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6. Kapitel - Vom Maule 438

Administrator Beiträge: 10836 Forumgründer *****
6. Kapitel - Vom Maule
« am: November 21, 2011, 08:47:07 Vormittag »
Vom Maule

 
10. Das Maul bedeutet, daß du ein unallmächtiger Sohn deines Vaters bist, du seist gleich ein Engel oder Mensch; denn durch das Maul mußt du deines Vaters Kraft in dich raffen, willst du aber leben. Ein Engel muß das so wohl tun als ein Mensch; und ob er gleich nicht das Element Luft auf eine solche Weise bedarf wie ein Mensch, so muß er doch den Geist in sich durch das Maul raffen, davon die Luft in dieser Welt entstehst.

11. Denn im Himmel hat es keine solche Luft, sondern die Qualitäten sind ganz sanft und freudenreich gleich einem lieblichen Sausen, und der Hl. Geist ist unter allen Qualitäten in dem Salitter und Marcurius. Und dieses muß sich ein Engel auch gebrauchen, sonst kann er keine bewegliche Kreatur sein; denn er muß auch von den himmlischen Früchten essen durch das Maul.

12. Du mußt dieses aber nicht irdisch verstehen; denn ein Engel hat keine Därme, dazu auch weder Fleisch noch Bein, sondern er ist von der göttlichen Kraft zusammengerüget, auf Form und Art gleich einem Menschen, auch mit allen Gliedern wie ein Mensch, aber die Geburtsglieder und auch keinen Ausgang von unten hat er nicht, er bedarf es auch nicht.

13. Denn der Mensch hat seine Geburtsglieder dazu auch seinen Ausgang erst in dem kläglichen Falle bekommen. Ein Engel treibet nichts von sich als die göttliche Kraft, die er mit dem Maule fasset, damit er sein Herz anzündet, und das Herz zündet alle Glieder an. Dasselbe treibet er durch das Maul wieder von sich, wenn er redet und Gott lobet.

14. Die himmlische Früchte aber, die er isset, die sind nicht irdisch. Und ob sie gleich in Form und Gestalt sind wie die irdischen, so sind sie doch nur göttliche Kraft und haben also einen lieblichen Schmack und Ruch, daß ich das mit nichts in der Welt vergleichen kann; denn sie schmecken und riechen nach der Hl. Dreifaltigkeit.

15. Nicht sollst du denken, als wenns nur etwa ein Vorbild wäre wie ein Schatten; nein, der Geist zeiget hell und klar, daß in der himmlischen Pomp, in dem himmlischen Salniter und Marcurius wachsen göttliche Bäume, Stauden, Blumen und vielerlei, was in dieser Welt ein Vorbild ist. Gleich wie die Engel sind, also auch die Gewächse und die Früchte, alles aus göttlicher Kraft.

16. Nicht mußt du mir dies Gewächse des Himmels dieser Welt gar vergleichen; denn in dieser Welt hats zwei Qualitäten, eine böse und eine gute, und wächset viel durch Kraft der bösen Qualität; dasselbe wächst im Himmel nicht. Denn der Himmel hat nur eine Gestalt; es wächst nichts, das nicht gut ist, allein Herr Luzifer hat diese Welt also zugerichtet. Darum schämete sich Heva, als sie hatte von dem gessen, was durch die böse Qualität war zugerichtet worden. Gleichfalls schämete sie sich ihrer Mutter Geburtsglieder, die sie ihr durch diesen Apfelbiß hatte zugerichtet.

17. Nun eine solche Substanz hats nicht um die englische und himmlische Frucht. Es hat wohl gewiß und wahrhaftig allerlei Früchte im Himmel, und nicht nur Vorbilde, und die Engel nehmen die mit ihren Händen und essen die, wie wir Menschen, aber sie dürfen keine Zähne dazu, sie haben auch keine; denn die Frucht ist von göttlicher Kraft.

18. Nun dieses alles, was sich ein Engel gebrauchen, was ihm ist, zu Erbauung seines Lebens, das ist nicht sein körperlich Eigentum, das er für Naturrecht hat, sondern der himmlische Vater gibts ihnen alles aus Liebe. Ihr Corpus ist zwar ihr Eigentum, denn Gott hats ihnen zum Eigentum gegeben, und was einem nun für eigen oder zum Eigentum gegeben ist, das ist aus Naturrecht sein, und handelt der nicht recht dran, der es ihm ohne Beding wieder nimmt. Also tut Gott auch nicht. Darum ist ein Engel eine ewige, unvergängliche Kreatur, die in alle Ewigkeit bestehet.

19. Nun aber, was wäre ihm denn der Corpus nütze? Wenn ihn Gott nicht speisete, so hätte er keine Beweglichkeit und läge da wie ein tot Holz. Darum sind die Engel Gott gehorsam und demütigen sich vor dem gewaltigen Gott, loben, ehren, rühmen und preisen denselben in seinen großen Wundertaten und singen stets von Gottes Heiligkeit, daß er sie speiset.