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19. Kapitel – Die fühlende Haut der Erde 560

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19. Kapitel – Die fühlende Haut der Erde
« am: Juni 12, 2011, 05:05:09 Nachmittag »
19. Kapitel – Die fühlende Haut der Erde.

27. Januar 1847

[Er.01_019,01] Was die fühlbare Haut der Erde betrifft, so ist diese von zahllosen, kreuz und quer laufenden Kanälen durchzogen, und zwischen diesen Kanälen gibt es wieder eine Menge große und kleinere Sammelplätze oder Behälter für allerlei aus dem Innern der Erde aufsteigende Flüssigkeiten, dann auch wieder solche Behälter, welche die retrograden Säfte aufnehmen und sie dann durch die schon bekanntgegebenen Rückgangskanäle in das Innerste der Erde zurückleiten. Diese Behältnisse haben, also wie die Seen auf der Oberfläche der Erde, verschiedene Gestaltungen; die meisten jedoch sind eiförmig. Diese Behältnisse dienen hauptsächlich dazu, daß die dahin gelangten Säfte in eine Art Gärung kommen, durch welche sie wieder wie chemisch geschieden und dann als geschieden wieder zu bestimmten Zwecken weitergeleitet werden. Diese Behälter jedoch sind nicht zu verwechseln mit jenen großen, unterirdischen Wasserbassins, aus denen schon das trinkbare Wasser auf die Oberfläche der Erde zum Vorschein kommt, und welche Bassins an manchen Stellen schon mit den sogenannten artesischen Erdbohrern erreicht werden können. Diese großen Wasserbassins befinden sich schon sämtlich in der unfühlenden Erdrinde, während die vorerwähnten Erdsäftebehälter noch alle in der fühlenden Erdrinde zu Hause sind. Welchen Zweck aber diese Behälter noch haben, werden wir auch im geistigen Teile gründlich durchschauen können.

[Er.01_019,02] Das wäre einmal eine Beschaffenheit dieser Erdrinde; eine andere besteht in einer säulenähnlichen Unterstützung, auf der die ganze obere, unfühlende Erdhaut samt ihren Meeren, Seen und Bergen ruht. Diese Säulen basieren zunächst auf der festen Erde und ziehen sich von da wie ein Gerippe auf die Oberfläche der Erde herauf, sind aber nicht also fest wie die Steine auf der Oberfläche der Erde, sondern sie haben mehr eine knorpelartige Festigkeit, welche mit einem bedeutenden Grade von Elastizität verbunden ist, was auch notwendig ist, weil sich nicht selten zwischen der fühlenden und unfühlenden Haut der Erde jene euch schon bekannten Gase bilden, welche ganz bedeutende hohle Räume machen, die äußere Erdrinde oft bedeutend emporheben, diese dann nicht selten irgend örtlich auseinandertrennen und dadurch Erdbeben und gewaltige Orkane bewirken. Wären diese vorbenannten Stützen sehr fest, dann wäre es um die Oberfläche der Erde, und noch mehr um ihre Bewohner, bald geschehen; so aber, weil diese Stützen dehnbar sind, kann da weiter nichts geschehen, als daß irgend örtlicherweise auf der Oberfläche der Erde einige Sandkörner, manchmal einige Maulwurfhügel und manchmal einige gemauerte Schneckenhäuser der Menschen einen kleinen Leck bekommen.

[Er.01_019,03] Diese dehnbaren Stützsäulen werden endlich in der unfühlenden Erdrinde derartig nach und nach fester, wie bei den Tieren die festen Knochen endlich auch in die Knorpel auslaufen, und also umgekehrt, wie nämlich die Knorpel nach und nach fester werden und endlich gar in die festen Knochen übergehen. Diese festen Knochen der Erde sind dann schon hier und da auf der Oberfläche der Erde als Urgestein ersichtlich, unter dem Namen Urkalk, auch Granit, mitunter auch Quarz. Diese Steinarten werden aber jedoch, je weiter herauf, desto mehr gemengt, somit auch desto unreiner, gröber, härter und spröder; ihre Ausläufer sind gewöhnlich die hohen Urgebirge, die sich in allen Teilen der Erdoberfläche recht deutlich von den anderen, später gebildeten Gebirgen, unterscheiden durch Form, Höhe und Masse. Die anderen Gebirge sind spätere Erscheinungen, deren Art der Entstehung euch schon bekannt ist, so wie auch, daß unter diesen Gebirgen, wie auch sonstigen Ländereien, sich unterirdische Wasserbassins vorfinden, die wieder, wie euch schon bekannt sein wird, durch eigene Säulen unterstützt sind, d. h. die Decke über diesen Bassins, damit sie natürlicherweise nicht irgend einstürze und dadurch ein großes Stück fruchtbaren Landes in einen See verwandle, was schon hie und da geschehen ist.

[Er.01_019,04] Nun wäre nur noch zu erwähnen, woher das Meer zunächst die Hauptnahrung bekommt. – Zunächst bekommt es die Hauptnahrung von den vielen Säftebehältern in der fühlenden Haut, die gewisserart die eigentliche Harnblase der Erde bilden; dann bekommt aber das Meer auch von den zuletzt besprochenen, großen Wasserbassins durch alle die großen Flüsse und Bäche einen überaus bedeutenden Zuwachs, der äußerst notwendig ist, weil die aus der eigentlichen Urinblase der Erde aufsteigende Flüssigkeit zu sehr salzig ist und ohne Beimischung des süßen Wassers bald so sehr in eine feste Masse überginge, daß an der Stelle des Meeres nichts als lauter himmelansteigende Salzberge entstehen würden, welche die Luft mit der Zeit so sehr versäuern würden, daß darob kein lebend Wesen bestehen könnte; zugleich aber würde das auch bei der Erde selbst die gefährliche Krankheit der Urinsperre bewirken, wodurch die Erde in der kürzesten Zeit in den völligen Brand überginge, dann völlig stürbe und in solchem Zustande für kein lebendes Wesen zu tragen mehr tauglich wäre, so wenig als das Polareis tauglich wäre, ein lebendes Wesen zu progenerieren und dann zu erhalten.

[Er.01_019,05] Nun wüßten wir auch das. Das Reich der Fossilien haben wir schon letzthin angezogen; so bleibt uns für die natürliche Betrachtung des Erdkörpers nichts mehr übrig als die Luft, welche die Erde in allem bis zu einer Höhe von zehn deutschen Meilen in drei hauptunterschiedlichen Sphären umgibt. Und so wollen wir nächstens diesen äußeren Teil der Erde noch durchgehen und wollen uns endlich, wenn wir den Äther werden erreicht haben, auf seinen Lichtschwingen in die Geisterwelt hinüberschwingen.