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32. Fortsetzung des Gespräches über die Gottheit Jesu 550

Administrator Beiträge: 10838 Forumgründer *****
32. Fortsetzung des Gespräches über die Gottheit Jesu
« am: Juni 08, 2011, 08:38:35 Vormittag »
[BM.01_032,01] Spricht der Weise: „Freund, fürwahr, ich muß offen gestehen, daß ich dir nicht gewachsen bin, obschon du mit allen deinen triftigsten Beweisen von der einzigen Gottheit Jesu, des Herrn, auch nicht ein Atom weggenommen hast. Im Gegenteil nur vielfach mehr bestärkt, weil ich daraus noch klarer ersah, daß Gott auch ein Mensch, aber freilich der allerhöchste und allervollkommenste Mensch ist und sein muß. Sonst wären wir unmöglich das, was wir sind, nämlich Menschen, und könnten Gott auch nicht lieben, so Er nicht ein Mensch aller Menschen wäre.

[BM.01_032,02] Die Liebe aber ist unser höchstes Gut, unser Leben, unsere Seligkeit! Wozu wohl wäre sie, so wir Gott nicht lieben könnten, da Er kein Mensch wäre?

[BM.01_032,03] Tue nun, was du willst – aber von mir erwarte ja keine höhere Weisheit; ich gab dir hiermit alles, was ich hatte!“

[BM.01_032,04] Der Bischof Martin denkt über das vom Weisen der Gesellschaft Gesagte nach und spricht nach einer Weile, mehr zu sich als zum Weisen: „Du hast im Grunde recht; denn wenn der Pentateuch des Moses die Wahrheit spricht, mußte Gott freilich wohl ein Mensch sein, ansonst Er den Adam nicht nach Seinem Ebenmaße erschaffen hätte, so Er selbst nicht die gleiche Gestalt hätte! Dieselbe Gestalt aber setzt freilich auch dieselbe Wesenheit voraus!

[BM.01_032,05] Ein Uhrmacher braucht freilich wohl selbst keine Uhr zu sein, um eine Uhr zu machen; aber die Idee der Uhr muß er doch aus sich nehmen, ansonst er keine Uhr zuwege brächte!

[BM.01_032,06] Aber da ist schon wieder ein Haken: So ein Mensch eine Idee fassen kann, die ihm nicht gleicht, also ein ganz anderes Bild ist, sollte das Gott nicht vermögen? O sicher, das wird Er gar wohl vermögen!

[BM.01_032,07] Demnach könnte der Text aus dem Pentateuch etwa so zu verstehen sein: ,Gott schuf den Menschen nach Seinem Ebenmaße‘ heißt: ,Gott schuf den Menschen nach dem Maße Seiner Idee, d.h. Seiner Idee vollkommen entsprechend!‘

[BM.01_032,08] Wenn der Text so zu verstehen ist – was sehr viel Wahrscheinliches hat –, wäre dann freilich noch lange keine Folge, daß Gott den Menschen gerade nach Seiner Gestalt geschaffen hätte. Oder daß Gott überhaupt eine begrenzte Gestalt haben müßte, um einen Menschen gestalten zu können. Ist ja doch jede Idee als Begriff an sich gestaltlos, so kann auch Gott an und für sich als die Totalgrundidee aller Ideen auch gestaltlos sein.

[BM.01_032,09] Müßte man annehmen, daß Gott, um Menschen zu gestalten, auch notwendig eine Menschengestalt haben müsse, so müßte Er, um einen Bären oder einen Haifisch und so fort alle zahllosen Dinge zu gestalten, entweder Sich in alle diese Gestalten verwandeln können, oder Er müßte gewisserart geteilt in allen diesen Gestalten für ewig unveränderlich vorhanden sein, damit an Ihm alle Dinge und Wesen ein sie allzeit richtendes und nach Ihm formendes Muster hätten.

[BM.01_032,10] Das anzunehmen wäre doch wohl die barste alte scholastische Faselei! Daher braucht Gott auch keine Gestalt, um Menschen als Menschen zu gestalten. Und am allerwenigsten braucht Er darum selbst ein Mensch zu sein – welche Annahme auch dem Begriffe der vollkommensten göttlichen Freiheit schnurgerade in die Quere springt. Denn wie ist eine vollste Freiheit unter dem Begriffe einer gestaltlichen Einschränkung denkbar?

[BM.01_032,11] Daher muß auch die vollste Freiheit gestaltlos sein, was auch mit dem Texte des Pentateuch zusammengeht, wo Jehova dem Moses streng verbietet, Ihn sich irgend unter einem Bilde vorzustellen.

[BM.01_032,12] Ja, ja, du mein geliebter Freund, nach der reinen Vernunft werde wohl ich recht haben, du aber wirst nach Paulus ,deines Glaubens leben‘! Ist freilich auch ein Leben, aber ein Leben ohne Einsicht und ohne Rechnung. Ich will es dir nicht nehmen und will aus dir auch keinen Proselyten machen. Aber zeigen muß ich dir doch, daß ein einstiger Bischof auf der Erde nicht um ein leichtes Geld gleich einem Hasenbalge umzuwenden ist, besonders von jenen schon gar nicht, die auf der Erde seine Schafe waren!“

[BM.01_032,13] Spricht der Weise „Ah – ja so, nun weiß ich freilich, von welcher Seite her der Wind weht! Ja, so du derjenige Bischof bist, der erst vor einigen Wochen dies ewige Sein mit dem zeitlichen vertauschte, dann ist es wohl begreiflich, warum dir die Gottheit Jesu nicht eingeht! Ex trunco non fit Mercurius!

[BM.01_032,14] Ich aber bin der Buchhändler in derselben Stadt, wo du Bischof warst. Ich weiß es nur zu gut, wie du beschaffen warst! Äußerlich ein Zelot ohnegleichen, bei dir selbst aber ein barster Atheist! Wer las fleißiger den Kant, den Hegel und vollends mit dem größten Enthusiasmus den Strauß? Voltaire, Rousseau und Helvetius lagen statt der Vulgata stets auf deinem Lesepulte, – lauter Geister, die du auf der Kanzel und in deinen Hirtenbriefen tausendmal zur Hölle sandtest, aber bei dir im Herzen bei weitem über Jesus erhobst!

[BM.01_032,15] Siehe, das weiß ich am besten, weil ich dir alle diese Werke liefern mußte und dein Vertrauter war. Aber ich folgte dir dennoch nicht, sondern ging meinen geheimen Weg fort, den ich in Swedenborg fand, von dem du aber nie etwas wissen wolltest, weil er nicht für deine römische Zwickmühle taugte! Gut, daß ich das nun weiß! Wir werden darum schon einige Wörtlein miteinander zu wechseln bekommen!“

[BM.01_032,16] Spricht der Bischof Martin ganz verblüfft: „Nun, jetzt geht es gut! Zu allen Übeln auch noch das! Muß aber dich der – Gottstehunsbei auch gerade hierher gebracht haben!

[BM.01_032,17] (Bei sich:) Der Kerl von einem Buchhändler weiß auch noch eine Menge anderer Stückeln von mir! Na, das wird eine schöne Wäsche hier in der Geisterwelt absetzen!

[BM.01_032,18] Wenn nur der Hausherr Jesus, der es ganz sicher ist, nicht etwa hereinkäme! Das wäre ja eine verzweifelte Geschichte! Denn ich habe von ihm schon so einige Leviten bekommen, und er hat mir schon einige meiner irdischen Lumpereien aufgedeckt!

[BM.01_032,19] Aber wenn dieser Glanzhütler anfängt, über mich loszuziehen und aufzudecken meine geheimen Hauptlumpereien, da wird es mir sicher nicht am besten ergehen. Vielleicht komme ich wieder so auf irgendein angenehmes Wasser oder auf sonst ein Uferl hin – sicher auf einige Millionen von kurzweiligen Jahren! Oh, oh, ohoh! Das wird wieder löblich sein! –

[BM.01_032,20] Was tue ich denn nun, um dieser Kalamität auszuweichen, wenn hier überhaupt ein Ausweichen möglich ist? Hm – aha, ja, da hab ich's schon, so geht's! Und geht es nicht, so gehe ich denn wieder an irgendein Meeresuferchen, die Ewigkeit auf selbem fischen! In Gott's Nam', ist mir nun schon alles eins! Nein, gerade mit diesem Kerl mußte ich hier zusammenkommen! Aber die Sache läßt sich nicht mehr ändern; daher nur einen rechten Entschluß gefaßt und ausgeführt! Was tue ich also nun?“

[BM.01_032,21] Fällt ihm unaufgefordert der Buchhändler ins Wort und sagt: „Glaube, was ich wohlbegründet glaube, so wirst du aller deiner vermeintlichen Kalamität entgehen. Halte mich aber weiter für keinen Verratspitzel mehr, sondern für deinen Freund, dem du aus dem Feuer seines blinden Eifers halfst und hast ihn bekleidet, da er nackt war!

[BM.01_032,22] Glaube mir: Jesus, der Herr, wird an uns ewig keine Spione und Verräter brauchen. Denn Ihm sind unsere innersten Gedanken schon eher bekannt, als wir sie noch in unserer Seele empfunden haben – daher wir uns füglich die Mühe, einander anzuschwärzen, völlig ersparen können!

[BM.01_032,23] Schau, schau, Bruder, warum sollte denn Jesus nicht der Herr Himmels und aller Welten sein können, warum nicht Gott der Ewige, der endlos Mächtige? Sollte denn Ihm gerade das Leichteste meines Erachtens – wenn für Gott überhaupt Schwereres oder Leichteres denkbar ist – weniger möglich sein als etwas, das ich für viel schwerer erachten möchte?

[BM.01_032,24] Sollte es Dem, von dem jedes durch Zeit und Raum begrenzte Wesen hervorging, wohl unmöglich sein, ohne Verlust Seiner göttlichen Allmacht, aus Liebe zu uns, Seinen Geschöpfen, Seinen Kindern, Sich selbst in Zeit und Raum einzuschränken, da doch Zeit wie Raum aus Ihm hervorgehen?

[BM.01_032,25] Oder: Sollte ein Maler oder Bildner, der tausend Gestalten in Farben oder in geformter Materie wiedergab, nicht auch sich selbst zu malen oder zu meißeln imstande sein? Wenn das schon einem Menschen möglich ist – wennschon in unvollkommenstem Sinn –, wie sollen wir uns von Gott da etwas Unmögliches denken können?

[BM.01_032,26] Oder: Wäre Gott wohl das höchst freieste Wesen, so Er irgend etwas aus Sich selbst nicht zu bewirken imstande wäre? Du beschränkst Ihn ja durch deine Hegelianischen Grundsätze völlig, und machst aus Ihm einen Unendlichkeitsarrestanten, der höchstens Zentralsonnen erschaffen kann mit Erden, Menschen, Tieren. Aber mit Infusorien vollends – die doch auch Leben haben und einen kunstvoll konstruierten Organismus, durch den sich eben das Leben kundgibt –, als endlos großes Allwesen unmöglich etwas zu tun haben könnte, und sich daher um uns Menschen auch nicht kümmern möchte und könnte eher, als bis wir etwa die Zentralsonnengröße möchten erreicht haben? Wie aber das? Darüber werden auch Hegel und Strauß geschwiegen haben! –

[BM.01_032,27] Ich, dein Freund, meine nun, du wirst zur Einsicht kommen und wirst keinen Anstand mehr finden, Jesus die Ehre zu gönnen und zu geben, die Ihm für alle Ewigkeiten der Ewigkeiten gebührt, um so mehr, da Er dir schon so große Gnaden von neuem erzeigt hat!“

[BM.01_032,28] Spricht der Bischof Martin: „Bruder, Freund! Ich habe dich aus der Flamme gezogen. Du aber hast mir dafür nun eine andere Flamme mächtigsten Lichtes gegeben! Ich danke Ihm, ich danke dir! Aber nun laß mich sammeln, laß mich fassen! Zu groß, zu unendlich ist der Gedanke, den ich jetzt denken muß! Daher gönne mir einige Ruhe! – Ich erwache, ich erwache!! –“

 

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