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Die Schattenseite der Natur in bezug auf das menschliche Leben 483

Administrator Beiträge: 10838 Forumgründer *****
Die Schattenseite der Natur in bezug auf das menschliche Leben
« am: Oktober 22, 2012, 09:24:56 Vormittag »
29. Kapitel – Die Schattenseite der Natur in bezug auf das menschliche Leben.

21. Februar 1877

[Lg.01_029,01] In Meinem letzten (voranstehenden) Wort habe Ich Mich gegen die Einwürfe verteidigt, welche manche oder eigentlich viele Menschen Mir in bezug auf die Widersprüche machen, welche sie in Meiner sichtbaren Natur zu finden glauben, wenn sie diese mit Meinen überall verkündeten Worten der Liebe, der Sanftmut und der versprochenen Freuden vergleichen.

[Lg.01_029,02] Soweit es möglich war, habe Ich euch diese Schattenseite beleuchtet und euch das „es könnte anders, aber es muß doch so sein, wie es wirklich ist“ erklärt.

[Lg.01_029,03] Nun bleibt Mir noch eine wichtige Beleuchtung eures eigenen Lebens übrig, wo auch so mancher sagt: „Sehet doch einmal das menschliche Leben an, von Geburt bis zum Grabe ist es nichts als Kampf, Leiden, Enttäuschung, und sehr wenig Liebe, Freude und sonst versprochene Dinge, wenn der Mensch sich solche nicht selbst zu verschaffen weiß!

[Lg.01_029,04] Was ist das Leben auf dieser Erde anderes als ein Jammertal, wo man eben – weil man nichts Besseres weiß – auf Religions-Dogmen und sonstige Kundgebungen hingewiesen ist, welche von einem andern Leben nach dem Tode stets sprechen, von Vergeltung und Ersatz für ausgestandene Leiden, während sie den Menschen hier auf Erden mit allen Mißhelligkeiten kämpfen lassen.

[Lg.01_029,05] Was kümmert mich eine andere, jenseitige Welt, von welcher ich eigentlich nichts Gewisses weiß, und an welche ich nur blindlings glauben soll!

[Lg.01_029,06] Wenn ich diese hier mich umgebende Welt so erbärmlich sehe, wer steht mir gut dafür, daß die künftige Welt nicht ebenso widersprechend als die hier wirkliche ist, wo statt Freuden nur Leiden, körperliche oder geistige, miteinander abwechseln, und selbst das mit Mühe Errungene nicht diese Genüsse uns gibt, wie sie manche davon erwartet haben!“ –

[Lg.01_029,07] So und in tausend andern Formen werde Ich angeklagt, den Menschen Versprechungen gemacht zu haben, während Ich doch nie im Sinne hätte, auch nur eine einzige zu halten!

[Lg.01_029,08] Derjenige Mensch, welcher nur das Daseiende, ihm Sichtbare, als eigentlich existierend annimmt und kein geistiges Leben außer seinem Verstandesleben anerkennen will, der hat ganz recht, so zu urteilen, weil er im voraus nur dasjenige als bestehend betrachtet, was er entweder mit seinen Händen greifen oder mit seinen fünf Sinnen fassen kann.

[Lg.01_029,09] Es ist dieses so ganz die Theorie aller Materialisten, welche aus zufälliger Vermischung aller Schöpfungs-Elemente die ganze sichtbare Welt erstehen ließen und selbst das geistige Streben in ihrem eigenen Gehirn nur als Produkt solcher Zusammenmischungen ansehen.

[Lg.01_029,10] Daß ihre Theorie leicht viele Anhänger findet, ist ganz natürlich; denn sie legt dem Menschen keinen Zwang an, er braucht seinen Leidenschaften nur zu frönen, soweit es polizeiliche Gesetze erlauben; denn er denkt nur: „Nach diesem irdischen Leben ist ja so alles zu Ende, also ,leben‘ wir (nach seinen Begriffen) so gut wie möglich!“

[Lg.01_029,11] So schaut er die Nachtseite des menschlichen Lebens nur, wo materielle Verluste, Krankheiten, Mißhelligkeiten und Enttäuschungen aller Art miteinander abwechseln.

[Lg.01_029,12] Und um diese Vorwürfe auf ein geregeltes Maß zurückzuweisen, und dem Menschen zu zeigen, wenn das menschliche Leben wirklich so ist, wer eigentlich daran die Schuld trägt, soll dieses Wort dienen, da Ich auch bei euch oft solche Klagen aussprechen höre, und noch ärgere in euren Gedanken lese, wo ihr – wie verirrte Seelen, welche nur das materielle Wohlleben voransetzen möchten –, dem geistigen nur manchmal ein Stündchen widmen wollt, wenn ihr eben nichts anderes zu tun habt! Nun zu Sache!

[Lg.01_029,13] Daß euer Leben nicht in lauter Freude dahinfließt, sondern meistens gerade das Gegenteil ist, das kann Ich Selbst nicht ableugnen.

[Lg.01_029,14] Daß ihr Menschen, die ihr gern bloß materiell leben möchtet, von einem geistigen Leben gar keine Notiz nehmen, ja selbst alle geistige Verbindung und das Dasein eines höheren alles ordnenden Wesens ableugnen möchtet, dieses seht ihr in mehr als tausend Beispielen, wohin ihr nur euren Blick wenden wollt!

[Lg.01_029,15] Und woher kommt dieses? Es kommt daher, weil die Menschen die Welt so konstruieren möchten, wie es ihren Ideen anpassend wäre, und weil sie nicht annehmen wollen, daß es anders ist, und auch anders sein muß, wenn sie bestehen soll.

[Lg.01_029,16] Sehet, der Mensch, will er die Welt verstehen oder begreifen, muß vorerst bei sich selbst anfangen. Nur wenn er sich selbst erkennt, wenn er die Dreifaltigkeit zwischen Körper, Seele und Geist klar begriffen hat, nur wenn er über sich selbst richtig zu urteilen vermag, nur dann kann er auch Schlußfolgerungen über seine Nebenmenschen und die ganze ihn umgebende Welt machen.

[Lg.01_029,17] Wer aber sich nicht selbst kennt, der kennt die andern Menschen auch nicht, beurteilt sein Handeln und das anderer ebenfalls falsch, und erwartet von der Welt, was sie nicht hat und deswegen ihm auch nicht geben kann!

[Lg.01_029,18] Daher das Wehklagen und das Jammergeschrei über diese Welt!

[Lg.01_029,19] Solange der Mensch nicht annehmen will, daß sein Leben, so wie er denkt, fühlt und handelt, nur obigen drei Dingen entspricht, so lange werden ihm nur Widersprüche begegnen; denn überall stellt er nur sein materielles Ich in den Vordergrund und vergißt dabei ganz seine intellektuellen Fähigkeiten, welche ihm über die Materie hinaushelfen sollten!

[Lg.01_029,20] Der Mensch hat leibliche Bedürfnisse; aber er hat auch geistige, die sich im Denken manifestieren, ihn sodann zum Handeln drängen, um so durch die Materie auszudrücken, was geistig in ihm lebt und webt.

[Lg.01_029,21] Bei diesem Denken, selbst über die materielle Welt, ist es unmöglich, daß nicht auch Gedanken auftauchen, welche in Fragen sich äußern, als wie: „Ich sehe die Dinge um mich her, sehe ihre Mannigfaltigkeiten, bewundere oft anhand der Wissenschaft ihre gesetzmäßige Ordnung, ihre schönen geistigen Formen, und unwillkürlich drängt sich mir die Frage auf:

[Lg.01_029,22] ,Wer hat doch dieses alles so gestaltet, so geordnet?‘“

[Lg.01_029,23] Die Theorie der Materialisten genügt dann einem solchen Denker nicht; denn er findet, daß sie dem Geschaffenen gegenüber nicht haltbar ist; er geht also um einen Schritt weiter und sucht selbst in seinem Innern nach, wo er eine Seite aufdeckt, welche ihm ahnend sagt, daß er am rechten Wege ist, weil er selbst oft Regungen in sich wahrgenommen hat, die ihn gern über das materielle Leben emporgehoben hätten.

[Lg.01_029,24] So bei sich selbst anfangend, gelangt der Mensch dann nach und nach zum Begreifen der äußeren, ihn umgebenden Welt.

[Lg.01_029,25] Er bemerkt vorerst in sich das materielle, nicht seinem Willen gehorchende Leben der Organe, er wird sich des Denkens, Schließens und richtigen Folgerns bewußt, welches als Verstandesleben mehr zu seiner eigenen materiellen Erhaltung Hilfe leisten muß; er bemerkt nebenbei auch oft erhabene Stimmungen, die nicht vom Pulsieren des Herzens und noch weniger vom kaltberechnenden Verstand herrühren und feiner, intensiver als die früheren sind.

[Lg.01_029,26] Diese Gefühle oder geistigen Kundgebungen führen ihn endlich dazu, daß er diese auch auf die ihn umgebende Natur überträgt und so vom Geschaffenen auf einen Schöpfer geführt wird, was dann mit dem Wort „der Mensch hat Religion“ bezeichnet werden kann, da er sich einen geistigen Kultus gründet, und zwar „Vernunft-Religion“, weil sie aus dem „Vernehmen“ erbaut ward.

[Lg.01_029,27] So entstanden alle Religionen, alle späteren religiösen Gebräuche, welche symbolisch ausdrücken wollten und sollten, was sonst in Worten sich nicht sagen ließ.

[Lg.01_029,28] So gründete sich die Religion der Wilden „vom großen Geiste“, so die indische Religion des Buddhismus und die der andern heidnischen Völker mit ihrer Unzahl von Göttern.

[Lg.01_029,29] Nachdem nun einmal das geistige Leben im Menschen geweckt war, so folgte ganz natürlich, daß einzelne sich mehr diesem Nachdenken hingaben, dadurch ins geistige Leben mehr eindrangen, die Geheimnisse der Natur mehr belauschten und durch dieses Verfahren eine Fernsicht über das Materielle erlangten, welche weit darüber hinaus ins geistige Wirken reichte!

[Lg.01_029,30] Diese Menschen fühlten dann den Drang, das Gesehene und Gefühlte auch andern Menschen mitzuteilen, und so schrieben sie es nieder, wodurch sie Propheten, („Seher“) und Weise ihrer Völker wurden.

[Lg.01_029,31] Aus diesen erleuchteten Männern gestaltete sich später die Priesterkaste, welcher sich dann viele anschlossen, weil sie neben dem geistigen Leben darin auch die Quelle materiellen Wohlseins erblickten.

[Lg.01_029,32] Wie es weiter mit den Religionsbekenntnissen ging, und wie die einzelnen Wahrheiten mißbraucht wurden, dieses könnt ihr aus der Geschichte der Völker selbst lesen.

[Lg.01_029,33] Mir war nur darum zu tun, euch zu zeigen, wie das geistige Leben, abgesehen von geistiger Erziehung, von selbst aus des Menschen eigener Organisation herauswuchs und somit trotz aller materiellen Theorien nie zu zerstören sein wird.

[Lg.01_029,34] So entstanden die heiligen Bücher Indiens, wie bei den Juden das Alte Testament, welches dann durch das Neue ergänzt wurde, in welchem Ich als Jesus alle jene Andeutungen eines geistigen Lebens, die zerstreut in den verschiedenen Büchern vorhanden waren, auf einfache große Wahrheiten als Meine Lehre zurückführte, die ewig unzerstörbar sein wird.

[Lg.01_029,35] Nun, um auf die Vorwürfe wegen der Schattenseite des menschlichen Lebens zurückzukommen, so ist es schon aus alledem klar bewiesen, daß neben dem materiellen, neben dem Verstandes-Leben noch ein anderes Geistigeres, Tieferes existiert, welches die ersten zwei nur zum Ausdruck seines eigenen Gebarens verwenden will!

[Lg.01_029,36] In der Natur, wohin das Auge nur schweift, erblickt der Mensch nur strenge Gesetze; im Verstandesleben sind sie ebenfalls vorhanden, da korrekte Folgerungen von einem auf das andere keine zweite Deutung zulassen.

[Lg.01_029,37] Im Geistesleben ist es der nämliche Fall, auch dort gibt es unwandelbare Gesetze, die jeden strafen, der dagegen sündigen will.

[Lg.01_029,38] In diesem Entgegenhandelnwollen den geistigen Gesetzen gegenüber liegt alles Unglück, alles Leiden und alle Täuschung im irdischmenschlichen Leben, während, in der Harmonie mit diesen Gesetzen, denkend, handelnd und wirkend, die Freude, der Trost und die Zufriedenheit liegen, als geistiges Produkt der als geistiges Wesen erfüllten Pflichten!

[Lg.01_029,39] Diejenigen Menschen, welche an kein geistiges Leben, an keinen Gott glauben, sind ebendeswegen unglücklich, weil alles andere, was nicht aus geistiger Quelle stammt, auch nicht fähig ist, als Trostgründe bei vorkommenden Unglücksfällen, bei unvorhergesehenen Mißhelligkeiten usw. das zu ersetzen, was der Mensch eben verloren hat.

[Lg.01_029,40] Daher die falschen Beurteilungen, sowohl der Mitmenschen als auch der sie umgebenden Welt.

[Lg.01_029,41] Die Welt ist ganz einfach gebaut, die scheinbare Materie birgt Geistiges, wer dieses leugnet, täuscht sich in seinen Erwartungen, denn, wer seinen materiellen Gelüsten folgen will, der findet den ersten Gegner in seiner eigenen Lebens-Organisation, wenngleich er sein Verstandes- und Gefühls-Leben übertäuben möchte!

[Lg.01_029,42] So straft sich alles selbst, was die ewige göttliche Ordnung nicht liebt! Das Elend, das über den Menschen hereinbricht und ihm sein ganzes Leben verbittert, ist ebendeswegen mehr sein eigenes Werk als das von andern, oder gar wie viele glauben, „Mein Wille“!

[Lg.01_029,43] Wenn ich einst sagte: „Von nun an sollst du (Mensch) dein Brot im Schweiße deines Angesichts verdienen“, so war es der Ausspruch eines weit voraussehenden Gottes, der wohl wußte, daß der Mensch mehr seinen tierischen Eigenschaften als seinen geistigen Gaben gehorchen und dann bald nicht mehr die sichtbare Welt ihm untertan sein werde, sondern daß er mit der Materie kämpfend seinen leiblichen Unterhalt sowie seinen geistigen Fortschritt erringen müsse.

[Lg.01_029,44] Ich sah voraus, daß der Mensch auf diese Art mit Schweiß sein Brot verdienen, und daß er unter Schmerzen geboren werden müsse, weil er die Natur und seine eigene Mission falsch auffaßte; Ich sah voraus, daß er unter Schmerzen wider seinen Willen geistig erzogen werden müsse, und selbst am Ende seines (irdischen) Lebens mit Kampf, Furcht und oft mit Verzweiflung in die andere Welt übergehen wird.

[Lg.01_029,45] Dieses Schicksal, statt eines paradiesischen Lebens der Eintracht und Liebe, hat sich der Mensch selbst gegründet, und statt mit sanften Übergängen von einem Zustand zum andern, muß er kämpfend und streitend körperlich und geistig sich fortschleppen, seine und die Fehler seiner Voreltern abbüßen, um sich auf diese Art von dem Schlamm zu reinigen, welcher moralisch und physisch ihm in seiner ganzen Lebensperiode stets anhing.

[Lg.01_029,46] Die Menschen klagen über schweren und sauren Erwerb des Lebensunterhalts. Wer macht ihnen denselben so schwer? Nicht Ich, nicht die Welt, sondern einer dem andern!

[Lg.01_029,47] Ein jeder sucht Gewinn aus dem zu erzielen, was er entweder mühsam erlernen mußte, oder was unberechnet ihm in den Schoß fiel. Wer ist es anders als gewissenlose Menschen, die selbst das Unglück ihrer Mitmenschen dazu benutzen, sich zu bereichern und so den Lebensunterhalt verteuern!

[Lg.01_029,48] Und weil solche Menschen eben jetzt die Mehrzahl ausmachen, die kein enges Gewissen haben, keine geistige Mission anerkennen und an keinen Gott noch die Unsterblichkeit der Seele glauben, ebendeswegen seht ihr, wie einer den andern zu übervorteilen sucht, und keiner dem andern sich zeigt, wie er ist. Selbst die glatte, verkünstelte Erziehung hilft noch dazu, damit auch das, was den Kindern zu ihrer Erziehung gegeben wird, nur Deckmantel sei, um mit größter Heuchelei die schlechtesten Laster zu verdecken!

[Lg.01_029,49] So ist die ganze Welt nun wie ein Maskenball, wo die Maske bei den meisten von dem Wesen des Trägers derselben verschieden ist.

[Lg.01_029,50] Wenn nun die Menschen über die schlechte Welt klagen, so frage Ich: Wer hat sie denn so schlecht gemacht? Ich oder – ihr selbst?

[Lg.01_029,51] Daher klaget nicht Mich an, Ich bin ein langmütiger Gott, sehe geduldig zu, wie von den höchsten bis zu den niedrigsten Klassen alles einander beherrschen will!

[Lg.01_029,52] Herrschsucht ist das große Laster, welches die Menschen beseelt, und welche sie bei jedem Schritt den Nebenmenschen fühlen lassen wollen.

[Lg.01_029,53] Umsonst predigte Ich in Meinem Leben die Liebe, die Duldung, die Verzeihung, und sagte ihnen sogar: sie sollten ihre Feinde lieben!

[Lg.01_029,54] In jener Zeit wandten die meisten ihr Ohr weg von solchen Forderungen, und jetzt, wo ihr behauptet, „es sei ein aufgeklärtes Zeitalter“(?), tut ihr etwas anderes?

[Lg.01_029,55] Diese von Mir gepredigten Eigenschaften hätten ein friedliches Beisammenleben der Menschen erzielt. Allein der Mensch mit seinen tierischen Leidenschaften gab sich letzteren mehr hin, er selbst hat sich diese für alle gleich ausgestattete Erde zur Hölle gemacht, aus welcher er sich nicht mehr retten kann, so daß es Mich Mühe genug kostet, einzelne vom gänzlichen Verfall (ins Materielle) abzuhalten!!

[Lg.01_029,56] Aus diesem wilden tierischen Leben, aus dem alles genießen wollenden Leben ging dann, wie aus der Büchse der Pandora, das Heer von Krankheiten hervor, welche das Kind im Mutterleibe schon mit Fehlern seiner Eltern belastet, wobei es in späteren Jahren die seinen noch hinzufügt!

[Lg.01_029,57] Sehet die ganze Welt an; alles ist (ursprünglich) vollkommen, alles ist so gestaltet, daß es keines Zusatzes, keiner Wegnahme bedarf; wie könnt ihr also glauben, daß Ich das letzte Glied der Erdenschöpfung mit Mängeln erschaffen habe!

[Lg.01_029,58] Auch der Mensch war vollständig das, was er sein sollte; er war in Gestalt und Körperbau sowie an Geistesfakultäten (-fähigkeiten) so ausgerüstet, daß er stets „der Herr der Erde“ bleiben sollte.

[Lg.01_029,59] Aber das Wort „Herr“ verstand Ich so, wie Ich der Herr der Welt wirklich bin, indem Liebe Meine Haupteigenschaft ist, und nicht wie der Mensch, der ein alles zerstörender, alles vernichtender Herr der Welt sein möchte!

[Lg.01_029,60] Meine große Welt ist Mir untertan, mit Liebe gehorcht alles gern Meinen Gesetzen (der Liebe); der Mensch aber wollte mit Gewalt die Welt unterjochen. Diese, dem höheren Gesetz gehorchend, widersetzte, empörte sich und machte dann den Menschen zu ihrem Knechte.

[Lg.01_029,61] Einst gebot der Mensch den Elementen und der ganzen Materie; aber jetzt ist alles feindlich ihm gegenübergestellt!

[Lg.01_029,62] Die Elemente gehorchen ihm nicht mehr, und beinahe jedes lebende Tier ist des Menschen Feind, weil bei dem (jetzigen) Menschen nicht Liebe, nicht Fürsorge für andere, sondern der schmutzigste Gewinn die Triebfeder all seiner Handlungen ist!

[Lg.01_029,63] So ist die Welt geworden, was sie jetzt ist. Statt ein Paradies zu sein, wo alles gemütlich leben könnte, und der Austausch von verschiedenen Geistesanlagen das materielle Leben angenehm gemacht hätte, statt dessen ist sie nun ein Tummelplatz, wo Mord und Raub das tägliche Ereignis sind, und wo nur über dem Ruin eines Menschen ein anderer eine Stufe höher steigen will!

[Lg.01_029,64] O ihr törichten Menschen! Was habt ihr aus Meiner Erde, was aus eurem eigenen Ich gemacht, welches Ich körperlich und geistig nach Meinem Ebenbild geschaffen, indem Ich euch zu Bürgern zweier Welten, der geistigen und der körperlichen, gemacht habe?!

[Lg.01_029,65] Wie Ich einst die Händler und Verkäufer mit der Geißel aus dem Tempel jagte, indem Ich ihnen zurief: „Wie, ihr wollt Meinen Tempel zu einer Mördergrube machen?“, ebenso sollte Ich dieses verkommene Geschlecht von der Erde hinwegfegen; denn auch es hat diese Erde zu einer Mördergrube umgestaltet, wo auf der einen Seite materieller Mord und Raub nichts schonen, und auch auf der andern Seite geistig gemordet wird, soviel es nur erlaubt ist.

[Lg.01_029,66] So sollte Ich als gerechter Gott, als Herr Meiner Schöpfung verfahren, wäre Ich nicht der Gott der Liebe, hätte Ich nicht die Willensfreiheit bei allen Meinen Geister-Wesen obenan gestellt, da Ich „liebende Kinder“ und keine Sklaven erziehen wollte!

[Lg.01_029,67] So lasse Ich euch Menschen eben fortwirtschaften gegen alle Meine Gesetze, lasse euch einen dem andern das Leben verbittern, bis das Maß voll ist, und ihr im eigenen Schlamm der Leidenschaften erstickt!

[Lg.01_029,68] Mir bleibt es immer vorbehalten, selbst alle Mißstände, alle Unglücke zu Meinen Zwecken zu benützen.

[Lg.01_029,69] Wer auf dem sanften Pfade der Liebe den Weg zu Mir nicht suchen will, der muß durch Unglück aus eigenem Verschulden dann klüger werden.

[Lg.01_029,70] Bei Tausenden und aber Tausenden von Menschen nützt das Predigen nichts. Unglücksfälle aller Art, langwierige Krankheiten, unfreiwillige Opfer usw. müssen sie mürbe machen; trostlos muß ihnen alles erscheinen, die Welt ihnen den Rücken kehren, der Körper seinen Dienst versagen, alle angelernten Religionsformeln sich als unhaltbar erweisen, bis sie endlich ernstlich anfangen, über ihr eigenes Ich, ihre allenfallsige Mission auf Erden, über die materielle Welt etwas kühler nachzudenken, um eine Ahnung zu haben von dem, was außer ihr liegt!

[Lg.01_029,71] Dann erst sind sie fähig, etwas Ernsteres, etwas mehr Haltbares anzunehmen, wenn sie den Becher der materiellen Vergnügungen bis zum Grunde geleert und noch einen andern voll von bitteren Erfahrungen und Enttäuschungen als Zugabe erhalten haben.

[Lg.01_029,72] So bin Ich gezwungen, diese Welt und diese Menschen zu erziehen, die Mein eigenes Gut sind, deren geistiger Funke, aus Mir genommen, Mir wieder zurückgegeben werden muß. So müssen die Menschen auf verkehrtem Wege dahin kommen, wohin Ich sie bestimmt habe, und so rechtfertigen sich alle Klagen derselben, wenn sie über dieses „Jammertal“ des menschlichen Lebens losziehen, welches sie sich selbst zubereitet haben, es selbst gewollt haben, und wofür sie natürlich nun auch die Folgen tragen müssen.

[Lg.01_029,73] So wie Ich in dem vorhergehenden Wort bewiesen habe, daß nicht alles so schwarz ist, wie ihr es gern sehen möchtet, sondern alles an seinem Platze perfekt und nicht anders sein kann, ebenso suche Ich auch hier zu erklären, daß – wenn in dem Tierreich und in der ganzen Anordnung des tellurischen (irdischen) Lebens eine Ordnung herrscht, wo bis auf den heutigen Tag jedes Ding wie jedes lebende Wesen noch immer den Zweck erfüllt, zu dem es einst von Mir geschaffen wurde – also die Schattenseite des materiellen Lebens gerade das Gegenteil ist und sein muß; denn dort ist gebundenes, instinktmäßiges, und hier ungebundenes, freies Leben, wo der Mensch die von Mir bezeichneten Wege nicht eingehalten hat, und ebendeswegen auch bezahlen muß, was sein freier Wille ihm bereitet hat.

[Lg.01_029,74] In allen euren Staaten, in allen euren Zeitungen wird fortwährend geschwärmt für „Fortschritt“, und „Freisinnigkeit“ ist das große Wort auf allen Lippen.

[Lg.01_029,75] Aber so wenig wie die Menschheit diese Freiheit versteht, ebenso begreifen auch die Völker nicht, daß zwischen absoluter und gesetzmäßiger Freiheit ein großer Unterschied ist.

[Lg.01_029,76] Die Marktschreier in euren Zeitungen wollen noch immer „mehr Freiheit“, wollen keine Schranken, keine Gesetze, und doch begreifen diese Schwachköpfe nicht, daß, wenn sie auch alle erdenkliche Freiheit zum Handeln hätten, die auf dieser Welt möglich ist, sie doch nicht zufrieden wären, weil sie den Geist, den Ich in die Seele des Menschen legte, nicht kennen, nicht zu würdigen wissen!

[Lg.01_029,77] Diese Freiheit, die alle Menschen träumerisch suchen, geht weit über die Materie hinaus, dorthin, wo nur geistig alles webt und lebt.

[Lg.01_029,78] Diese Freiheit des Denkens und Handelns ist der ewige Impuls, der ein immerwährendes Fortschreiten verlangt und nur darin sein Leben und seinen Zweck erkennt.

[Lg.01_029,79] Glaubet denn ihr kurzsichtigen Menschen, daß Ich, ein Geist ohne Anfang und ohne Ende, Herr einer unermeßlichen Schöpfung, euch diesen Funken Meines Ich für dieses kurze Erdenleben nur gegeben habe, wo Millionen von Menschen nicht wissen, wie sie in dasselbe gekommen und wie sie aus demselben gegangen sind?

[Lg.01_029,80] Glaubt ihr denn, daß dieser Geist sich mit solchen Errungenschaften begnügt, die ihr hier auf Erden erreichen könnt, oder daß sein Drang im Jenseits sogleich gestillt wird?

[Lg.01_029,81] Zu was denn ein unendliches Leben, wenn es mit ein paar Momenten Erdenlebens und einigen Spannen in den Sphären des Geisterreichs abgetan wäre?

[Lg.01_029,82] Nein, der Drang der Freiheit, des freien Willens, den Ich in alle Geister legte, hat eine geistige und weit tiefere Bedeutung; allein, ihr müsset diese Freiheit als eine Meinem Willen untergeordnete annehmen, wo nicht Zwang, sondern Überzeugung, daß nur so und nicht anders vorwärts geschritten werden kann, alle Geister beseelt und leitet.

[Lg.01_029,83] Denn da Ich der vollkommenste Geist bin, so kann keine Meiner Anordnungen anderes als den Stempel der Ordnung tragen!

[Lg.01_029,84] Diese Freiheit hat in ihrem Wirkungskreise keine Grenzen.

[Lg.01_029,85] So erklärt sich die ganze Bewegung in allen Welten; so wird deutlich, was Ich meinte, als Ich den Menschen nach Meinem Ebenbilde schuf; ihr müßt euch mit solchen Gedanken vertraut machen, euch hineindenken und sie fassen lernen, und ihr werdet über allen menschlichen Mißzuständen eures gesellschaftlichen Lebens noch eine Sphäre erblicken, wo euer Geist erst die echte Weihe der Wahrheit erhält, wo ihr erst zu lernen anfangen werdet, daß selbst Unglücke und Leiden ihre nützliche Seite haben, da in Meinem Haushalte nichts geschehen, nichts vorkommen kann, das nicht zum allgemeinen Vorwärtsschreiten dienen müßte.

[Lg.01_029,86] Klaget also nicht über die Kalamitäten des menschlichen Lebens, machet es wie ich: Ich ziehe aus allem Nutzen für den Bestand Meines großen Geisterreiches. Was bei Mir Mein Geisterreich, das ist für euch eure Seele, der Komplex eures Ich.

[Lg.01_029,87] Ich habe euch eben erklärt, daß an allem, was euch auf Erden das Leben sauer macht, ihr selbst schuld seid. Benützt also diese Schule als Aufwecker eures geistigen Lebens, suchet Trost und Ruhe in den Regionen, wohin die Mißhelligkeiten des menschlichen Lebens nicht mehr reichen, und wie Ich einst zu Meinen Jüngern sagte: „sie könnten Gift essen und auf Schlangen wandeln, ohne daß es ihnen schaden werde“, ebenso könnet auch ihr dann, selbst aus den bittersten Ereignissen, die große Lehre ziehen und die Überzeugung in euch festigen, daß dieses Leben zu kurz ist, um den geistigen Reichtum eurer Seele ganz zu entfalten, wo bei unbedingter Freiheit im Jenseits erst ein Wirkungskreis euch eröffnet wird, der jetzt nicht begriffen werden kann.

[Lg.01_029,88] Alles, was die Welt euch zufügen kann, sollen nur Lehren sein; wenn sie auch bitter sind, doch den Zweck als Lehren sollen sie nie verfehlen!

[Lg.01_029,89] Alles dergleichen zieht von der Welt ab und nach oben hinauf; widersetzet euch diesem Drängen nicht; denn es ist ja nur zu eurem geistigen Wohl!

[Lg.01_029,90] Wenn ihr einst die Welt im Rücken haben werdet, dann werdet ihr erst erkennen, welch lächerliche Wichtigkeit ihr oft Dingen und Verhältnissen beigelegt habt, die nicht wert waren, euch derentwegen nur eine Minute zu kümmern oder beunruhigen zu lassen.

[Lg.01_029,91] So soll euch dieses Wort im Unglück aufrichten, wenn ihr traurig in die Zukunft blickt und nicht wißt, was sie bringen wird.

[Lg.01_029,92] Daß das Gesetz „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!“ aus dem Bereich des menschlichen Wirkens verschwunden ist, und nur ein jeder sich selbst liebt, das ist fürwahr nicht Meine Schuld; denn deswegen sind alle Leiden, die aus der Nichtbefolgung dieses Gesetzes erwachsen, nicht Meine, sondern der Menschen Werke!

[Lg.01_029,93] Bei ihnen beklaget euch, bei ihnen suchet wenigstens in eurer nächsten Umgebung dieses einfache Gesetz auszuüben, und wenn der Erfolg nur im mindesten günstig ausfällt, so habt ihr in dem Bewußtsein, dazu beigetragen zu haben, schon eine Quelle des Trostes und der Ruhe, als Gegensatz der Unbilden, die euch andere Menschen verursachen, welche nur ihren eigenen Interessen folgen!

[Lg.01_029,94] Suchet euren eigenen Geistesadel zu retten und lasset das andere Mir über! Zum Guten leite Ich alles, um des Guten willen verschwende Ich auch so viele Worte an euch, um euch wenigstens den Weg zu zeigen, den ihr im Labyrinth der Weltereignisse gehen sollt, um eure Seele zu retten und Meinen in euch gelegten göttlichen Funken nicht herabzuwürdigen. Amen!


Lebensgeheimnisse / 29. Kapitel – Die Schattenseite der Natur in bezug auf das menschliche Leben

 

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