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Gleichnis vom Fernrohr. Missionsregeln. Der beste Weg 416

Administrator Beiträge: 10836 Forumgründer *****
Gleichnis vom Fernrohr. Missionsregeln. Der beste Weg
« am: Oktober 11, 2012, 09:04:59 Vormittag »
[RB.02_272,01] Nach Meinen Worten entfernen sich nun die zweiten drei. Zu ihrer großen Schar zurückkehrend, beginnen sie dort sogleich mit entschiedenem Ernst das ihnen gegebene Amt. Aber sie finden durchgängig eine sehr schlechte Aufnahme. Fast alles fängt an sich zurückzuziehen und verwünscht die drei Abgesandten.

[RB.02_272,02] Nur einige wenige sagen: „Ja, so wir das aus Seinem Munde selbst vernähmen, ginge es mit unserer Glaubensänderung sicher besser, so aber kommt uns die Sache doch sehr ketzerisch vor, und wir finden es zu gewagt, uns euch sogleich anzuschließen. Es liegt in eurer Aussage zwar viel Folgerichtigkeit, das sehen wir recht gut ein. Aber die Sache an und für sich ist zu wenig orthodox und zu undogmatisch und kann vor dem Forum des Papstes nicht auftreten und noch weniger angenommen werden.“

[RB.02_272,03] Sagen die drei Abgesandten: „Sind wir denn etwa noch auf der Erde, wo der Papst das sichtbare Oberhaupt der Kirche ist und von vielen blinden Narren dafür gehalten wird, zu denen weiland auch wir gehörten? Wir leben nun schon geraume Zeit in der Geisterwelt und kennen kein Dogma, den Papst auch nach dem Leibestod in der Geisterwelt als das Oberhaupt der Christenheit anzusehen. Es genügt, daß wir uns auf der Erde vom Papst haben breitschlagen lassen. Hier hat der Papst ein Ende, und wir gehören allein Gott, dem Herrn Jesus Christus an. Dem aber wird es etwa doch freistehen, für die Geister so manches zu ändern und den einzelnen Lehren eine ganz andere Auslegung zu geben, da Geist und Materie sehr stark zweierlei sind. Oder meint ihr etwa im Ernst, daß sich Christus, der Herr, auch hier in Seinem Reich den dummen Anordnungen eines Papstes unterziehen wird? Wahrlich, mit solch einer wahnsinnigen Meinung wärt ihr doch auf dem vermodertsten Holzweg!“

[RB.02_272,04] Auf diese energische Rede fangen mehrere an, sich stark hinter den Ohren zu kratzen und sagen: „Bei Gott, ihr redet keine leeren Worte! Da ist etwas daran. Aber habt etwas Geduld, wir wollen uns zuvor mit unseren Weibern und Freunden beraten und sehen, was diese dazu sagen werden.“ – Sagen die drei Abgesandten: „Dann fahret nur ab! Denn so euch am Rat eurer Weiber und Freunde mehr gelegen ist als an der Wahrheit Gottes, da seid ihr Gottes auch nicht wert und könnt daher auch euer künftiges Wohl bei euren Weibern und Freunden suchen; aber von Gott werdet ihr keines zu erhoffen haben!“

[RB.02_272,05] Sagen die sich Entschuldigenden: „Aber unsere Weiber – die wir uns in der Geisterwelt genommen haben, weil uns auf der Welt der dumme Zölibat daran hinderte – und unsere sonstigen Freunde sind ja doch auch berufen, die Wahrheit zu vernehmen und so zu einem lebendigen Glauben zu gelangen. Wir gehen ja nicht deshalb allein hin, um uns mit ihnen zu besprechen, sondern um sie vielmehr für die Wahrheit mit zu gewinnen.“

[RB.02_272,06] Sagen die drei Abgesandten: „Da muß zuvor die Wahrheit in euch selbst sein! Ist aber die Wahrheit noch lange nicht in euch und könnt ihr dieser nicht angehören – wie wollt ihr dann eure ganz verkehrten Weiber und Freunde in die Wahrheit aus und in Gott führen? Seht, alle Wahrheit gleicht einem Fernrohr mit einer tausendmaligen Vergrößerung. Sieht man am rechten Ort damit nach den Sternen, werden die Sterne groß und hell erscheinen. Und auf einem Fleck, da man mit freiem Auge nur einen einzigen kleinen Stern zu sehen wähnte, wird man einen Nebelfleck in Millionen Sternlein aufgelöst erschauen. Sieht man aber in verkehrter Art durch das Objektivglas, so weichen alle Sterne in unermeßliche Tiefen zurück, und das Auge des Beschauers gewahrt dann sogar von den Sternen erster Größe nichts mehr. Ja, sogar die Sonne, verkehrt durch das Fernrohr besehen, wird zu einem Schimmerpunkt, daß dadurch ihr Licht tief unter alle Nullen zu stehen kommen wird.

[RB.02_272,07] So ihr aber euren Weibern und Freunden durch eure selbst noch verkehrten Fernrohre die Himmelslichter der Wahrheit wollt erschauen lassen, was werden sie dann wohl zu sehen bekommen? Niemand mag durch euch eine Wahrheit erschauen. Das große Licht der Sonne, gleichbedeutend mit dem ersten klaren Begriff von Gott, wird bei euch noch sehr in Frage gestellt, ob es wohl die Sonne und nicht den Mond darstelle. Wie soll es dann mit den zahllosen anderen Lichtern aussehen, von denen ihr unmöglich bei euren bisher verkehrten Betrachtungen eine Spur haben könnt! Tut nun, was ihr wollt! Geht! Ob ihr aber wiederkehren werdet, ziehen wir in starken Zweifel, denn wir kennen die Macht der Weiber über euch!“

[RB.02_272,08] Hier fangen die Entschuldigenden noch mehr zu zaudern an und einer von ihnen sagt: „Freunde, die reden wie ein Buch Gottes! Nicht mit einer Silbe könnte ich ihnen irgendeine Einwendung machen. Wie wäre es denn, so wir hierblieben und ließen die drei zu unseren Weibern und Freunden hinziehen?“ – Sagt ein anderer: „Da haben wir unsere Weiber zum letztenmal gesehen und gesprochen!“ – Sagt der erste: „Und was liegt daran? Ein bißchen Hölle weniger um uns her kann uns doch eher nützen. Für das schmutzige Vergnügen, das uns unsere Weiber gewähren, finden wir bald irgendeinen Ersatz. Ich bleibe einmal! Wer noch?“ – Sagt ein anderer: „Wenn du bleibst, da bleibe auch ich! Die anderen sollen machen, was sie wollen!“

[RB.02_272,09] Sagen die drei Abgesandten: „So ist es recht! Niemandem einen Zwang in Sache des Glaubens antun, den rechten Weg zeigen und die Gefahren des unrechten Weges auch! Dann sich aber um niemand mehr kümmern, sondern lieber selbst auf dem rechten Weg bleiben! Es ist besser, selbst auf den Wegen des Lichts und Lebens zu wandeln, als Tausende auf den rechten Weg hinzudrängen, dabei aber selbst in den Pfützen und Morästen herumzutaumeln. Wer etwas Schweres heben will, muß zuerst einen festen Boden haben, sonst versinkt er samt der Last. Hat er aber festen Boden gefunden, so darf er sich nur über eine Last wagen, für die seine Kräfte ausreichen, sonst wird er ihr unterliegen. Und wer einen Blinden führen will, der muß sehen, sonst werden bald beide in die Grube fallen. Was man geben will, muß man zuvor selbst haben, sonst wird das Geben eine leere Maulmacherei und Lüge. So ihr also beide bleibt, tut ihr wohl, aber bereden sollt ihr die andern nicht.“

[RB.02_272,10] Die zwei bleiben nun. – Die anderen dagegen gehen ab zu ihren Weibern und Freunden, aber sie kommen da sehr übel an. Denn zuerst werden sie wegen ihres längeren Ausbleibens hart zur Rede gestellt und beschimpft. Und fürs zweite werden sie mit geschickt gestellten Gegensätzen so bearbeitet, daß sie alles, was sie von den dreien gehört hatten, bald selbst zu bezweifeln und zu belachen anfangen. Und so ist ihr zweiter Zustand ärger als ihr erster war.

[RB.02_272,11] Zwei aber haben die drei dennoch zu ihren Jüngern gemacht. Und die fünf beraten nun, wie sie es anstellen sollen, um auf die große Masse günstig einzuwirken. – Der eine meint, Wunderwerke würden sich vielleicht am wirksamsten erweisen. – Ein zweiter meint, es wäre dazu die Fähigkeit in hohem Grad erforderlich, solche in großartiger Form verüben zu können. Sodann gehörte dazu wohl gewissenhafte Redlichkeit und ein göttlich bester Wille, das Volk der niederen Geisterwelt nicht nur durch Blenden zu gewinnen, sondern nur rein belehren zu wollen.

[RB.02_272,12] „Das ist aber“, fährt der zweite fort, „eben etwas, was der Gottheit allein möglich ist und keinem geschaffenen Geist, da ein jeder Geist beim Gelingen eines außerordentlichen Werks sich für einen kleinen Gott zu halten anfängt – und darin liegt der erste Keim des Hochmuts und Verderbens. Dadurch entsteht dann an Stelle des Segens ein bares Gericht für den, der es verübt hat, und auch für jene, die durch ein Wunderwerk in ihrem Erkennen und Wollen breitgeschlagen wurden.

[RB.02_272,13] Endlich geht noch ein Nachteil aus jedem nicht von Gott Selbst verrichteten Wunderwerk für den geschaffenen Geist hervor. Dieser besteht in einer unersättlichen Spektakelsucht für außerordentliche Formen sowie in der Gier, auch selbst Wunder wirken zu können. Das ist schon ein Kitzel verderbenbringenden Hochmuts und daher durchaus schlecht. Meine Freunde, so meine und erkenne ich es. Es steht euch aber frei, die Sache auch anders auszudeuten.“

[RB.02_272,14] Sagt ein dritter: „Bruder, wir teilen da vollkommen deine Ansicht. Aber es fragt sich nur: Wie werden wir dieser Masse von Millionen mit der reinen Lehre von Gott und ihrer wahren Anwendung imponieren? Wodurch werden wir sie bewegen, daß sie unseren Worten glaubt und uns danach folgt?“

[RB.02_272,15] Sagt ein vierter: „Ich meine, wir bleiben einfach bei der reinen Wahrheit in Wort und Tat. Wer sich danach richten will, der wird wohl tun; wer aber das Wort nicht annimmt, geht uns weiter nichts mehr an. Der Herr der Ewigkeit soll mit ihm dann tun, was Sein allmächtiger Wille für gut findet.“

[RB.02_272,16] Sagt ein fünfter: „Uns aber ist der Lohn nur nach dem Maße des Werkes zugemessen. Wird es gering sein, so wird auch der Lohn nicht um ein Haar größer ausfallen!“ – Sagt der vierte: „Ei, hole der Kuckuck den Lohn! Ich will das Gute des Guten wegen tun und nie eines Lohnes wegen! Kommt irgendein Lohn heraus, werde ich ihn dankbarst annehmen; aber als Beweggrund zu einer edlen Handlung soll er mir nie dienen.“

[RB.02_272,17] Sagen nun alle anderen vier: „Das ist sehr edel gesprochen. So wollen wir von nun an auch sämtlich handeln!“ – Sagt der fünfte: „Aber wohl gemerkt, ohne uns darauf etwas einbilden zu wollen!“



Von der Hölle bis zum Himmel - Band 2 / 272. Kapitel – Gleichnis vom Fernrohr. Missionsregeln. Der beste Weg
[RB.02_272,18] Sagen alle anderen vier: „Wir tun, was gut und recht ist, weil es Gott Selbst so will. Alles andere geht uns nichts an.“