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9. Kapitel – Die Milz der Erde 554

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9. Kapitel – Die Milz der Erde
« am: Juni 12, 2011, 05:09:12 Nachmittag »
9. Kapitel – Die Milz der Erde.

14. Januar 1847

[Er.01_009,01] Bei jedem Tiere kommt nach der Lunge als eines der wichtigsten Eingeweide, welches der eigentliche Feuerherd in jedem tierischen Körper ist, die Milz in Betrachtung. Dieses Eingeweide ist zur Erhaltung des tierischen Lebens ebenso notwendig als wie das Herz, der Magen und die Lunge; denn ohne dieses Eingeweide würden die früheren tot in jedem tierischen Körper sein.

[Er.01_009,02] Ich sagte, es ist der Feuerherd im tierischen Körper. Der Feuerherd ist in jedem Hause zum Kochen der Speisen und zur Erwärmung der Zimmer das Notwendigste; mag er wie immer gestaltig aussehen, so muß er doch da sein und war auch schon das allererste Bedürfnis der Menschen, und die allerersten Menschen der Erde lernten auch das Feuer früher kennen als alles andere, und hätten sie es nicht gekannt, so hätten Kain und Abel keine Brandopfer opfern können.

[Er.01_009,03] Die Wichtigkeit eines solchen Feuerherdes, und was eigentlich ein solcher Feuerherd ist, mit einem Beispiele aus eurer neueren Zeit so recht armdick anschaulich zu machen, wollen wir einen Blick auf die gegenwärtig bestehenden sogenannten Lokomotiven werfen.

[Er.01_009,04] Sehet, eine solche Lokomotive ist sehr kunstvoll, nach menschlicher Weise genommen, eingerichtet. Füllen wir den Kessel mit Wasser, geben aber kein Feuer unterhalb auf den Herd, durch welches das Wasser in die treibenden Dämpfe zersetzt wird, so wird es sich sogleich zeigen, daß dieser ganze Mechanismus umsonst ist. Das Feuer ist somit die eigentliche Triebkraft; es setzt zuerst das Wasser in Dämpfe, und die Dämpfe greifen dann erst mit ihrer Kraft in den Mechanismus ein, und ein solcher Dampfwagen kommt dann in seine bekannte schnelle Bewegung.

[Er.01_009,05] Ähnliche, freilich wohl unendlich künstlichere Lokomotiven sind tierische Körper; aber ihr ganzer Mechanismus, der aus zahllosen Teilen und Organen besteht, wäre umsonst, wenn in ihm der Feuerherd mangeln würde. Erst dieser zersetzt alle die zu sich genommenen Nahrungsteile und treibt sie durch seine eigene Kraft in die Gefäße weiter, wo sie ins Blut übergehen, als solches dann erst zu dem Herzen und von diesem hinaus zu ihrer eigentlichen Bestimmung gelangen.

[Er.01_009,06] Dieser Feuerherd im tierischen Körper, Milz genannt, besteht darum auch aus einer eigenen, lockeren Masse, die in ihrem kreuz und quer durchflochtenen Zellengewebe vollkommen geeignet ist, das elektromagnetische Feuer in sich zu erzeugen und zu erhalten, und zwar dadurch zu erzeugen, daß sie durch eine beständige Reibung ihres Zellengewebes dieses elektromagnetische Feuer bewirkt und dann in ihren zahllosen, beutelartigen Gefäßen wie in kleinen elektrischen Flaschen aufbewahrt und gewisserart immer damit gesättigt ist, um dadurch in jedem Augenblicke den negativen Teil dem Magen und den positiven Teil dem Herzen zuzuführen.

[Er.01_009,07] Ich weiß es wohl, daß gar viele Ärzte und Naturkundige bis auf diesen Augenblick noch nicht wissen, was sie aus der Milz machen sollen, welches zu erfahren aber auch darum schwer ist, weil niemand ein Tier im lebendigen Zustande innerlich betrachten kann, um so die Milz zu erforschen, was sie tut. Ist aber das Tier einmal tot, so setzt das ja ohnehin schon lange früher den Tod der Milz voraus; aber nun sei es euch hiermit bekanntgegeben, was die Milz ist, und wozu sie dient.

[Er.01_009,08] Wir haben sonach aus dem ersehen, daß die Milz eines der notwendigsten Eingeweide im tierischen Körper ist, weil sie gleichsam die eigentliche Triebkraft für den ganzen tierischen Mechanismus in sich erzeugt, trägt und an die anderen Teile abgibt.

[Er.01_009,09] Wie aber sonach dieses ganz unbedeutend scheinende Eingeweide eines der wichtigsten im tierischen Körper ist, ebenso ist auch in der Erde selbst ein solches Eingeweide vorhanden, das da mit gleichem Rechte die Erdmilz genannt werden kann. Diese Erdmilz ist so wie bei den tierischen Körpern zunächst an den Magen angebracht, steht aber anderseits auch mit dem Erdherzen in der nächsten organischen Verbindung, und das darum, weil der Magen von dieser Milz seine Verdauungswärme und das Herz seine pulsierende Kraft aus diesem Haupteingeweide schöpfen muß, – so wie nicht minder auch die Tätigkeit der Lunge mehr oder weniger von diesem Eingeweidestücke herrührt, obschon die Lunge auch zur Hälfte eine ganz freie Bewegung hat, welche mit dem Willen der Seele verbunden ist, aus welchem Grunde besonders der Mensch willkürlich bald schneller, bald langsamer atmen kann.

[Er.01_009,10] Da demnach die Milz, auch in unserem Erdkörper eine der wichtigsten Belebungsrollen spielt, so ist es auch nicht mehr als billig, daß man diesem Eingeweidestücke eine ganz besondere Aufmerksamkeit spendet.

[Er.01_009,11] Um dieses aber auch also einzusehen, wollen wir in Kürze die Wirkungen unserer Erdmilz ein wenig durchschauen.

[Er.01_009,12] Sehet auf alle die feuerspeienden Berge der Erde! Sie sind freilich nur ganz unbedeutende Ausläufer dieser Hauptfeuerwerkstätte, können aber dessenungeachtet einen überzeugenden Anblick gewähren, wie es in unserer Hauptfeuerküche des Erdkörpers zugeht. – Das wäre eine Wirkung, die sich auf der Oberfläche der Erde bekundet.

[Er.01_009,13] Dann betrachten wir die zahllose Menge der siedendheißen Wasserquellen, die da ebenfalls ihre Erwärmung von diesem Haupteingeweide der Erde nehmen, wenn schon nicht unmittelbar, so doch mittelbar durch jene feurigen Organe, welche mit diesem Erdeingeweidestücke in innigster Verbindung stehen. Da hätten wir eine zweite Wirkung dieses Erdeingeweidestückes auf der Erdoberfläche.

[Er.01_009,14] Betrachten wir weiter die Wolken und Nebelgebilde und die Winde auch, die sie bewegen. Alles das ist ein Produkt dieses Erdeingeweides; denn dessen Hauptzentralfeuer dringt durch zahllose Organe der Erde hindurch und erwärmt diese in all ihren Teilen auf eine hinreichende Weise. Es dürfte jemand nur etwas über eine deutsche Meile tief in das Erdinnere dringen, und er würde sich überzeugen, wie mächtig schon hier dieser innere Erderwärmungsapparat wirkt. Wenn nun das Wasser in diese Tiefen dringt, so wird es bald in Dämpfe aufgelöst; diese blähen dann die Erdhaut auf und dringen dann entweder nach und nach als Gase oder Dämpfe durch die Poren, Klüfte und anderen Höhlungen der Erdrinde, erfüllen also die Luft und stören das Gleichgewicht derselben, woher dann die Winde ihre Entstehung nehmen; oder wenn diese innerlich gebildeten Wasserdämpfe und Gase manchmal zufolge einer Überfüllung einen gewaltsameren Ausweg nehmen, so wird dadurch wohl ein größeres oder kleineres Erdbeben bewirkt und in der Gegend des Ausbruches werden alles vernichtende Orkane, Wind- und manchmal auch Feuerhosen zutage gefördert. – Da hätten wir nun wieder eine dritte anschauliche Erscheinung auf der Erdoberfläche, die von diesem Erdeingeweidestücke herrührt.

[Er.01_009,15] Eben auf eine ähnliche Weise rührt die Bewegung des Meeres (doch nicht die Ebbe und Flut, sondern bloß jene wogende und stürmische), sowie auch alle die Strömungen des Meeres von eben diesem Eingeweide her. Auch das Gesalzensein des Meeres, was nur dadurch geschehen kann, wenn gewisse Substanzen zuvor durch das Feuer aufgelöst werden und dann als Salz zur Salzung des Meeres durch zahllose Organe heraufgetrieben werden, rührt daher. So rühren auch daher alle die meteorischen Erscheinungen, welche im Luftkreise der Erde zum Vorschein kommen, wie nicht minder auch alle Vegetationskraft der Erde. Nebst diesen gibt es noch eine zahllose Menge von Erscheinungen in und über der Erde, die alle von diesem Eingeweidestücke herrühren, mit deren sämtlicher Aufzählung hundert Schreiber in hundert Jahren nicht fertig würden. Daher wäre es hier auch eine höchst unzweckmäßige und lächerliche Arbeit, alle diese Erscheinungen sonderheitlich aufzuzählen und zu besprechen, und das um so unzweckmäßiger, weil alle diese Erscheinungen aus der späteren Betrachtung des geistigen Teiles ohnehin überaus leicht werden begriffen werden können. Daher ist es genug, daß wir hier diese Sache nur im allgemeinen berühren, obschon es anderseits eben auch niemandem gleichgültig sein darf, im voraus bei diesem sehr wichtigen Punkte sich eine etwas tiefere Information zu verschaffen, ohne welche er das Geistige eben nicht gar zu tief verstehen würde.

[Er.01_009,16] Wir haben nun einige Haupterscheinungen dieses Eingeweidestückes aufgezählt, und zwar aus dem Grunde, um dieses überaus wichtige Eingeweidestück desto tiefer würdigend zu begreifen; um es aber noch tiefer zu beschauen und zu würdigen, werden wir uns nächstens in dieses Eingeweidestück selbst wie persönlich begeben und werden in demselben eine recht zweckmäßige kleine Wanderung vornehmen und zugleich dahin unsere Aufmerksamkeit lenken, wie dieses Eingeweidestück gebaut ist, woher es sein Feuer und das Feuerungsmaterial bezieht.