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14. Kapitel - Von der ersten Species 417

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14. Kapitel - Von der ersten Species
« am: November 19, 2011, 07:57:37 Vormittag »
Von der ersten Species

 
54. Der erste Geist ist die herbe Qualität. Die ist in Gott ein fein lieblich Zusammenziehen, Vertrocknen und Kühlen, und wird zu der Bildung gebraucht; und ob sie in ihrer Tiefe etwas scharf ist, so temperiret sie sich doch mit dem süßen Wasser, daß sie ganz sanft, lieblich und freudenreich ist.

55. Und wenn das Licht des süßen Wassers in sie kommt, so gibt sie freundlich und freiwillig ihre Geburt dazu und machet es trocken und helle scheinend. Und wenn der Ton in dem Lichte aufsteiget, so gibt sie ihren Ton oder Klang fein sanft und brüderlich dazu. Auch so nimmt sie die Liebe von allen Geistern an. Der Hitze vergönnet sie auch, daß sie mag freundlich kühlen, und ist mit allen Qualitäten ein freundlicher Wille. Sie hilft auch gern den Naturgeist bilden und in demselben allerlei Formen, Figuren, Frucht und Gewächse nach allen sechs Geister Willen.

56. Sie ist gar ein demütiger Vater ihrer Kinder, der sie herzlich liebet und freundlich mit ihnen spielt, denn sie ist recht der andern sechs Geister Vater, welche sich in ihr gebären, und sie hilft sie alle gebären.

57. Nun, als Gott den Luzifer mit seinem Heer beschuf, da schuf er ihn aus dieser freundlichen Gottheit aus sich selber, aus dem Loco des Himmels und dieser Welt. Es war keine andere Materia dazu. Dieser lebendige Salitter war ganz sanft zusammengezogen, ohne Tötung oder ohne große Bewegung.

58. Es hatten aber die zusammenkorporierten Geister die Erkenntnis, Wissenschaft und das ewige unanfängliche Gesetze Gottes, und wußten wohl, wie sich die Gottheit gebar. So wußten sie auch wohl, daß das Herze Gottes Primus in der ganzen Gottheit war. Sie wußten auch wohl, daß sie nichts mehr zum Eigentum hatten, damit zu tun und zu lassen, als ihren eignen zusammenkorporierten Leib; denn sie sahen wohl, daß sich die Gottheit außer ihrem Corpus gebar, wie sie von Ewigkeit getan hatte.

59. So wußten sie auch wohl, daß sie nicht der ganze Raum oder Ort wären, sondern daß sie Kreaturen in demselben Raum oder Orte waren, die da sollten die Freude und wunderliche Proporzl, desselben Orts vermehren, und sollten mit demselben Raume oder Orte der Gottheit fein freundlich kordieren, inqualieren oder sich freundlich mit den Qualitäten außer ihrem Corpus infizieren.

60. Sie hatten auch alle Macht mit allen Figuren, Formen und Gewächsen zu tun, wie sie wollten; es war alles ein herzlich Liebesspiel in Gott. Sie hätten Gott ihren Schöpfer mit nichts zum Widerwillen beweget, ob sie gleich alle himmlischen Figuren und Gewächse zerbrochen, und hätten ihnen eitel Reitpferde daraus gemacht. Gott hätte ihnen immer genug andere lassen aufgehen, denn es wäre alles nur ein Spiel in Gott gewesen.

61. Denn zu dem Ende waren sie auch also geschaffen, daß sie sollten mit den Figuren und Gewächsen spielen und die nach ihrem Gefallen brauchen. Denn die Figuren haben sich von Ewigkeit etwan also gebildet und sind wieder durch die Quellgeister vergangen und verändert worden, denn das ist das ewige Spiel Gottes vor den Zeiten der Erschaffung der Engel gewesen.

62. Dessen hast du auch gar ein gut Exempel, wo du sehen willst und allhie nicht blind bist: an den Tieren, Vögeln und allem Gewächse dieser Welt. Das war alles zuvorhin geschaffen und aufgangen, ehe der Mensch geschaffen ward, welcher ist und bedeut das andere Heer, das Gott an des verstoßenen Luzifers Heers Stelle schuf, aus Luzifers Loco.

63. Nun, was tat aber die herbe Qualität im Luzifer? Als sie Gott also fein sanft hatte zusammenkorporieret, da befand sie sich mächtig und gewaltig, und sah, daß sie einen schönen Corpus hielt, als die Figuren außer ihr waren. Darum ward sie hochmütig und erhub sich in ihrem Corpus, und wollte strenger sein als der Salitter außer ihrem Corpus.

64. Weil sie es aber allein nicht tun konnte, so heuchelte sie mit den andern Geistern, daß sie ihr als dem Vater folgeten und taten alle wie sie, ein jeder in seiner eignen Qualität.

65. Als sie sich nun also vereinigten, so gebaren sie auch einen solchen Geist, der fuhr zum Munde, zu Augen, zu Ohren und zur Nasen heraus und infizierte sich mit dem Salitter außer dem Corpus.

66. Denn das war der herben Qualität Fürsatz, daß, dieweil sie also herrlich als der Kern aus dem ganzen Königreich zusammenkorporieret war, sie auch durch ihren Geist, den sie mit den andern Geistern gebar, wollte außer ihrem Corpus in dem ganzen Salitter Gottes mit der Schärfe gewaltig regieren, und sollte alles in ihrer Gewalt stehen.

67. Sie wollte alles durch ihren Geist den sie gebar, bilden und formen gleichwie die ganze Gottheit. Sie wollte Primus in der ganzen Gottheit sein, das war ihr Fürsatz.

68. Dieweil sie es aber in ihrem rechten natürlichen Sede nicht vollenden konnte, so erhub sie sich und zündete sich an. Mit diesem Anzünden zündete sie auch ihren Geist an. Der fuhr nun zum Munde, Ohren, Augen und Nasen aus, als ein ganz grimmiger Geist, und stritt wider den Salitter in seinem Loco als wie ein stiirmiger Herr, und zündete, und zündet den Salitter an und zog mit Gewalt alles zusammen.

69. Du mußts recht verstehen: Der herbe Quell in dem ausgegangenem Geiste zündet die herbe Qualität in seinem Loco an und herrschete mit Gewalt in der herben Qualität im Salitter. Und das wollte die herbe Qualität des Salitter nicht haben, sondern stritt mit dem süßen Wasser gegen diesen Geist. Aber es half nichts, der Sturm ward je länger je größer, bis die herbe Qualität des Salitters angezündet war.

70. Als nun dieses geschah, so ward der Sturm also groß, daß die herbe Qualität den Salitter zusammenzog, daß harte Steine daraus worden. Und daher haben die Steine in dieser Welt den Ursprung, und das Wasser im Salitter ward auch zusammengezogen, daß es gar dicke war, wie es in dieser Welt jetzt ist.

71. Als sich aber die herbe Qualität im Luzifer anzündete, so ward sie auch ganz kalt, denn die Kälte ist ihr eigen Geist, darum zündet sie jetzt auch mit ihrem kalten Feuer in dem Salitter alles an. Und davon ist das Wasser also kalt, finster und dicke worden in dieser Welt, und davon ist alles so hart und begreiflich worden, welches vor den Zeiten der Engel nicht war. Dieses war nun ein großer Widerwillen in dem göttlichen Salitter, ein großer Kampf und Streit und eine ewige Feindschaft.

72. Sprichst du nun: Gott hätte ihm sollen Widerstand tun, daß so weit nicht wäre kommen. Ja, lieber blinder Mensch, es stund nicht ein Mensch oder Tier vor Gott, sondern es war Gott wider Gott, ein Starker wider einen Starken. Dazu, wie sollte ihm Gott Widerstand tun? Mit der freundlichen Liebe wollte es nicht gelten, Luzifer verachtete es nur und wollte selber Gott sein.

73. Sollte ihm denn Gott mit Zorn begegnen, welches doch endlich geschehen mußte, so mußte sich Gott selber in seinen Qualitäten anzünden in dem Salitter, darinnen König Luzifer wohnete, und mußte im starken Eifer wider ihn streiten. Von diesem Streit ist dies Königreich also finster, wüste und böse worden, darauf he nach eine ander Schöpfung folgen mußte.

74. Ihr Philosophi und Juristen des Fürsten Luzifer, hie verantwortet erstlich den herben Geist im Luzifer, ob er recht gehandelt habe oder nicht, und beweiset das in der Natur. Ich will nicht eure gezerrete und gedehnete gebogenen Schriften haben zum Beweis, sondern lebendige Zeugen.

75. Ich stelle euch auch lebendige Zeugen dar, als nämlich den erschaffenen und begreiflichen Himmel, die Sternen, die Elementa, die Kreaturen, die Erde, die Steine, die Menschen und endlich euren finstern, kalten, hitzigen, harten, rauhen, bösen Fürsten Luzifer selber. Dieses alles ist durch seine Erhebung also worden.

76. Hie leget eure Verantwortung über diesen Geist ein; wo nicht, so soll er kondemnieret werden. Denn das ist das Recht Gottes, das keinen Anfang hat, daß sich das Kind, das von der Mutter geboren ist, soll vor der Mutter demütigen und ihr gehorsam sein, denn es hat sein Leben und seinen Leib von der Mutter, die es geboren hat.

77. Auch so ist der Mutter Haus, dieweil die Mutter lebet, nicht des Kindes Eigentum, sondern sie behält es aus Liebe bei sich und nähret es und hänget ihm den schönsten Schmuck an, den sie hat, und gibts ihm zum Eigentum, auf daß ihre Freude an dem Kinde vermehret wird und sie mit ihm mag Freude haben.

78. Da sich aber das Kind wider die Mutter auflehnet und nimmt der Mutter alles und herrschet über sie und schlägt sie noch dazu, und zwinget sie in andere Sitten wider Rat und Billigkeit, so ist ja recht, daß das Kind aus dem Hause gestoßen wird, und muß hinter den Zäunen liegen und hat sein kindlich Erbteil verloren.

79. Also ist es mit Gott und seinem Kinde Luzifer auch gangen. Der Vater hatte ihm auch den allerschönsten Schmuck angeleget, in Hoffnung, Freude mit ihm zu haben. Als aber das Kind den Schmuck bekam, so verachtete es den Vater und wollte über den Vater herrschen und dem Vater sein Haus zerstören, und schlug noch dazu den Vater und wollte sich nicht weisen und lehren lassen.