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Das Gebetsringen des Herrn in Gethsemane 557

Administrator Beiträge: 10835 Forumgründer *****
Das Gebetsringen des Herrn in Gethsemane
« am: April 06, 2012, 12:38:32 Nachmittag »
Nun verstehen wir auch, was im Garten Gethsemane vor dem Hereinbrechen des furchtbaren Geschehens in der Seele des Menschensohnes vorging und warum hier die Schrift von einem "Trauern und Zagen" zu berichten hat.

Wie kann denn ein Gott oder Gottmensch bangen und zagen, und wie kann Jesus, wenn in Ihm der "Vater" wohnt, zu diesem Vater beten? — In den Zeiten, da Jesus "voll des Geistes" lehrend und wirkend unter den Menschen von Ort zu Ort wanderte, wirkte der Gottgeist mächtig in der Seele des "Menschensohnes" — gab Ihm die Worte, die Er zu verkünden hatte, in den Mund und verlieh Ihm die Kraft zu Seinen "Zeichen und Wundern". Dies mußte jedoch anders werden, als die große Entscheidungsstunde sich nahte. Denn jetzt handelte es sich darum, daß die Seele Jesu ganz aus freiestem Willen sich dem großen, weisen Liebewillen und Schöpfungsplan des in Ihm wohnenden Vatergeistes unterwarf. Bisher hatte der Menschensohn Jesus für den Vater und die Ausbreitung Seines Reiches gelebt, gelehrt und gekämpft, jetzt sollte Er nach dem heiligen Plane Gottes allen Menschen, Geistern und Engeln ein ewiges Vorbild der vollen Hingabe an den Vaterwillen darbieten. Er sollte für die Erlösung und Errettung Seiner noch im Banne der Materie schlafenden Brüder das letzte Opfer darbringen und um der Erfüllung Seiner Aufgabe willen dem Leibe nach sterben, und zwar in voller Freiheit des Willens und der Entschließung den Tod am Kreuz. Und darum zog Sich der Vater-Gottgeist in dieser großen, entscheidenden Stunde von der Seele Jesu, dem Menschensohn, zu deren Willenserprobung zurück.

"Meine Seele", sprach der Herr zu den Jüngern, "ist betrübt bis zum Tode" — nicht sowohl weil sie des Leibes Hülle und Leben unter Martern hingeben sollte, sondern hauptsächlich weil sie in sich nicht mehr die heilige Macht und Kraft, die selige Nähe des göttlichen Vatergeistes empfand.

Gänzlich auf sich selbst gestellt, mußte die Seele Jesu durch die enge Pforte der äußersten Schwäche und Demut. Und es entrang sich ihr der Wunsch und die Bitte gegenüber den Brüdern: "Bleibet hier und wachet mit mir!" — und gegenüber dem himmlischen Vater: "Mein Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber!"

Aber die Jesu-Seele wußte auch in der Trübsal der Verlassenheit, daß allein im Vater das Heil der ganzen Unendlichkeit gelegen war. Und so stärkte sie sich im heißen Gebete zum Vater in tiefster Demut: "Nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe!"

Das Beten des Herrn, das so vielen denkenden Christen immer ein Rätsel ist, läßt sich vom Standpunkt dieser Erkenntnis aus gar wohl begreifen. Im "Großen Evangelium Johannes" unterreden sich über diese von Jesus täglich geübte Herzensverbindung mit Gott einige Uneingeweihte und sagen: 'Sonderbar, jetzt geht Er hin zu beten und Sich auf den morgigen Tag vorzubereiten! Wen kann Er denn noch anrufen und zu wem kann Er denn beten!? Ist Er denn ungeachtet Seines tiefsten Wissens dennoch nicht das höchste Gottwesen? Sich selbst wird Er ja doch nicht anbeten!?' — Diesen Zweiflern erwidert ein erleuchteter Jünger, Mathael:

'O ihr Blinden! Trägt Er hier auf Erden nicht, gleichwie wir alle, Fleisch und Blut, aus dem Seine Seele wie die unsrige sich entwickelt hat, um fähig zu sein, in den Vollverband mit dem ewigen, grundgöttlichen Geiste zu treten?! Nur der Geist in Ihm ist Gott, alles andere ist Mensch, wie wir da Menschen sind. So Er betet, so heißt das mit anderen Worten: Er läßt Seinen Menschen ganz durchdringen von Seinem urewigen Gottes-Grundgeiste, von dem alle anderen Geister ebenso herrühren, wie das kleine Abbild der Sonne in einem Tautropfen von der wirklichen Sonne.'"