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5. Kapitel - Von der körperlichen Substanz, Wesen und Eigentum eines Engels 481

Administrator Beiträge: 10836 Forumgründer *****
5. Kapitel - Von der körperlichen Substanz, Wesen und Eigentum eines Engels
« am: November 21, 2011, 08:54:45 Vormittag »
Von der körperlichen Substanz, Wesen und Eigentum eines Engels


    Allhier ist nun die Frage, was denn ein Engel für einen Corpus, Form oder Gestalt habe oder wie er figurieret sei. Gleichwie ein Mensch ist geschaffen zu Gottes Bildnis und Gleichnis, also auch die Engel; denn sie sind der Menschen Brüder, und werden die Menschen in der Auferstehung keine andere Form und Bildnis haben als die Engel, wie solches unser König Christus selber zeuget, Matth 22,30. Auch so haben sich die Engel allhier auf Erden nie in keiner andern Gestalt den Menschen offenbaret als in Menschengestalt.

2. Dieweil wir denn in der Auferstehung sollen den Engeln gleich sein, so müssen die Engel ja figurieret sein wie wir, sonst müßten wir ein ander Bildnis in der Auferstehung an uns nehmen, welches doch wider die erste Schöpfung wäre.

3. Auch so erschienen Moses und Elias den Jüngern Christi in ihrer Form und Gestalt auf dem Berge Tabor, Matth 17,1, die doch schon lange waren im Himmel gewesen, und Elias war mit lebendigem Leibe in Himmel genommen worden, und hatte doch nun keine andere Gestalt als er auf Erden hatte gehabt (2.Kön 2,11). Auch als Christus zu Himmel fuhr, schwebeten zween Engel in den Wolken, die sprachen zu den Jüngern: Ihr Männer von Israel, was sehet ihr hinnach? Dieser Jesus wird wiederkommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren (Apg 1,11). Das ist ja hell und klar, daß er in solcher Form werde am jüngsten Tage wiederkommen mit göttlichem und glorifiziertem Leibe gleich einem Fürsten der heiligen Engel, welches werden sein die Menschen.

4. Es zeiget auch der Geist hell und klar, daß die Engel und Menschen ein Bildnis haben, denn Gott hat an des verstoßenen Luzifers Legionen Stelle aus demselben Loco, darinnen Luzifer saß und daraus er gemacht ward, einen andern Engel gemacht. Das war Adam, so er nur in seiner Klarheit blieben wäre, aber es ist noch die gewisse Hoffnung der Auferstehung. Da werden wir englische Klarheit und Reinigkeit bekommen.

5. Nun fragest du: Wie sind denn die Engel nach dem Bilde Gottes geschaffen? Antwort: Erstlich ist der zusammenfigurierte Leib, der ist unzertrennlich und auch unzerstörlich und des Menschen Händen unbegreiflich; denn er ist aus göttlicher Kraft zusammengetrieben, und ist dieselbe Kraft also miteinander verbunden, daß sie ewig nicht kann zerstöret werden. So wenig jemand oder etwas kann die ganze Gottheit zerstören, so wenig kann auch etwas einen Engel zerstören; denn ein jeder Engel ist aus allen Kräften Gottes zusammenfigurieret, nicht mit Fleisch und Blut, sondern aus göttlicher Kraft.

6. Erstlich ist der Corpus aus allen Kräften des Vaters, und in denselben Kräften ist das Licht Gottes, des Sohnes. Nun gebären die Kräfte des Vaters und des Sohnes, die in dem Engel kreatürlich sind, einen verständigen Geist, der in dem Engel aufsteiget.

7. Anfänglich gebären die Kräfte des Vaters ein Licht, dadurch ein Engel siehet in dem ganzen Vater, dadurch er die äußerliche Kraft und Wirkung Gottes, die außer seinem Corpus ist, kann sehen, und dadurch er seine Mitbrüder kann schauen und auch die herrliche Frucht Gottes sehen und genießen, und darinnen seine Freude stehet.

8. Und dasselbe Licht ist anfänglich aus dem Sohn Gottes in den Kräften des Vaters in den englischen Leib kreatürlich kommen und ist des Leibes Eigentum, das ihm durch nichts kann entzogen werden, er verlösche es denn selber, wie Luzifer tat.

9. Nun alle Kraft, die in dem ganzen Engel ist, die gebäret dasselbe Licht. Gleichwie Gott der Vater seinen Sohn gebäret zu seinem Herzen, also gebäret des Engels Kraft auch seinen Sohn und Herze in sich, und das erleuchtet hinwiederum alle Kräfte in dem ganzen Engel. Hernach gehet aus allen Kräften des Engels und auch aus dem Lichte des Engels ein Quellbrunn aus und quillet in dem ganzen Engel. Das ist sein Geist, der steiget auf in alle Ewigkeit, denn in demselben Geiste ist alle Erkenntnis und Wissenschaft aller Kraft und Art, die in dem ganzen Gott ist.

10. Denn derselbe Geist quillet aus allen Kräften des Engels und steiget in das Gemüte. Da hat er fünf offene Tore, da kann er sich umschauen, was in Gott ist, und auch, was in ihm ist. Er gehet aber aus allen Kräften des Engels aus und auch aus dem Lichte des Engels, gleichwie der Hl. Geist vom Vater und Sohne, und erfüllet den ganzen Corpus.

11. Nun merke die große Geheimnis: Gleichwie in Gott zwei Dinge zu merken sind, das erste ist der Salnitter oder die göttlichen Kräfte, daraus der Corpus ist, das andere ist der Marcurius, Ton oder Schall. - also ist solches auch auf gleiche Form in dem Engel.

12. Erstlich ist die Kraft, und in der Kraft ist der Ton, der steiget in dem Geiste auf in das Haupt, in das Gemüte, gleichwie im Menschen im Hirn, und in dem Gemüte hat er seine offene Porten. Im Herzen hat er seinen Sessel und Ursprung, da er entspringet aus allen Kräften. Denn aller Kräfte Quellbrunn quillet zum Herzen, gleichwie auch im Menschen. Und im Kopf hat er seinen fürstlichen Stuhl, da siehet er alles, was außer ihm ist und höret alles und schmecket alles und reucht alles und fühlet alles.

13. Und wenn er nun siehet und höret den göttlichen Ton und Schall aufsteigen, der außer ihm ist, so wird sein Geist infizieret und mit Freuden angezündet, und erhebet sich in seinem fürstlichen Stuhl und singet und klinget gar freudenreiche Worte von Gottes Heiligkeit und von der Frucht und Gewächs des ewigen Lebens, von der Zierheit und Farben der ewigen Freuden und von dem holdseligen Anblicke Gottes des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes, auch von der löblichen Bruderschaft und Gemeinschaft der Engel, von der ewigwährenden Freudenreich, von der Heiligkeit Gottes, von ihrem fürstlichen Regiment, in Summa: von allen Kräften und aus allen seinen Kräften, das ich vor Unmut meiner Verderbung im Fleische nicht schreiben kann, und wäre viel lieber selber dabei.

14. Was ich aber allhier nicht schreiben kann, des will ich deiner Seelen zu bedenken befohlen haben. Du wirst es am Tage der Auferstehung hell und klar sehen. Du darfst meines Geistes allhier nicht spotten, er ist nicht aus einem wilden Tiere entsprungen, sondern er ist von meiner Kraft geboren und von dem Hl. Geiste erleuchtet.

15. Ich schreibe allhier nicht ohne Erkenntnis. So du aber als ein Epikuräer und Teufels Mastsau aus des Teufels Anregen wirst dieser Dinge spotten und wirst sagen: Der Narr ist nicht in Himmel gestiegen und hats gesehen oder gehöret, es sind Fabelei, so will ich dich in Kraft meiner Erkenntnis vor das ernste Gerichte Gottes zitieret und gerufen haben.

16. Und ob ich in meinem Leibe zu ohnmächtig bin, dich dahin zu bringen, so ist doch der, von dem ich meine Erkenntnis habe, mächtig genug, dich auch in Abgrund der Höllen zu werfen.

17. Darum sei gewarnet und denke, daß du auch an den englischen Reihen gehörst; und lies das nachfolgende Liedlein mit Lust, so wird der Hl. Geist in dir erweckt werden und wirst auch eine Begierde und Lust zum himmlischen Reihen-Tanz bekommen. Amen.

18. Der Fiedler hat seine Seiten schon aufgezogen, der Bräutigam kommt! Schaue zu, daß du nicht das Podagra in deinen Füßen hast, wenn dann der Reihen angeht, daß du zum Engelstanz gar ungeschickt seist und werdest von der Hochzeit hinausgestoßen, weil du kein englisch Kleid anhast. Wahrlich, die Tür wird hinter dir zugeschlossen werden, und du wirst nicht mehr hineinkommen, sondern du wirst mit den höllischen Wölfen im höllischen Feuer tanzen. Der Spott wird dir dann wohl vergehen und Reuen wird dich nagen.