*


Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren. Haben Sie Ihre Aktivierungs E-Mail übersehen?

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge

15. Kapitel - Von der fünften Species oder Gestalt der Sünden Anfang im Luzifer 473

Administrator Beiträge: 10836 Forumgründer *****
15. Kapitel - Von der fünften Species oder Gestalt der Sünden Anfang im Luzifer
« am: November 17, 2011, 08:24:39 Vormittag »
Von der fünften Species oder Gestalt der Sünden Anfang im Luzifer und seinen Engeln

 
44. Der fünfte Quellgeist in der göttlichen Kraft ist die holdselige Liebe. Die ist der rechte Anblick der Sanftmut und Demut, die wird auch im Blitz des Lebens geboren. Wenn der Blitz als ein Schrack geschwinde durchdringet, dadurch die Freude entstehet, so bleibet der Stock des angezündeten Lichts im süßen Wasser bestehen und dringet fein sanft dem Blitze nach durch das Feuer bis in die herbe Qualität, und sänftiget das Feuer, und macht die herbe Qualität fein linde und weich, welches auch eine Geburt des Wassers ist.

45. Wenn aber das Feuer den linden, süßen und weichen Schmack schmecket, sänftiget sichs und formieret sich in ein sanft Wärmen ganz lieblich, und geht gar ein freundlich Leben im Feuer auf und durchdringet mit dieser lieben sanften Wärme die herbe Qualität und stillet das kalte Feuer, und macht das Harte weich und das Dicke dünne und das Finstere licht.

46. Wenn aber der bittere Blitz mit samt dem herben und Feuergeiste diese Sanftmut kostet, so ist allda nichts denn eitel Sehnen, Begehren und Erfüllen, gar ein sanftes und liebliches Kosen, Ringen, Küssen und Liebe-Geburt. Denn aller Quellgeister strenge Geburten werden in diesem Durchdringen ganz sanft, lieblich, demütig und freundlich, und besteht recht die Gottheit hierinnen.

47. Denn in den ersten vier Quellgeistern stehet die göttliche Geburt. Darum müssen sie auch ganz strenge sein, wiewohl sie auch ihre sanfte Mutter, das Wasser, unter sich haben. Und in dem fünften stehet die holdselige Liebe und in dem sechsten die Freude und in dem siebenten die Formung oder Begreiflichkeit.

48. Nun wohl her, Luzifer, mit deiner Liebe, wie hast du dich gehalten? Ist deine Liebe auch ein solcher Quellbrunn? Wir wollen sie jetzt auch besehen, welch ein lieber Engel du bist worden.

49. Merke: So sich Luzifer nicht hätte erhoben und angezündet, so wäre sein Quellbrunn der Liebe nicht anders als in Gott, denn es war kein ander Salitter in ihm als in Gott.

50. Als er sich aber erhub, in willens, mit seinem animalischen Geiste die ganze Gottheit zu regieren, so war der Stock und Herze des Lichts, welches der Kern der Liebe im süßen Wasser ist, ein grimmig und nachdringend Feuerquell, davon in dem ganzen Corpus gar ein zitternd, brennend Regiment und Geburt entstund.

51. Wenn nun der animalische Geist in dieser strengen und herben Feuersgeburt geboren war, so drang er ganz grimmig aus dem Corpus in die Natur oder Salitter Gottes und zerstörete die holdselige Liebe in dem Salitter. Denn er drang ganz grimmig und feurig als ein Wüterich durch alles, und meinete, er wäre allein Gott. Er wollte mit der Schärfe herrschen.

52. Von diesen ist nun entstanden der große Widerwillen und ewige Feindschaft zwischen Gott und dem Luzifer. Denn die Kraft Gottes wallet ganz sanft, lieblich und freundlich, daß man auch ihre Geburt nicht begreifen kann. Und die Geister Luzifers wallen und reißen ganz herbe, feurig und geschwind wallend.

53. Dieses hast du ein Exempel an dem angezündeten Salitter der Sternen, welche von diesem angezündeten Grimme sich müssen mit der Eitelkeit also geschwind rumwälzen bis an den jüngsten Tag. Dann wird die Grimmigkeit von ihnen geschieden und dem König Luzifer zu einem ewigen Hause gegeben.

54. Daß aber dies ein großer Widerwillen in Gott sei, darf keines Beweisens, sondern ein Mensch mag denken, ob ihm ein solcher grimmiger Feuerquell im Leibe entstünde, was Widerwillen und Unlust haben würde, und wie gar oft der ganze Leib würde ergrimmet werden.

55. Welches denn freilich denen geschieht, welche den Teufel zur Herberge einnehmen. Aber weil er Gast ist, so liegt er stille wie ein zahm Hündlein. Aber wenn er Wirt wird, so stürmet er das Haus, wie er dem Leibe Gottes täte.

56. Darum ist nun das Zornfeuer Gottes noch in dem Leibe Gottes dieser Welt bis ans Ende und wird manche Kreatur im Zornfeuer verschlungen, davon gar viel zu schreiben wäre, aber es gehört an seinen gebührenden Ort.

57. Ob nun Gott diese Feindschaft und grimmen Feuerquell im Luzifer habe selber also geschaffen und angezündet? Das sollen die Vorsehungs- und Gnadenwähler verantworten und in der Natur beweisen; wo nicht, so soll dieser verderbte Feuerquell, welcher anstatt der Liebe stehet, auch kondemnieret werden.