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14. Kapitel - Die höchste Tiefe 465

Administrator Beiträge: 10836 Forumgründer *****
14. Kapitel - Die höchste Tiefe
« am: November 19, 2011, 07:54:52 Vormittag »
Die höchste Tiefe

 
88. Hie sollst du aber wissen, womit Luzifer hat wider Gott gestritten und Gott erzürnet; denn mit seinem Corpus hätte ers nicht tun können, denn sein Corpus begreift nicht weiter als den Ort, da er zumaln stehet, damit würde er nicht viel haben können tun, sondern es ist ein anders.

89. Hie merke auf: Der Geist, welcher im Centro des Herzens von allen sieben Quellgeistern geboren wird, der ist auch, weil er noch im Leibe ist, wenn er geboren ist, mit Gott inqualierend als ein Wesen, und ist auch kein Unterscheid.

90. Wenn derselbe Geist, welcher im Corpus geboren wird, durch die Augen etwas ansiehet oder durch die Ohren höret oder durch die Nasen reucht, so ist er schon in demselben Dinge und arbeitet drinnen als in seinem Eigentum. Und so es ihm gefället, so isset er davon und infizieret sich mit dem Dinge, und ringet mit ihm, und macht eine Temperanz, es sei auch ein Ding, so weit als es wolle. Also weit als sein ursprünglich oder anfänglich Königreich in Gott reichet, also weit kann der Geist augenblicklich regieren und wird von nichts gehalten.

91. Denn er ist und begreift die Gewalt wie Gott der Hl. Geist, und ist in diesem zwischen Gott dem Hl. Geist und des Corpus Geist gar kein Unterscheid als nur dieser, daß der Hl. Geist Gottes die ganze Fülle ist und des Corpus Geist nur ein Stücke, welcher durch die ganze Fülle dringet, und wo er hinkommt, sich mit demselben Orte infizieret und gleich in demselben Loco mit Gott herrschet.

92. Denn er ist aus Gott und in Gott und kann nicht gehalten werden als nur durch die sieben Naturgeister des Corpus, welche den animalischen, Geist gebären, die haben den Zügel bei der Hand und können ihn gebären, wie sie wollen.

93. Wenn die herbe Qualität, als der Vater, das Wort oder den Sohn oder Geist formet, so stehet er im Centro des Herzens gefangen, und wird von den andern Geistern approbieret, ob er gut ist. So er nun dem Feuer gefället, so läßt das Feuer den Blitz, darinnen der bittere Geist stehet, durch das süße Wasser gehen, allda empfänget es die Liebe und fährt mit ihm in die herbe Qualität.

94. Wenn nun der Blitz mit der Liebe wieder in die herbe Qualität kommt mit dem jetzt neugebornen Geiste oder Willen, so freuet sich die herbe Qualität des jungen neuen Sohnes und erhebet sich. Da fasset ihn der Ton und fährt mit ihm zum Munde, zu Augen, zu Ohren und zur Nasen heraus und richtet das aus, das im Rat der sieben Geister beschlossen ist. Denn wie des Rats Beschluß ist, also ist auch der Geist; und der Rat kann ihn ändern wie er will.

95. Darum steckt die ursprüngliche Lust im Zirkel des Herzens im Rat der sieben Geister. Wie dieselben den Geist gebären, so ist er auch.

96. Nun auf eine solche Weise hat Herr Luzifer die Gottheit in Zorn bracht, dieweil er mit allen seinen Engeln hat als ein boshaftiger Teufel wider die Gottheit gestritten, in willens, das ganze Revier unter seine ingebornen Geister zu bringen, daß dieselben sollten alles formen und bilden, und das ganze Revier sollte sich beugen und mit der angezündeten Schärfe der ingebornen Geister regieren und bilden lassen.

97. Und wie dieses eine Substanz in den Engeln hat, also hats auch eine Substanz im Menschen. Darum besinnet euch, ihr hoffärtigen, ihr geizigen, ihr neidigen, ihr zornigen, ihr lästerischen, ihr hurischen, ihr diebischen, ihr wucherischen Menschen, was ihr für ein Söhnlein oder Geist in Gott schicket.

98. Sprichst du: Wir schicken ihn nicht in Gott, sondern in unsern Nächsten oder in seine Arbeit, das uns liebet. – Nun, so zeige mir einen Ort, da du deinen lüsternen Geist hinschickest, es sei gleich ein Mensch oder Vieh oder Kleider oder Acker oder Geld oder was genannt mag werden, da nicht Gott ist. Aus ihm ist alles und er ist in allem, und er ist selber alles und hält und träget alles.

99. So sprichst du: Er ist aber in vielen Dingen mit seinem Zorne, dieweil es also hart und böse ist und der Gottheit nicht ähnlich. Ja, lieber Mensch, es ist alles wahr. In Silber, Gold, Steinen, Acker, Kleidern, Tieren und Menschen, was begreiflich ist, ist freilich überall der Zorn Gottes, sonst wäre es nicht also hart begreiflich.

100. Du sollst aber wissen, daß auch der Kern der Liebe in allem im verborgenen Centro stecket, es sei denn gar zu böse, das gefället dem Menschen auch nicht. Oder meinest du, daß du recht tust, daß du dich in Gottes Zorn badest? Sieh zu, daß es dir nicht Leib und Seele anzündet und du ewig darinnen brennest wie Luzifer!

101. Wenn aber Gott das Verborgene am Ende dieser Zeit wird hervorbringen, so wirst du wohl sehen, wo Gottes Liebe oder Zorn gewesen ist. Darum schaue zu und hüte dich und wende deine Augen vom Bösen oder du verderbest dich.

102. Ich nehme Himmel und Erden zum Zeugen, daß ich allhie verrichtet habe, wie mir Gott offenbarer hat, das sein Wille sei!

103. Also hat König Luzifer in seinem Corpus das süße Wasser in eine saure Schärfe verwandelt, in willens, hiemit in der ganzen Gottheit in seinem Übermut zu regieren. Er hats auch so weit gebracht, daß er in dieser Welt mit derselben Schärfe allen Kreaturen ins Herze greift, sowohl in Laub und Gras und in alles, als ein König und Fürste dieser Welt.

104. So nun nicht die göttliche Liebe noch in der ganzen Natur dieser Welt wäre und wir armen Menschen und Kreaturen nicht den Held im Streit bei uns hätten, so müßten wir in einem Augenblicke alle in dem höllischen Greuel verderben.

105. Darum singen wir wohl recht: "Mitten wir im Leben sind / Mit dem Tod umfangen. / Wo sollen wir den fliehen ihn / Daß wir Gnad erlangen? / Zu dir, Herr Christ, alleine."

106. Da ist nun der Held im Streit, zu dem wir fliehen müssen, welcher ist unser König Jesus Christus. Der hat in sich des Vaters Liebe und streitet in göttlicher Macht und Gewalt wider den angezündeten höllischen Greuel.

107. Zu dem müssen wir fliehen und der erhält die Liebe Gottes in dieser Welt in allem, sonst wäre es verloren: Nur hoffe, wart und beit / Es ist noch eine kleine Zeit, / Bis Teufels Reich darniederleit.

108. Ihr Philosophi und Juristen, die ihr aus Gott einen Teufel macht und saget, er, wolle das Böse. Allhie leget abermal eure Antwort ein, ob ihrs Recht könnt erhalten? Wo nicht, so soll der saure Geist im Luzifer auch kondemnieret werdet als ein Verderber und Feind Gottes und alles seines himmlischen Heeres.