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Grundlehren der Leibes- und Seelenpflege 428

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Grundlehren der Leibes- und Seelenpflege
« am: Mai 30, 2011, 08:10:21 Vormittag »
GrEv II/210(1-16) — DER HERR: "Sehet, der Leib ist Materie und besteht aus den gröbsten urseelischen Substanzen, die durch die Macht und Weisheit des göttlichen und ewigen Geistes in jene organische Form gezwängt werden, die der einen solchen Formleib bewohnenden Seele in allem Nötigen wohl entspricht.

Die in einem Leibe wohnende Seele aber ist anfangs um nicht viel reiner als ihr Leib, weil auch sie der unreinen Urseele des gefallenen Satan entstammt. Der Leib ist für die noch unlautere Seele eigentlich nichts als eine höchst weise und zweckmäßig eingerichtete Läuterungsmaschine.

In der Seele aber wohnt schon der reine Funke des Geistes Gottes, aus dem sie ein rechtes Bewußtsein ihrer selbst und der göttlichen Ordnung in der Stimme des Gewissens überkommt.

Daneben ist der Leib für außenhin mit allerlei Sinnen versehen und kann hören, sehen, fühlen, riechen und schmecken. Dadurch bekommt die Seele allerlei Kunde von der Außenwelt, gute und wahre, schlechte und falsche. Aus dem Urteil des in ihr wohnenden Geistes fühlt sie in sich bald, was da gut und was schlecht ist. Anderseits macht sie auch durch die äußeren Sinne ihres Leibes Erfahrungen von guten und schlechten, wohltuenden und schmerzlichen und anderen Eindrücken, und überdies wird der Seele von Gott, auf dem Wege der außerordentlichen Offenbarung von innen und von außenher, durchs Wort, der Weg der Ordnung Gottes gezeigt.

Also ausgerüstet kann dann die Seele nach der leicht zu erkennenden göttlichen Ordnung frei sich selbst bestimmen, was natürlich nicht anders sein kann, weil die Seele sonst unmöglich zu irgendeiner für ewig andauernden, in sich abgeschlossenen, aber doch freien Existenz gelangen könnte. Jede Seele, die fortbestehen will, muß sich durch die ihr gegebenen Mittel selbst als fortbestandsfähig gestalten und gewisserart ausbauen, ansonst sie am Ende entweder das Los des Leibes teilen kann, oder sie tritt als noch zu dreiviertel Teil unausgebildet aus dem Leibe, der als völlig verdorben zur weiteren und gänzlichen Ausbildung der Seele nicht mehr taugt — in welchem Falle dann die Seele genötigt sein wird, in einer viel unbequemeren Maschine auf eine gewöhnlich sehr traurige und schmerzliche Weise ihre weitere Vollendung fortzusetzen.

Der Leib aber ist, weil aus lauter noch in tiefem Gerichte seienden Teilen bestehend und darum des Todes fähig, für jeden Menschen die Hölle im engsten Sinne. Die Materie aller Welten aber, in die der Mensch durch seinen Leib gegeben ist, ist die Hölle im weitesten Sinne. Wer nun viel für seinen Leib sorgt, der sorgt offenbar auch für seine höchsteigene Hölle und nährt und mästet sein Gericht und seinen Tod zu seinem höchsteigenen Untergange. Der Leib muß zwar eine gewisse Nahrung bekommen, damit er stets fähig ist, der Seele für die hohen Lebenszwecke die entsprechenden Dienste zu leisten. Aber wer da zu ängstlich sorgt für den Leib und nahezu Tag und Nacht hadert und arbeitet und handelt, der sorgt offenbar für seine Hölle und für seinen Tod.

Wenn der Leib die Seele reizt, sich für seine sinnliche Befriedigung in alle Tätigkeit zu werfen, so rührt das stets von den vielen unlauteren Natur- oder gerichteten Materiegeistern her, die so ganz eigentlich das Wesen des Leibes ausmachen. Gibt die Seele den Anforderungen des Leibes zuviel Gehör und tut danach, so tritt sie mit ihnen in Verbindung und steigt auf diese Weise in ihre höchsteigene Hölle und in ihren höchsteigenen Tod. Und tut die Seele solches, so begeht sie eine Sünde wider die Ordnung Gottes in ihr.

Verharrt die Seele darin mit Liebe und köstlichem Behagen, so ist sie ebenso unrein wie ihres Leibes unreinste und gerichtete Geister, bleibt dadurch in der Sünde, somit in der Hölle und im Tod. Wenn sie auf der Welt auch, gleich ihrem Leibe, noch fortlebt, so ist sie aber dennoch so gut wie tot, fühlt auch den Tod in sich und hat eine große Furcht vor ihm. Denn die Seele kann in solcher ihrer Sünde und Hölle tun, was sie nur immer will, so kann sie dennoch kein Leben finden, obschon sie dasselbe liebt über alle Maßen.

Sehet, darin liegt auch der Grund, aus dem heraus nun viele tausendmal Tausende von Menschen von einem Leben der Seele nach dem Tode ihres Leibes ebensoviel wissen wie ein Stein, der am Wege liegt. Und so man ihnen irgend etwas davon sagt, so lachen sie höchstens oder werden gar erbost und treiben den Weisen zur Türe hinaus. Und doch soll ein jeder Mensch längstens bis in sein dreißigstes Jahr in sich so weit mit der Bildung seines Ichs fertig sein, daß ihm das folgende freieste, seligste Leben nach dem Tode des Leibes so vollbewußt und sicher ist wie einem Aar der Flug in der hohen, freien Luft!

Aber wie weit sind Menschen, die danach erst zu fragen anfangen, noch davon entfernt! Und wie weit aber erst hernach jene, die davon gar nichts hören wollen und einen solchen Glauben sogar für eine Dummheit halten, die kaum irgendeiner erheiternden Lache wert sei! — Solche Menschen befinden sich demnach ihr ganzes Erdenleben hindurch in der vollsten Hölle und im vollsten Tode.

Nun aber kann sich eine Seele schon ganz gereinigt haben, und es wird ihr oft dennoch eine geraume Zeit gegeben zur Mitreinigung ihres an und für sich noch immer unlauteren Leibes und seiner Geister. Dadurch kann der edlere Leibesteil sich endlich auch aus der Seele die Unsterblichkeit anziehen und jüngst nach dem Tode des gröbsten Teils seiner Wesenheit mit der Seele zu ihrer Vollkräftigung miterweckt werden."