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8. Kapitel - Von der dritten Umstände oder Species 458

Administrator Beiträge: 10836 Forumgründer *****
8. Kapitel - Von der dritten Umstände oder Species
« am: November 21, 2011, 08:08:10 Vormittag »
Von der dritten Umstände oder Species

 
26. Die dritte Qualität oder der dritte Geist Gottes in des Vaters Kraft ist die bittere Qualität. Die ist eine Durchdringung oder Zwingung der süßen und herben Qualität, die ist zitternd, durchdringend und aufsteigend.

27. Hie merke: Die herbe Qualität ist der Kern oder Stock oder Sauer oder Zusammenziehung, und die süße ist die leichte Linderung oder Sänftigung; und die bittere ist die Durchdringung oder Triumphierung, die da in der herben und süßen aufsteiget und triumphieret. Das ist der Freudenquell oder die Ursache der lachenden, aufhebenden Freuden, davon ein Ding für Freuden zittert und jubilieret, davon die himmlische Freude entstehet. Dazu ist sie die Bildung allerlei roter Farben in ihrer eigen Qualität. In der süßen bildet sie allerlei weiße und blaue, in der herben und sauren allerlei grüne und dunkele und vermengte Farben mit mancherlei Gestalt und Gerüche.

28. Die bittere Qualität ist der erste Geist, davon das Leben rege wird, davon die Beweglichkeit Ursprung nimmt, und heißt Cor oder Herz, denn es ist der zitternde, kirrende, erhebliche durchdringende Geist, das Triumphieren oder Freude, ein erheblicher Quell des Lachens. In der süßen Qualität wird die bittere gesänftiget, daß sie ganz liebreich und freudenreich wird. So sie aber zu sehr erhebet, beweget oder angezündet wird, so zündet sie die süße und herbe Qualität an und ist als eine reißende, stechende und brennende Gift, gleich als wenn ein Mensch eine reißende Pestilenzbeule hat, davon er ach und wehe schreiet.

29. Diese Qualität ist in der göttlichen Kraft, wenn sie angezündet wird, der Geist des eiferigen und bitteren Zorns Gottes, der unerlöschlich ist, wie bei den Legionen Luzifers zu sehen ist. Noch mehr: Diese Qualität, wenn sie angezündet wird, so ist sie das bitter-höllische Feuer, die da verlöscht das Licht, die aus der süßen Qualität macht einen Gestank, in der herben eine Schärfe und Reißen, eine Härte und Kälte, in der sauren rühricht und brüchicht, ein Gestank, ein Elend, ein Trauerhaus, ein Haus der Finsternis, des Todes und der Höllen, ein Ende der Freuden, welcher darinnen nicht mehr kann gedacht werden, denn es kann durch nichts gestillet werden und kann durch nichts wieder erleuchtet werden, sondern der finstere, herbe, stinkende, saure, rührichte, bittere, grimmige Quell steiget auf in alle Ewigkeit.

30. Nun merke: In diesen drei Species oder Qualitäten steht das körperliche oder das kreatürliche Wesen aller Kreaturen im Himmel und in dieser Welt, es sei gleich ein Engel oder Mensch oder Vieh oder Vogel oder Gewächse auf himmlische oder irdische Form, Qualität und Art, wohl alle Farben und Formen. In Summa: Alles was sich bildet, das stehet in dieser drei Hauptqualitäten Kraft und Gewalt und wird durch sie gebildet und auch aus ihrer eigenen Kraft formieret.

31. Erstlich ist die herbe Qualität und die saure ein Corpus oder Quell, das zeucht die süße Kraft zusammen, und die Kälte in der herben macht es trocken. Denn die süße Qualität ist des Wassers Herze, denn sie ist dünne und lichte und vergleicht sich dem Himmel. Und die bittere Qualität macht es schließlich, daß sich die Kräfte in Glieder formieren, und macht in dem Corpus die Beweglichkeit.

32. Und wenn dann die süße Qualität getrocknet ist, so ists ein Corpus, der vollkommen ist, aber ohne Vernunft. Und die bittere Qualität dringet im Corpus in der herben, sauren und süßen durch und bildet allerlei Farben, nach welcher Qualität der Corpus am sehrsten geneiget ist oder welche Qualität am stärksten im Corpus ist, nach derselben bildet die bittere Qualität den Corpus mit seiner Farbe, und nach derselben Qualität hat die Kreatur seinen größten Trieb und Neiglichkeit und Wallen oder Willen.