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4. Kapitel - Von Erschaffung der Engel 462

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4. Kapitel - Von Erschaffung der Engel
« am: November 21, 2011, 08:55:52 Vormittag »
Von Erschaffung der Engel

 
22. Es zeiget und weiset der Geist heil und klar, daß vor Erschaffung der Engel das göttliche Wesen mit seinem Aufsteigen und Qualifizieren sei von Ewigkeit gewesen und auch in der Schöpfung der Engel sei blieben, wie es noch auf heute ist, und wird auch in Ewigkeit also bleiben.

23. Der Locus oder der Ort und Raum dieser Welt samt dem kreatürlichen Himmel, den wir mit unsern Augen sehen, sowohl der Locus oder Ort der Erde und Sterne samt der Tiefe ist eine solche Forma gewesen, wie es noch heute über den Himmeln der göttlichen Pomp ist.

24. Es ist aber des Großfürsten Luzifer Königreich worden in der Erschaffung der Engel. Der hat mit seiner stolzen Erhebung in seinem Königreich die Qualitäten oder den göttlichen Salitter, daraus er gemacht war, angezündet und brennend gemacht.

25. Er meinte hiemit also hochlichte und qualifizierend zu werden über den Sohn Gottes, aber er ward ein Narr. Darum konnte dieser Locus nicht in seiner brennenden Qualität bestehen in Gott, darauf denn die Schöpfung dieser Welt erfolget ist. Es wird aber diese Welt am Ende in Gott bestimmter Zeit wieder in ihren ersten Locum gesetzt werden, wie es war vor Erschaffung der Engel, und Herr Luzifer wird eine Höhle, Gruft oder Loch zu seiner ewigen Behausung darinnen bekommen und ewig in seiner angezündeten Qualität bleiben. Das wird sein eine ewige Schandwohnung, ein wüst und finster Tal, eine Höhle der Grimmigkeit.

26. Nun merke: Gott hat in seinem Wallen die heiligen Engel alle auf einmal geschaffen, nicht aus fremder Materia, sondern aus ihm selber, aus seiner Kraft und ewigen Weisheit. Es haben die Philosophi die Meinung gehabt, als hätte Gott die Engel nur aus dem Lichte gemacht. Aber sie haben geirret, sie sind nicht allein aus dem Lichte gemacht, sondern aus allen Kräften Gottes.

27. Wie ich vor angezeiget, es sind in der Tiefe Gottes des Vaters sonderlich zwei Dinge zu merken, erstlich die Kraft oder alle Kräfte Gottes des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes, die sind lieblich, wonnesam und mancherlei, und sind doch alle ineinander wie eine Kraft.

28. Gleichwie in der Luft aller Sterne Kraft regieret, also auch in Gott. Es erzeiget sich aber in Gott jede Kraft mit ihrer Wirkung insonderheit. Darnach so ist der Schall in jeder Kraft, und der Schall tönet nach jeder Kraft Qualität, und darinnen stehet die ganze himmlische Freudenreich. Aus diesem göttlichen Salitter und Marcurio sind alle Engel gemacht worden, verstehe aus dem Leibe der Natur.

29. Du möchtest aber nun fragen: Wie sind sie gemacht oder geboren, oder was ist das für eine Form? Ja, wenn ich eine Engelszunge hätte und du einen Engelsverstand, so wollten wir wohl fein davon reden, aber so siehet es nur der Geist und die Zunge kanns nicht erheben, denn ich kann keine andere Worte als die Worte dieser Welt. So aber nur der Hl. Geist in dir ist, so wird’s deine Seele wohl begreifen.

30. Siehe, die ganze Hl. Dreifaltigkeit hat mit ihrem Wallen ein Corpus oder Bild aus sich zusammenfigurieret gleich einem kleinen Gotte, aber nicht also hart ausgehend als die ganze Trinität, doch etlichermaßen nach der Kreaturen Größe.

31. In Gott ist kein Anfang noch Ende. Die Engel aber haben einen Anfang und Ende, aber nicht abmeßlich oder begreiflich, denn ein Engel kann erwan groß sein und auch klein; ihre geschwinde Veränderung ist also geschwinde wie der Menschen Gedanken. Es sind alle Qualitäten und Kräfte in einem Engel wie in der ganzen Gottheit.

32. Du mußt aber dieses recht verstehen: Sie sind aus dem Salitter und Marcurio gemacht und zusammenfigurieret, das ist, aus dem Ausgange. Siehe ein Gleichnis: Aus der Sonne und Sternen gehen aus die Elementa, und die machen in dem Salnitter der Erden einen lebendigen Geist, und die Sterne bleiben an ihrem Zirk, und der Geist kriegt gleichwohl der Sterne Qualität.

33. Nun ist aber der Geist nach seiner Zusammenfügung ein sonderliches und hat eine Substanz wie alle Sterne, und die Sterne sind und bleiben auch ein sonderliches, ein jedes für sich frei. Aber nichts desto weniger herrschet der Sterne Qualität in dem Geiste, aber der Geist kann und mag sich in seinen Qualitäten erheben oder senken oder mag in den Einflüssen der Sterne leben wie er will, denn er ist frei, denn er hat seine Qualitäten, die er in sich hat, zum Eigentum gekriegt.

34. Und ob er sie gleich anfänglich von den Sternen hat, so sind sie doch nun seine, gleich als wenn die Mutter den Samen in ihr hat; weil sie den hat und daß es ein Same ist, so ist er der Mutter. Wenn aber ein Kind draus wird, so ist er nicht mehr der Mutter, sondern des Kindes Eigentum. Und obgleich das Kind in der Mutter Hause ist und die Mutter ernähret es von ihrer Speise und das Kind könnte ohne die Mutter nicht leben, noch ist der Leib und der Geist, der aus der Mutter Samen gezeugt ist, sein Eigentum und behält sein körperlich Recht für sich.

35. Also hats auch eine Gestalt mit den Engeln. Sie sind auch alle aus dem göttlichen Samen zusammenfigurieret worden, aber sie haben jeder den Corpus nun für sich. Und ob sie gleich in Gottes Hause sind und essen die Frucht ihrer Mutter, daraus sie worden sind, so ist doch ihr Corpus nun ihr Eigentum.

36. Aber die Qualität außer ihnen oder ihrem Corpus, als ihre Mutter, ist nicht ihr Eigentum. Gleichwie auch die Mutter nicht des Kindes Eigentum ist und auch der Mutter Speise ist nicht des Kindes Eigentum, sondern die Mutter gibt es ihm aus Liebe, dieweil sie das Kind geboren hat.

37. Sie mag das Kind auch wohl aus ihrem Hause stoßen, wenn es ihr nicht folgen will, und mag ihm ihre Speise entziehen, welches dem Fürstentum Luzifers auch widerfahren ist.

38. Also mag Gott seine göttliche Kraft, die außer den Engeln ist, wenn sie sich wider ihn erheben, entziehen. Wenn aber das geschieht, so muß ein Geist verschmachten und verderben, gleich als wenn einem Menschen die Luft, die auch seine Mutter ist, entzogen wird, so muß er sterben, also auch die Engel können außer ihrer Mutter nicht leben.