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13. Kapitel - Schrecklicher und kläglicher Fall des Königreichs Luzifers 440

Administrator Beiträge: 10836 Forumgründer *****
13. Kapitel - Schrecklicher und kläglicher Fall des Königreichs Luzifers
« am: November 19, 2011, 08:19:45 Vormittag »
Von dem schrecklichen, kläglichen und elenden Falle des Königreichs Luzifers


    Vor diesen Spiegel will ich alle hoffärtigen, geizigen, neidischen und zornigen Menschen geladen haben. Da werden sie den Ursprung ihrer Hoffart, Geizes, Neides und Zornes sehen und auch den Ausgang und endliche Belohnung.

2. Es haben die Gelehrten viel und mancherlei Monstra herfürbracht von dem Anfang der Sünden und Ursprung des Teufels, und haben sich damit gekratzet. Ein jeder hat gemeinet, er habe die Art bei dem Stile, und ist ihnen gleichwohl sämtlich verborgen blieben bis auf dato.

3. Weil sichs aber nunmehr will gänzlich offenbaren, als wie in einem hellen Spiegel, so ist wohl zu vermuten, daß der große Tag der Offenbarung Gottes nunmehr vorhanden ist, da sich die Grimmigkeit und das angezündete Feuer von dem Lichte scheiden wird.

4. Darum soll sich keiner selber stockblind machen, denn die Zeit der Wiederbringung, was der Mensch verloren hat, die ist nunmehr vorhanden, die Morgenröte bricht an. Es ist Zeit vom Schlafe aufzuwachen.

5. Nun fragt sichs: Was ist denn der Quell der ersten Sünden des Königreichs Luzifers? Allhie muß man die höchste Tiefe der Gottheit wieder vor die Hand nehmen und besehen, woraus König Luzifer ist zu einer Kreatur worden, oder was der erste Quell der Bosheit in ihm gewesen sei.

6. Es entschuldiget sich der Teufel und seine Rotten, sowohl auch alle gottlosen Menschen, die in der Verderbung gezeuget werden, noch immerdar, Gott tue ihnen unrecht, daß er sie verstoße.

7. Es darf auch wohl die jetzige Welt sagen, Gott habe es in seinem vorsätzlichen Rate also beschlossen, daß etliche Menschen sollen selig sein und etliche verdammt. Dazu habe Gott den Fürsten Luzifer darum verstoßen, daß er soll ein Spektakel sein des Zorns Gottes.

8. Als gleich ob die Hölle oder das Böse von Ewigkeit gewesen wäre und Gott in seinem Fürsatz hätte, daß Kreaturen darinnen sein sollen und müssen, und kratzen und dehnen sich also mit den Schriften solches zu erweisen, da sie doch weder Erkenntnis des rechten Gottes noch der Schrift Verstand haben, wiewohl in die Schrift auch etlich irrig Ding gebrauen ist.

9. Christus saget: Der Teufel sei ein Mörder und Lügner vom Anfang gewesen und sei in der Wahrheit nie bestanden, Joh 8,44. Weil ihm aber dieselben Rechtsprecher und Disputierer so treulich bestehen und verkehren Gottes Wahrheit in Lügen, indem sie aus Gott einen durstigen und grimmigen Teufel machen, der das Böse geschaffen habe und noch wolle, so sind sie mit samt dem Teufel allzumal Mörder und Lügner.

10. Denn gleichwie der Teufel ein Stifter und Vater der Höllen und Verdammnis ist, und hat ihm die höllische Qualität selber erbauet und zugerichtet zu seinem königlichen Sitz, also sind auch solche Skribenten der Lügen und Verdammnis Baumeister, die dem Teufel helfen seine Lügen bestätigen und aus dem barmherzigen, lieblichen, freundlichen Gott einen Mörder und eifrigen Verderber machen und verkehren Gottes Wahrheit in Lügen.

11. Denn im Propheten spricht Gott: So wahr ich lebe, ich habe nicht Lust am Tode des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe, Ez 33,11. Und im Psalmen stehet: Du bist nicht ein Gott, der das Böse will, Ps 5,5.

12. Dazu hat Gott den Menschen Gesetze gegeben und das Böse verboten und das Gute geboten. So denn Gott das Böse wollte und auch das Gute, so müßte er mit ihm selber uneins sein, und würde folgen, daß eine Zerstörung in der Gottheit sei, daß eines wider das ander laufe und eines das ander verderbe.

13. Nun wie dieses alles beschaffen sei oder wie die Bosheit seinen ersten Quell, Ursprung und Anfang habe genommen, will ich in höchster Einfalt in der größten Tiefe erklären.

14. Es ladet und zitieret derowegen der Geist alle verirreten und vom Teufel verführeten Menschen auf diese Schule vor diesen Spiegel. Da werden sie dem Mordteufel ins Herze sehen. Wer sich nun vor seiner Lügen nicht hüten will, da er doch wohl kann, dem ist kein Rat, weder hie noch dorte. Wer mit ihm säen will, der wird auch mit ihm ernten. Im Centro des Blitzes beweiset sich, daß die Ernte schon gar weiß ist, da wird ein jeder einernten, was er ausgesäet hat.

15. Allhie will ich mein überantwortet Pfund auf Zins ausleihen, wie mir denn befohlen ist. Wer nun mit mir wuchern und handeln will, dem solls frei stehen, er sei gleich ein Christ, Jude, Türke oder Heide. Es gilt mir alles gleich. Mein Kaufhaus soll einem jeden offen stehen, und soll keiner gefinanzet oder betrogen werden, sondern es soll ihm recht geschehen.

16. Da mag nun ein jeder zusehen, daß er handele, damit er seinem Herrn Wucher erwerbe. Denn ich fürchte wohl, es werde sich nicht ein jeder Kaufmann können in meine Ware schicken, sintemal sie manchem gar unbekannt wird sein. So wird auch nicht ein jeder meine Sprache verstehen.

17. Derowegen will ich einen jeden gewarnet haben, daß er vorsichtig handele und sich nicht bedünken lasse, er sei reich, er könne nicht arm werden. Wahrlich ich habe wunderbarliche Ware feil; es wird sich nicht ein jeder darin verstehen.

18. Da nun einer in seiner vollen Weise hineinplumpte und geriete in Verderben, der mag ihm selber die Schuld geben. Er bedarf wohl eines Lichtes in seinem Herzen, damit sein Verstand und Gemüte möchte regieret werden.

19. Anders komme er nur nicht auf mein Kaufhaus oder er betreugt sich selber, denn die Ware, die ich feil habe, die ist gar edel und teuer und bedarf gar scharfen Verstand. Darum siehe dich vor und steig nicht in die Höhe, wo du keine Leiter siehest, oder du fällest.

20. Mir aber ist die Leiter Jakobs gezeiget, darauf bin ich gestiegen bis in Himmel, und habe meine Ware empfangen, die ich feil habe. Will mir nun jemand nachsteigen, der sehe auch, daß er nicht trunken sei, sondern er muß umgürtet sein mit dem Schwert des Geistes .

21. Denn er muß durch eine grausame Tiefe steigen. Der Schwindel wird ihm oft in Kopf kommen. Dazu muß er mitten durch der Höllen Reich steigen. Was er allda wird für Verhöhnung und Spott müssen leiden, das wird er wohl erfahren.

22. Ich habe es in diesem Kampf auch oft müssen mit traurigem Herzen erfahren. Die Sonne ist mir oft verloschen, aber wieder aufgegangen. Und je öfter sie verloschen ist, je heller und schöner ist sie wieder aufgegangen.

23. Nicht schreibe ich mir dies zum Lobe, sondern ob dirs auch also ginge, daß du darum nicht gar verzweifelst, denn es gehöret gar strenge Arbeit hierzu, wer zwischen Himmel und Hölle will mit dem Teufel fechten, denn er ist ein mächtiger Fürst.

24. Darum schaue zu, daß du den Panzer des Geistes anhabest, anders komme nur nicht auf mein Kaufhaus oder du wirst mit dieser Ware übel handel. Du mußt dem Teufel und der Welt absagen, willst du kämpfen, sonst siegest du nicht. So du aber nicht siegest, so laß mein Buch mit Frieden und bleibe bei dem alten oder du wirst bösen Lohn empfahen. Irre dich nicht, Gott läßt sich nicht spotten, Gal 6,7.

25. Es ist fürwahr ein enger Steg; der da will durch der Höllen Pforten zu Gott dringen, er muß manchen Druck und Quetsch des Teufels leiden. Denn das menschliche Fleisch ist gar jung und zart, und der Teufel rauh und hart, dazu finster, hitzig, bitter, herb und kalt. Die zwei fügen sich übel zusammen.

26. Darum will ich den Leser treulich gewarnet haben als wie mit einer Vorrede über diese große Geheimnis, ob er dies Ding nicht verstünde und doch gern verstehen wollte, daß er wollte Gott um seinen Hl. Geist bitten, daß er ihn wolle mit dem selben erleuchten.

27. Ohne Erleuchtung desselben wirst du diese Geheimnis nicht verstehen, denn es ist in des Menschen Geist ein fest Schloß davor, das muß vonehe aufgeschlossen werden. Und das kann kein Mensch tun, denn der Hl. Geist ist allein der Schlüssel dazu.

28. Darum willst du eine offene Porte in die Gottheit haben, so mußt du in Gottes Liebe wallen. Das hab ich dir zur Nachrichtung hieher gesetzt.

29. Nun merke: Ein jeder Engel ist geschaffen in dem siebenten Quellgeiste, welcher ist die Natur. Daraus ist sein Leib zusammenkorporieret, und ist ihm sein Leib zum Eigentum gegeben worden, und derselbe ist für sich frei, gleichwie der ganze Gott frei ist.

30. Er hat außer ihm keinen Trieb. Sein Trieb und Beweglichkeit stehet in seinem Corpus. Derselbe ist auf Art und Weise wie der ganze Gott ist und sein Licht und Erkenntnis, dazu sein Leben wird auf Art und Weise geboren, wie das ganze göttliche Wesen geboren wird. Denn der Leib ist der zusammenkorporierte Naturgeist und umschleußt die andern sechs Geister. Die gebären sich in dem Leibe gleichwie in der Gottheit.

31. Nun hat Luzifer den allerschönsten und kräftigsten Leib im Himmel unter allen Fürsten gehabt. Und sein Licht, das er in seinem Leibe immer geboren hat, das hat mit dem Herzen oder Sohn Gottes inkorporieret, als wäre es ein Ding.

32. Als er aber gesehen hat, daß er also schöne ist, und hat empfunden seine innerliche Geburt und große Gewalt, so hat sein Geist, den er in seinen Corpus geboren hat, der da ist sein animalischer Geist oder Sohn oder Herze sich enthebet, in willens über die göttliche Geburt zu triumphieren und sich über das Herze Gottes zu erheben.

33. Hier merke die Tiefe: Im mittlern Quellbrunne, welcher ist das Herze, da gehet die Geburt auf. Die herbe Qualität reibet sich mit der bittern und Hitze. Da zündet sich das Licht an. Das ist der Sohn, dessen er in seinem Leibe immer schwanger ist, und das ihn erleuchtet und lebendig machet.

34. Nun ist dasselbe Licht im Luzifer also schön gewesen, daß es hat des Himmels Gestalt übertroffen, und in demselben Lichte ist der vollkommene Verstand gewesen, denn alle sieben Quellgeister gebären dasselbe Licht.

35. Nun aber sind die sieben Quellgeister des Lichtes Vater und mögen der Geburt des Lichts zulassen, wieviel sie wollen. Das Licht kann sich nicht höher erheben als ihm die Quellgeister zulassen.

36. Wenn aber das Licht geboren ist, so erleuchtet es alle sieben Quellgeister, daß sie alle sieben verständig sind und geben alle sieben ihren Willen zur Geburt des Lichtes.

37. Nun hat aber ein jeder Macht, seinen Willen in der Geburt des Lichtes zu ändern, nach dem es vonnöten tut. So nun das geschieht, so kann der Geist nicht also triumphieren, sondern muß seine Pracht legen. Und darum sind alle sieben Geister in voller Gewalt, und hat ein jeder den Zügel bei der Hand, daß er mag innehalten und den gebornen Geist nicht lassen höher triumphieren als ihm gebühret.

38. Die sieben Geister aber, die in einem Engel sind, die das Licht und den Verstand gebären, die sind mit dem ganzen Gott verbunden, daß sie nicht sollen anders oder höher oder sehrer qualifizieren als Gott selber, denn Gott hat sie darum aus sich geschaffen, daß sie sollen in solcher Form und Weise qualifizieren wie Gott selber.

39. Nun taten aber die Quellgeister im Luzifer solches nicht, sondern weil sie sahen, daß sie im höchsten Primat saßen, so bewegten sie sich also hart, daß der Geist, den sie geboren, ganz feurig ward, und stieg im Quellbrunne des Herzens auf wie eine stolze Jungfrau.

40. So die Quellgeister hätten feinlich qualifizieret, wie sie taten, ehe sie kreatürlich worden, als sie noch in gemein in Gott waren vor der Schöpfung, so hätten sie auch einen lieblichen und sanften Sohn in sich geboren, der wäre dem Sohn Gottes gleich gewesen, und wäre das Licht im Luzifer und der Sohn Gottes ein Ding gewesen, eine Inqualierung oder Infizierung, ein lieblich Halsen, Herzen und Ringen.

41. Denn das große Licht, welches ist das Herze Gottes, das hätte fein sanft und lieblich mit dem kleinen Licht im Luzifer als mit einem jungen Sohn gespielet. Denn der kleine Sohn im Luzifer sollte des Herzens Gottes liebes Brüderlein sein.

42. Zu solchem Ende hat Gott der Vater die Engel geschaffen, daß gleichwie er in seinen Qualitäten vielfältig und in seiner Veränderung unbegreiflich ist in seinem Liebe-Spiel, also sollten auch die Geisterlein oder die Lichterlein der Engel, welche sind wie der Sohn Gottes, vor dem Herzen Gottes in dem großen Lichte fein sanft spielen, damit die Freude im Herzen Gottes möchte hier vermehret werden, und möchte also in Gott ein heiliges Spiel sein.

43. Die sieben Geister der Natur im Engel, die sollten fein lieblich in Gott ihrem Vater spielen und aufsteigen, wie sie vor ihrem kreatürlichen Wesen getan hatten, und sich in ihrem neugebornen Sohne freuen, den sie aus sich selbst geboren hatten, welcher das Licht und Verstand ihres Leibes ist.

44. Und dasselbe Licht sollte fein sanft in dem Herzen Gottes aufsteigen und sich in dem Lichte Gottes freuen als wie ein Kind bei seiner Mutter. Da sollte sein herzlich Lieben und freundlich Küssen, gar ein sanfter und lieblicher Geschmack.

45. In diesem sollte der Ton aufsteigen und schallen mit Singen und Klingen, Loben und Jubilieren, und sollten sich alle Qualitäten darinnen freuen und ein jeder Geist seine göttliche Arbeit treiben wie Gott der Vater selber. Denn solches hatten die sieben Geister in vollkommlicher Erkenntnis, denn sie waren mit Gott dem Vater inqualieret, daß sie alles konnten sehen, fühlen, schmecken, riechen und hören, was Gott ihr Vater machte.

46. Als sie sich aber erhuben in scharfer Anzündung, so taten sie ja wieder Naturrecht anders als Gott ihr Vater tat, und das war ein Quell wider die ganze Gottheit. Denn sie zündeten den Salitter des Corpus an und gebaren einen hoch triumphierenden Sohn, der in der herben Qualität war und hart, rauh, finster und kalt, in der süßen brennend, bitter und feuerig. Der Tod war ein harter Feuerklang, die Liebe war eine hochmütige Feindschaft wider Gott.

47. Da stund nun die angezündete Braut in dem siebenten Naturgeiste wie eine stolze Bestia, und vermeinete nun, sie wäre über Gott, es wäre ihr nichts gleich. Die Liebe war erkaltet, das Herze Gottes konnte sie nicht berühren, denn es war ein Widerwillen zwischen ihnen. Das Herze Gottes wallete fein sanft und liebreich. So wallete das Herze des Engels ganz finster, hart, kalt und feurig.

48. Nun sollte das Herze Gottes mit dem Herze des Engels inqualieren, und das konnte nicht sein, denn es war Hart wider Weich, und Sauer wider Süße und Finster wider Licht und Feuer wider ein lieblich Wärmen, und hartes Pochen wider einen lieblichen Gesang.

49. Höre Luzifer, wer ist nun schuld dran, daß du bist ein Teufel worden? Ist Gott, wie du lügst? 0 nein, du selber. Die Quellgeister in deinem Corpus, der du selber bist, die haben dir ein solch Söhnlein geboren. Du kannst nicht sagen, daß den Salitter, daraus er dich machte, hat angezündet, sondern deine Quellgeister tatens, nachdem du schon ein Fürst und König Gottes warest.

50. Darum wenn du sagest, Gott habe dich also geschaffen oder ohne genugsame Ursachen aus deinem Loco gespeiet, so bist du ein Lügner und Mörder, denn das ganze Himmelsheer gibt Zeugnis wider dich, daß du dir die grimmige Qualität hast selber zugerichtet.

51. Ists nicht wahr, so fahre vor Gottes Antlitz und verantworte dich. Aber du siehests ohne das wohl und darfst es nicht wohl anschauen. Lieber, möchtest du nicht einen freundlichen Kuß von dem Sohne Gottes haben, daß du dich einmal labest. Wo du redet bist, so schau ihn doch einmal an, vielleicht wirst du gesund.

52. Aber warte ein wenig, es sitzt ein anderer auf deinem Stuhle. Der lässet sich küssen und ist seinem Vater ein gehorsamer Sohn und tut, wie der Vater tut. Warte nur noch eine kleine Weile, so wird dich das höllische Feuer küssen. Nimm derweil mit dem Latein fürlieb, bis dir mehr draus wird, du wirst bald deine Krone verlieren.

53. Nun möchte einer fragen: Was ist denn eigentlich im Luzifer die Feindschaft wider Gott, darum er aus seinem Loco getrieben worden ist? Allhie will ich dir den Kern und das Herze Luzifers eigentlich zeigen. Da wirst du sehen, was ein Teufel ist oder wie er ein Teufel worden ist. Darum schaue zu und lade ihn nicht zu Gaste, denn er ist Gottes und aller Engel und Menschen abgesagter Feind, und das in seine Ewigkeit.

54. Wirst du nun dieses recht verstehen und begreifen, so wirst du nicht aus Gott einen Teufel machen, wie etliche tun, die da sagen, Gott habe das Böse gsechaffen und wolle noch, daß etliche Menschen sollen verloren werden; welche dem Teufel seine Lügen helfen vermehren und führen über sich selbst das strenge Urteil, indem sie Gottes Wahrheit in Lügen verkehren.

55. Nun merke: Die ganze Gottheit hat in ihrer innerlichsten oder anfänglichsten Geburt im Kern gar eine scharfe erschreckliche Schärfe, indem die herbe Qualität gar ein erschrecklich, herb, hart, finster und kalt Zusammenziehen ist gleich dem Winter, wenn es grimmig kalt ist, daß aus dem Wasser Eis wird, und dazu ganz unerträglich.

56. Denke, wenn im Winter, wenn es also kalt ist, sollte die Sonne weggenommen werden, was da für eine Kälte und ganz rauhe und harte Finsternis sein würde. Da könnte kein Leben bestehen.

57. Auf eine solche Art ist die herbe Qualität im innersten Kern in sich selbst und für sich allein außer den andern Qualitäten in Gott, denn die Strengigkeit macht die Zusammenziehung und Haltung eines Corpus, und die Härtigkeit vertrocknete, daß es kreatürlich bestehet.

58. Und die bittere Qualität ist ein reißend, durchdringend und schneidend bitter Quell, denn sie zerteilst und zertreibet die harte und herbe Qualität und macht die Beweglichkeit. Und zwischen diesen zwei Qualitäten wird die Hitze geboren von ihrem harten und grimmigen bittern Reiben, Reißen und Toben, die steiget in der bittern und harten Qualität auf als eine grimmige Anzündung, und fähret hindurch als ein harter Feuerklang, davon der harte Ton entstehet. Und in solchem Aufsteigen oder solch Aufsteigen wird in der herben Qualität umschlossen und befestigst, daß es ein Corpus ist, der bestehet.

59. Nun so denn in diesem Corpus keine Qualität mehr wäre, die da könnte dieser vier Qualitäten Grimmigkeit löschen, so wäre ja eine stete Feindschaft darinnen, denn die bittere wäre wider die herbe, indem sie also darinnen stürmet und reißet und die herbe zersprenget.

60. So wäre die herbe auch wider die bittere, indem sie die bittere also zusammenzeucht und gefangen hält, daß sie ihren eigenen Gang nicht haben könnte.

61. Und die Hitze wäre wider die alle beide, indem sie mit ihrem grimmen Anzünden und Aufsteigen alles hitzig und wütend machet, und ganz wider die Kälte ist.

62. So wäre der Ton eine große Feindschaft in den andern allen, indem er mit Gewalt durch alles fähret als ein Wüterich.

63. Nun dieses ist also die allertiefeste und innerlichste, verborgene Geburt Gottes, nach welcher er sich einen zornigen, eiferigen Gott nennet, wie bei den Zehn Geboten am Berge Sinai zu sehen ist; Ex 20,5; Deut 5,9. Und in solcher Qualität stehet die Hölle und ewige Verderbnis, dazu die ewige Feindschaft und Mordgrube, und eine solche Kreatur ist der Teufel worden.

64. Weil er aber nun ein abgesagter Feind Gottes ist und gleichwohl die Disputierer und Teufelshelfer wollen erzwingen, daß Gott das Böse und auch das Gute wollte und daß Gott etliche Menschen habe zur Verdammnis geschaffen, so ladet sie der Geist Gottes bei Pön ewiger Feindschaft vor diesen Spiegel. Da soll ihr Herz aufgeschlossen werden und sollen sehen, was Gott ist oder wer der Teufel ist oder wie er ein Teufel worden ist.

65. Ist dein Herze nicht im Tode verriegelt durch deinen Mutwillen und Gotteslästerung und ersoffene greuliche Sünden, in willens, davon nicht abzustehen, so wache auf und siehe!

66. Ich nehme Himmel und Erden, dazu Sternen und Elementa und alle Kreaturen und den Menschen in seiner ganzen Substanz selber zum Zeugnis, und will es auch helle und klar an seinem gehörenden Orte mit allen diesen erzählten Dingen erweisen, sonderlich bei der Schöpfung aller Kreaturen.

67. Genüget dir an diesen Dingen nicht, so bitte Gott, daß er dir dein Herze auftut, so wirst du Himmel und Hölle, dazu die ganze Gottheit in aller ihrer Qualität erkennen und sehen; alsdann wirst du wohl aufhören, dem Teufel Recht zu sprechen. Ich kann dir dein Herze nicht aufschließen. Nun merke: