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12. Kapitel - Von der englischen Freude 455

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12. Kapitel - Von der englischen Freude
« am: November 19, 2011, 08:48:02 Vormittag »
Von der englischen Freude

 
19. Nun fragt sichs: Was tun denn die Engel Gottes im Himmel oder warum oder zu was Mittel hat sie Gott geschaffen? Das möget ihr Geizhälse merken, die ihr in dieser Welt nach Hoffart, Ehre, Ruhm, Gewalt, Geld und Gut trachtet und dränget dem Armen seinen Schweiß und Blut ab, und verpranget ihm seine Arbeit, und vermeinet, ihr seid besser als der einfältige Laie, wozu euch Gott geschaffen hat.

20. Frage: Warum hat Gott Fürstenengel geschaffen und nicht alle gleiche? Siehe, Gott ist ein Gott der Ordnung. Wie es nun in seinem Regiment in ihm selber, das ist in seiner Geburt und in seinem Aufsteigen gehet, wallet und ist, also ist auch der Engel Orden.

21. Gleichwie in ihm sind vornehmlich sieben Qualitäten, dadurch das ganze göttliche Wesen getrieben wird und sich in diesen sieben Qualitäten in unendlich erzeiget und doch die sieben Qualitäten Primus in der Unendlichkeit sind, dadurch die göttliche Geburt ewig in seiner Ordnung unveränderlich bestehet. Und gleichwie inmitten der sieben Geister Gottes das Herze des Leben geboren wird, davon die göttliche Freude aufgehet, also ist auch der Engel Orden.

22. Die Fürstenengel sind nach den Geistern Gottes geschaffen und der Cherub nach dem Herzen Gottes. Wie nun das göttliche Wesen wirket, also auch die Engel. Welche Qualität im Wesen Gottes aufgehet und sich sonderlich erzeiget in seiner Wirkung, als im Aufsteigen des Tones oder des göttlichen Wirkens, Ringens oder Kämpfens, derselbe englische Fürst, der derselben Qualität am stärkesten zugetan ist, der fänget auch seinen Reihen mit seinen Legionen an, mit Singen, Klingen, Tanzen, Freuen und Jubilieren.

23. Das ist eine himmlische Musica, denn das singet ein jeder nach seiner Qualität Stimme. Und der Fürst führet den Reihen, gleichwie ein Kantor mit seinen Schülern. Und der König freuet sich und jubilieret mit seinen Engeln dem großen Gott zu Ehren und zur Vermehrung der himmlischen Freuden. Und das ist in dem Herzen Gottes wie ein heiliges Spiel, und dazu sind sie auch geschaffen zur Freude und Ehre Gottes.

24. Wenn nun aufgehet die himmlische Musica der Engel, so gehet in der himmlischen Pomp in dem göttlichen Salitter auf allerlei Gewächse, allerlei Figuren, allerlei Farben, denn die Gottheit erzeiget sich in unendlich und in unerforschlicherlei Art, Farben, Formen und Freuden.

25. Nun welcher Quellgeist in der Gottheit sich dazumalen sonderlich erzeiget mit seinem Aufsteigen und Liebe-Ringen als wäre er Primus worden, derselbe Fürstenengel hebet auch alsbald seine himmlische Musica mit seinen zugetanen Engeln an, nach seiner Qualität mit Singen, Klingen, Pfeifen und aller himmlischen Kunst, die in den Geistern Gottes aufgehet.

26. Wenn aber das Zentrum inmitten aufgehet, das ist die Geburt des Sohnes Gottes sich sonderlich erzeiget als ein Triumph, da gehet auf die Musica oder Freuden aller drei königlichen Regimenten der ganzen Schöpfung aller Engel.

27. Was nun allhie für Freude sein mag, gebe ich einer jeden Seelen zu bedenken. Ich kanns in meiner verderbten Natur nicht fassen, viel weniger schreiben. Mit diesem Gesang zitiere ich den Leser in jenes Leben. Da wird er selber mit am Reihen sein und erst diesem Geist Glauben geben. Was er hie nicht verstehet, das wird er dort im Schauen haben.

28. Du sollst wissen, es ist aus keinem Steine gesogen, sondern wenn der Blitz im Centro aufgehet, so siehets und erkennets der Geist. Darum schaue zu und spiele nicht höhnisch an diesem Orte oder du wirst vor Gott ein Spötter erfunden werden, und darf dir wohl gehen wie dem König Luzifer.

29. Nun fragt sichs: Was tun denn die Engel, so sie nicht singen? Siehe, was die Gottheit tut, das tun sie auch: Wenn die Geister Gottes in sich fein lieblich einander gebären und ineinander aufsteigen als ein liebliches Halsen, Küssen und voneinander Essen, in welchem Geschmack und Geruch das Leben aufgehet und die ewige Erquickung, davon du davorne nach der Länge findest zu lesen, so gehen auch die Engel fein freundlich, holdselig und lieblich in dem himmlischen Revier miteinander spazieren und schauen die wunderbarliche und liebliche Gestalt des Himmels und essen von den holdseligen Früchten des Lebens.

30. Nun fragest du: Was reden sie miteinander? Siehe, du prächtiger, stolzer und hoffärtiger Mensch, die Welt will dir allhie zu enge werden, und du denkest, es sei dir niemand gleich. Hie bedenke dich, ob du auch Engelsart an dir hast oder Teufels.

31. Wem soll ich nun die Engel vergleichen? Den kleinen Kindern will ich sie recht vergleichen, die im Maien, wenn die schönen Röselein blühen, miteinander in die schönen Blümlein gehen und pflücken derselben ab, und machen feine Kränzlein daraus, und tragen die in ihren Händen und freuen sich, und reden immerdar von der mancherlei Gestalt der schönen Blumen, und nehmen einander bei den Händen, wenn sie in die schönen Blümlein gehen, und wenn sie heimkommen, so zeigen sie dieselben den Eltern und freuen sich, darob dann die Eltern gleich eine Freude an den Kindern haben und sich mit ihnen freuen.

32. Also tun auch die hl. Engel im Himmel. Die nehmen einander bei den Händen und spazieren in den schönen Himmelsmaien, und reden von den lieblichen und schönen Gewächsen in der himmlischen Pomp, und essen der holdseligen Früchte Gottes, und brauchen der schönen Himmelsblümlein zu ihrem Spiel, und machen ihnen schöne Kränzlein, und freuen sich in dem schönen Maien Gottes.

33. Da ist nichts denn ein herzlich Lieben, eine sanfte Liebe, ein freundlich Gespräch, ein holdselig Beiwohnen, da einer immer seine Lust an dem andern siehet und den andern ehret. Sie wissen von keiner Bosheit oder List oder Betrug, sondern die göttlichen Früchte und Lieblichkeit sind ihnen alles gemein. Einer mag sich der gebrauchen wie der ander, da ist keine Mißgunst, kein Widerwille, sondern ihre Herzen sind in Liebe verbunden.

34. Daran hat nun die Gottheit ihren höchsten Wohlgefallen, wie die Eltern an den Kindern, daß sich ihre lieben Kinder im Himmel also freundlich und wohlgebären, denn die Gottheit in sich selbst spielet auch also, ein Quellgeist in dem andern.

35. Darum können die Engel auch nichts anders tun, als gleichwie der Vater tut, wie solches auch unser englischer König Jesus Christus bezeuget, als er bei uns auf Erden war, wie im Evangelio stehet, indem er sprach: Wahrlich, wahrlich der Sohn kann nichts von ihm selber tun, sondern was er siehet den Vater tun, das tut auch gleich der Sohn, Joh 5,19. Item: So ihr nicht umkehret und werdet gleichwie die Kinder, so könnet ihr nicht in das Himmelreich kommen, Matth 18,3.

36. Damit meinet er, daß unsere Herzen sollen in Liebe verbunden sein wie der hl. Engel Gottes, und daß wir sollen freundlich und lieblich miteinander handeln und einander lieben und mit Ehrerbietung zuvorkommen wie die Engel Gottes.

37. Nicht daß wir sollen einander betrügen, belügen, den Bissen aus dem Munde reißen vor großem Geize, auch nicht daß einer soll über den andern stolzieren, prangen und verachten, der nicht seine schlimme Teufelslist brauchen kann.

38. 0 nein, so tun die Engel im Himmel nicht, sondern sie lieben einander. Keiner dünket sich schöner sein als der ander, sondern ein jeder hat seine Freude an dem andern und freuet sich des andern schöner Gestalt und Lieblichkeit, davon denn ihre Liebe gegeneinander aufsteiget, daß sie einander bei ihren Händen führen und freundlich küssen.

39. Merke die Tiefe: Gleichwie als wenn der Blitz des Lebens inmitten der göttlichen Kraft aufgehet, da alle Geister Gottes ihr Leben bekommen und sich hoch freuen, da ist ein lieblichs und heiliges Halsen, Küssen, Schmecken, Fühlen, Hören, Sehen und Riechen, also auch bei den Engeln. Wenn einer den andern siehet, höret und fühlet, so gehet in seinem Herzen auf der Blitz des Lebens und umfänget ein Geist den andern wie in der Gottheit.

Hie merke den Grund und höchste Geheimnis der Engel Gottes. So du nun willst wissen, wo ihre Liebe und Demut und Freundlichkeit herkommt, die in ihrem Herzen aufsteiget, so merke wie folget:

41. Ein jeder Engel ist beschaffen wie die ganze Gottheit, und ist wie ein kleiner Gott, denn da Gott die Engel beschuf, so beschuf er sie aus sich selber. Nun ist Gott an einem Orte wie am andern. Er ist überall der Vater, der Sohn und der Hl. Geist.

42. In diesen drei Namen und Kraft stehet der Himmel und diese Welt und alles, wo dein Herze hindenket. Und wenn du gleich einen kleinen Zirkel schlossest, da du kaum hineingehen könntest oder das du kaum erkiesen könntest, so ist dennoch die ganze göttliche Kraft drinnen und wird der Sohn Gottes drinnen geboren, und gehet der Hl. Geist drinnen vom Vater und Sohne aus. Ists nicht in Liebe, so ists im Zorn, wie geschrieben stehet: Bei den Heiligen bist du heilig und bei den Verkehrten bist du verkehrt, Ps 18,26, welche den Zorn Gottes selber über sich erwecken, welcher auch stehet in allen Geistern Gottes an dem Orte, wo er erwecket wird. Hingegen wo die Liebe Gottes erwecket wird, so stehet sie auch in voller Geburt der ganzen Gottheit dessen Ortes.

43. Und ist in diesem kein Unterscheid. Die Engel sind einer geschaffen wie der ander, alle aus dem göttlichen Salitter der himmlischen Natur. Allein das ist der Unterscheid zwischen ihnen, daß, da sie Gott beschuf, eine jede Qualität in der großen Bewegung in höchster Geburt oder Aufsteigen stund. Dannenher ist kommen, daß die Engel vielerlei Qualitäten sind und mancherlei Farben und Schönheit haben, und doch alles aus Gott.

44. Nun hat aber ein jeder Engel alle Qualitäten Gottes in sich. Aber eine ist die stärkeste in ihm. Nach derselben ist er genannt und in derselben glorifizieret.

45. Nun gleichwie die Qualitäten in Gott eine die andere immer gebäret, aufsteiget und herzlich liebet, und eine von der andern immer ihr Leben bekommt, und wie der Blitz im süßen Wasser in der Hitze aufgehet, davon das Leben und die Freude Ursprung hat, also ists auch in einem Engel. Seine innerliche Geburt ist nicht anders als die äußerliche außer ihm in Gott.

46. Gleichwie der Sohn Gottes außer den Engeln im mittlern Quellbrunne in der Hitze im süßen Wasser geboren wird aus allen sieben Geistern Gottes und erleuchtet hinwiederum alle sieben Geister Gottes, davon sie ihr Leben und Freude haben, also auch in gleicher Gestalt wird der Sohn Gottes in einem Engel in seinem mittlern Quellbrunne des Herzens in der Hitze im süßen Wasser geboren und erleuchtet hinwiederum alle sieben Quellgeister des Engels.

47. Und gleichwie der Hl. Geist vom Vater und Sohne ausgehet und formet und bildet und liebet alles, also auch gehet der Hl. Geist im Engel aus in seine Mitbrüder und liebet dieselben und freuet sich mit denselben.

48. Denn es ist kein Unterscheid zwischen den Geistern Gottes und den Engeln als nur dieser, daß die Engel Kreaturen sind und ihr körperlich Wesen einen Anfang hat, ihre Kraft aber, daraus sie geschaffen sind, die ist Gott selber und ist von Ewigkeit und bleibet in Ewigkeit. Darum ist ihre Behendigkeit also geschwinde wie der Menschen Gedanken. Wo sie hin wollen, da sind sie auch alsbald; dazu so können sie groß und klein sein, wie sie wollen.

49. Und das ist das wahrhaftige Wesen Gottes im Himmel, ja der Himmel selber. So dir deine Augen geöffnet wären, so solltest du es allhie auf Erden an der Stelle, da du bist, klärlich sehen. Denn kann das Gott einen Geist des Menschen sehen lassen, der doch im Leibe steckt und kann sich ihm im Fleische offenbaren, so kann er das auch wohl außer dem Fleische tun, so er will.

50. 0 du Sündenhaus dieser Welt, wie bist du mit der Höllen und dem Tod umfangen! Wache auf, die Stunde deiner Wiedergeburt ist vorhanden, der Tag bricht an, die Morgenröte zeiget sich. 0 du dumme und tote Welt, was forderst du doch Zeichen; ist doch dein ganzer Leib erstattet! Willst du nicht vom Schlafe aufwachen? Siehe, es wird dir ein groß Zeichen gegeben, aber du schläfest und siehests nicht. Darum wird dir der Herr ein Zeichen geben in seinem Eifer, den du erwecket hast mit deinen Sünden.