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8. Kapitel - Von der fünften Umstände oder Species 465

Administrator Beiträge: 10836 Forumgründer *****
8. Kapitel - Von der fünften Umstände oder Species
« am: November 21, 2011, 08:04:49 Vormittag »
Von der fünften Umstände oder Species

 
92. Die fünfte Qualität oder der fünfte Geist Gottes unter den sieben Geistern Gottes in der göttlichen Kraft des Vaters ist die holdselige, freundliche und freudenreiche Liebe.

93. Nun merke, was da sei der Quellbrunn der holdseligen und freundlichen Liebe Gottes; merke hie eigentlich, denn es ist der Kern.

94. Wenn die Hitze in der süßen Qualität aufgehet und zündet den süßen Quell an, so brennet dasselbe Feuer in der süßen Qualität. Dieweil denn nun die süße Qualität ein dünn, lieblich, süßes Quellwasser ist, so sänftiget sie die Hitze und löschet das Feuer, so bleibet alsdann in dem süßen Quellbrunnen des süßen Wassers nur das freudenreiche Licht. Und die Hitze ist nur ein sanftes Wärmen, gleichwie in einem Menschen der sanguinischer Complexion ist, da ist die Hitze auch nur ein freundlich Wärmen, so er sich nur recht mäßig hält.

95. Dasselbe freundliche Liebe-Licht-Feuer gehet in der süßen Qualität auf in die bittere und herbe Qualität und zündet die bittere und herbe Qualität an und speiset und tränket sie mit ihrem süßen Liebe-Saft, und erquicket sie und erleuchtet sie und macht sie lebendig und freundlich.

96. Und wenn dann die süße, lichte Liebe-Kraft zu ihnen kommt, daß sie davon kosten und ihr Leben kriegen, ach da ist ein freundlich Benevenieren und Triumphieren, ein freundlich Willkommen und große Liebe, gar ein freundlich und holdselig Küssen und Wohlschmecken.

97. Da küsset der Bräutigam seine Braut: O Holdseligkeit und große Liebe, wie süße bist du, wie freundlich bist du, wie lieblich ist doch dein Geschmack, wie sanft reuchst du doch! Ach, edles Licht und Klarheit, wer kann deine Schönheit ermessen, wie zierlich ist deine Liebe, wie schön sind deine Farben! Ach und ewiglich, wer kann das aussprechen oder was schreibe ich doch, der ich doch nur starmmele wie ein Kind, das da lernt reden.

98. Wem soll ichs doch vergleichen? Sollt ichs der Liebe dieser Welt vergleichen, so ist es nur ein finster Tal. Ach und groß, ich kann dich mit nichts vergleichen als nur mit der Auferstehung von den Toten. Da wird das Liebe-Feuer wieder aufgehen in uns und den Menschen freundlich umfangen und unsere herbe, bittere und kalte, finstere und tote Qualität wieder anzünden und uns freundlich umfangen.

99. O edler Gast, warum bist du von uns gewichen? O Grimrnigkeit und Herbigkeit, du bist Ursache! O grimmigen Teufel, was hast du doch getan, der du dich und alle deine schönen Engel in die Finsternis versenket hast! Ach und immer ach! War doch die. holdselige schöne Liebe auch in dir, o du hochmütiger Teufel! Warum ließest du dir nicht genügen? Warest du doch ein Cherub und war im Himmel nichts schöner als du, was suchtest du doch? Wolltest du der ganze Gott sein? Wußtest du doch wohl, daß du eine Kreatur warest und hast nicht die Wurfschaufel in deiner Hand.

100. Was klage ich dich doch, du stinkender Bock! O du verfluchter stinkender Teufel, wie hast du uns verderbet! Was willst du dich doch ausreden oder was wirfst du mir für? Du sagest, wenn dein Fall nicht wäre geschehen, so wäre der Mensch nie erdacht worden. O du Lügenteufel, ob das gleich wahr ist, so wäre der Salitter, daraus der Mensch gemacht ist, der auch von Ewigkeit ist, so wohl als der, daraus du gemacht bist in ewiger Freude und Klarheit gestanden, und wäre gleichwohl in Gott aufgestiegen und hätte in den sieben Geistern Gottes die holdselige Liebe gekostet und der himmlischen Freuden genossen.

101. O du Lügenteufel, warte noch ein wenig. Der Geist wird dir deine Schande aufdecken. Verzeuch noch eine kleine Weile, so wirst du ausgepranget haben. Warte, der Bogen ist schon gerichtet. Trifft dich der Pfeil, wo wirst du hinfallen? Der Locus ist schon bereitet. Er soll nur noch angezündet werden. Trage nur tapfer Holz zu, daß du nicht erfrierest, du wirst wohl schwitzen. Meinest du, du wolltest das Licht wieder kriegen. Ja, »nobis infernum«. Reuch deine süße Liebe. Rat, Fritz, wie heißet sie? Gehenna, das wird dich ewig lieben.

102. Ach wehe, du armer verblendeter Mensch, warum lässest du dir den Teufel dein Leib und Seele so finster und blind machen? O zeitlich Gut und Wollust dieses Lebens, du blinde Hure, warum buhlest du mit dem Teufel?

103. O Sicherheit, der Teufel wartet deiner! O Hochmut, du bist höllisch Feuer! O Schönheit, du bist ein finster Tal! O Gewalt, du bist ein Wüten und Reißen des höllischen Feuers! O eigene Rache, du bist der grimmige Zorn Gottes!

104. O Mensch, warum will dir die Welt zu enge werden? Du willst sie allein haben, und hättest du sie, so hättest du noch nicht Raum. Auch das ist des Teufels Hochmut, der aus dem Himmel in die Hölle fiel. Ach Mensch, o Mensch, warum tanzest du doch mit dem Teufel, der dein Feind ist? Hast du nicht Sorge, er wird dich in die Hölle stoßen? Wie gehest du so sicher? Hast du doch nur ein schmales Steglein, darauf du tanzest, unter dem Stege ist die Hölle. Siehst du nicht, wie hoch und gefährlich du gehest? Du tanzest zwischen Himmel und Hölle!

105. O du blinder Mensch, wie spottet der Teufel deiner! Ach, warum betrübst du den Himmel? Meinest du, du wirst nicht genug haben in dieser Welt? O blinder Mensch, ist doch Himmel und Erde dein, dazu Gott selber. Was bringest du in diese Welt oder was nimmst du mit? Ein Engelskleid bringest du in diese Welt und machest in deinem bösen Leben eine Teufelslarve daraus.

106. O du armer Mensch, kehre um! Der himmlische Vater hat beide Arme ausgestreckt und ruft dir. Komm nur, er will dich in seine Liebe fassen, bist du doch sein Kind! Er hat dich lieb. So er dich feindete, so müßte er mit ihm selbst uneins sein. O nein, das ist nicht; in Gott ist nichts als barmherzige, freundliche Liebe und Klarheit.

107. O ihr Hüter Israels, warum schlafet ihr? Wacht auf vom Schlaf der Hurerei und schmücket eure Lampen! Der Bräutigam kommt, lasset eure Posaunen schallen! O ihr Geizhälse und Trunkenbolde, wie buhlet ihr mit dem Geizteufel! So spricht der Herr: Wollt ihr mein Volk nicht weiden, das ich euch vertrauet habe? Sieh, ich habe euch auf Mosis Stuhl gesetzt und euch meine Herde vertrauet, aber ihr meinet nur die Wolle und nicht meine Schäflein. Damit bauet ihr eure Palasthäuser. Aber ich will euch auf den Stuhl der Pestilenz setzen und mein Hirte soll meine Schäflein ewig weiden.

108. Ach, du schöne Welt, wie klaget dich der Himmel, wie betrübest du die Elementa! Ach Bosheit, wann willst du aufhören? Wache auf, wache auf und gebäre, du trauriges Weib! Dein Bräutigam kommt und fordert von dir die Frucht. Warum schläfest du? Siehe, er klopfet an!

109. O holdselige Liebe und klares Licht, bleib doch bei uns, denn es will Abend werden! Ach, Wahrheit, o Gerechtigkeit und rechtes Gerichte, wo bist du hinkommen? Wundert sich doch der Geist, als wenn er die Welt zuvorhin nie gesehen hätte. Ach, was schreibe ich doch die Bosheit der Welt, der ich es tun muß, und die Welt gibt mir dafür des Teufels Dank? Ach! Amen.