und das den Teufel in der äußersten Geburt im Zornfeuer gefangen hält als ein allmächtiger, unbegreiflicher Gott.

35. Und aus diesem Herzen ist Jesus Christus, Gottes Sohn, in der Jungfrauen Marien Leib in alle drei Geburten gangen und hat dieselben wahrhaftig an sich genommen, auf daß er durch und mit seiner innersten Geburt den Teufel, Tod und Hölle in der äußersten Geburt gefangen nehme und den Zorn Gottes überwinde als ein König und Siegsfürst, und in Kraft seiner Geburt im Fleische durch alle Menschen durchdringe.

36. Und durch solch Eingehen der innersten Geburt des Herzens des Himmels dieser Welt in die siderische und äußerste ist Jesus Christus, Gottes und Marien Sohn, ein Herr und König dieses unsers Himmels und der Erden worden, der in allen dreien Geburten herrschet über die Sünde, Teufel, Tod und Hölle, und mit dem dringen wir durch des Fleisches sündliche, verderbte und äußerste tote Geburt den Tod und Zorn Gottes in unsern Himmel.

37. In diesem Himmel sitztet itzunder unser König Jesus Christus zur rechten Gottes und umfasset alle drei Geburten als ein mächtiger Sohn des Vaters, der durch und in allen drei Geburten in dieser Welt allen Räumen und Orten gegenwärtig ist und alles fasset, hält und träget als der neugeborne Sohn vom Vater in der Gewalt und auf dem Sitze des großmächtig gewesenen und nunmehr verstoßenen, verfluchten und verdammten Königs Luzifer, des Teufels.

38. Darum, du Menschenkind, sei nicht so furchtsam und verzaget. Wenn du in deinem Eifer und Ernst deinen Tränensamen säest, so säest du ihn nicht auf Erden, sondern im Himmel, denn in deiner siderischen Geburt säest du und in der animalischen erntest du, und im Himmelreiche besitzest du es und genießt des.

39. Weil du in dieser streitigen Geburt lebest, so mußt du dich drücken und den Teufel lassen auf dir herreiten, aber also hart er dich schläget, so hart schlägest du ihn wieder, so du dich wehrest. Denn wenn du gegen ihn streitest, so schürest du ihm sein Zornfeuer auf und zerstörest ihm sein Nest, das ist alsdann wie ein großer Aufruhr, als hieltest du eine gewaltige Schlacht mit ihm.

40. Und obgleich deinem Leibe etwas wehe geschieht, so geschieht ihm doch viel übeler, wenn er überwunden ist; so brüllet er wie ein Löwe, dem seine Jungen geraubet sind, denn der Grimm und Zorn Gottes peiniget ihn. Wenn du ihn aber zur Herberge einläßt, so wird er fett und geil und überwindet dich mit der Zeit.

41. Also hast du eine wahrhaftige Beschreibung des Himmels. Und ob du es gleich mit deiner Vernunft nicht fassen kannst, so kann ichs doch gar wohl fassen; so denke ihm doch nur vernünftig nach, was Gott sei.

42. Du siehest in dieser Welt nichts als die Tiefe, und darinnen die Sterne und die Geburt der Elementen. Wolltest du nun sagen, daß allda nicht Gott sei? Lieber, was ist dann an diesem Orte gewesen vor der Zeit der Welt? Wolltest du sagen, nichts, so redest du ohne Vernunft. Du mußt ja sagen, daß Gott allda gewesen sei, sonst wäre allda nichts worden.

43. Ist dann nun Gott allda gewesen, wer hat ihn dann weggestoßen oder überwunden, daß er nicht mehr da ist? Ist aber Gott da, so ist er ja in seinem Himmel und dazu in seiner Dreifaltigkeit.

44. Der Teufel aber hat das Zornbad angezündet, davon ist die Erde und die Steine, dazu die Elementa also beweglich, dazu also kalt, bitter und hitzig worden, und hat die äußerste Geburt ermordet.

45. Davon ist nun der Handel und mein ganz Fürnehmen zu schreiben, wie sie wieder sei lebendig worden und wie sie sich wieder gebäre. Und davon ist auch in den Kreaturen das tierische Fleisch worden; die Sünde aber in dem Fleische ist der Zorn Gottes.

46. Zum andern ist die Frage und der Handel in diesem Buche, wo dann der Zorn Gottes werde hinkommen. Da gibt der Geist Antwort, daß am Ende dieser verderbten Geburtzeit dem Teufel werde nach Auferstehung der Toten der Locus oder Raum, wo jetzt die Erde stehet, zum Eigentum und Zornhaus eingeräumt werden, und doch nicht durch alle drei Geburten, sondern nur die äußerste, in welcher er jetzt stehet. Die innerste aber wird ihn in ihrer Macht gefangen halten und zum Fußschemel brauchen, welche er ewig weder ergreifen noch berühren wird können.

47. Denn es hat nicht den Verstand, daß das Zornfeuer werde ausgelöschet werden und nicht mehr sein, sonst müßten die Teufel auch wieder heilige Engel werden und in dem heiligen Himmel leben; wo aber nicht, so muß ihnen ein Loch in dieser Welt zur Herberge werden.

48. Wenn dem Menschen seine Augen nur eröffnet würden, so sähe er überall Gott in seinem Himmel, denn der Himmel stehet in der innersten Geburt. Dazu da Stephanus den Himmel hat offen gesehen und den Herrn Jesum zur Rechten Gottes, Apg 7,55, da hat sich sein Geist nicht erst in den obern Himmel geschwungen, sondern er hat durchgedrungen in die innerste Geburt, da ist der Himmel an allen Enden.

49. Du darfst auch nicht denken, daß die Gottheit etwan ein Wesen sei, die nur im obern Himmel sei und daß unsere Seele, wenn sie vom Leibe scheidet, auf in den obern Himmel fahre viel hundert Meilen. Es darf des gar nicht, sondern sie wird in die innerste Geburt gesetzet; da ist sie bei Gott und in Gott und bei allen heiligen Engeln und kann bald droben sein und auch bald drunten; sie wird von nichts gehalten.

50. Denn in der innersten Geburt ist die obere und untere Gottheit ein Leib, eine offene Porten. Die heiligen Engel spazieren sowohl in der innersten Geburt dieser Welt bei unserem Könige Jesu Christo als im obern in ihrem Revier.

51. Und wo wollte die Seele des Menschen dann gern sein als bei ihrem Könige und Erlöser Jesu Christo? Denn in Gott ist Weit und Nahe als ein Ding, eine Begreiflichkeit, überall Vater, Sohn, Heiliger Geist.

52. Die Porten der Gottheit ist im obern Himmel nichts anders, auch nichts hellers als in dieser Welt. Und wo könnte doch größere Freude sein als an dem Orte, wo alle Stunden schöne, liebe, neugeborne Kinder und Engel zu Christo kommen, die durch den Tod sind ins Leben gedrungen? Die werden ohne Zweifel von vielen Streiten wissen zu sagen. Und wo möchte doch größere Freude sein, als wo mitten im Tode ohn Unterlaß immerdar das Leben geboren wird?

53. Bringt doch eine jede Seele einen neuen Triumph mit sich und ist nichts denn ein eitel freundlich Benevenieren und Willkommen. Denke, wenn die Seelen der Kinder zu den Eltern kommen, die sie in ihrem Leibe geboren haben, ob allda nicht möchte Himmel sein? Oder meinest du, ich schreibe zu irdisch? Wirst du an dieses Fenster kommen, du wirst nicht sagen, es sei irdisch; ob ich gleich muß eine irdische Zunge brauchen, so ist doch rechter himmlischer Verstand darunter, das ich in meiner äußersten Geburt weder schreiben noch reden kann.

54. Ich weiß wohl, daß das Wort von den drei Geburten nicht wird in einem jeden Herzen können begriffen werden, sonderlich wo das Herze zuviel im Fleische ersoffen ist und mit der äußersten Geburt verriegelt. Ich kanns aber nicht anders geben, denn es ist also. Und wenn ich gleich lauter Geist schreibe, wie es denn auch in Wahrheit nicht anders ist, so verstehet das Herze doch nur Fleisch, wie ich sehe.