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30. Die Einkehr bei dem griechischen Wirte 154

Administrator Beiträge: 5386 Forumgründer *****
30. Die Einkehr bei dem griechischen Wirte
« am: April 21, 2015, 07:56:07 Nachmittag »
   01] (Der Herr:) »Hierauf machten wir uns aber auch gleich auf den Weg zur Herberge hin, wo des Griechen Lasttiere auf uns warteten.
   02] Als wir da ankamen, gab es bald der Neugierigen viele, die uns mit Fragen belästigten, und der Herbergswirt, Josephs guter Bekannter, sagte zu ihm: »Freund, ich möchte heute keine Reise unternehmen; denn es ist eine Sonnenfinsternis gewesen, und ein solcher Tag galt schon bei den Alten als ein Unglückstag!«
   03] Sagte Ich: »Wie klug ihr Leute doch seid! Auf solche leeren, aller Wahrheit baren Sagen haltet ihr; aber alles, was rein und wahr ist, das tretet ihr in den Kot und wollet es nicht hören. Daher halte du uns mit solchen leeren Dingen nicht auf!«
   04] Sagte der Wirt: »Oh, du mein lieber Geselle, die alten Menschen waren auch kluge Leute; daher sollen die Jungen deren Erfahrungen wohl beachten, sonst werden sie manches Ungemach zu erleiden bekommen!«
   05] Sagte Ich: »Befolge du nur, was Moses und die Propheten gelehrt haben; das wird dir nützlicher sein, als auf die Neumonde und auf die glücklichen und unglücklichen Tage zu halten! Wer Gottes Gebote hält und Gott über alles liebt und seinen Nächsten wie sich selbst, der hat keine Unglückstage zu fürchten; wer aber das nicht tut, für den ist ein jeder Tag ein wahrer Unglückstag!«
   06] Sagte der Wirt: »Na, na, das weiß ich auch; aber darum kann man auch auf die Sagen der Alten noch immer etwas halten!«
   07] Darauf grüßte er den Joseph nochmals und wünschte ihm viel Glück auf die Reise und zum Geschäft. Wir bestiegen dann die Lasttiere, und unsere Reise ging rasch vorwärts über Berge und Taler westwärts auf dem Wege gen Tyrus.
   08] Als wir aber den halben Weg zurückgelegt hatten und eine Herberge erreichten, die auch einem Griechen gehörte, da sagte unser Grieche: »Freunde, hier werden wir uns ein wenig stärken und den Lasttieren ein Futter reichen lassen!«
   09] Dieser Antrag war dem Joseph ganz recht, obwohl er gleich fragte, ob man da wohl auch den Juden erlaubte Speisen bekäme.
   10] Sagte der Wirt: »Ja, mein Freund, da wird es bei mir wohl eine kleine Not haben! Schweinefleisch habe ich wohl geräuchert zur Genüge, also auch gesäuertes Brot und Salz und Wein; aber etwas anderes wird nun nicht vorrätig sein.«
   11] Sagte Joseph: »Da wird es für uns etwas schlimm ausschauen; denn das Fleisch der Schweine dürfen wir Juden nicht essen und also auch in dieser Zeit kein gesäuertes Brot, da bei uns die Zeit der ungesäuerten Brote eingetreten ist. Hast du denn keine Fische und auch keine Hühner und Eier?«
   12] Sagte der Wirt: »Siehe, diese Herberge steht hoch auf einem Berge! Woher sollte man da die Fische nehmen? Also geht es hier auch mit der Zucht der Hühner schlecht; denn fürs erste gedeihen sie wegen Mangels an entsprechendem Futter beinahe gar nicht, und fürs zweite gibt es hier zu viele Raubvögel aller Art, die nicht nur die Zucht der Hühner nahezu unmöglich machen, sondern auch die Schafzucht sehr erschweren, weil die Lämmer vor den Luftbestien nicht einen Augenblick völlig sicher sind. Ich habe darum nur etwas Rind, als Stiere, Ochsen und Kühe und natürlich auch einige Kälber, und dazu auch Schweine, die hier ganz gut fortkommen; den Wein aber muß ich selbst kaufen in Tyrus. So steht es hier; was aber da ist, das will ich euch reichlich und billig geben.«
   13] Sagte Ich: »Bringe nur her, was du hast, und wir werden es schon essen!«
   14] Sagte Joseph: »Aber Sohn, was wird denn das Gesetz Mosis dazu sagen?«
   15] Sagte Ich: »Hast du denn schon wieder vergessen, wer Ich bin? Der in Mir ist, hat dem Moses die Gesetze gegeben, und Ebenderselbe sagt nun zu dir: Iß, was dir auf den Tisch gesetzt wird, wo du es nicht anders haben kannst; denn dem Reinen ist alles rein!
   16] Moses hat das Fleisch der unflätigen Tiere den Juden nur darum zu essen untersagt, auf daß sie selbst nicht noch unflätiger würden, als sie schon von Geburt an waren; aber im Notfalle durften auch die Juden das Fleisch der als unrein bezeichneten Tiere essen. Wir selbst aber waren nie unrein und werden auch nie unrein werden, und so kann uns auch keine Speise, wenn sie wohl bereitet ist, verunreinigen.«
   17] Mit dieser Meiner Erklärung war Joseph und auch Jakobus zufrieden, und der Wirt brachte uns sogleich wohlgeräuchertes und gut zubereitetes Schweinefleisch, Brot, Salz und einen guten Wein, und wir verzehrten alles ganz wohlgemut. Unser Grieche aber machte natürlich den Zechmeister und hatte eine rechte Freude, daß wir uns mit seinem Mahle so ganz zufriedengestellt hatten.

GEJ, Band 7, Kap.208, Kap.1-17