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g) Falsche Heiligkeit 506

Administrator Beiträge: 10835 Forumgründer *****
g) Falsche Heiligkeit
« am: Mai 30, 2011, 08:01:29 Vormittag »
GrEv VI/51 — DER HERR: "Der Leib braucht das Seinige — und der Geist das Seinige. Wir sind nun unseren Gliedern eine rechte Stärkung zu geben schuldig, und dann werden wir des Geistes nicht vergessen.

Glaube ja keiner, daß er Gott einen wohlgefälligen Dienst erweist, so er fastet und für seine begangenen Sünden in härenen Kleidern vor aller Welt Augen Buße tut! Sondern nur der ist Gott angenehm, der da dankbar ißt und trinkt, was ihm Gott zukommen ließ, um dadurch seine irdischen Kräfte zu nützlicher Arbeit zu stärken, wodurch er sich und seinem Nächsten viel nützen kann, und so er irgendeine Sünde beging, sie als solche erkennt, bereut, verabscheut, sie nicht mehr begeht und sich also wahrhaft bessert.

Freilich gibt es leider gar viele, die da ihre Lebenszeit mit lauter Essen und Trinken zubringen. Sie sorgen nur für ihren Bauch und für ihre Haut. Die Nächstenliebe ist ihnen fremd, und vor dem armen Menschen spucken sie aus und lassen ihn nicht an ihres Hauses Schwelle kommen. Ihr stets voller Bauch läßt sie nie den Schmerz des Hungers und des Durstes fühlen. Das sind die echten Schwelger, Prasser und Vollsäufer, die dadurch ihren Leib stets zu allerlei Unzucht, Hurerei und Ehebrecherei bereithalten. Das ist dann Fraß und Völlerei, mit denen niemand je ins Reich Gottes eingehen wird.

Im Gleichen sind aber auch alle jene Gleisner, die da fasten, in härenen Kleidern Buße wirken und für ihre Sünden ansehnliche Opfer dem Tempel darbringen, damit sie von dem Volke als Gerechtfertigte angesehen und gelobt werden, während sie selbst aber dann jeden Menschen über die Achsel ansehen, ihn als einen vermeintlichen Sünder verachten und ihm schon von weitem ausweichen, dieweil sie nicht irgend sahen, wie er gefastet, in härenen Kleidern Buße gewirkt und dem Tempel geopfert hat.

Ich aber sage euch: Derlei Menschen sind ebenfalls ein Greuel vor Gott; denn ihr Herz, ihr Sinn und Verstand sind verhärtet. Sie richten ihre Nebenmenschen ohne alle Schonung und Nachsicht, sie kehren vor des Nachbars Tür und bemerken den großen Haufen Unflat vor dem eigenen Hausflur nicht. O wahrlich, Ich sage euch: Wie diese Tempelheiligen und -gerechten nun ausmessen, geradeso wird ihnen drüben wieder zurückgemessen werden!"