*


Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge

27. Kapitel – Joram erkennt den Jesusknaben als Messias an 802

Administrator Beiträge: 10837 Forumgründer *****
27. Kapitel – Joram erkennt den Jesusknaben als Messias an
« am: Juni 09, 2011, 08:30:37 Nachmittag »
[DTT.01_027,01] Sagte Joram: „Lieber Knabe, uns tut es wahrlich recht sehr leid, wenn wir Dich irgend beleidigt haben, und daß Du uns nun schon so früh zu verlassen gedenkst! Höre mich, Du lieber göttlicher Knabe! Denn ich will nun noch ganz offen ein paar Wörtlein zu Dir reden und bin der Meinung, daß Du sie mir nicht übel deuten wirst, und so ich Dich dann um einen Rat bitten werde, da wirst Du Deinen Mund vor uns und vor mir nicht verschließen?!“

[DTT.01_027,02] Sagte Ich: „So rede denn, obwohl Ich weiß, was du reden wirst und welchen Rat du benötigst; aber sprich du dich dennoch der andern wegen laut aus, denn sie haben es nötiger, das laut zu vernehmen, denn wir beide!“

[DTT.01_027,03] Hierauf trat Joram näher zu Mir hin und sagte: „Daß Du unfehlbar derjenige bist, der uns verheißen ist und auf dessen Ankunft alle Juden und mit ihnen auch die andern Völker harren, darüber sind bei mir alle Zweifel gewichen, und was mir die Augen am meisten geöffnet hat, war Deine höchst genaue Kunde von dem innersten losen Tempelgetriebe schon seit alters her!

[DTT.01_027,04] Denn es ist also und ist schon lange also, und weil es leider also ist, war auch allein der Grund, daß sich das bedeutende Land Samaria von uns gänzlich getrennt hat und wir nun mit Galiläa nicht um vieles besser stehen als mit Samaria. Von Geist ist bei uns nun gar nichts mehr. Nur durch eine notgedrungene Politik erhalten wir noch das bißchen Ansehen des Tempels.

[DTT.01_027,05] Ich war zwar ein genötigter Teilhaber an der schwarzen Disziplin der Mauern Salomos, konnte aber, wenn auch das Übel einsehend, als ein einzelner Mensch nichts gegen sie tun, da bei uns jeder effektive Beschluß vom großen Rate abhängt und da stets die Stimmenmehrheit den leidigen Ausschlag gibt. Ich war mit meiner einzelnen Stimme wohl bei solchen Gelegenheiten, wie Du sie vor uns aufgedeckt hast, nie dafür, sondern allzeit dagegen, aber das hat den Verurteilten keinen Nutzen gebracht.

[DTT.01_027,06] Ich sehe es nur zu klar ein, daß sich der Tempel so nicht mehr sieben Dezennien halten kann, und dennoch ist es für dieses alte, ehrwürdige Institut ewig schade, daß es offenbar zugrunde wird gehen müssen, und das nun um so sicherer, als uns in der nächsten Nähe noch die Essäer und die Sadduzäer stark über den Kopf zu wachsen anfangen.

[DTT.01_027,07] Aber hier fragt es sich nun ganz ernstlich um den Rat, was da zu tun noch möglich sein könnte, um den Tempel den nächstfolgenden Jahrhunderten zu erhalten! In Dir, Du göttlicher Knabe, scheint jene Weisheit in aller Fülle vertreten zu sein, die hier nach meiner Meinung allein einen maßgebenden Rat erteilen könnte?

[DTT.01_027,08] Und nun schließlich, da Du schon der Verheißene sein sollst – woran ich, wie gesagt, für meine Person nicht den geringsten Zweifel mehr habe – noch etwas höchst Sonderbares über den Messias eben aus dem Propheten Jesaias!

[DTT.01_027,09] Hier hast Du das 53. Kapitel – da sieht es mit dem erhabenen Messias, der identisch mit Jehova ein und dasselbe Wesen ist, ganz sonderbar aus! Es wird seiner menschlichen Wesenheit Erwähnung getan, wo es heißt, daß sich viele über Ihn ärgern werden, weil seine Gestalt häßlicher ist denn die anderer Leute und sein Ansehen denn das anderer Menschenkinder. (Jes.52,14)

[DTT.01_027,10] Und da, sieh, wieder weiter heißt es: ,Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war verachtet, daß man das Angesicht vor Ihm verbarg; darum haben wir Ihn nicht geachtet!‘ (Jes.53,3)

[DTT.01_027,11] Wahrlich, wenn ich Deine vollkommen gesunde Gestalt, die dazu noch von großer Anmut ist, betrachte und nun auch sehe, wie Du geachtet bist, so stimmt das mit dem Propheten wohl durchaus nicht zusammen! Oder was hat der Prophet damit sagen wollen?“

[DTT.01_027,12] Sagte Ich: „Ja, das wird das endliche vollwahre Zeichen sein, daß eben Ich der Verheißene bin! Denn an Mir wird das alles vollzogen werden beinahe buchstäblich, was da gesagt ist. Was jedoch Meine Leibesgestalt anbelangt, so hat die Aussage des Propheten darauf keinen Bezug, sondern der Prophet drückt da bildlich entsprechend nur die gänzlich verkehrte Gemütsart und Denkweise der jetzigen Menschen aus, der gegenüber Meine Gemütsart und Denkweise sich ausnehmen wird wie eine häßliche Gestalt, die da verkümmert ist durch allerlei Krankheit und viele Schmerzen.

[DTT.01_027,13] Ich werde darum bei den Angesehenen und Reichen dieser Welt auch sehr verachtet sein, und man wird fliehen vor Mir wie vor einem Aase, und so es von oben zugelassen wird, wird man Mich verfolgen wie einen ärgsten Verbrecher, wie sich solches nun schon bei euch augenfällig gegen Mich zeigte. Denn stünde Ich, als vor euch ein Menschenkind, nicht unter römischem Schutze, und es wäre die Zeit der Zulassung über Mein Außenmenschliches schon da, so wäre Ich lebend nimmer aus euren Händen gekommen.

[DTT.01_027,14] So wie ihr aber nun zum größten Teile seid, also werdet ihr auch fortan bleiben, bis dereinst das große Gericht über euch ergehen wird, von dem der Prophet Daniel geweissagt hat, als er an der heiligen Stätte stand!

[DTT.01_027,15] Aber es könnte das alles auch anders gehen, so ihr eure große Irre erkennetet, Buße tätet und euch bekehrtet gänzlich! Aber es wird das mit euch schwerlich je der Fall werden, und somit ist der von Mir euch zu gebende und hiermit auch schon gegebene Rat ein fruchtloser! Denn ihr hängt zu mächtig an eurem Weltansehen und an euren irdischen Schätzen, und diese werden euch in das Gericht stürzen! Nicht Ich werde je über euch den Stab brechen – obwohl Ich es könnte zufolge Meiner Macht –, sondern ihr selbst und euer Welttum wird das über euch tun!

[DTT.01_027,16] Aber du meinst nun, Ich solle euch nun nur eine rechte Weisung geben – ihr würdet darüber zu Rate sitzen und beraten, wie solches unvermerkt dem Volke beizubringen wäre? Ja, ja, ihr würdet darüber wohl einen Rat halten, und euer Geld und Weltansehen würde dann euch entgegentreten und sagen: ,Wir bleiben, was wir sind, und wollen erst abwarten, ob jenes Gericht je über uns hereinbrechen wird; denn ein so altes und gefestigtes Institut soll sich denn doch nicht von einem galiläischen Knaben ins Bockshorn treiben lassen!‘ – Dann wird Mein Rat mit der Stimmenmehrheit verworfen, und ihr werdet also sein wie jetzt und eigentlich noch um vieles ärger!

[DTT.01_027,17] Tuet hinweg euer vieles Gold und Silber, hinweg eure vielen und überkostbaren Edelsteine und die große Masse Perlen. Teilet vieles unter die Armen, und das viele Mehrere gebet dem Kaiser, der allein das Recht hat, die Schätze der Erde zu sammeln und sie zu gebrauchen zur Zeit der Not. Lebet allein von dem, was euch Moses bestimmt hat, bereuet die vielen Frevel und sühnet die großen Sünden durch Werke der wahren Nächstenliebe. Habet keine Geheimnisse vor dem Volke, sondern seid wahrhaftig, gerecht und getreu in allen euren Reden und Handlungen, und verharret aber immer bei dem, und werdet gegen vom Geiste Gottes erweckte Menschen niemals halsstarrig: so wird das Gericht unterm Wege verbleiben und der Tempel bestehen bis ans Ende der Welt!

[DTT.01_027,18] Denn Gott der Herr will die Menschen zu keinen Maschinen seiner Allmacht, sondern zu ganz freien, selbsttätigen und selbständigen Kindern will Er sie haben! Er bedarf eurer Opfer und eurer Gebete ewig nicht, sondern Er will, daß ihr in euren Herzen Ihn erkennet, Ihn über alles liebet und eure nächsten armen Brüder wie euch selbst. Tuet ihnen alles, was ihr weisermaßen wollen könnet, daß sie solches auch euch täten, so werdet ihr bei Gott alle Gnade wiederfinden und werdet Ihm angenehm sein, wie einer Mutter ihre liebsten Kinder, und Er wird euch schirmen, wie eine Löwin ihre Jungen, und sorgen für euch, wie eine Henne für ihre Küchlein!

[DTT.01_027,19] Könnet ihr das tun? – O ja, ihr könntet es wohl tun, so ihr dazu den rechten Willen hättet, aber an dem fehlt es euch und hat euch immer daran gefehlt, und somit habe Ich nun wie alle die vor Mir dagewesenen Propheten und Seher zu tauben Ohren und Herzen geredet!“