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3. Kapitel - Von der heiligen Dreifaltigkeit 473

Administrator Beiträge: 10836 Forumgründer *****
3. Kapitel - Von der heiligen Dreifaltigkeit
« am: November 21, 2011, 08:59:59 Vormittag »
Von der heiligen Dreifaltigkeit


32. Wenn man nun redet oder schreibet von drei Personen in der Gottheit, so darfst du nicht denken, daß darum drei Götter sind, da ein jeder für sich herrschet und regieret gleich den irdischen Königen auf Erden. Nein, eine solche Substanz und Wesen hat es nicht in Gott; denn das göttliche Wesen stehet in Kraft und nicht im Leibe oder Fleische.

33. Der Vater ist die ganze göttliche Kraft, daraus alle Kreaturen worden sind, und ist von Ewigkeit immer gewesen. Er hat keinen Anfang noch Ende. Der Sohn ist in dem Vater des Vaters Herze oder Licht, und der Vater gebäret den Sohn von Ewigkeit zu Ewigkeit immerdar, und des Sohns Kraft und Glanz leuchtet wieder in dem ganzen Vater, gleichwie die Sonne in der ganzen Welt.

34. Und ist der Sohn eine andere Person als der Vater, aber nicht außer dem Vater, und auch kein ander Gott als der Vater. Seine Kraft, Glanz und Allmacht ist nichts kleiner als der ganze Vater.

35. Der Hl. Geist gehet vom Vater und Sohne aus und ist die dritte selbständige Person in der Gottheit. Gleichwie die Elementa in dieser Welt von der Sonne und Sternen ausgehen und sind der bewegliche Geist in allen Dingen in dieser Welt, also auch ist der Hl. Geist der bewegliche Geist in dem ganzen Vater und gehet von Ewigkeit zu Ewigkeit immer von dem Vater und Sohne aus und erfüllet den ganzen Vater. Er ist nichts kleiner oder größer als der Vater und Sohn. Seine webende Kraft ist in dem ganzen Vater.

36. Alles Ding in dieser Welt ist nach dem Gleichnis dieser Dreiheit worden. Ihr blinden Juden, Türken und Heiden, tut die Augen eures Gemütes auf, ich muß euch an eurem Leibe und allen natürlichen Dingen zeigen, an Menschen, Tieren, Vögeln und Würmen, sowohl an Holz, Steinen, Kraut, Laub und Gras, das Gleichnis der Hl. Dreiheit in Gott.

37. Ihr saget, es sei ein einig Wesen in Gott; Gott habe keinen Sohn. Nun tue die Augen auf und siehe dich selber an: Ein Mensch ist nach dem Gleichnis und aus der Kraft Gottes in seiner Dreiheit gemacht. Schaue deinen inwendigen Menschen an, so wirst du das hell und rein sehen, so du nicht ein Narr und unvernünftig Tier bist. So merke: In deinem Herzen, Adern und Hirne hast du deinen Geist. Alle die Kraft, die sich in deinem Herzen, Adern und Hirne beweget, darinne dein Leben stehet, bedeutet Gott den Vater. Aus derselben Kraft empöret sich dein Licht, daß du in derselben Kraft siehest, verstehest und weißt, was du tun sollst; denn dasselbe Licht schimmert in deinem ganzen Leibe und beweget sich der ganze Leib in Kraft und Erkenntnis des Lichtes, das bedeutet Gott, den Sohn. Denn gleichwie der Vater den Sohn aus seiner Kraft gebäret und der Sohn leuchtet in dem ganzen Vater, also auch gebäret die Kraft deines Herzens, deiner Adern und deines Hirnes ein Licht, das leuchtet in allen deinen Kräften, in deinem ganzen Leibe. Tue die Augen deines Gemütes auf und denke ihm nach, so wirst du es also finden.

38. Nun merke: Gleichwie vom Vater und Sohn ausgehet der Hl. Geist und ist eine selbständige Person in der Gottheit, und wallet in dem ganzen Vater, also gehet auch aus den Kräften deines Herzens, Adern und Hirn aus die Kraft, die in deinem ganzen Leibe wallet, und aus deinem Lichte gehet aus in dieselbe Kraft, Vernunft, Verstand, Kunst und Weisheit, den ganzen Leib zu regieren und auch alles, was außer dem Leibe ist, zu unterscheiden. Und dieses beides ist in deinem Regiment des Gemütes ein Ding, dein Geist, und das bedeutet Gott, den Hl. Geist. Und der Hl. Geist aus Gott herrschet auch in diesem Geiste in dir, bist du aber ein Kind des Lichts und nicht der Finsternis.

39. Denn von wegen dieses Lichts, Verstandes und Regiments ist der Mensch unterschieden von den Tieren, und ein Engel Gottes, wie ich klar beweisen will, wenn ich von Erschaffung des Menschen schreiben werde.

40. Darum merke eigen und habe acht auf die Ordnung dieses Buches; du wirst finden, was dein Herze begehret oder immer lüstert.

41. Also findest du in einem Menschen drei Quellbrunnen: erstlich die Kraft in deinem ganzen Gemüte, das bedeutet Gott den Vater; danach das Licht in deinem ganzen Gemüte, das erleuchtet das ganze Gemüte, das bedeutet Gott den Sohn.

42. Danach so gehet aus allen deinen Kräften und auch aus deinem Lichte ein Geist aus, der ist verständig; denn alle Adern samt dem Lichte in dir, sowohl Herz und Hirn und alles, was in dir ist, das macht denselben Geist, und das ist deine Seele und bedeutet recht den Hl. Geist, der vom Vater und Sohne ausgehet und regieret in dem ganzen Vater; denn die Seele des Menschen regieret im ganzen Leibe.

43. Der Leib aber oder das tierische Fleisch im Menschen bedeutet die tote verderbte Erde, daß ihm der Mensch durch seinen Fall selber also zugerichtet hat, wie hernach folgen wird an seinem Orte.

44. Also findest du auch die Dreiheit der Gottheit in den Tieren; denn wie der Geist eines Menschen wird und entstehet, also auch in einem Tier, und ist in dem kein Unterscheid, allein in diesem ist der Unterscheid, daß der Mensch ist aus dem besten Kern der Natur gemacht von Gott selber zu seinem Engel und Gleichnis, und herrschet in dem Menschen mit seinem Hl. Geist, daß der Mensch kann reden und alles unterscheiden und verstehen.

45. Das Tier aber ist allein worden aus der wilden Natur dieser Welt; die Sterne und Elementa haben die Tiere durch ihre Bewegung geboren nach dem Willen Gottes.

46. Also entstehet auch der Geist in Vögeln und Würmen im Gleichnis der Dreiheit und hat alles seinen dreifachen Quell im Gleichnis der Dreiheit der Gottheit. Also siehest du auch die Dreiheit in der Gottheit in Holz und Steinen, sowohl in Kraut, Laub und Gras, allein daß dasselbe alles irdisch ist. Noch gebäret die Natur nichts, es sei in dieser Welt, was es wolle, und wenn es gleich kaum eine Stunde stehen oder bleiben soll, es wird alles in der Dreiheit oder nach dem Gleichnis Gottes geboren.

47. Nun merke: In einem Holze, Steine und Kraut sind drei Dinge, und kann nichts geboren werden oder wachsen, so unter den dreien sollte in einem Dinge nur eines außen bleiben. Erstlich die Kraft, daraus ein Leib wird, es sei gleich Holz oder Stein oder Kraut. Hernach ist in demselben ein Saft, das ist das Herze eines Dinges. Zum dritten ist darinnen eine quellende Kraft, Geruch oder Geschmack, das ist der Geist eines Dinges, davon es wächst und zunimmt. So nun unter den dreien eines fehlet, so kann kein Ding bestehen.

48. Also findest du die Gleichnis der Dreiheit in dem göttlichen Wesen in allen Dingen, schaue an, was du willst; und soll sich niemand stockblind machen und vermeinen, es sei anders, oder denken, Gott habe keinen Sohn und Hl. Geist. Ich will solches hinfüro, wenn ich werde von der Schöpfung schreiben, viel heller, klärer und lauterer beweisen, denn ich nehme mein Schreiben und Buch nicht von andern Meistern. Und ob ich gleich viel Exempel und Zeugnisse der Heiligen Gottes darinnen führe, so ist mir doch solches alles von Gott in meinen Sinn geschrieben, daß ichs ganz ungezweifelt glaube, erkenne und sehe, nicht im Fleisch, sondern im Geiste, im Trieb und Wallen Gottes.

49. Nicht also zu verstehen, daß meine Vernunft größer wäre als aller derer, die da leben, sondern ich bin des Herrn Zweig nur ein kleines und geringes Fünklein aus ihm. Er mag mich setzen, wo er hin will, ich kann ihm das nicht wehren. Auch so ist dieses nicht mein natürlicher Wille, den ich aus meinen Kräften vermag; denn so mir der Geist entzogen wird, so kenne oder verstehe ich meine eigene Arbeit nicht, und muß mich auf allen Seiten mit dem Teufel kratzen und schlagen und bin der Anfechtung und Trübsal unterworfen wie alle Menschen. Aber du wirst in den nachfolgenden Kapiteln den Teufel mit seinem Reiche bald bloß sehen. Es soll ihm seine Hoffart und Schande bald aufgedeckt werden.