*


Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren. Haben Sie Ihre Aktivierungs E-Mail übersehen?

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge

Vorrede des Autoris 807

Administrator Beiträge: 10836 Forumgründer *****
Vorrede des Autoris
« am: November 21, 2011, 09:22:48 Vormittag »
Vorrede des Autoris

 
    Günstiger Leser!

Ich vergleiche die ganze Philosophiam, Astrologiam und Theologiam samt ihrer Mutter einem köstlichen Baum, der in einem schönen Lustgarten wächst.

2. Nun gibt die Erde, da der Baum inne stehet, dem Baum immer Saft, davon der Baum seine lebendige Qualität hat; der Baum aber in sich selbst wächst von dem Saft der Erden und wird groß und breitet sich aus mit seinen Asten.

3. Nun, gleichwie die Erde mit ihrer Kraft an dem Baum arbeitet, daß derselbe wachse und zunehme, also arbeitet der Baum stets mit seinen Ästen aus ganzem Vermögen, daß er möchte immer viel guter Früchte bringen.

4. Wenn aber der Baum wenig Früchte bringet, dazu ganz klein, madig und wurmstichig, so ist die Schuld nicht an des Baumes Willen, daß derselbe vorsätzlich begehre böse Früchte zu tragen, dieweil er ein köstlicher Baum guter Qualität ist, sondern die Schuld ist, daß oft große Kälte, Hitze, Mehltau, Rauben und Ungeziefer auf ihn fällt; denn die Qualität in der Tiefe, von den Sternen ausgeworfen, verderbet ihn, daß er wenig guter Früchte bringet.

5. Nun hat aber der Baum diese Art an sich, daß je größer und älter der Baum wird, je süßere Frucht träget er. In seiner Jugend träget er wenig Früchte, denn das macht die rauhe und wilde Art des Erdbodens und überlei Feuchte in dem Baum. Und ob er gleich schön blühet, so fallen doch im Gewächse seine Äpfel meistens ab, es sei denn Sache, daß er gar in einem gutem Acker stehet.

6. Nun hat der Baum auch eine gute, süße Qualität an sich, dagegen auch drei andere dem zuwider, als bitter, sauer und herbe. Nun, wie der Baum ist, also werden auch seine Früchte, bis sie die Sonne wirket und süße machet, daß sie einen lieblichen Geschmack bekommen, und müssen seine Früchte bestehen im Regen, Wind und Ungewitter.

7. Wenn aber der Baum alt wird, daß seine Aste verdorren, daß der Saft nicht mehr in die Höhe kann, so wachsen unten um den Stamm viel grüne Zweiglein aus, letztlich auch auf der Wurzel, und verklären den alten Baum, wie er auch ein schönes grünes Zweiglein und Bäumlein gewesen ist und nun gar alt worden. Denn die Natur oder der Saft wehret sich, bis der Stamm gar dürre wird. Dann wird er abgehauen und im Feuer verbrannt.

8. Nun merke, was ich mit diesem Gleichnis angedeutet habe: Der Garten dieses Baums bedeutet die Welt, der Acker die Natur, der Stamm des Baumes die Sterne, die Äste die Elementa, die Früchte, so auf diesem Baume wachsen, bedeuten die Menschen, der Saft in dem Baume bedeutet die klare Gottheit. Nun sind die Menschen aus der Natur, Sternen und Elementen gemacht worden. Gott der Schöpfer aber herrschet in allen, gleichwie der Saft in dem ganzen Baume.

9. Die Natur aber hat zwo Qualitäten in sich bis in das Gerichte Gottes, eine liebliche, himmlische und heilige, und eine grimmige, höllische und durstige.

10. Nun qualifizieret und arbeitet die gute immer mit ganzem Fleiß, daß sie gute Früchte bringe. Darinnen herrschet der Hl. Geist und gibt dazu Saft und Leben. Die böse quillet und treibet auch mit ganzem Fleiße, daß sie immer böse Früchte bringt. Dazu gibt ihr der Teufel Saft und höllische Loh.

11. Nun dieses beides ist in dem Baum der Natur, und die Menschen sind aus dem Baum gemacht und leben in dieser Welt, in diesem Garten zwischen beiden in großer Gefahr, und fällt auf sie bald Sonnenschein, bald Regen, Wind und Schnee.

12. Das ist, so der Mensch seinen Geist erhebt in die Gottheit, so quillet und qualifizieret in ihm der Heilige Geist und der höllische Saft.

13. Gleichwie der Apfel auf dem Baum madig und wurmstichig wird, wenn Frost, Hitze und Mehltau auf ihn fällt, und leicht abfällt und verdirbet, also auch der Mensch, wenn er läßt den Teufel mit seinem Gift in ihm herrschen.

14. Nun gleichwie in der Natur Gutes und Böses quillet, herrschet und ist, also auch im Menschen. Der Mensch aber ist Gottes Kind, den er aus dem besten Kern der Natur gemacht hat, zu herrschen in dem Guten und zu überwinden das Böse. Ob ihm gleich das Böse anhanget, gleichwie in der Natur das Böse am Guten hanget, so kann er doch das Böse überwinden. So er seinen Geist in Gott erhebet, so quillet in ihm der Heilige Geist und hilft ihm siegen.

15. Gleichwie die gute Qualität in der Natur mächtig ist zu siegen über die böse, denn sie ist und kommt aus Gott und der Heilige Geist ist Herrscher darinnen, also auch ist die grimme Qualität mächtig zu siegen in der boshaftigen Seelen; denn der Teufel ist ein mächtiger Herrscher in der Grimmigkeit und ist ein ewiger Fürst derselben.

16. Der Mensch aber hat sich selbst in die Grimmigkeit geworfen durch den Fall Adams und Hevas, daß ihm das Böse anhänget, sonst wäre sein Quell und Trieb allein in dem Guten. Nun aber ists in beiden und heißet nun, wie St. Paulus saget: Wisset ihr nicht welchem ihr euch begebet zu Knechten in Gehorsam, des Knecht seid ihr, dem ihr gehorsam seid, entweder der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam Gottes zur Gerechtigkeit (Rom 6,16).

17. Weil aber der Mensch in beiden den Trieb hat, so mag er greifen, zu welchem er will; denn er lebet in dieser Welt zwischen beiden und sind beide Qualitäten Bös und Gut in ihm, in welches der Mensch wallet, damit wird er angetan in heilige oder höllische Kraft.

18. Denn Christus spricht: Mein Vater will den Heiligen Geist geben denen, die ihn darum bitten (Luk 11,13). Auch so hat Gott dem Menschen das Gute befohlen und das Böse verboten und lässet noch täglich predigen, rufen und schreien und den Menschen vermahnen zum Guten. Dabei man ja wohl erkennet, daß Gott das Böse nicht will, sondern will, daß sein Reich zukomme und sein Wallen geschehe, wie im Himmel als auch auf Erden.

19. Weil aber der Mensch durch die Sünde vergiftet, daß die grimme Qualität sowohl als die gute in ihm herrschet und nun halb tot und mit großem Unverstand Gott seinen Schöpfer sowohl auch die Natur und ihre Wirkung nicht mehr erkennen kann, so hat die Natur ihren höchsten Fleiß vom Anfang bis auf heute angeleget, dazu hat Gott seinen Heiligen Geist gegeben, daß sie je und allewege hat weise, heilige und verständige Menschen geboren und zugerichtet, welche die Natur sowohl Gott, ihren Schöpfer haben lernen erkennen, welche allezeit mit ihrem Schreiben und Lehren der Welt Licht sind gewesen. Damit hat Gott seine Kirche auf Erden zugerichtet zu seinem ewigen Lobe. Dagegen hat der Teufel gewütet und getobet und manchen edlen Zweig verderbet durch die Grimmigkeit in der Natur, welches Fürst und Gott er ist.

20. Wenn die Natur hat oft einen gelehrten, verständigen Menschen zugerichtet mit schönen Gaben, so hat der Teufel seinen höchsten Fleiß daran geleget, daß er denselben verführet in fleischliche Lüste, in Hoffart, in Begierde reich zu sein und Gewalt zu haben. Damit hat der Teufel in ihm geherrschet und hat die grimme Qualität die gute überwunden und ist aus seinem Verstande und aus seiner Kunst und Weisheit Ketzerei und Irrtum gewachsen, welcher der Wahrheit gespottet und große Irrtum auf Erden angerichtet hat und ist dem Teufel ein guter Heerführer gewesen.

21. Denn die böse Qualität in der Natur hat vom Anfang und noch immer mit der guten gerungen und sich emporgehoben und manche edle Frucht im Mutterleibe verderbet, wie solches klar zu sehen ist erstlich bei Kain und Habel, die aus einer Mutter Leibe kamen. Kain war von Mutterleibe ein Verächter Gottes und hoffärtig, dagegen Habel ein demütiger Gott-fürchtiger Mensch. So siehet mans auch bei den Söhnen Noae sowohl auch bei Abraham mit Isaak und Ismael, sonderlich aber beim Isaak mit Esau und Jakob, welche sich im Mutterleibe gestoßen und gerungen, darum auch Gott saget: Jakob habe ich geliebet und Esau gehasset (Gen 25,23). Ist anders nichts, denn daß beide Qualitäten in der Natur haben heftig miteinander gerungen.

22. Denn als Gott in der Natur zur selben Zeit wallete und wollte sich der Welt offenbaren durch den frommen Abraham, Isaak und Jakob und wollte ihm eine Kirche auf Erden zurichten zu seiner Glorie und Herrlichkeit, so wallete in der Natur auch mit die Bosheit und derselben Fürst Luzifer. Weil denn in dem Menschen Böses und Gutes war, so konnten beide Qualitäten in ihm regieren. Derowegen ward ein böser und ein guter Mensch in einer Mutter auf einmal geboren.

23. Auch so ist es bei der ersten Welt, sowohl auch an der andern bis ans Ende unserer Zeit klar zu sehen, wie das himmlische und höllische Reich in der Natur hat je und allewege miteinander gerungen und in großer Arbeit gestanden, als ein Weib in der Geburt.

24. Bei Adam und Heva ist es am lautersten zu sehen; denn da wuchs ein Baum im Paradies auf von beider Qualität, Böses und Gutes. Da sollten Adam und Heva versucht werden, ob sie könnten in der guten Qualität, in englischer Art und Form bestehen. Denn der Schöpfer verbot Adam und Heva, von der Frucht zu essen. Aber die böse Qualität in der Natur rang mit der guten und brachte Adam und Heva in Lust, von beiden zu essen. Darum bekamen sie auch bald zur Stunde tierische Art und Form und aßen von Bös und Gut und mußten sich auf tierische Art mehren und leben, und verdarb mancher edler Zweig, von ihnen geboren.

25. Hernach sieht man, wie Gott in der Natur gewirket, als die heiligen Väter in der ersten Welt geboren, als Abel, Seth, Enos, Kenan, Mahalalel, Jared, Henoch, Methusalem, Lamech und der heilige Noah. Die haben der Welt des Herren Namen verkündiget und Buße geprediget, denn der Hl. Geist hat in ihnen gewirket.

26. Dagegen hat der höllische Gott auch gewirket in der Natur und Spötter und Verächter geboren, erstlich Kain und seine Nachkommen, und ist mit der ersten Welt gegangen wie mit einem jungen Baume; der wächset, grünet und blühet schön, bringet aber wenig guter Früchte von wegen seiner linden Art. Also brachte die Natur in der ersten Welt wenig guter Früchte, ob sie gleich schön blühete in weltlicher Kunst und Üppigkeit; denn das konnte der Hl. Geist nicht ergreifen, der auch diesmal in der Natur sowohl als jetzt hat gewirket.

27. Darum sprach Gott: Es reuet mich, daß ich die Menschen gemacht habe (Gen 6,6), und erregte die Natur, daß alles Fleisch starb, was im Trocknen lebet bis auf die Wurzel und Stamm, der blieb stehn, und hat hiemit den wilden Baum gedünget und angerichtet, daß derselbe sollte bessere Früchte tragen. Aber als derselbe wieder grünete, brachte er bald wieder gute und böse Früchte bei den Söhnen Noah. Da fanden sich bald wieder Spötter und Verächter Gottes und wuchs kaum ein guter Ast in dem Baum, der heilige, gute Früchte brachte; die andern Äste trugen und brachten die wilden Heiden.

28. Als aber Gott sah, daß der Mensch also in seiner Erkenntnis erstorben war, bewegete er die Natur abermal und zeigete den Menschen, wie in derselben wäre Böses und Gutes, damit sie das Böse fliehen und in dem Guten leben sollten, und ließ Feuer aus der Natur fallen und zündete an Sodom und Gomorrah zum schrecklichen Exempel der Welt.

29. Als aber der Menschen Blindheit überhand nahm und sich Gottes Geist nicht wollten lehren lassen, gab er ihnen Gesetze und Lehre, wie sie sich halten sollten, und bestätigte die mit Wunder und Zeichen, damit nicht erlösche die Erkenntnis des rechten Gottes.

30. Aber das Licht wollte hiemit auch nicht an Tag kommen, denn die Finsternis und Grimmigkeit in der Natur wehrete sich und derselben Fürst regierete gewaltiglich.

31. Als aber der Baum der Natur in sein Mittelalter kam, da hub er an und trug etliche milde, süße Früchte, anzuzeigen, daß er hinfort würde liebliche Früchte tragen. Denn da wurden die heiligen Propheten geboren aus dem süßen Ast des Baumes. Die lehreten und predigten von dem Licht, welches künftig die Grimmigkeit in der Natur überwinden würde.

32. Auch so ging unter den Heiden ein Licht in der Natur auf, daß sie erkenneten die Natur und ihre Wirkung, wiewohl dieses nur ein Licht in der wilden Natur war, und noch nicht das heilige Licht; denn die wilde Natur war noch nicht überwunden und rang Licht und Finsternis so lange miteinander, bis die Sonne aufging und zwang diesen Baum mit ihrer Hitze, daß er liebliche, süße Früchte trug.

33. Das ist, bis da kam der Fürst des Lichts aus dem Herzen Gottes, und ward ein Mensch in der Natur und rang in seinem menschlichen Leibe in Kraft des göttlichen Lichts in der wilden Natur.

34. Derselbe Fürsten- und königliche Zweig wuchs auf in der Natur und wurde ein Baum in der Natur und breitete seine Äste aus von Orient bis in Occident und umfassete die ganze Natur, rang und kämpfte mit der Grimmigkeit, die in der Natur war, und mit derselben Fürsten, bis daß er überwand und triumphierte als ein König der Natur und nahm den Fürsten der Grimmigkeit gefangen in seinem eigenen Hause (Ps 68,19).

35. Als dieses geschah, da wuchsen aus dem königlichen Baume, der in der Natur gewachsen war, viel tausend Legionen köstlicher süßer Zweiglein, die hatten alle den Geruch und Geschmack des köstlichen Baums. Und ob gleich auf sie fiel Regen, Schnee, Hagel und Ungewitter, daß manches Zweiglein vom Baum gerissen und geschlagen ward, noch wuchsen immer andere Zweiglein. Denn die Grimmigkeit in der Natur und derselben Fürst erregete groß Ungewitter mit Hageln, Donnern, Blitzen und Regen, daß ja oft viel herrlicher Zweiglein von dem süßen und guten Baum abgerissen wurden. Aber dieselben Zweiglein schmeckten also holdselig, süß und freudenreich, daß keines Menschen noch Engels Zunge aussprechen kann; denn sie hatten große Kraft und Tugend in sich. Sie dieneten zur Gesundheit der wilden Heiden. Welcher Heide von den Zweiglein dieses Baums aß, der ward entlediget von der wilden Art der Natur, darinnen er geboren war, und ward ein süßer Zweig in dem köstlichen Baum und grünete in dem Baum und trug köstliche Früchte wie der königliche Baum.

36. Darum liefen viele Heiden zu dem köstlichen Baum, da die köstlichen Zweiglein lagen, welche der Fürst der Finsternis hatte mit seinen Sturrnwinden abgerissen, und welcher Heide an diese abgerissene Zweiglein roch, der ward gesund von der wilden Grimmigkeit, die ihm von seiner Mutter geboren war.

37. Als aber der Fürst der Finsternis sah, daß sich die Heiden um die Zweiglein rissen und nicht um den Baum und sah seinen großen Verlust und Schaden, so ließ er ab vom Sturm gegen Aufgang und Mittag und stellete einen Kaufmann unter den Baum, der las die Zweiglein auf, die von dem köstlichen Baume waren gefallen.

38. Und wann denn die Heiden kamen und frageten nach den guten und kräftigen Zweiglein, so bot der Kaufmann dieselben an, ums Geld zu verkaufen, damit er Wucher von dem köstlichen Baum hätte. Denn solches forderte der Fürst der Grimigkeit von seinem Kaufmanne, darum weil ihm der Baum in seinem Lande gewachsen war und verderbete seinen Acker.

39. Als nun die Heiden sahen, daß die Frucht von dem köstlichen Baume ums Geld zu verkaufen feil war, liefen sie haufenweise zu dem Kramer und kauften von der Frucht des Baumes und kamen auch von fernen Insulen dahin zu kaufen, ja von der Welt Ende.

40. Als nun der Kramer sah, daß seine Ware so viel galt, auch so angenehm war, erdachte er ihm eine List, damit er seinem Herrn möchte einen großen Schatz sammeln und schickte Kaufleute aus in alle Lande und ließ seine Ware feilbieten und hochloben. Aber er verfälschte die Ware und verkaufte andere Frucht für die gute, die nicht auf dem guten Baum gewachsen war, darum daß seines Herrn Schatz nur groß würde.

41. Die Heiden aber und alle Insulen und Völker, die auf Erden wohneten, waren alle aus dem wilden Baume gewachsen, der da gut und böse war. Darum waren sie halb blind und sahen den guten Baum nicht, der doch seine Äste ausstreckte vom Aufgang bis zum Niedergang, sonst hätten sie die falsche Waren nicht gekauft.

42. Weil sie aber den köstlichen Baum nicht kannten, der doch seine Äste über sie alle ausstreckte, so liefen sie allen den Krämern nach und kauften vermengte falsche Ware für gute und vermeineten, sie dienete zur Gesundheit. Weil sie aber alle so hart nach dem guten Baum lüsterten, der doch über ihnen allen schwebete, machte sie gesund von ihrer Grimmigkeit und wilden Geburt und nicht des Krämers falsche Ware. Das währete eine lange Zeit.

43. Als nun der Fürst in der Finsternis, der da ist der Quell der Grimmigkeit, Bosheit und Verderbens, sah, daß die Menschen gesund wurden von seinem Gift und wilden Art, von dem Geruch des köstlichen Baums, ward er zornig und pflanzete einen wilden Baum gegen Mitternacht, der wuchs aus der Grimmigkeit in der Natur, und ließ ausrufen: Das ist der Baum des Lebens; wer davon isset, der wird gesund und lebet ewiglich! Denn an dem Orte, da der wilde Baum wuchs, war eine wilde Stätte; und die Völker daselbst hatten das rechte Licht aus Gott von Anfang bis zur selben Zeit, und auch noch heute nicht erkannt; und der Baum wuchs am Berge Hagar, in dem Hause Ismaels, des Spötters.

44. Da aber ausgerufen war von dem Baum: Siehe, das ist der Baum des Lebens, da liefen die wilden Völker zu dem Baum, die nicht waren aus Gott geboren, sondern aus der wilden Natur, und liebeten den wilden Baum, und aßen von seiner Frucht. Und der Baum wuchs und ward groß von dem Saft der Grimmigkeit in der Natur, und breitete seine Äste aus von Mitternacht gegen Morgen und Abend. Der Baum aber hatte seinen Quell und Wurzel aus der wilden Natur, die da bös und gut war; und wie der Baum war, also war auch seine Frucht.

45. Weil aber die Menschen dieses Orts alle aus der wilden Natur waren gewachsen, so wuchs der Baum über sie alle, und ward also groß, daß er mit seinen Ästen reichete bis in das werte Land unter den heiligen Baum.

46. Das war aber die Ursache, daß der wilde Baum so groß ward: Die Völker unter dem guten Baum liefen alle den Krämern nach, die die falsche Ware verkauften, und aßen von der falschen Frucht, die auch bös und gut war, und vermeineten, sie würden dadurch gesund werden; und ließen den heiligen guten, kräftigen Baum immer stehen. Indes wurden sie immer blinder, matter und schwächer und konnten dem wilden Baum gegen Mitternacht nicht wehren, daß er nicht wuchs. Denn sie waren viel zu matt und schwach. Sie sahen wohl, daß es ein wilder, böser Baum war, aber sie waren zu matt und schwach und konnten ihm sein Gewächses nicht wehren. So sie aber nicht wären den Krämern mit der falschen Ware nachgelaufen und hätten von der falschen Frucht gessen, sondern hätten von dem köstlichen Baum gessen, so wären sie kräftig worden, dem wilden Baum Widerstand zu tun.

47. Weil sie aber der wilden Natur im Menschentand nachhureten in ihres Herzens Gelüste, in Heuchelei, so herrschete auch die wilde Natur über sie und wuchs der wilde Baum hoch und weit über sie, und verderbte sie mit seiner wilden Kraft.

48. Denn der Fürst der Grimmigkeit in der Natur gab dem Baum seine Kraft, zu verderben die Menschen, die von des Kramers wilder Frucht aßen. Dieweil sie verließen den Baum des Lebens und suchten eigene Klugheit wie Mutter Heva im Paradies; so herrschte ihre angeborne eigne Qualität über sie und gerieten in solchen kräftigen Irrtum, wie St. Paulus saget (2.Thess 2,11).

49. Und der Fürst der Grimmigkeit erregte Krieg und Sturmwinde von dem wilden Baum gegen Mitternacht über die Völker, die nicht aus dem wilden Baum geboren waren; und sie fielen in ihrer Mattigkeit und Schwachheit für Ungewitter, das aus dem wilden Baum ging.

50. Und der Kaufmann unter dem guten Baum heuchelte mit den Völkern gegen Mittag und Abend und gegen Mitternacht und lobete seine Ware hoch und betrog die Einfältigen mit List. Und die Klugen machte er zu seinen Kaufleuten und Krämern, daß sie ihren Gewinn auch davon hatten, bis daß ers dahin brachte, daß niemand den heiligen Baum mehr recht sah und erkannte, und er das Land zum Eigentum kriegte.

51. Da ließ er ausrufen: (2.Thess 2,4) Ich bin der Stamm des guten Baums und stehe auf der Wurzel des guten Baums und bin eingepfropft in den Baum des Lebens. Kaufet meine Ware, die ich euch verkaufe, so werdet ihr gesund werden von eurer wilden Geburt und ewig leben. Ich bin aus der Wurzel des guten Baums gewachsen und habe die Frucht des Hl. Baums in meiner Gewalt und sitze auf dem Stuhl der göttlichen Kraft und habe Gewalt im Himmel und auf Erden; kommet zu mir und kaufet euch ums Geld von der Frucht des Lebens!

52. Da liefen alle Völker zu und kauften und aßen, bis sie verschmachteten. Alle Könige von Mittag, Abend und gegen Mitternacht aßen von des Kramers Frucht und lebeten in großer Ohnmacht; denn der wilde Baum von Mitternacht wuchs je länger je sehrer über sie und vertilgete sie eine lange Zeit. Und er war eine elende Zeit auf Erden, als nicht gewesen war, weil die Welt gestanden. Aber die Menschen meineten, es wäre gute Zeit, so hart hatte sie der Kaufmann unter dem guten Baum verblendet.

53. Am Abend aber jammerte die Barmherzigkeit Gottes der Menschen Elend und Blindheit und bewegte abermal den guten Baum, den herrlichen göttlichen Baum, der die Frucht des Lebens trug. Da wuchs ein Zweig nahe bei der Wurzel aus dem köstlichen Baume und grünete, und ihm ward gegeben des Baums Saft und Geist, und redete mit Menschenzungen und zeigete jedermann den köstlichen Baum und seine Stimme erscholl weit in viel Länder.

54. Da liefen die Menschen, zu sehen und hören, was da wäre. Da ward ihnen gezeiget der köstliche und tugendreiche Baum des Lebens, davon die Menschen im Anfang gessen hatten, und waren entlediget worden von ihrer wilden Geburt.

55. Und sie wurden hoch erfreuet und aßen von dem Baum des Lebens mit großer Freude und Erquickung, und kriegten neue Kraft von dem Baum des Lebens, und sungen ein neu Lied von dem wahrhaftigen Baum des Lebens, und wurden entlediget von der wilden Geburt und hasseten den Kaufmann mit seinen Krämern und falscher Ware.

56. Es kamen aber alle, die da hungerte und dürstete nach dem Baum des Lebens, und die im Staube saßen, und aßen von dem heil. Baum, und wurden gesund von ihrer unreinen Geburt und von der Natur Grimmigkeit, darinnen sie lebeten, und wurden eingepfropft in den Baum des Lebens.

57. Allein die Krämer des Kaufmanns und ihre Heuchler, und die ihren Wucher hatten mit der falschen Ware getrieben und ihre Schätze gesammlet, kamen nicht; denn sie waren im Wucher der Hurerei des Kaufmanns ersoffen und im Tode erstorben und lebeten in der wilden Natur; und die Angst und Schande, die da aufgedeckt ward, hielt sie zurück, daß sie hatten mit dem Kaufmann so lange gehuret und die Seelen der Menschen verführet; da sie doch rühmeten, sie wären in den Baum des Lebens eingepfropft und lebeten in göttlicher Kraft, in Heiligkeit, und trügen die Frucht des Lebens feil.

58. Weil nun offenbar ward ihre Schande, Betrug, Geiz und Schalkheit, verstummten sie und blieben zurücke und schämten sich, daß sie hätten Buße getan für ihre Greuel und Abgötterei und wären mit den Hungerigen und Durstigen zu dem Brunnquell des ewigen Lebens gegangen. Darum verschmachteten sie auch in ihrem Durste, und ihre Qual steiget auf von Ewigkeit zu Ewigkeit und ihr Gewissen naget sie.

59. Da nun der Kaufmann sah mit der falschen Ware, daß sein Betrug war offenbar worden, ward er sehr zornig und verzagt und richtete seinen Bogen wider das heilige Volk, das seine Ware nicht mehr kaufen wollte, und tötete viel des heiligen Volks und lästerte wider den grünen Zweig, der aus dem Baum des Lebens war gewachsen. Aber der Großfürst Michael, der vor Gott stehet, kam und stritt für das heilige Volk und siegete.

60. Als aber der Fürst aus der Finsternis sah, daß sein Kaufmann war gefallen und sein Betrug offenbar worden, erregte er das Sturmwetter von Mitternacht aus dem wilden Baum gegen das heilige Volk, und der Kaufmann von Mittage stürmete auch wider sie. Da wuchs das heilige Volk sehr und hoch im Blute. Gleichwie es war im Anfang, da der heilige und köstliche Baum wuchs, der überwand die Grimmigkeit in der Natur und ihren Fürsten, also war es auch zu der Zeit.

61. Als, nun der edle und heilige Baum allem Volk war offenbar worden, daß sie sahen, wie er über ihnen allen schwebete und seinen Schmack über alle Völker ausstreckte und mochte davon essen, wer da wollte; da ward das Volk überdrüssig zu essen von seiner Frucht, die auf dem Baum wuchs, und lüsterten nach der Wurzel des Baumes zu essen, und die Klugen und Weisen suchten die Wurzel und zanketen um dieselbe. Und der Streit um die Wurzel des Baumes ward groß, also daß sie vergaßen, von der Frucht des süßen Baums zu essen, von wegen des Zanks um die Wurzel des Baums.

62. Es war ihnen aber nicht um die Wurzel noch um den Baum zu tun, sondern der Fürst in der Finsternis hatte ein anders im Sinne, weil er sah, daß sie nicht mehr von dem guten Baum essen wollten, sondern zankten um die Wurzel, sah wohl, daß sie gar matt und schwach worden und daß die wilde Natur wieder in ihnen herrschete. Darum bewegte er sie nun zur Hoffart, daß ein jeder meinete, er hätte die Wurzel beim Stiele, man sollte auf ihn sehen und hören und ihn ehren. Damit baueten sie ihre Palast-Häuser und dieneten heimlich dem Abgott Mammon. Dadurch wurde der Laienstand geärgert, und lebeten in ihres Fleisches Lust, in Begierde der wilden Natur und dieneten dem Bauch in Üppigkeit, verließen sich auf die Frucht des Baumes, die über ihnen allen schwebete, ob sie gleich in Verderben gerieten, daß sie dadurch möchten wieder gesund werden. Und dieneten unterdessen dem Fürsten der Finsternis nach der wilden Natur Trieb. Und der köstliche Baum mußte ihnen nur zum Schauspiegel dastehen, und ihrer viel lebeten gleich den wilden Tieren und führeten ein böses Leben in Hoffart, Pracht und Üppigkeit; und der Reiche verzehrte dem Armen seinen Schweiß und Arbeit und drängte ihn noch dazu.

63. Alle bösen Taten wurden durch Geschenke gut. Die Rechte flossen aus der bösen Qualität in der Natur; ein jeder trachtete nach viel Geld und Gut, nach Hoffart, Prassen und Prangen. Der Elende hatte keine Errettung. Schelten, Fluchen, Schwören wurde für kein Laster gehalten, und fühleten sich in der grimmen Qualität wie eine Sau im Kote. Solches taten die Hirten mit den Schafen und behielten nicht mehr den Namen von dem edlen Baume. Seine Frucht, Kraft und Leben mußte ihrer Sünden Deckel sein.

64. Also lebete die Welt zur selben Zeit bis auf ein kleines Häuflein. Das ward geboren mitten unter den Dornen, in großer Trübsal und Verachtung, aus allem Volk auf Erden, von Orient bis in Occident. Da war kein Unterschied; sie lebeten alle im Trieb der wilden Natur in Ohnmacht bis auf ein kleines Häuflein, das ward errettet aus allen Völkern. Wie es war vor der Sintflut und vor Aufgang des edlen Baums in die Natur und in der Natur, also auch zu der Zeit.

65. Daß aber die Menschen am Ende also hart nach des Baums Wurzel lästerten, ist ein Geheimnis, Mysterium, und den Klugen und Weisen bisher verborgen gewesen, wird auch nicht in der Höhe aufgehen, sondern in der Tiefe in großer Einfalt, gleichwie der edle Baum mit seinem Kern und Herzen allezeit ist den Weltklugen verborgen gewesen, ob sie gleich gemeinet haben, sie stünden auf des Baums Wurzel und Spitze, so ist es doch nicht mehr als ein lichter Dunst vor ihren Augen gewesen.

66. Es hat aber der edle Baum vom Anfang bis auf heute mit höchstem Fleiß in der Natur gearbeitet, daß er möchte offenbar werden allen Völkern, Zungen und Sprachen. Dawider hat der Teufel in der wilden Natur gewütet und getobet und sich gewehret als ein grimmiger Löwe. Aber der edle Baum brachte je länger je süßere Früchte und offenbarte sich je länger je sehrer wider alles Wüten und Toben des Teufels, bis ans Ende; da ward es lichte.

67. Denn es wuchs ein grünes Zweiglein auf der Wurzel des edlen Baums und kriegte der Wurzel Saft und Leben, und ihm ward gegeben des Baums Geist, und verklärete den edlen Baum in seiner herrlichen Kraft und Macht, dazu die Natur, darinne er gewachsen war.

68. Als nun dieses geschah, da gingen in der Natur beide Türen auf: die Erkenntnis beider Qualitäten, Böses und Gutes, und ward offenbar das himmlische Jerusalem, sowohl der Höllen Reich, allen Menschen auf Erden. Und das Licht und die Stimme erscholl in die vier Winde, und der falsche Kaufmann vom Mittage ward ganz offenbar und die Seinen hasseten ihn und rotteten ihn aus von der Erden.

69. Als nun dieses geschah, da verdorrete auch der wilde Baum gegen Mitternacht, und alles Volk sah den heiligen Baum auch in fernen Inseln mit Verwundern. Und der Fürst in der Finsternis ward offenbar und seine Geheimnisse wurden aufgedeckt und seine Schande und Spott und Verderben sahen und erkenneten die Menschen auf Erden, denn es war lichte worden. Aber das währete eine kleine Zeit, so ließen die Menschen das Licht und lebeten in ihres Fleisches Lust zum Verderben; denn gleichwie sich die Tür des Lichts hatte aufgetan, also auch die Tür der Finsternis, und gingen aus beiden allerlei Kräfte und Künste, was darinne war.

70. Gleichwie die Menschen vom Anfang her hatten gelebet im Gewächse der wilden Natur, und nur nach irdischen Dingen getrachtet, also wollte es auch am Ende nicht besser, sondern nur ärger werden.

71. Im Mittel dieser Zeit wurden viel große Sturmwetter erreget vom Abend gegen Morgen und Mitternacht, von Mitternacht aber ging ein großer Wasserstrom aus gegen den heiligen Baum und verderbete viel Zweige an dem heiligen Baume, und mitten im Strom ward es lichte, und verdorrete der wilde Baum gegen Mitternacht.

72. Und der Fürst in der Finsternis ward ergrimmet in der großen Beweglichkeit der Natur; denn der heilige Baum wallete in der Natur, als der sich jetzt bald erheben und in Glorifizierung der heiligen göttlichen Majestät anzünden wollte und den Grimm von sich gebären, der ihm so lange war entgegengestanden und mit ihm gerungen hatte.

73. Desgleichen wallete der Baum der Finsternis, Grimmigkeit und Verderbens auch grausam, als der jetzt bald sollte angezündet werden und darinnen der Fürst mit seinen Legionen ausging, zu verderben die edle Frucht von dem guten Baume.

74. Und es stund in der Natur schrecklich in der grimmen Qualität, in der Qualität, darinnen der Fürst der Finsternis wohnet, menschlidi zu reden: gleich als wenn man siehet ein grausam schrecklich Wetter aufziehen, das sich greulich und schrecklich erzeiget, mit vielen Wetterleuchten und Sturmwinden, da man sich entsetzet.

75. Dagegen stund es in der guten Qualität, in welcher der heilige Baum des Lebens stund, gar lieblich, süße und wonnereich, gleich der himmlischen Freuden-Reich. Dieses beides wallete heftig widereinander, also hart, bis da angezündet wurde die ganze Natur, beide Qualitäten in einem Augenblick.

76. Und der Baum des Lebens ward angezündet in seiner eigenen Qualität mit dem Feuer des Hl. Geistes, und seine Qualität brannte im Feuer der himmlischen Freuden-Reich, die in der guten Qualität waren von Ewigkeit gewesen; und das Licht der heiligen Trinität leuchtete in dem Baum des Lebens und erfüllete die ganze Qualität, darinnen er stund.

77. Und der Baum der grimmen Qualität, welches ist das ander Teil in der Natur, ward auch angezündet, und brannte im Feuer des Zorns Gottes mit höllischer Lohe; und der grimme Quell stieg auf in Ewigkeit, und der Fürst der Finsternis mit seinen Legionen blieb in der grimmen Qualität, als in seinem eigenen Reiche. In diesem Feuer verging die Erde, die Sterne und Elementa; denn es brannte alles zugleich, ein jedes in dem Feuer seiner eigenen Qualität, und wurde alles schiedlich.

78. Denn der Alte bewegte sich, in dem da ist alle Kraft und alle Kreaturen und alles, was genannt mag werden. Und die Kräfte von dem Himmel, von den Sternen und Elementen wurden wieder dünne und in die Gestalt formieret, wie sie vorm Anfang der Schöpfung waren. Allein die zwei Qualitäten bös und gut, die in der Natur waren ineinander gewesen, die wurden voneinander geschieden, und war die böse dem Fürsten der Bosheit und Grimmigkeit zur ewigen Behausung gegeben, und das heißt die Hölle oder Verwerfung, welche die gute Qualität in Ewigkeit nicht mehr ergreift oder berühret, eine Vergessung alles Guten, und das in seine Ewigkeit.

79. In der andern Qualität stund der Baum des ewigen Lebens, und ihr Quell rühret her aus der Hl. Trinität und der Hl. Geist leuchtet darinnen. Und es gingen herfür alle Menschen, die von Adams des ersten Menschen Lenden kommen waren, ein jeder in seiner Kraft und in der Qualität, darinnen er auf Erden gewachsen war. Die da hatten auf Erden von dem guten Baum gessen, der da heißt Jesus Christus, in denen war die Barmherzigkeit Gottes gequollen zur ewigen Freude, die hatten die Kraft der guten Qualität in sich; die wurden aufgenommen in die gute und heilige Qualität und sungen das Lied ihres Bräutigams, ein jeder in seiner Stimme nach seiner Heiligkeit.

80. Die aber im Licht der Natur und des Geistes waren geboren und auf Erden den Baum des Lebens nie recht erkannt hatten, waren aber in seiner Kraft gewachsen, der über alle Menschen auf Erden hatte geschaltet, als da sind viel Heiden und Völker und Unmündige; die wurden auch aufgenommen in derselben Kraft, darinnen sie gewachsen waren und damit ihr Geist bekleidet war, und sungen das Lied ihrer Kraft von dem edlen Baum des ewigen Lebens; denn ein jeder wurde nach seiner Kraft glorifizieret.

81. Und die heilige Natur gebar freudenreiche, himmlische Früchte, gleichwie sie auf Erden hatte in beider Qualität irdische geboren, die da bös und gut waren. Also gebar sie jetzt himmlische, freudenreiche. Und die Menschen, die jetzt den Engeln gleich waren, aßen ein jeglicher von der Frucht seiner Qualität und sungen das Lied Gottes und das Lied von dem Baum des ewigen Lebens. Und das war in dem Vater wie ein heiliges Spiel, eine triumphierende Freude; denn dazu waren alle Dinge im Anfang aus dem Vater gemacht und bleibet nun in seine Ewigkeit also.

82. Die aber auf Erden waren in Kraft des Zorn-Baums gewachsen, das ist, die die grimme Qualität hatte überwunden und waren verdorret in der Bosheit ihres Geistes in ihren Sünden, die gingen auch alle herfür, ein jeder in seiner Kraft, und wurden aufgenommen in das Reich der Finsternis. Und ein jeder ward angetan in der Kraft, darinnen er gewachsen war, und ihr König heißt Luzifer, ein Verstoßener aus dem Licht.

83. Und die höllische Qualität brachte auch Früchte herfür, wie sie auf Erden hatte getan; allein das Gute war von ihr geschieden, darum brachte sie jetzt Früchte in ihrer eigenen Qualität. Und die Menschen, welche jetzt auch den Geistern gleich waren, aßen ein jeglicher von der Frucht seiner Qualität, sowohl auch der Teufel; denn gleichwie ein Unterschied ist in den Menschen auf Erden in den Qualitäten und nicht alle einer Qualität sind, also auch bei den verstoßenen Geistern, also auch in der himmlischen Pomp, in Engeln und Menschen, und das währet in seine Ewigkeit. Amen.

Günstiger Leser, dieses ist ein kurzer Bericht von den zwei Qualitäten in der Natur, vom Anfang zum Ende, wie daraus zwei Reiche entstanden sind, ein himmlisches und ein höllisches, und wie sie in dieser Zeit gegeneinander wallen und streiten und wie es zukünftig mit ihnen ergehen wird.

84. Nun habe ich aber diesem Buch den Namen gegeben: Die Mutter oder Wurzel der Philosophia, Astrologia und Theologia. Damit du aber wissest, wovon dies Buch handelt, so verstehe:

Durch die Philosophia wird gehandelt von der göttlichen Kraft, was Gott sei und wie im Wesen Gottes die Natur, Sterne und Elementa beschaffen sind und woher alles Ding seinen Ursprung hat, wie Himmel und Erden besdiaffen sind, auch Engel, Menschen und Teufel, dazu Himmel und Hölle und alles, was kreaturlich ist; auch was da sind beide Qualitäten in der Natur; aus rechtem Grunde in Erkenntnis des Geistes, im Trieb und Wallen Gottes.

85. Durch die Astrologia wird gehandelt von den Kräften der Natur, der Sterne und Elemente, wie daraus alle Kreaturen sind herkommen und wie dieselben alles treiben, regieren und in allem wirken, und wie Böses und Gutes durch sie gewirket wird in Menschen und Tieren, daraus" herkommt, daß Böses und Gutes in dieser Welt herrschet und ist, auch wie der Höllen und Himmel Reich darinnen bestehet.

86. Nicht ist das mein Fürnehmen, daß ich wollte aller Sterne Lauf, Ort oder Namen beschreiben oder wie sie jährlich ihre Conjunction oder Gegenschein oder Quadrat und dergleichen haben, was sie jährlich und stündlich wirken.

87. Welches durch die lange Verjährung ist erfahren worden von hochweisen und klugen, geistreichen Menschen, durch fleißiges Anschauen und Aufmerken und tiefen Sinn und Rechnen. Ich habe dasselbe auch nicht studieret und gelernet und lasse dasselbe die Gelehrten handeln, sondern mein Fürnehmen ist, nach dem Geist und Sinne zu schreiben, und nicht nach dem Anschauen.

88. Durch die Theologia wird gehandelt von dem Reich Christi, wie dasselbe sei beschaffen, wie es der Höllen Reich sei entgegengesetzt, auch wie es in der Natur mit der Höllen Reich kämpfet und streitet und wie die Menschen durch den Glauben und Geist können der Höllen Reich überwinden und triumphieren in göttlicher Kraft und die ewige Seligkeit erlangen und als einen Sieg im Streit davonbringen. Auch wie sich der Mensch durch die Wirkung der höllischen Qualität selbst in die Verderbung wirft und endlich, wie es einen Ausgang mit beiden nehmen wird.

89. Der oberste Titul Morgenröte im Aufgang ist ein Geheimnis, Mysterium, den Klugen und Weisen in dieser Welt verborgen, welches sie selbst werden in kurzem müssen erfahren. Denen aber, so dieses Buch in Einfalt lesen, mit Begierde des Hl. Geistes, die ihre Hofnung allein in Gott stellen, wird es nicht ein Geheimnis sein, sondern eine öffentliche Erkenntnis.

90. Ich will diesen Titul nicht erklären, sondern dem unparteiischen Leser, der da in dieser Welt in der guten Qualität ringet, zu urteilen geben.

91. Wenn nun Meister Klügling, der da in der grimmen Qualität qualifizieret, über dies Buch kommen wird, der wird Widerpart halten, gleichwie das Himmel- und Höllenreich widereinander wallet und ist. Erstlich wird er sagen, ich sei viel zu hoch in die Gottheit gestiegen, mir gezieme solches nicht. Danach wird er sagen, ich rühme mich des Hl. Geistes, ich müsse auch also leben und solches mit Wunderwerken beweisen. Zum dritten wird er sagen, ich tue solches aus Begierde des Ruhms; zum vierten wird er sagen, ich sei nicht gelehrt genug dazu. Zum fünften wird ihn die große Einfalt des Autoris sehr ärgern, wie denn der Welt Brauch ist, nur auf das Hohe zu sehen und sich an der Einfalt zu ärgern.

92. Denen parteiischen Klüglingen will ich entgegensetzen: die Altväter in der ersten Welt, die waren auch nur geringe verachtete Leute, wider welche die Welt und der Teufel wütete und tobete, als zur Zeit Henoch, da die heiligen Väter haben erstlich gewaltig von des Herrn Namen geprediget; die sind auch nicht mit dem Leibe in Himmel gestiegen und haben alles mit Augen gesehen; allein der Hl. Geist hat sich in ihrem Geiste offenbaret. Hernach sieht mans in der andern Welt auch bei denen heiligen Altvätern, Patriarchen und Propheten, die waren allesamt nur einfältige Leute und ein Teil nur Viehhirten.

93. Audi als Messias Christus, der Held im Streit, in der Natur ein Mensch ward, ob er gleich ein Fürst und König der Menschen war, so hielt er sich doch in dieser Welt in großer Einfalt und war nur der Welt Hausgenoss; sowohl auch seine Apostel waren allesamt nur arme, verachtete Fischerknechte und Leutlein. Ja, Christus selbst danket seinem himmlischen Vater, daß ers den Klugen und Weisen in dieser Welt hatte verborgen gehalten und den Unmündigen offenbaret (Matth 11,25).

94. Dazu sieht man, wie sie auch in gleicher Weise sind arme Sünder gewesen und haben beide Triebe, bös und gut, in der Natur an sich gehabt; daß sie aber gleich wider die Sünde der Welt, ja wider ihre eigene Sünde haben geprediget und die gestraft, die haben sie durch den Trieb des Hl. Geistes getan und nicht aus Ruhmsucht. Auch so haben sie aus eigenen Kräften und Vermögen nichts gehabt oder in den Geheimnissen Gottes lehren können, sondern es ist alles im Trieb Gottes geschehen.

95. Also auch kann ich von mir selbst nichts sagen, rühmen oder sdireiben, als das, daß ich bin ein einfältiger Mann, dazu ein armer Sünder und muß alle Tage bitten: Herr, vergib uns unser Schuld! auch mit den Aposteln sagen: 0 Herr, du hast uns durch dein Blut erlöset (Kor 1,14). Ich bin auch nicht in Himmel gestiegen und habe alle Werke und Geschöpfe Gottes gesehen, sondern derselbe Himmel ist in meinem Geiste offenbarer, daß ich im Geist erkenne die Werke und Geschöpfe Gottes; auch so ist der Wille dazu nicht mein natürlicher Wille, sondern es ist des Geistes Trieb. Ich habe auch manchen Sturz des Teufe müssen hiermit erleiden.

96. Es ist aber der Geist des Menschen nicht allein aus den Sternen und Elementen herkommen, sondern es ist auch ein Funke aus dem Licht und Kraft Gottes darinnen verborgen. Es ist nicht ein leer Wort, das in Genesis (1,21) stehet, Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, ja zum Bilde Gottes schuf er ihn; denn es hat eben den Verstand, daß er aus dem ganzen Wesen der Gottheit ist gemacht worden.

97. Der Leib ist aus den Elementen, darum muß er auch elementische Speise haben. Die Seele hat ihren Ursprung nicht allein vom Leibe. Und ob sie gleich in dem Leibe entstehet und ihr erster Anfang der Leib ist, so hat sie doch ihren Quell auch von außen in sich durch die Luft; auch so herrschet darinnen der Hl. Geist nach Art und Weise wie er alles erfüllet und wie in Gott alles ist und Gott selber alles ist.

98. Darum, weil der Hl. Geist in der Seelen kreatürlich ist als der Seelen Eigentum, so forschet sie bis in die Gottheit auch in der Natur; denn sie hat aus dem Wesen der ganzen Gottheit ihren Quell und Herkommen. Wenn sie vom Hl. Geiste angezündet wird, so siehet sie, was Gott ihr Vater machet, gleichwie ein Sohn im Hause wohl siehet, was der Vater machet. Sie ist ein Glied oder Kind in des himmlischen Vaters Hause.

99. Gleichwie das Auge des Menschen siehet bis in das Gestirne, daraus es seinen anfänglichen Ursprung hat, also auch die Seele siehet bis in das göttliche Wesen, darinnen sie lebet.

100. Weil aber die Seele auch aus der Natur ihren Quell hat und in der Natur Böses und Gutes ist und sich der Mensch auch hat durch die Sünde in die Grimmigkeit der Natur geworfen, daß also die Seele täglich und stündlich mit Sünden befleckt wird, so ist ihre Erkenntnis nur stückweise; denn die Grimmigkeit in der Natur herrschet nun auch in der Seelen.

101.  Der Hl. Geist aber gehet nicht in die Grimmigkeit, sondern herrschet in dem Quell der Seelen, der in dem Licht Gottes ist, und streitet wider die Grimmigkeit in der Seelen.

102.  Darum kann die Seele zu keiner vollkommenen Erkenntnis in diesem Leben kommen bis ans Ende, da sich Licht und Finsternis scheidet, und wird die Grimmigkeit mit dem Leibe verzehret in der Erden, dann siehet die Seele hell und vollkommlich in Gott ihren Vater. Wenn aber die Seele vom Hl. Geist angezündet wird, so triumphieret sie in dem Leibe, wie ein groß Feuer aufgehet, daß also Herz und Nieren für Freuden zittern. Es ist aber nicht bald große und tiefe Erkenntnis da in Gott ihrem Vater, sondern die Liebe gegen Gott ihren Vater triumphieret also in dem Feuer des Hl. Geistes.

103.  Die Erkenntnis Gottes aber wird in dem Feuer des Hl. Geistes gesäet und ist erstlich klein wie ein Senfkorn, wie es Christus vergleichet (Matth 13,31). Hernach so wächst sie groß wie ein Baum und breitet sich aus in Gott ihrem Schöpfer, gleichwie ein Tröpflein Wassers in dem großen Meer nicht kann sehr wallen, soll aber ein großer Strom darein gehet, der kann etwas mehr tun.

104.  Es ist aber das Geschehene, Gegenwärtige und Zukünftige, sowohl die Weite, Tiefe und Höhe, nahe und weit in Gott als ein Ding, eine Begreiflichkeit. Und die heilige Seele des Mensdien sieht solches auch, aber in dieser Welt nur stückweise. Es entfällt ihr auch oft, daß sie nichts siehet, denn der Teufel setzet ihr heftig zu in dem grimmen Quell, der in der Seelen ist und verdeckt oft das edle Senfkörnlein, darum muß der Mensch immer im Streit sein.

105.  Auf eine solche Weise, in solcher Erkenntnis des Geistes will ich in diesem Buch von Gott unserem Vater schreiben, in dem alles ist und der selber alles ist, will ich handeln, wie alles schiedlich und kreatürlich ist worden und wie sich alles treibet und beweget in dem ganzen Baum des Lebens.

106.  Allhie wirst du den rechten Grund der Gottheit sehen und wie es ein Wesen gewesen ist vor den Zeiten der Welt, auch wie die heiligen Engel sind erschaffen worden und woraus; auch von dem schrecklichen Fall Luzifers samt seinen Legionen, auch wo aus Himmel, Erde, Sternen und Elementa sind worden, sowohl in der Erden, Metallen und Steine und alle Kreaturen; wie da sei die Geburt des Lebens und die Leiblichkeit aller Dinge, auch was da sei der rechte Himmel, da Gott und seine Heiligen inne wohnen, und was da sei der Zorn Gottes und das höllische Feuer und wie alles anzündlich worden sei: in Summa, was oder wie da sei das Wesen aller Wesen.

107.  Die ersten sieben Kapitel handeln ganz schlecht und begreiflich vom Wesen Gottes und Engeln mit Gleichnissen, damit der Leser möchte von einer Stufe zur andern endlich in tiefen Sinn und rechten Grund kommen. Im achten Kapitel fähet sich an die Tiefe im göttlichen Wesen, und so fort je weiter je tiefer. Es wird manche Specie oft wiederholet und immer tiefer beschrieben, um des Lesers, auch meiner selbst zähen Begreiflichkeit willen.

108.  Was du aber in diesem Buch nicht genug erkläret findest, das wirst du im zweiten und dritten hell und klar finden; denn von wegen unserer Verderbnis ist unsere Erkenntnis Stückwerk und nicht auf einmal ganz vollkommen, wiewohl dieses Buch ein Wunder der Welt ist, welches die heilige Seele wohl verstehen wird.

109.  Hiemit tue ich den Leser in die sanfte und heilige Liebe Gottes empfehlen.