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Worte an Rationalisten (Verstandes-Menschen) 424

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Worte an Rationalisten (Verstandes-Menschen)
« am: Oktober 22, 2012, 07:17:29 Vormittag »
30. Kapitel – (a) Worte an einen Rationalisten  (Verstandes-Menschen).

22. September 1870, G. M. T.

[Lg.01_030,01] Dein Bruder M…ch hat dich gebeten um eine Antwort für einen seiner Freunde, der, nur mit der Verstandeslaterne allein versehen, die ganze Schöpfung, ihr „Warum“ und „Was“ erleuchten möchte, nachdem er das Gefühls- oder Herzens- oder innerstes Geistes-Leben verworfen hat und also trotz allem Forschen und Grübeln nicht zu etwas Befriedigendem kommen kann.

[Lg.01_030,02] Nun, Ich will es versuchen, einer Seele, die zwar hungrig und durstig ist, aber noch nicht weiß, welche Speise oder welche Getränke ihr eigentlich den Hunger und Durst befriedigen könnten, die geeigneten Nahrungs- und Linderungsmittel darzureichen; ob diese Seele sie annimmt, und wie sie diese geistig verdauen wird, das werden wir in der Folge sehen.

[Lg.01_030,03] Dein Bruder M. fühlt es sehr gut, daß, um seinem Freunde den eigentlichen Trost und Frieden zu verschaffen, nicht menschliche Suppositionen (Lehrmeinungen) ausreichen, weil es nur immer ein aus Vernunftgründen zusammengestoppeltes System wäre, welches einem andern entgegengesetzt wird, und am Ende, von Meinem Standpunkt aus betrachtet, eines so wenig Halt und Festigkeit hat, wie das andere; er wandte sich deswegen an Mich mit der innigsten Bitte, es möchte doch auch diesem Freunde die Ruhe und der Friede gegeben werden, wie er ihn durch Lesung und Danachlebung Meines (neuen) Wortes so reichlich genießt.

[Lg.01_030,04] So will Ich es denn versuchen, einer irrenden, aber dem Guten nicht abgewandten Seele, wie die Mutter einem neugeborenen Kinde die Mutterbrust, so auch ihm die ersten geistigen Nahrungsmittel zu verabreichen; auch neugeborene Kinder verschmähen oft die Mutterbrust; wir wollen nun sehen, wie deinem Freunde diese neue Kost, und zwar aus ihm ganz unbekannten Händen munden wird! –

[Lg.01_030,05] Daß ein Gott, ein Schöpfer und Vater aller Kreatur, sich einem menschlichen Wesen vermittels eines andern Menschen kundgibt, ihn belehren, ihn geistig erziehen und bessern will, das wird diesem Freunde deines Bruders wohl im Anfang nicht so recht zu seiner bisher gewohnten Denkungsart passen; denn er wird wahrscheinlich antworten: „Das ist nicht möglich! Wie kann oder will ein Gott, vorausgesetzt, daß einer besteht, Sich in Seiner unendlichen Größe mit uns Würmern abgeben? Wie soll Ihm, dem Allmächtigen, etwas daran gelegen sein, wie ein oder der andere Mensch denkt, geistig fortlebt, oder je gänzlich verlorengeht? Es beweist doch die ganze Schöpfung und alles Sichtbare in jedem Augenblick, daß am Zerstören eines einzelnen Lebens, ja von tausenden Ihm nichts gelegen ist!

[Lg.01_030,06] Und dieser von euch törichten und leichtgläubigen Menschen verehrte Gott sollte sich herablassen, auf diesem kleinen Sandkorn von Erde ein noch tausend und tausendmal kleineres, allda vegetierendes Würmchen, den Menschen, belehren zu wollen! Nein, das grenzt an Narrheit oder furchtbaren Unsinn!“ –

[Lg.01_030,07] So, liebes Kind, denkt wohl dein Freund, und sieh, er auf seinem Standpunkte, wo er jetzt steht, hat recht; er kann und muß so denken, gemäß dem, was er teils von seinen Erfahrungen und von seiner Anschauung der Schöpfung insgesamt, teils aus den in seine Hand geratenen Büchern, denen er allein vollen Glauben schenkte, eingesogen hat. (Bücher: Darwin u.a.)

[Lg.01_030,08] Bevor Ich also auf auch nur einen seiner Zweifel eingehen kann, muß Ich es versuchen, ihm erst das begreiflich zu machen, daß solche außerordentliche Kundgebungen möglich und schon seit den frühesten Zeiten vorgekommen sind und noch stets sich ereignen können, und nun mehr als je den Menschen zufließen.

[Lg.01_030,09] Dieser Freund deines Bruders teilt sein Leben in Gefühls- und Verstandesleben ein, er macht zwischen beiden einen großen Unterschied. Nun will Ich ihn bloß fragen: Hat er sich jemals wohl einen klaren Begriff machen wollen, was denn eigentlich Gefühlsleben und was Verstandesleben ist, wo das eine und wo das andere herkommt? Bei genauer Betrachtung wird er eigentlich keine befriedigende Antwort geben können, die jeden Einwurf zurückweisen könnte. Nun, so will Ich also vorerst Selbst Fragen aufstellen, und dann diese Fragen auch Selbst beantworten, da Mir daran liegt, diesem Freunde Meine Ansichten zu erläutern, und nicht die Seinigen entgegenzunehmen, die Ich schon längst weiß.

[Lg.01_030,10] „Was heißt überhaupt Gefühl, was Gefühlsleben? Wo kommt es her, zu was führt es, und welcher Unterschied besteht im Vergleich mit dem Verstandesleben?“

[Lg.01_030,11] Lauter Fragen, die inhaltschwer genug, erläutert werden müssen, wenn man nur im mindesten auf solche Fragen und ihre respektiven (entsprechenden) Antworten ein geistiges Gebäude, ja die Einrichtung der ganzen Unendlichkeit aufbauen will, und zwar fest und dauerhaft, daß nicht ein Windstoß neuer aufgetauchter Ideen eines sogenannten Gelehrten dasselbe wieder umstoßen könnte. Also nun zur Sache!

[Lg.01_030,12] Was heißt Gefühl? Dieses war die erste Frage; nun so antworte Ich: „Gefühl ist etwas, was man fühlt.“ Was heißt aber fühlen? Hier steckt es; denn Denken und Fühlen sind weit voneinander unterschieden.

[Lg.01_030,13] Mit seinen äußerlichen Sinnen fühlt der Mensch alle Eindrücke der ihn umgebenden Natur; mit dem inneren Gefühlsvermögen nimmt er wahr die Einflüsse einer geistigen Natur, die, er mag sie verleugnen wie er will, aber doch da sind!

[Lg.01_030,14] Dahin gehört die Stimme des Gewissens, die eben, wie es eure Sprache nennt, etwas Gewisses ist; und trotz alles philosophischen und wissenschaftlichen Streites der Gelehrten und Nichtgelehrten doch (jeden) mit ihrem eigenen Raisonnement (Folgerungen) verfolgt, das oft nicht zu dem paßt, was die Gelehrten anderen aufdrängen möchten, während sie doch mit sich selbst nicht im reinen sind.

[Lg.01_030,15] Dieses Gefühl und Gefühlsleben ist also nicht materiellen, sondern geistigen Ursprungs, das heißt, es führt uns zur Annahme, daß außer allen sichtbaren und unsichtbaren Naturelementen noch eine höhere Stufe von geistigen Dingen existiert, die wir nicht wägen, nicht sehen und nicht chemisch zersetzen können; die im Ganzen da sind, sich wohl fühlen, aber weder sehen, noch hören, ja sogar nicht denken lassen, wie zum Beispiel das Gefühl, das einen jeden ergreift bei Anhörung erhabener Musik; was könnet da ihr Menschen, könnt ihr auch einen Akkord denken, oder vielmehr nur dessen Eindruck auf eure Seele fühlen?

[Lg.01_030,16] Nachdem wir nun festgestellt haben, daß ein Gefühl und Gefühlsleben existiert, so müssen wir doch auch natürlich auf den nächsten Gedanken kommen: „Von wo kommt dieser Strom der seligsten Empfindungen, deren ein menschliches Herz fähig ist, her? Wo ist sein Anfang, und wo sein Endziel oder Gipfelpunkt?“ Das nun bewiesene geistige Reich, das höher als alle elementare Materie ist, muß natürlich in aller Materie mehr oder weniger vorhanden sein, um deren Bestehen zu bewirken.

[Lg.01_030,17] Wenn die Menschen einen Baum umhauen, eine Pflanze ausreißen, wissen sie wohl, ob der Baum oder die Pflanze bei diesem gewaltsamen Akt etwas fühlt? Sie wissen es nicht! Mit dem Nichtwissen ist aber noch nicht bewiesen, ob der Baum oder die Pflanze nicht materiell Schmerz und geistig den Tod fühlt! Denn was eure Sinne für den Moment nicht wahrnehmen, ist noch kein Beweis von dessen Nichtexistenz; dieses Gefühlsleben ist also wahrscheinlich in allem Geschaffenen mehr oder weniger vorhanden, gemäß der Individualität (Wesenheit).

[Lg.01_030,18] Nun liegt die Frage doch wohl nahe: Wenn das Gefühl gewissen Gesetzen gemäß da ist, wer hat denn diese Gesetze festgestellt, wer sie in ihre geregelten Schranken gewiesen, über welche sie nicht hinaus können?

[Lg.01_030,19] Wo Gesetze, muß auch ein Gesetzgeber sein; denn Elemente und Naturkräfte gestalten sich nicht von selbst; wann also aus den Gesetzen der Gesetzgeber naturgemäß bedingt ist, so versteht es sich von selbst, daß bei allerweisesten Gesetzen auch ein allerweisester Gesetzgeber sein muß, Der der Gipfelpunkt aller Weisheit ist.

[Lg.01_030,20] So viel ihr Menschen in der Natur bis jetzt habt erforschen können, so habt ihr im Großen wie im Kleinen überall die gleiche Vollendung erkennen können; nirgends habt ihr stiefmütterliche Behandlung gesehen, eine Zentralsonne ist so perfekt wie eine Grasmilbe.

[Lg.01_030,21] Was geht aus diesen Entdeckungen hervor? Es geht das große Grundgesetz daraus hervor, daß dem Gesetzgeber und Erhalter des Universums von dem letzten Sternbild bis zum kleinsten Infusionstierchen auf eurer Erde nicht eines wichtiger als das andere ist, sondern daß alles auf seiner Stufe mit gleicher Sorgfalt eingerichtet, erhalten, und zu seinem Zweck des Fortschreitens weiter ausgebildet wird.

[Lg.01_030,22] Wenn ihr nun dieses bloß aus euren Forschungen schon annehmen müßt, so geht natürlich daraus hervor, daß, wenn dem Schöpfer eine Milbe von Wichtigkeit ist, es doch auch der menschliche Geist mit all seinen Eigenschaften sein muß, und daß, wenn der Schöpfer kein Atom vergehen oder sich verlieren läßt, Er noch weniger eine menschliche Seele oder ganze Völker als verloren ansehen will.

[Lg.01_030,23] Nun, wenn die Menschen mit ihren guten, aber auch bösen Eigenschaften und ihrem völlig freien Willen so weit von dem eigentlichen Ziele abgekommen sind, weswegen sie der Schöpfer erschaffen hat; sollte es da nicht möglich sein, daß dann eben dieser Gott oder Schöpfer zu besonderen Mitteln greift und durch Sein Einfließen in das Herz eines einzelnen von ihm erwählten Propheten oder Mediums (wie ihr es jetzt nennt) die andern verlorenen Geister und Seelen wieder auf den rechten Weg zurückbringen möchte?! Hier sind wir also endlich auf einem Punkte angekommen, wo unser Freund vielleicht sich überzeugen könnte, daß (wenn auch nur in außerordentlichen Fällen) ein solches Einfließen möglich ist.

[Lg.01_030,24] Dieses Einfließen kann jedoch nur in dem Organe geschehen, welches dem geistigen Geber entspricht, und dieses Organ ist das Gemüt, das Herz oder das Gefühl, das als Erstes, Höchstes, und zum erhabensten Aufschwunge, dem Gott ähnlichen Geistesflug allein geeignet ist.

[Lg.01_030,25] Der Verstand gehört der Welt, ihren Bedürfnissen und ihren materiellen Interessen.

[Lg.01_030,26] Das Gefühl ist das Organ des geistigen Lebens, das nur flüchtig hier auf dieser Welt gekostet werden kann, hier nicht bleibend ist, und höchstens eine leise Ahnung einer geistigen höheren Welt zurückläßt.

[Lg.01_030,27] Ich mußte so weit ausholen, um diesem Freunde wenigstens einen kleinen Wink zu geben, teils aber auch ihn ahnen zu lassen, was das für eine Gnade ist, wenn jemand, wie er jetzt eben, von Mir, dem Herrn alles Geschaffenen, belehrt wird.

[Lg.01_030,28] Ich liebe ihn, wie alle Meine Kinder, wie alles Geschaffene. Nichts will Ich verlieren, und so auch ihn nicht, der eben nicht eine der unedelsten Seelen ist, die auf diese Erde zur kurzen Prüfungszeit versetzt wurde.

[Lg.01_030,29] Dein Freund beklagt sich in seinem Brief an deinen Bruder über die verschiedenen Mißtöne, die er in der Schöpfung, die er im menschlichen Leben, ja die er überall sieht, wohin er sein Auge wendet; er führt Redeweisen von Gelehrten an, die Mich verurteilen und von Meinen Einrichtungen sprechen, wie der Blinde von der Farbe.

[Lg.01_030,30] Mein lieber Freund! Schon oben habe Ich es gesagt: der Verstand gehört zu der Beurteilung von Weltdingen, Maschinen zu erfinden und Entdeckungen zu machen, um euer Leben bequemer einzurichten, oder dem einen oder dem andern mehr Macht zum Herrschen einzuräumen und so weiter. Aber was ihr auch alles mit dem Verstande nur immer aushecken möget, Meine Schöpfung, ihr „Warum so und nicht anders“ könnt ihr damit nicht ergründen. Mit dem Gefühl könnet ihr es wohl ahnen, aber auch nicht begreifen; nur erst, wenn Ich Mich ins Mittel lege und euch einen Blick in Mein Wirken machen lasse, nur dann wird euch etwas Licht werden, und dann werdet ihr aber auch mehr den liebenden Vater, als den unerbittlichen Gott in Mir finden, Der nie zerstören, sondern stets aufbauen und sammeln will!

[Lg.01_030,31] Dein Freund sagt ferner in seinem Briefe, es werde sehr viel auf Gemütserziehung verwendet, ja mehr als auf Bildung des Verstandes.

[Lg.01_030,32] Hierauf muß Ich ihm bemerken, daß Ich gerade der entgegengesetzten Meinung bin; es wird nun beinahe in allen Erziehungsanstalten das Gemüt, das Herz mit seinen edlen Eigenschaften fast ganz vernachlässigt und nur der Weltverstand allein ausgebildet; ebendeswegen herrscht so viel Schlechtigkeit unter den Menschen, weil sie bloß Kopf und kein Herz haben; ebendeswegen auch Meine Zulassung von Elend und Unglück in der menschlichen Gesellschaft, um das in der Jugend vernachlässigte oder irregeführte Gefühl zu wecken, um der inneren Stimme wieder Gehör zu verschaffen, um zwischen weltlichem und geistigem Wohlsein und Vorteil das letztere dem ersteren wieder vorziehen zu lernen.

[Lg.01_030,33] Durch Elend und Mißgeschicke wecke Ich die schlummernden Herzen auf; im Elend suchen sie dann Mich, Mich, den sie im Wohlleben ganz vergaßen, ja oft auch ganz verleugnet hatten.

[Lg.01_030,34] Von diesem Standpunkte aus die Erde nur als eine Übergangsperiode betrachtet, muß dein Freund alle Leiden, die ihm oft Mitleidsseufzer auspressen, ansehen, und er wird (wie Meine Engel und reinen Geister) dort segnen, wo er jetzt fluchen möchte.

[Lg.01_030,35] Was wäre der Mensch, wenn er nicht am Ende, als letzte Zufluchtsstätte gegen alle Mißgeschicke, sein eigenes Herz, sein inneres Leben hätte?

[Lg.01_030,36] Der Verstand mit all seinem Wissen ist kalt; und wo Kälte, da ist kein Leben!

[Lg.01_030,37] Das Gefühl erwärmt; dort, wo geistige Sonnenstrahlen, Embleme (Zeichen) der ewigen Liebe, das gefolterte Herz durchzucken, dort facht sich die Flamme der Begeisterung an; dort genießt der Mensch nun die höhere Weihe der Ahnung eines weit über diesem Erdenleben nur manchmal durch den Sargdeckel durchschimmernden Lichtes einer höheren und schönern Welt.

[Lg.01_030,38] Wer hat nicht schon solche Stunden empfunden, die ihm das Betrachten der Natur, oder die Produkte wahrer Dichter und Musiker geboten haben?!

[Lg.01_030,39] Und alle diese schönen Empfindungen, wohin führen sie denn eigentlich? – gewiß nicht zu einem zerstörenden, streng richtenden Gott, nein, sondern zu einem liebenden Vater und Erhalter aller Seiner geschaffenen Wesen.

[Lg.01_030,40] Auch in der Natur trügt der Schein, wenn das menschliche Auge nur mit menschlicher Vernunft dieses Zerstören eines Tieres durch das andere, dieses Würgen und Morden mit Weltvernunftansichten beurteilt.

[Lg.01_030,41] Ihr Menschen beurteilt da oder dort mit mitleidigem Herzen die Zerstörungen in der Natur, die ihr seht, und die von Mir aus weisen Gründen so und nicht anders festgesetzt sind; aber wo es eure Unterhaltung oder die Tötung der Zeit, die ihr mit nichts Besserem vertreiben könnt (oder zu können wähnt), angeht, da beachtet ihr nicht, wie ihr aus Langeweile unschuldigen Tieren auf der Jagd das Leben raubt, um eure Mordlust daran zu kühlen.

[Lg.01_030,42] Ihr verurteilt den Vogel, der unbarmherzig die Insekten verzehrt, was er nur zur Erhaltung seines eigenen Lebens tut, dort findet ihr einen ungerechten Gott; bei eurer Freßlust aber, wo alles nur für euren Magen lebt, wo ihr bei weitem mehr noch würget und mordet als viele Tiere, und das nicht aus Not, sondern aus Übermut und Langeweile, da findet ihr schwache Geschöpfe euer Treiben gerecht, ja sogar lobenswert, während ihr dort einem liebevollen Schöpfer das vorwerft, was vielleicht gerade zu eurer Existenz mehr notwendig ist, als ihr es euch je vorstellen könnt!

[Lg.01_030,43] Deshalb, Mein lieber Freund, lerne zuvor lieben und ehren Den, der dir mit jedem Pulsschlag Tausende von Gnaden angedeihen läßt; lerne die Sprache der Natur verstehen, und du wirst nicht so viele Dissonanzen mehr darin finden, wie bis jetzt!

[Lg.01_030,44] Sei versichert, die Welt ist stets die gleiche; ein liebendes Gemüt sieht nur Liebe, wo ein erbittertes Haß und Zwietracht findet!

[Lg.01_030,45] Nicht die Welt selbst, sondern den Spiegel derselben nur siehst du in deinem Herzen; reinige den Spiegel, und das Abbild Meiner Natur, die stets die gleiche bleibt, wird sich dir bald auch reiner zeigen!

[Lg.01_030,46] Lies Meine alten und neuen Worte, dort liegt der Friede und die Ruhe, die du in Büchern von Gelehrten vergebens suchst.

[Lg.01_030,47] Die Gelehrten schreiben ihre Bücher, die meisten, um sich die Ruhe zu verschaffen, die ihnen selbst fehlt; oder sie wollen andern den Frieden und die klare Ansicht von der Welt geben, welche ihnen selbst in allen Ecken gemangelt hat.

[Lg.01_030,48] Gebrauche deinen Verstand für deine weltliche Laufbahn, lasse aber auch hier den Verstand durch Liebe begleitet sein; dann wird es in dir schon ruhiger werden, du wirst Gott, den Schöpfer und den Vater, näher kennen und lieben lernen, und wirst nicht mehr andere weder bedauern noch beneiden dürfen.

[Lg.01_030,49] Folge Meinem Rate, und bald wirst du diese Stimme, die jetzt durch einen andern Menschen zu dir spricht, in dir selbst vernehmen, die dir dann Friede, Trost und wahre Ansicht der Welt und ihres Lebensprozesses geben wird!

[Lg.01_030,50] Dieses sei dir gesagt als Trost, Ich schätze dich, weil Ich dein Herz kenne; es braucht nur den rechten Leiter, um es auf den wahren Weg zu bringen; dieser Leiter will vorderhand Ich Selbst sein; und so folge Meinem Rate, und du wirst es gewiß nie bereuen. Dies sagt dir dein huldvollster Vater! Amen!


Gottfried Mayerhofer > Lebensgeheimnisse > 30. Kapitel – (a) Worte an einen Rationalisten (Verstandes-Menschen)