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GOTTES gnadenvolles JETZT. Nicht nach Erfolg fragen, sondern handeln 390

Administrator Beiträge: 5382 Forumgründer *****
GOTTES gnadenvolles JETZT. Nicht nach Erfolg fragen, sondern handeln
« am: Februar 05, 2015, 09:44:25 Vormittag »
Man wartet tagelang auf König ARIEL. Hezeron, Parnach, Sephthan und andere Priester gesellen sich herzu. Mißtrauen, berechtigt und auch nicht, Gleichgültigkeit schwinden unterm Volk. Man drängt sich in die Tempelhallen. Allmählich wird man auf Asarja stolz. Worte werden laut: „Er war noch zu jung.“ „Der Prophet hat ihm geholfen.“ „Wie heißt der denn?“ „Bist du von Judäa und weißt das nicht?“

Viele wollen den Propheten sehen, er soll reden und — natürlich Wunder tun. Er klagt Joroham: „Die Jakobleute sind so wankelmütig. Wenn die Wunder (Matt. 12, 38; Joh. 4, 48) ihnen in die Hände fallen, werden sie vergessen, daß man danken muß (Luk. 17, 18). Jetzt sind sie berauscht, weil die Freundlichkeit Asarjas Nutzen bringt. Es ist ein Kreuz mit unserm Volk! Wie recht hatte Vater Zebaoth, daß es keine Welt-Erwählung gibt.“

Joroham seufzt mit: „Der Gewinn macht gläubig. Ist der Kasten voll, dann . . .“ „Nicht nur die Kleinen sind zu schelten“, sagt Chenos mild, der hinzugekommen war. „Wieviel Weisheit hatte Salomo. Aber als der Schatz die Truhen sprengte, daß man für den Reichtum Keller schachten mußte, als die Dienerschaft fünftausend, die Weiber tausend waren, schloß Salomo sein Herz samt Schätzen in seine dunklen Keller ein. Dort versteinte es, auch gegen Gott.“ (1. Kön. 11, 9)

„Dich ehrt, was du sagst“, Isa-i streicht über Chenos Runzelhand. „Aber wie bedenkt es Gott! Allein — ob Er immer auch bedeckt? Wenn ja, träte anstatt der Entschuldigung eine schöne Fabel über Gottes Regiment. Muß Er nicht erziehen? Den nicht fallen lassen, der durchaus fallen will?! Doch was treibt Ihn zu dem Muß? Zwingen kann Ihn keiner! Was ER tut, kommt aus dem Bedenken Seiner Vatertreue; da sind wir eingeschoßt mit unserm ganzen Sein.

Bedecken ist eine freie Gabe, die urmäßig keineswegs bestand. Das setzte ja ein Mangelwerk voraus, das es niemals gab. Es wurde eines durch den Fall! Dann erst nahm der Höchste in Sein immerwährendes Bedenken das Bedecken mit hinein.

Das ist kein Augenschließen. Gibt die Langmut oft ein wunderliches Maß, so wähne niemand, daß das Böse dadurch abgegolten sei, oder daß das Gute ohne Segnung bliebe. An Seiner Hüfte hängt das Maß. Er kann es lange hängen lassen, nimmt es aber alsbald in die Hand, wann Er die Stunde für gekommen hält.

Noch hängt die Schnur, und Seines Kleides Falten decken sie. Wie lang — ? Macht Er eine Geißel (Joh. 2, 15), dann bedeckt Er nicht die Schuld, sondern das Erbarmen! Wohl läßt Geduld die Meßschnur vierfach hängen und währt es lang, bevor die Welt ihr ‚Wehe‘ (OJ. 8, 13) hört. Doch aus Zucht und Züchtigung wird einst das sanfte Ziehen. ER zieht den Abfall aus dem selbstgemachten Grab heraus.

Er, von alters her der HEILAND und ERLÖSER, heilt die Wunden, die entstanden waren (Ps. 51, 16; Jes. 43, 11; 63, 16). Er steigt in die Materie, und es umgibt uns Seine Gegenwart! Keine Zeit kann zur andern sagen: Er war da — Er kommt! Er heißt JETZT! Wer das erkennt, kennt Sein heiliges Bedenken, wo es wenig zu bedecken gibt. Besser ist, es wird alles offenbar im JETZT! Wer sagen kann: Jetzt, ich bin bereit, der steht in Gottes heiliger Allgegenwart.

Wer löst sich von der Welt? Wer ergibt sich Gott, dem hohen JETZT?

Unfrei ist der Mensch, der in der Freiheit der Materie lebt!

Wen aber Gottes Opfer bindet, den macht Er frei. Ja — jetzt wallen sie hinauf, um Speise zu empfangen. Nebenher nimmt man die Gnade mit. Wird es gewohntes Brot, wirft man es achtlos in die Rinne.

Laßt uns die Kleinen fest bewahren bis hin zum Hohen Gnadenstuhl. Ich dachte es: ‚O ARIEL, Du hast Dich uns so herrlich offenbart und das Volk ging leer davon, außer von den Tafeln. Sind wir denn besser als die arme Phrybe oder als ein Kind, das im Gossenrand des Volkes in die Sünde fällt?‘ Wie einst ein einzig Reich bestand, so soll sich nun die arme Herde wieder sammeln; und wir, liebe Freunde, sollen unter Gottes Händen ihre Wächter sein.“

Nathan hatte alle gleich herbeigetrommelt. Hophei wispert Abigail zu: „Gut, daß Nathan rief,“ „Er ist Isa-i bis in den Tod ergeben.“ Abigail sieht den Diener herzlich an. Oberzöllner Telem, der wegen eines Streits gekommen war, hat die Sache ganz vergessen. Begierig hört er zu und fragt nach König ARIEL. „Ich meine“, sagt er, „was Isa-i gepredigt hat, war Gottes heiligwahres JETZT. Der Herr war jetzt bei uns, wenn auch unsichtbar.“ (Ps. 95, 7)

„Das müssen wir uns in die Herzen schreiben“, sagt .Abjathar, „wir heften uns zu sehr ans Hören oder Sehen. Aber GOTT kann predigen durch Seine Winde oder locken durch ein Kind; Er sieht nieder, wenn die Sterne scheinen und begegnet uns, wenn ein Armer vor der Türe steht. JETZT o Isa-i, auch mir ging eine Türe auf!“

„Durch die Türe sind wir schon“, erwidert freundlich der Prophet. Samathuel ergänzt: „Dennoch täglich neu: Mauer, Tor, Garten und der Quell. Zwar ist das Wasser immer gleich; denn der Ewige hat keinen andern Brunnen, als den der hehren Schöpfernacht. Einerlei gibt Er hinein aus Seinem unveränderlichen Wesen. Trotzdem: Trinken wir, so ändert sich‘s mit jedem Schluck. Wir ermessen nie die Köstlichkeit, die Gott uns damit zubereitet hat.

Gewiß, je mehr wir uns zur Quelle neigen, um so mehr empfangen wir. Doch bedenkt das Unverdient, weil auch wir — trotz Mühe — Sünder sind. Da bleibt Gottes Liebe ein Geschenk. Was ER daraus macht, ist Seine Sache. Wir zu Hause gehen Seinen Weg. Gott ist bei uns über allen Dingen hoch erhoben; nur von Ihm nehmen wir die Gaben an. Was wir Ihm aber bringen dürfen, schöpfen wir aus Seinem Lebensquell. Ja, daraus trinken und hinein die Hände und das Antlitz tauchen; in Gott für Ihn und durch Gott zu Ihm!“

„Hier hört die Seligkeit nicht auf!“ Om-Sabra war geblieben, in der Hoffnung, noch einmal ARIEL zu hören. „Kommt heute abend“, gibt Isa-i die Schau bekannt. Micha, der schon in der Schule ist, fragt zögernd, ob auch er und seine Mutter kommen dürften.

„Selbstverständlich“, nickt Isa-i. „Ich bitte jetzt die Priester her.“ Hophei warnt fürsorglich: „Gehe nicht allein, sonst mußt du bei der Menge stehen bleiben,“ Nathan ginge zu gern mit, Abjathar lacht ihn aber heiter aus: „Der Prophet braucht nur zu winken, und die Engel dienen ihm,“ „Schade“, murmelt der Getreue, „daß ich noch kein Engel bin.“ — —

Anita Wolf, Und es ward Hell, Kap.35