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10. Kapitel - Nun merke hie weiter vom Marcurio, Ton oder Schalle 475

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10. Kapitel - Nun merke hie weiter vom Marcurio, Ton oder Schalle
« am: November 21, 2011, 07:49:04 Vormittag »
Nun merke hie weiter vom Marcurio, Ton oder Schalle

 
33. Es nehmen alle Qualitäten inmitten ihren anfänglichen Ursprung: Merke, wo das Feuer geboren wird, denn daselbst gehet auf der Blitz des Lebens aller Qualitäten, und wird in dem Wasser gefangen, daß es leuchtend bleibet und in der Herbigkeit vertrocknet, daß er körperlich bleibet und helle scheinend wird.

34. Hie merke: Zünde ein Holz an, so wirst du die Geheimnis sehen. Das Feuer zündet sich an in der Härtigkeit des Holzes. Das ist nun der herbe, harte Quell, der Saturnus-Quell. Der macht das Holz hart und derbe. Nun aber bestehet nicht das Licht, das ist der Blitz in der Härtigkeit, sonst brennete ein Stein auch, sondern das Licht bestehet in dem Saft des Holzes, das ist in dem Wasser. Weil Saft in dem Holze ist, so leuchtet das Feuer als ein scheinend Licht. Wenn aber der Saft in dem Holze verzehret ist, so verlischt das scheinende Licht, und ist das Holz eine glühende Kohle.

35. Nun siehe, die Grimmigkeit, die in dem Lichte auffähret, die besteht nicht in dem Wasser des Holzes, sondern wenn die Hitze in der Härtigkeit aufgehet, so wird der Blitz geboren. Den fänget zuerst der Saft im Holze. Davon wird das Wasser scheinend. Die Grimmigkeit oder Bitterkeit aber wird geboren inmitten der Härtigkeit und der Hitze in dem Blitze, und darinnen bestehet sie auch. Und so weit als der Blitz reicht, das ist des Feuers Lohe, so weit reicht auch die Grimmigkeit der Bitterkeit, welcher der Härtigkeit und Hitze Sohn ist.

36. Dieses Geheimnis aber sollst du wissen, daß die Bitterkeit vorhin schon in dem Holze ist, sonst gebäre sich die grimme Bitterkeit nicht also blitzlich im natürlichen Feuer.

37. Denn gleichwie sich der Corpus des Feuers gebäret, wenn man Holz anzündet, gleich auf eine solche Weise wird auch das Holz in der Erden und über der Erden geboren.

38. So aber die Grimmigkeit in dem scheinenden Lichte geboren würde, so würde sie freilich auch also weit reichen als des Lichtes Glanz; so aber geschieht das nicht. Das ist aber: Der Blitz ist des Lichtes Mutter, denn der Blitz gebäret das Licht von sich und ist der Grimmigkeit Vater, denn die Grimmigkeit bleibet im Blitze als ein Same im Vater, und derselbe Blitz gebäret auch den Ton oder Schall.

39. Wenn er von der Härtigkeit und Hitze ausgehet, so pocht die Härtigkeit im Blitze, und die Hitze klinget und das Licht in dem Licht in dem Blitze macht den Klang helle, und das Wasser macht ihn sanft, und in der Herbigkeit oder Härtigkeit wird er gefangen und vertrocknet, daß es ein körperlicher Geist in allen Qualitäten ist. Denn ein ieder Geist in den sieben Geistern Gottes ist aller sieben Geister schwanger, und sind alle ineinander wie ein Geist. Keiner ist außer dem andern, allein eine solche Geburt hat es darinnen, und also gebäret einer den andern in und durch sich selber. Und die Geburt währet von Ewigkeit zu Ewigkeit also.

40. Allhier will ich den Leser verwarnet haben, daß er die göttliche Geburt recht betrachte: Du sollst nicht denken, daß ein Geist neben dem andern stehe, wie du die Sterne am Himmel siehest nebeneinander stehen, sondern sie sind alle sieben ineinander wie ein Geist, wie du das in einem Menschen kannst sehen, der hat mancherlei Gedanken von wegen der Wirkung der sieben Geister Gottes, welche den menschlichen Corpus innehalten. - Aber du mußt sagen, bist du aber nicht töricht, daß ein jedes Glied im ganzen Corpus jedes andern Kraft hat.

41. In welcher Qualität, daß du aber den Geist erweckest und qualifizierend machest, nach derselben Qualität steigen auch die Gedanken auf und regieren das Gemüte. Erweckest du den Geist im Feuer, so quillet in dir auf der bitter und harte Zorn, denn alsbald das Feuer angezündet wird, welches in der Härtigkeit und Grimmigkeit geschieht, so quellet die bittere Grimmigkeit im Blitze.

42. Denn wenn du dich in deinem Leibe erhebest wider etwas, es sei wider Liebe oder Zorn, wider das du dich nun erhebest, dessen Qualität zündest du an und das brennet in deinem zusammenkorporierten Geiste. In dem Blitze aber wird derselbe Quellgeist erwecket. Denn wenn du etwa ansiehest, das dir nicht gefällt, das wider dich ist, so erhebest du den Brunn des Herzens, als wenn du einen Stein nähmest und schlügest auf ein Feuereisen, und wenn der Funke im Herzen fängt, so zündet sich das Feuer an. Erstlich glimmet es, wenn du aber den Brunn des Herzens sehrer erhebest, so ist es, als wenn du ins Feuer bliesest, daß sich die Lohe anzündet, dann ist es Zeit zu löschen oder wird das Feuer zu groß, so brennets und verzehrets und tut an seinem Nächsten Schaden.

43. Sprichst du nun: Wie kann man das angezündete Feuer löschen? - Höre, hast du das süße Quellwasser in dir, geu ß ins Feuer, so erlischts; lässest du es brennen, so verzehret es dir den Saft in allen sieben Quellgeistern, daß du trocken wirst. Wenn das geschieht, so bist du ein Höllenbrand und Schürknittel des höllischen Feuers, und ist dir ewig kein Rat.

44. Wenn du aber etwa ansiehest, das dir liebet und erweckest den Geist im Herzen, so zündest du das Feuer im Herzen an. Das brennet erstlich im süßen Wasser als eine glühende Kohle. Weil es nun glimmet, so ists nur eine sanfte Lust in dir und verzehret dich nicht. Wenn du aber dein Herz sehrer erhebst und zündest den süßen Quell an, daß er eine brennende Lohe wird, so zündest du alle Quellgeister an. Dann brennet der ganze Leib und greifet zu Maul und Hände.

45. Dieses Feuer ist das schädlichste, und hat von der Welt her am meisten verderbet, und ist gar schwer zu löschen. Denn wenn es angezündet wird, so brennet es im süßen Wasser, im Blitze des Lebens, und muß durch die Bitterkeit gelöschet werden, welches doch gar ein elend Wasser ist, sondern vielmehr Feuer. Darum folget auch ein trauriges Gemüte, wenn er das soll lassen, das in seinem Liebefeuer brennet in dem süßen Quellwasser.

46. Aber das sollst du wissen, daß du in deinem Regiment des Gemütes dein eigen Herr bist. Es gehet dir kein Feuer in deinem Zirkel des Leibes und Geistes auf, du erweckest es denn selber. Wahr ists, es quellen alle deine Geister in dir und steigen in dir auf, und hat freilich ein Geist immer größere Macht und Kraft in dir als der ander. Denn wenn in einem Menschen das Regiment der Geister wäre wie im andern, so hätten wir alle einen Willen und Gestalt, aber sie sind alle sieben in der Gewalt deines zusammenkorporierten Geistes, welcher Geist die Seele heißt.

47. So sich nun ein Feuer in einem Quellgeist erhebet, so ists der Seelen nicht verborgen. Sie mag alsbald die andern Quellgeister aufwecken, die dem angezündeten Feuer zuwider sind, und mag löschen. Will aber das Feuer zu groß werden, so hat sie ihr Gefängnis. Da mag sie den angezündeten Geist einschließen, als nämlich in die harte, herbe Qualität. Und die andern Geister müssen ihre Stockmeister sein, bis ihnen der Zorn vergehet und das Feuer auslischet.

48. Merke, was das ist: Wenn dich ein Quellgeist zu hart zu einem Dinge treibet, das wider der Natur Gesetze ist, so mußt du deine Augen davon abwenden. Will das nicht helfen, so nimm denselben Geist und wirf ihn ins Gefängnis. Das ist, wende dein Herze von zeitlicher Wollust, von Fressen und Saufen, von dem Reichtum dieser Welt, und denke, daß heute der Tag deines Leibes Ende ist. Wende dich von der Welt Üppigkeit und rufe ernstlich zu Gott und ergib dich ihm.

49. Wenn du das tust, so spottet die Welt deiner, und mußt ihr Narr sein. Dies Kreuz trage mit Geduld, und laß den gefangenen Geist nicht wieder aus dem Gefängnis, und traue Gott, er wird dir aufsetzen die Krone der göttlichen Freuden.

50. Reißt dir aber der Geist wieder aus dem Gefängnis, so setze ihn wieder hinein. Halt Part mit ihm, weil du lebest. Wenn du nur so viel erhälst, daß er dir nicht den Brunnquell des Herzens gar anzündet, davon deine Seele ein dürr Feuerholz wird und jeder Quell noch seinen Saft hat, wenn du von hinnen scheidest, so wird dir das angezündete Feuer am Jüngsten Tage nichts schaden, und wird nach dieser ängstlichen Trübsal in der Auferstehung ein triumphierender Engel Gottes sein.

51. Nun möchtest du sagen: Ist denn in Gott auch ein Widerwille zwischen den Geistern Gottes? Nein, ob ich gleich allhie ihre ernstliche Geburt anzeige, wie die Geister Gottes so ernstlich und strenge geboren werden, dabei ein jeder gar wohl den großen Ernst Gottes verstehen mag, so erfolget darum nicht, daß eine Uneinigkeit zwischen ihnen sei.

52. Denn die allerinnerlichste, tiefste Geburt im Kern ist nur also, welches keine Kreatur im Corpus kann ergreifen, sondern im Blitze, wo der verborgene Geist geboren wird, da wird es ergriffen. Denn derselbe wird auch auf eine solche Weise und in solcher Kraft geboren.

53. Mir aber wird die Porte meines Gemüts eröffnet, daß ichs sehen und erkennen kann, sonst würde es bei mir wohl verborgen bleiben bis an Tag der Auferstehung von den Toten. Es ist auch von der Welt her allen Menschen verborgen gewesen, aber ich lasse es Gott walten.

54. In Gott triumphieren alle Geister wie ein Geist. Und ein Geist sänftiget und liebet immer den andern, und ist nichts denn eitel Freude und Wonne. Ihre strenge Geburt aber, welche im Verborgenen geschieht, die muß also sein. Denn das Leben und der Verstand und die Allwissenheit wird also geboren, und das ist eine ewige Geburt, die keinmal anders ist.

55. Du mußt nicht denken, daß im Himmel etwa ein Corpus sei, der nur also geboren werde, den man für alles andere Gott heiße. Nein, sondern die ganze göttliche Kraft, die selber Himmel und aller Himmel Himmel ist, wird also geboren. Und das heißt Gott der Vater, aus dem alle hl. Engel sind geboren worden und auch in derselben Kraft leben, und wird auch aller Engel Geist in ihrem Corpus immer und ewig also geboren, dazu auch aller Menschen Geist.

56. Denn diese Welt gehöret gleichwohl zum Corpus Gottes des Vaters als der Himmel. Aber die Geister sind in der Räumlichkeit dieser Welt durch König Luzifer angezündet worden in seiner Erhebung, daß alles in dieser Welt wie halb verschrnachtet und tot ist. Darum sind wir armen Menschen so gar verblendet und leben in großer Gefährlichkeit.

57. Du sollst aber darum nicht denken, daß das himmlische Licht in dieser Welt in den Quellgeistern Gottes gar verlöschen sei. Nein, es ist nur eine Dunkelheit, welches wir mit unsern verderbten Augen nicht ergreifen können. So aber Gott die Dunkelheit wegtut, die über dem Lichte schwebet und würden dir deine Augen eröffnet, so sähest du auch hie an der Stelle, wo du in deinem Gemache stehest, sitzest oder liegest das schöne Angesichte Gottes und die ganze himmlische Porten. Du dürftest deine Augen nicht erst in Himmel schwingen, denn es stehet geschrieben: Das Wort ist dir nahe, nämlich auf deiner Lippen und in deinem Herzen, Deut 30,14; Röm 10,8.

58. Also nahe ist dir Gott, daß die Geburt der Hl. Dreifaltigkeit auch in deinem Herzen geschieht. Es werden alle drei Personen in deinem Herze geboren, Gott Vater, Sohn, Hl. Geist.

59. Wenn ich nun allhie schreibe von dem Centro oder Mitten, daß der Quellbrunn der göttlichen Geburt in der Mitten sei, so hats nicht die Meinung, daß im Himmel ein besonderer Ort sei oder ein besonderer Corpus, da das Feuer des göttlichen Lebens aufgehe, aus welchem die sieben Geister Gottes ausgehen in die ganze Tiefe des Vaters, sondern ich rede auf körperliche oder englische oder menschliche Weise um des Lesers Unverstandes willen, auf Art und Weise, wie die englischen Kreaturen sind gebildet worden und wie es in Gott überall ist.

60. Denn du kannst keinen Ort, weder im Himmel noch in dieser Welt erkennen, da die göttliche Geburt nicht also sei, es sei gleich einem Engel und heiligen Menschen oder außer demselben. Wo ein Quellgeist in der göttlichen Kraft gerüget wird, die Stätte sei gleich, wo sie wolle, nur in den Teufeln nicht und in allen gottlosen verdammten Menschen nicht, so ist schon der Quellbrunn der göttlichen Geburt vorhanden. Da sind schon alle sieben Quellgeister Gottes, als wenn du einen räumlichen, kreatürlichen Zirkel schlössest und hättest die ganze Gottheit besonders darinnen, gleichwie sie in einer Kreatur geboren wird, also auch in der ganzen Tiefe des Vaters an allen Enden und in allen Dingen.

61. Und auf eine solche Weise ist Gott ein allmächtiger, allwissender, allsehender, allhörender, allriechender, allschmeckender, allfühlender Gott, der über ist und der Kreaturen Herzen und Nieren prüfet. Und auf solche Weise ist Himmel und Erde sein, und auf eine solche Weise rnüssen alle Teufel samt allen gottlosen Menschen seine ewigen Gefangenen sein und in dem Salitter, den sie in ihrem Loco verderbet und angezündet haben, ewige Pein leiden und dazu ewige Schmach und Schande.

62. Denn das ganze schöne Angesichte Gottes samt allen hl. Engeln wird über ihnen und unter ihnen und auf allen Seiten neben ihnen schön, herrlich und klar leuchten. Und alle hl. Engel mitsamt allen heiligen Menschen werden über ihnen und unter und neben ihnen ewig triumphieren und von großer Freude, Wonne und Lieblichkeit singen, von Gottes Heiligkeit, von ihrem königlichen Regiment, von der holdseligen Frucht des himmlischen Gewächses, und das wird nach der Qualität der sieben Geister Gottes auf viel Stimmen ergehen.

63. Dagegen werden die Teufel mit allen gottlosen Menschen in eine Höhle gezwänget werden. Allda wird höllischer Gestank quellen und aufsteigen. Und das höllische Feuer und höllische Kälte und Bitterkeit wird nach Art und Weise der angezündeten Geister Gottes ewig in ihrem Corpus, sowohl auch in ihrem Revier brennen. Ja, wenn sie noch könnten in ein Loch gesperret werden, daß sie das zornige Angesicht Gottes nicht berührte, so wären sie noch zufrieden und dürften nicht ewige Schmach und Schande ertragen.

64. Aber da ist keine Hilfe, ihre Qual wird nur größer. Je mehr sie es betrauern, je mehr zündet sich die höllische Grimmigkeit an. Sie müssen in der Höllen liegen wie die Totenbeine, wie die versengten Schafe im Feuer. Ihr Gestank und Greuel naget sie, sie dürfen ihre Augen nicht aufheben vor Schande, denn sie sehen in ihrem Revier nichts als nur einen strengen Richter. Und über sich und auf alle Seiten sehen sie die ewige Freude.

65. Da ist Ach und Weh, Gelfen und Schreien und keine Errettung. Ihnen ist als wenns immer donnert und wetterleuchtet, denn also gebären sich die angezündeten Geister Gottes. 1. Die Härtigkeit gebäret hart, rauhe, kalte und herbe Qualität; 2. die Süßigkeit ist verschmachtet als wie eine glühende Kohle, da kein Saft mehr im Holze ist, die lechzet und ist kein Labsal da; 3. die Bitterkeit reißt wie hitzige Pestilenz und ist bitter als Gallen; 4. das Feuer brennet als grimmiger Schwefel; 5. die Liebe ist eine Feindschaft; 6. der Schall ist nichts als hart Pochen gleich einem hohlen Feuerklang, als ob es einen Donnerschlag tät; das Revier des Corpus ist ein Trauerhaus. Ihre Speise ist Greuel, und wächst aus aller Qualität Grimmigkeit. Ach und ewig ohne Ende, da ist keine Zeit! Ein ander König sitzet auf ihrem Stuhle, der hält ein ewig Gerichte, sie sind nur seiner Füße Schemel.

66. Ach Schönheit und Wollust dieser Welt, o Reichtum und stolze Pracht, o Macht und Gewalt! Dein unrechtes Gerichte und große Pracht mit aller deiner Wollust liegt alles auf einem Haufen und ist höllisch Feuer worden. Nun friß und sauf, nun schminke dich mit, nun herrsche darinnen; du schöne Göttin, wie bist du zur Hure worden, und deine Schande und Schmach währet ewiglich!