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10. Kapitel - Von dem sechsten Quellgeist in der göttlichen Kraft 468

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10. Kapitel - Von dem sechsten Quellgeist in der göttlichen Kraft
« am: November 21, 2011, 07:50:49 Vormittag »
Von dem sechsten Quellgeist in der göttlichen Kraft


    Der sechste Quellgeist in der göttlichen Kraft ist der Schall oder Ton, daß alles darinnen schaltet und tönet, daraus die Sprache und Unterscheid aller Dinge erfolget, dazu der Klang und Gesang der Hl. Engel, und stehet darinnen die Formung aller Farben und Schönheit, dazu die himmlische Freudenreich.

2. Nun fragest du: Was ist der Ton und Schall, oder wie nimmt dieser Geist seinen Quell und Ursprung? Merke: Es werden alle sieben Geister Gottes ineinander geboren, einer gebäret immer den andern. Es ist keiner der erste und auch keiner der letzte, denn der letzte gebäret sowohl den ersten als der erste den andern, dritten, vierten, bis auf den letzten.

3. Daß aber einer der erste und ander und so fortan genennet wird, wird dahin gesehen, welcher der erste an der Bildung einer Kreatur und Formung ist. Denn sie sind alle sieben gleich-ewig, und hat keiner einen Anfang und Ende. Und darum, daß die sieben Qualitäten immer eine die andere gebäret und keine außer der andern ist, erfolget, daß da sei ein einiger, ewiger, allmächtiger Gott.

4. Denn so etwas aus und in dem göttlichen Wesen geboren wird, so wird dasselbe nicht durch einen Geist allein formieret, sondern durch alle sieben. Und so sich eine Kreatur, die da ist wie das ganze Wesen Gottes, in einem Quellgeiste verderbet, erhebet und anzündet, so zündet sie nicht nur einen Geist an, sondern alle sieben.

5. Darum ist dieselbe Kreatur ein Ekel vor dem ganzen Gott und allen seinen Kreaturen und muß in ewiger Feindschaft und Schande stehen vor Gott und alle Kreaturen.

6. Nun merke: Der Ton oder Marcurius nimmt seinen Ursprung in der ersten, das ist: in der herben und harten Qualität.

7. Merke in der Tiefe: Die Härtigkeit ist der Quellbrunn des Tones. Sie kann ihn aber allein nicht gebären, sondern sie ist der Vater dazu, und der ganze Salitter ist die Mutter, sonst wo die Härtigkeit allein Vater und auch Mutter des Tones wäre, so müßte ein harter Stein auch klingen. Nun aber schaltet und pochet er nur wie als ein Same oder Anfang des Tones, und das ist er auch gewiß.

8. Der Klang aber oder die Stimme steiget im mittleren Centro auf in dem Blitze, wo das Licht aus der Hitze geboren wird, da der Blitz des Lebens aufgehet.

9. Merke, wie dies geschieht: Wenn die herbe Qualität sich mit der bittern reibet, daß die Hitze in dem süßen Quellwasser aufgeher, so zündet die Hitze das süße Quellwasser wie ein Blitz an, und derselbe Blitz ist das Licht. Der fähret in der Hitze in die bittere Qualität, da wird der Blitz entschieden nach aller Kraft.

10. Denn in der bittern werden alle Kräfte entschieden, und die bittern fähet den Blitz des Lichts, als ob sie grausam erschrecke, und fähret mit ihrem Zittern und Erschrecken in die herbe und harte Qualität. Da wird sie körperlich gefangen. Und die bittere Qualität ist nun des Lichtes schwanger und zittert in der herben und harten Qualität, und reget sich darinnen und ist in der herben Qualität als in einem Corpus gefangen.

11. Und wenn sich nun die Geister bewegen und wollen reden, so muß sich die harte Qualität auftun, denn der bittere Geist mit seinem Blitze sprenget sie auf, und alsdann gehet heraus der Ton und ist mit allen sieben Geistern schwanger. Die unterscheiden das Wort, wie es im Centro, das ist im mittleren Zirkel, da es noch im Rat der sieben Geister war, beschlossen ward.

12. Und darum haben die sieben Geister Gottes den Kreaturen ein Maul geschaffen, daß wenn sie reden oder schallen wollen, nicht erst dürfen zerreißen. Und darum gehen alle Adern und Kräfte oder Quellgeister in die Zunge, daß der Schall oder Ton fein sanft rausgehet.

13. Hie merke eigen den Sinn und Geheimnis: Wenn der Blitz in der Hitze aufgehet, so fänget ihn erstlich das süße Wasser, denn darinnen wird er scheinend. Nun wenn das Wasser den Blitz fänget, das ist die Geburt des Lichts, so erschrickt es. Und weil es so dünne und weich ist, so weicht es ganz zitternd, denn die Hitze steiget in dem Lichte auf.

14. Wenn nun die herbe Qualität, die da gar kalt ist, die Hitze und den Blitz fänget, so erschrickt sie, als wenn es wetterleuchtet, denn wenn die Hitze mit dem Licht in die harte Kälte kommt, so tuts einen grimmigen Blitz, ganz Feuer- und Licht-Farbe. Derselbe Blitz fähret zurücke und das süße Wasser fängt ihn und fähret in derselben Grimmigkeit auf. Und in dem Auffahren und Erschrecken verwandelt sichs in grüne oder himmelblaue Farbe und zittert von wegen des grimmigen Blitzes. Und der Blitz an ihm selber behält seine Grimmigkeit. Davon entstehet die bittere Qualität oder der bittere Geist. Der fähret nun in der herben Qualität auf und entzündet die Härtigkeit mit seinem grimmigen Quell. Und das Licht oder der Blitz trocknet sich in der Härtigkeit und scheinet helle, viel lichter als der Sonnen Glanz.

15. Es wird aber in der harten Qualität gefangen, daß es körperlicherweise bestehet, und muß ewig also leuchten. Und der Blitz zittert in dem Corpus wie ein grimmiges Aufsteigen; damit werden immer und ewiglich alle Qualitäten gereget. Und der Blitz des Feuers in dem Licht zittert und triumphieret immer also. Und das süße Wasser sänftigt es immer also. Und die Härtigkeit ist immer der Leib, der es behält und vertrocknet. Und dieses Regen in der Härtigkeit ist der Ton, daß es schallet. Und das Licht oder der Blitz macht den Klang. Und das süße Wasser macht den Klang sanft, daß man ihn kann zum Unterscheid der Rede gebrauchen.

16. Hie merke die Geburt der bittern Qualität noch das: Der bittern Qualität Ursprung ist, wenn der Blitz des Lebens in der Hitze aufgehet in die herbe Qualität. Und wenn dann nun der Blitz des Feuers in Verrnischung des Wassers in die herbe Qualität kommt, so fähet der Geist des feurigen Blitzes den herben und harten Geist. Und das beides zusammen ist ein eiferig, streng, grimmig Quell, das da wütet und strenge reißet gleich einer feuerigen, strengen Grimmigkeit. Ich kann es mit nichts vergleichen als nur mit einem Donnerschlag, wenn das grimme Feuer zuvor herniederfähret, daß einem das Gesichte vergehet. Dasselbe grimme Feuer ist dieser beider Konjunction Art.

17. Nun merke: Wenn nun dieser Feuergeist und der herbe Geist sich miteinander würgen, so macht der herbe eine gestrenge, harte, kalte Herbigkeit und der feuerige eine schreckliche, grimme Hitzigkeit. Nun das Aufsteigen der Hitze und der Herbigkeit macht einen zitternden, grimmen, erschrecklichen Geist, der da wütet und tobet, als wollte er die Gottheit zertrennen.

18. Du mußt aber dies eigentlich verstehen: Dies ist also in der Qualität Ursprung in sich selbst. Aber mitten im Aufsteigen dieses grimmen Geistes wird dieser Geist im süßen Wasser gefangen und wird gesänftiget. Da wandelt sich sein grimmig Quell in eine zitternde, bittere und grünliche Farbe gleich der grünlichen Dunkelheit, und behält in sich aller drei Qualitäten Art und Eigenschaft, als nämlich der feurigen, herben und süßen, und entstehet aus diesen dreien die vierte Qualität, als nämlich die bittere.

19. Denn von der feurigen Qualität wird der Geist zitternd und hitzig. Und von der herben wird er strenge, herbe, hart und körperlich, daß es ein Geist ist, der immer bestehet. Und von der süßen wird er sanft, und die Grimmigkeit verwandelt sich in eine sanfte Bitterkeit. Der stehet nun in dem Quellbrunnen der sieben Geister Gottes und hilft immer die andern sechs Geister gebären.

20. Verstehe dies recht: Er gebäret sowohl seinen Vater und seine Mutter als ihn sein Vater und seine Mutter gebäret. Denn nachdem er körperlich geboren ist, so gebäret er nun mit der herben Qualität immer wieder das Feuer. Und das Feuer gebäret das Licht, und das Licht ist der Blitz. Das gebäret immer wieder das Leben in allen Quellgeistern, davon die Geister das Leben haben und immer einer den andern wieder gebäret.

21. Allhie sollst du aber wissen, daß nicht ein Geist allein kann einen andern gebären, ihrer zweene könnens auch nicht tun, sondern die Geburt eines Geistes stehet in aller sieben Geister Wirkung, ihrer sechs gebären immer den siebenten, und so einer nicht wäre, so wäre der ander auch nicht.

22. Daß ich aber allhier bisweilen nur zweene oder drei zur Geburt eines Geistes ernenne, das tue ich um meiner selbst Schwachheit willen, denn ich kann sie nicht alle sieben in meinem verderbten Gehirne in ihrer Vollkommenheit auf einmal ertragen. Ich sehe sie wohl alle sieben, aber wenn ich spekuliere in sie, so steiget der Geist im mittleren Quellbrunnen auf, da sich der Geist des Lebens gebäret. Der steiget nun über sich oder unter sich und kann die Geister Gottes nicht alle sieben auf einen Gedanken oder auf einmal begreifen, sondern stückweise.

23. Ein jeder Geist hat seinen eigenen Quell, und ob er gleich von den andern geboren wird. Also ist auch die Begreiflichkeit des Menschen. Er hat wohl den Quellbrunnen aller sieben Geister in sich, aber in welchem Quell der Geist aufsteiget, dessen Quellgeister, darinnen derselbe Geist am stärkesten gebildet wird, begreift im selben Aufsteigen am schärfsten. Denn auch in der göttlichen Kraft ein Geist auf einmal in seinem Aufsteigen nicht alle sieben Geister zugleich durchführet. Wenn er aufsteiget, so reget er sie wohl alle sieben auf einmal. Er wird aber in seinem Aufsteigen gefangen, daß er seine Pracht legen muß und nicht über alle sieben triumphieren.

24. Also ists auch im Menschen: Wenn ein Quellgeist aufsteiget, so reget er die andern alle und siehet die andern alle, denn er steiget im mittlern Quellbrunne des Herzens auf, da sich in der Hitze der Blitz des Lichtes anzündet, darinnen der Geist in seinem Aufsteigen in demselben Blitze durch alle Geister siehet. Es ist aber in unserem verderbten Fleische nur wie ein Wetterleuchten, denn so ich den Blitz, den ich gar wohl sehe und erkenne, wie er ist, könnte in meinem Fleische begreifen, so wollt ich meinen Leib damit verklären, so würde er nicht mehr dem tierischen Leibe ähnlich sehen, sondern den Engeln Gottes.

25. Aber höre Fritz, warte noch eine Weile und gib den tierischen Leib den Würmern zur Speise: Wenn aber der ganze Gott wird die sieben Geister Gottes in der verderbten Erden anzünden, alsdann wird derselbe Salitter, den du in die Erde säest, des Feuers nicht fähig sein, so werden deine Quellgeister in deinem Von-Hinnen-Abscheiden in demselben Salitter, den du gesäet hast, wieder aufgehen und darinnen triumphieren und wieder ein Corpus werden. Welcher aber des angezündeten Feuers der sieben Geister Gottes wird fähig sein, der wird darinnen bleiben, und seine Quellgeister werden in höllischer Pein aufsteigen, welches ich an seinem Orte klar beweisen will.

26. Ich kann dir nicht die ganze Gottheit in einem Zirkel beschreiben, denn sie ist unermeßlich, aber dem Geiste, der in Gottes Liebe ist, nicht unbegreiflich. Er begreifts wohl, aber nur stückweise. Darum fasse eine nach dem andern, so wirst du das Ganze sehen. In dieser Verderbung können wir nicht höher denn mit einer solchen Offenbarung. Und nicht höher beschleußt sich diese Welt, beides der Anfang und das Ende. Ich wollte auch gern etwas Höheres sehen in dieser meiner ängstlichen Gebärung, damit mein kranker Adam gelabet würde, aber ich sehe mich in der ganzen Welt um und kann nichts erforschen. Es ist alles krank, lahm und verwundt, dazu blind, taub und stumm.

27. Ich habe viel hoher Meister Schriften gelesen, in Hoffnung den Grund und die rechte Tiefe darinnen zu finden; aber ich habe nichts gefunden als einen halbtoten Geist, der sich ängstet zur Gesundheit, und kann doch um seiner großen Schwachheit willen nicht zur vollkommenen Kraft kommen.

28. Also stehe ich noch als ein ängstlich Weib in der Geburt, suche vollkommenen Labsal und finde nur den Geruch im Aufsteigen, darinnen der Geist prüfet, was in dem rechten Labsal für Kraft stecket und labet sich derweil mit dem vollkommenen Geruche in seiner Krankheit bis der rechte Samariter wird kommen und wird ihm seine Wunden verbinden und heilen und wird ihn in die ewige Herberge führen. Dann wird er auch des vollkommenen Geschmacks genießen.

29. Dieses Kraut, das ich allhie meine, von welches Geruche sich mein Geist labet, kennt nicht ein jeder Bauer, auch nicht ein jeder Doktor. Es ist ja einem wohl so unkenntlich als dem andern. Es wächst wohl in jedem ein Garten, aber in manchem ists ganz verderbet und böse, denn die Qualität des Ackers ist schuld daran. Darum kennt mans nicht; es kennens auch wohl kaum die Kinder dieser Geheimnis, wiewohl diese Erkenntnis von der Welt her teuer gewesen ist.

30. Obgleich in manchem ist ein Quell aufgegangen, so ist die Hoffart hernach gedrungen und hats alles verderbet. Da hat ers in seiner Muttersprache flugs nicht schreiben wollen. Er hat vermeinet, es sei zu kindisch, er müsse sich in tiefer Sprache sehen lassen, damit die Welt sehe, daß er ein Mann sei und hats in seinem Vorteil geleich wie verborgen gehalten und mit tiefen fremden Namen verkleistert, damit mans nicht kennet. Eine solche Bestia ist des Teufels Hoffahrtsucht.

31. Aber höre, du einfältige Mutter, die du alle Kinder zu dieser Welt gebärest, welche sich hernach in ihrem Aufsteigen deiner schämen und dich verachten, und sind doch deine Kinder, die du geboren hast: So spricht der Geist, der in den sieben Geistern Gottes aufsteiget, der da ist dein Vater: Verzage nicht, siehe, ich bin deine Stärke und deine Kraft; ich will dir einschenken einen sanften Trunk in deinem Alter.

32. Weil dich alle deine Kinder verachten, die du geboren und in ihrer Jugend gesäuget hast, und wollen deiner in deinem hohen Alter nicht pflegen, so will ich dich trösten und dir in deinem hohen Alter geben einen jungen Sohn, der soll in deinem Hause bleiben, weil du lebest, und deiner pflegen und dich trösten wider alles Wüten und Toben deiner stolzen Kinder.